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Neues Dokumentationssystem für Beratungszahnärzte

Eigene valide Daten generieren

Drei Termine standen zur Wahl, bei denen die rund 80 Zahnärzte und Zahnärztinnen der Zahnmedizinischen Patientenberatungsstelle Baden-Württemberg sich mit der neuen Dokumentationssoftware vertraut machen können. „Die Beratungszahnärzte von LZK und KZV sind bei der Beratung bereits Nummer eins in Baden-Württemberg. Nun geht es darum, dass sie auch in der Dokumentation den Spitzenplatz einnehmen." Wie Dr. Konrad Bühler in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Zahnmedizinischen Patientenberatungsstelle BW betonte, können mit der internetgestützten Dokumentationssoftware valide Daten generiert werden, die allen Kriterien standhalten. Die von Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung herausgegebene Software erlaubt ein Datenaufkommen, das wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden wird und so kommunizierbare Daten liefert, die allen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

Dr. Bühler machte in seiner Einführung deutlich, warum diese Software-Einführung mit einiger Eile zu geschehen hat: Auf dem „Markt“ der Patientenberatung tummeln sich neue Anbieter, nachdem die Vertragslaufzeit für die bisherigen UPD-Betreiber, u.a. der Sozialverband VdK und die Verbraucherzentralen, am 31. Dezember 2015 endete. Den Zuschlag für den Millionendeal (neun Millionen pro Jahr bei einer Laufzeit von sieben Jahren) bekam die Duisburger Firma Sanvartis, ein Dienstleister im Gesundheitswesen, der u.a. Callcenter für Krankenkassen und Pharmafirmen betreibt. Die UPD, Anlaufstelle für Patienten im Konflikt mit Ärzten, Krankenkassen oder Kliniken, wird von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen finanziert.

Interessenkonflikte werden befürchtet

Eine Interessenskollision wird nicht nur von den bisherigen Trägern befürchtet, die Bedenken haben, wenn ein privatwirtschaftliches Unternehmen und bisheriger Kassen-Dienstleister nun auch Patientenberatung anbietet. „Das Wort unabhängig ist nicht mehr angebracht", meint kurz nach der Vergabe Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Karl-Josef Laumann mahnte zu mehr Sachlichkeit in der Debatte und versicherte, dass Unabhängigkeit und Neutralität auch weiterhin Kennzeichen der UPD sein werden. Die bisherige UPD jedenfalls hat sich nicht gescheut, auch Probleme bei Krankenkassen offen anzusprechen. Nach der Neuvergabe befürchten viele Kritiker, dass wieder die Leistungserbringer, also auch die Zahnärzte, den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen.

Eine eigenständige Institution

Die Zahnmedizinische Patientenberatungsstelle Baden-Württemberg als zentrale Anlaufstelle für Patienten ist eine eigenständige Institution in Baden-Württemberg und von den Querelen nur mittelbar betroffen. Sie hat die Aufgabe, neben der allgemeine Patientenberatung und der individuellen Patientenberatung (Zweitmeinung) zur Erhaltung und Förderung der Patientenautonomie und zur Stärkung des Patienten-Zahnarzt-Verhältnisses beizutragen. Das tun die Beratungszahnärztinnen und -zahnärzte bereits seit 20 Jahren in vorbildlicher Weise. Denn die Beratung am Telefon oder bei einem persönlichen Terminen wurde zum Modellfall für andere zahnmedizinische Patientenberatungen in ganz Deutschland. Und auch das will man mit eigenen Daten untermauern.

Führung durch den Doku-Dschungel

Simone Khawaja, Leiterin der Zahnmedizinischen Patientenberatungsstelle Baden-Württemberg, hat alles aufgeboten, um zusammen mit Dr. Bühler den Doku-Dschungel begehbarer zu machen. Die zukünftigen Anwender konnten die Software besser kennenlernen, indem sie die unterschiedlichen Ebenen betraten, Datenfelder ausfüllten, Auswahllisten durchforsteten und Zweifelsfälle einordneten. In einer Art Rollenspiel am nostalgischen Bakelit-Telefon simulieren ZA Klaus Rummland, Tuttlingen, und Dr. Wolfgang Thumulka, Karlsruhe, gängige und komplizierte Beratungssituationen, deren Inhalte und statistische Daten dann das Auditorium in die Datenmasken übertrug und in die Ausklappmenüs einarbeitete. Es gab Fragen und Diskussionsbedarf, aber auch Anerkennung für diese wirklich komplexe Software. Anregungen und Änderungswünsche sowie zusätzliche Inhalte, die vor allem im Bereich Kieferorthopädie vonnöten sein werden, nehmen Simone Khawaja und Dr. Bühler mit und leiten sie an BZÄK und KZBV weiter, die dann in absehbarer Zeit eine konsentierte Fassung der Dokumentations-Software herausbringen werden.
Dorothea Kallenberg

 

Weitere Infos
 

Zahnmedizinische Patientenberatungsstelle Baden-Württemberg, 
Albstadtweg 9, 70567 Stuttgart
Website

Allgemeine Patientenberatung in allen Fragen der Zahn- und Mundgesundheit
Fon: (0800) 474 78 00 (gebührenfrei)
Jeden Mittwoch (außer an Feiertagen)
14.00 Uhr – 18.00 Uhr

Persönliche Beratung/Zweitmeinung
Terminvereinbarung unter Fon: (0800) 142 43 40
Montag bis Donnerstag
08.00 Uhr – 15.30 Uhr
Freitag
08.00 Uhr – 13.00 Uhr

Die Inanspruchnahme der zahnmedizinischen Patientenberatung ist für Patienten kostenfrei.


Rollenspiel am nostalgischen Bakelit-Telefon: ZA Klaus Rummland und
Dr. Wolfgang Thumulka simulieren gängige und komplizierte Beratungs-
situationen, die dann in die Dokumentationssoftware übertragen werden.
(Fotograf: Gottfried Stoppel)Dr. Konrad Bühler, Vorsitzender der BZK Stuttgart
(Fotograf: Gottfried Stoppel)Die Schulung der Beratungszahnärzte fand am 12. März 2016 im Zahnärztehaus Stuttgart statt.
(Fotograf: Gottfried Stoppel)