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Zahnärzteblatt Baden Württemberg Ausgabe 2/2017

Editorial

Editorial

Ausgabe 2, 2017

Titelthema. Das Wort Digitalisierung wird häufig mit dem Beginn eines neuen Zeitalters konnotiert, das mit atemberaubender Geschwindigkeit und weltumspannend Staaten, Regierungen, Politiker, Wahlkämpfe, Industrien, Firmen, Gesundheitsbereiche, zahlreiche Berufe, Menschen auf der ganzen Welt und immer mehr Maschinen „digital“ steuert.

Die Erfahrungen und Auswirkungen der Digitalisierung sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen werden zunehmend diskutiert, zunehmend seit der Kenntnis von Fake News, z. B. eingespeist bei Facebook und anderen digitalen Medien, die die öffentliche Meinung manipulieren und damit zum Fluch werden können. Digitalisierung bedeutet aber auch, insbesondere im Gesundheitsbereich, die sensiblen Daten von Arzt und Patient zu schützen. Der Datenschutz ist unerlässlich.

Was in der (Zahn-)Medizin in Diagnostik und Therapie möglich ist oder bald möglich sein wird, ist für diejenigen, die mit großem ethischen Verantwortungsbewusstsein agieren, ein Segen. Was bedeutet Digitalisierung konkret für die niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte? Sollten sie – oder müssen sie sogar – mitziehen und umsetzen was machbar ist? Antworten darauf liefert der Beitrag „Letztlich zählt das Gesamtkonzept“.

Digitalisierungsstrategie. Wie wird sich die Medizin, insbesondere die Zahnmedizin, in Zeiten des digitalen Wandels verändern? Wo liegen die Chancen, wo die Risiken? Gibt es innerhalb des Gesundheitssystems digitale Gestaltungsspielräume? Welche Rolle nimmt der Staat im Zuge der Digitalisierung ein? Das Zahnärzteblatt Baden-Württemberg wird in dieser Ausgabe das Thema Digitalisierung im Gesundheitsbereich genauer beleuchten und hat mit Manfred Lucha MdL, dem Minister für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg, einen Experten gefunden, der bei der Steuerung der Digitalisierung im Gesundheitssektor entscheidend involviert ist. In seinem Leitartikel „Telemedizin als Teil der Digitalisierungsstrategie des Landes Baden-Württemberg“ zeigt Lucha, dass durch die Digitalisierung neue Versorgungsformen möglich werden, aber auch neue Fragestellungen zum Datenschutz und zur Datensicherheit auftauchen.

Telematikinfrastruktur. Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ein dringendes Anliegen. Aus diesem Grund wurde das E-Health-Gesetz verabschiedet, um die Karte schneller auf den Weg bringen zu können. Für den Fall, dass das vorgegebene Zeitfenster für die Anbindung der (Zahn-)Arztpraxen und Krankenhäuser an die Telematikinfrastruktur für die eGK nicht eingehalten wird, sieht das Gesetz finanzielle Sanktionen für die Spitzenorganisationen in der GKV vor. Der Beitrag „eGK-Online-Rollout: Schnelligkeit vor Sicherheit“ nimmt die langjährige Entwicklung der eGK genauer unter die Lupe.

Datenschutz. Der Schutz von hochsensiblen Patientendaten ist eine große Herausforderung. Zum einen müssen das Persönlichkeitsrecht der Patienten sowie die Schweigepflicht der Ärzte und Zahnärzte gewahrt werden, zum anderen müssen die Daten so geschützt werden, dass kein Unbefugter darauf zugreifen kann. Der Beitrag „Datensicherung und Schulungen“ von Prof. Dr. Thomas Jäschke gibt wertvolle Hinweise zum Thema Datenschutz und IT-Sicherheit in der Praxis.

Digitalisierung in der MKG-Chirurgie. Durch die Digitalisierung haben sich auch Bildgebung, Operationsplanung oder intraoperative Datenverarbeitung weiterentwickelt und innovative therapeutische Möglichkeiten eröffnet. Der Beitrag „Digitalisierung in der MKG-Chirurgie“ zeigt beispielhaft am Universitätsklinikum Freiburg wie dank der Digitalisierung eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Zahnärzten, Augenärzten, HNO-Ärzten und Neurochirurgen erfolgen kann.

johannes.clausen@izz-online.de

claudia.richter@izz-online.de