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Kultur

Das Museum Frieder Burda zeigt Sigmar Polke

 

Alchemie und Arabeske

Ausgabe 2, 2017

Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden wird sich vom 11. Februar an in einer Ausstellung einem der größten Bild-Erfinder und bedeutendsten Malern Deutschlands widmen. Die Ausstellung wird vor allem zwei der wesentlichen Merkmale der Arbeiten Polkes beleuchten: Alchemie und Arabeske, wie der Titel schon sagt.

Sigmar Polke (1941 – 2010) gehört zu den größten Bild-Erfindern und bedeutendsten Malern Deutschlands. Seine Werke leben von gesteuerten Zufällen und bergen geheimnisvolle Überraschungen. Sie werden von einem besonderen Wort- und Bildwitz begleitet, der alles kategorisch Strenge durchbricht.

Alchemie. Die Ausstellung im Museum Frieder Burda konzentriert sich auf zwei wesentliche Merkmale in Polkes Arbeiten. Sie rückt unter dem Aspekt Alchemie die zufällig bis chaotisch erscheinenden Bildgründe seiner Malerei in den Fokus, die durch ungewöhnliche Substanzen entstehen, was zu eigenartigen Farbverläufen führt. In anderen Werken reagieren mineralische Zusätze auf klimatische Veränderungen. Der Alchemie steht der Aspekt Arabeske gegenüber – ornamentale Liniengebilde, die Polke etwa Holzschnitten Dürers und Altdorfers entnahm. Er malte aber auch seine eigenen Handlinien oder generierte Zufallslinien.

Selbst gewählte Ordnungen. Sigmar Polke ist diesen wie zufällig erscheinenden, selbst gewählten Ordnungen auch in anderen Materialien und Medien nachgegangen. Er goss Asphaltritzen mit geschmolzenem Gold aus, fotografierte das schnörkelige Wachstum von Weinreben oder radioaktives Urangestein. Er filmte chemische Farbexperimente, sammelte fluoreszierendes Uranglas und interessierte sich für Zerrspiegel. Die Ausstellung präsentiert neben hochkarätigen Gemälden erstmals die in den USA entstandenen „Goldstücke“ sowie eine große Anzahl an Fotografien und zwei Filme, Urangestein-Fotografien, Polkes eigene Sammlung an Uranglas-Objekten, Zerrspiegel und Filmmaterial des Künstlers.

Zehn Jahre nach der Retrospektive Sigmar Polke im Museum Frieder Burda, die auf den Sammlungen Josef Froehlich, Reiner Speck und Frieder Burda basierte, soll nun auf das Werk des großen Malers unter dem Blickwinkel der „geheimnisvollen Gründe“ (für) seine(r) Malerei und der dazu elegant kontrastierenden Liniengebilde eingegangen werdeN. Die Linien werden auf recht unterschiedliche Art „gewonnen“: durch Klebebänder, durch Bildvorlagen, durch Farbverläufe oder durch Übernahme herrlicher Arabesken Dürers oder Altdorfers. Die belebten Malgründe entstehen durch die Wahl des Materials (Stoffe, Folien, Raster) wie durch chemische Prozesse.

Museum Frieder Burda/IZZ