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Leitartikel

Telemedizin als Teil der Digitalisierungsstrategie des Landes Baden-Württemberg

Ausgabe 2, 2017

Das Internet ist längst selbstverständlicher Bestandteil unseres Alltags, die fortschreitende Digitalisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft in schnellen Schritten. Dies gilt auch für den Gesundheitsbereich, in dem einerseits neue Versorgungsformen möglich werden, andererseits aber auch neue Fragestellungen zum Datenschutz und zur Datensicherheit auftauchen.

Es besteht bei allen Beteiligten ein breiter Konsens, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens große Chancen bietet, um die hohe Qualität der medizinischen und pflegerischen Versorgung in Deutschland sicherzustellen und weiter zu verbessern. Nicht nur für Prävention, Diagnose und Behandlung ergeben sich durch die Telemedizin neue Möglichkeiten, auch die Wirtschaftlichkeit kann sich erhöhen.

Der grün-schwarze Koalitionsvertrag räumt der Digitalisierung – auch im Gesundheitswesen – zu Recht einen hohen Stellenwert ein. Ein erfolgreicher Digitalisierungsprozess im Gesundheitswesen erfordert aber eine Kooperation und intensive Kommunikation aller betroffenen Organisationen und Verbände sowie auch mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Zweifellos bieten die digitalen Entwicklungen erhebliche Chancen für die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens, etwa bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten in strukturschwächeren Regionen: Telemedizin hat das Potenzial, die räumliche Distanz zwischen Arzt und Patient zu überwinden, den Mangel an Fachpersonal auszugleichen und somit die medizinische und pflegerische Versorgung sicherzustellen. Allerdings müssen wir uns auch bewusst machen, dass persönliche Zuwendung kaum durch Technik ersetzt werden kann.

Telemedizinische Anwendungen können außerdem dazu beitragen, die durch die demografische Entwicklung oder einen absehbaren Ärztemangel auf uns zukommenden Probleme zu bewältigen oder auch die sektorenübergreifende Versorgung zu verbessern. So kann die Telemedizin etwa bei Modellen der Therapieüberwachung oder Maßnahmen zur Steigerung der Therapieadhärenz bei chronischen Erkrankungen eine Rolle spielen.

Zunehmend gewinnen digitale Entwicklungen auch im präventiven Bereich an Bedeutung. So ist insbesondere die jüngere Generation sehr aufgeschlossen gegenüber Gesundheits-Apps oder sogenannten „Wearables“, also in die Kleidung integrierten Computersystemen. Viele jüngere Menschen nutzen diese technischen Hilfsmittel, um sich selbst zu einem gesundheitsbewussteren Verhalten zu motivieren. Digital Health eröffnet somit neue Möglichkeiten und kann einen nachhaltigen und kosteneffizienten Beitrag leisten, um die Gesundheitskompetenz der Patienten zu stärken oder auch die Selbsthilfe zu fördern. In einem im Land breit angelegten Beteiligungsverfahren werden nun zunächst konkrete telemedizinische Projekte herausgearbeitet, bei denen eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Übernahme in die Regelversorgung und damit in die Regelfinanzierung besteht. Diese Projekte werden dann auch Bestandteil der Digitalisierungsstrategie des Landes. Inhaltlich zeichnet sich ab, dass die Themen Telesprechstunde und Telekonsil mit Projekten vertreten sein könnten.

Allerdings ist nur durch die Kooperation aller Verantwortlichen für die gesundheitliche Versorgung sowie der Patientenvertretungen eine sinnvolle Nutzung der Potenziale der Digitalisierung im Gesundheitswesen möglich. Die jeweiligen Verantwortungsbereiche müssen weiterhin klar erkennbar bleiben, nicht zuletzt deshalb, um die Grundlagen für die Finanzierung einzelner Leistungen nicht aufzuweichen. Entscheidend wird aber sein, dass im Sinne einer guten Qualität der Versorgung und der Sicherung ihrer Finanzierung die Bedürfnisse kranker Menschen stets im Blick behalten und bei der Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung die telemedizinischen Möglichkeiten gemeinsam sektoren- und sozialgesetzbuchübergreifend mitgedacht werden.

Manfred Lucha MdL, Minister für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg