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Titelthema

Aufstiegsfortbildung zur/zum Dentalen Fachwirt/in

 

Qualifikation zur Optimierung des Praxisbetriebs

Ausgabe 3, 2017

Die Zahnarztpraxis heute ist ein Dienstleistungsunternehmen und benötigt einen Zahnarzt, eine Zahnärztin und eine/n Geschäftsführer/in mit betriebswirtschaftlichem Knowhow. Mit der neuen Aufstiegsfortbildung zur/zum Dentalen Fachwirt/in werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Sach- und Organisationsaufgaben innerhalb des Unternehmens Zahnarztpraxis und zur selbständigen Planung und Bearbeitung umfassender beruflicher Aufgabenstellungen qualifiziert. Der Pilotkurs am Zahnmedizinischen Fortbildungszentrum Stuttgart startet 2018.

Das neue von der Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg im Dezember 2015 beschlossene Fortbildungsangebot stellt die konsequente Fortführung der Angebote im Verwaltungsbereich dar und erweitert die bestehende Fortbildungslandschaft der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg für Zahnmedizinische Mitarbeiter/ innen. Die/der Dentale Fachwirt/ in ist das Pendant zur/zum Dentalhygieniker/ in als höchste Ebene des stufenweisen modularen Fortbildungssystems im Bereich der Verwaltung. Beide Fortbildungen sollen auf Level 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (EQR) verortet werden.

Hintergrund Akademisierung. Dass sich Veränderungen bei der Aufstiegsfortbildung derzeit vor allem „am oberen Ende“ konzentrieren, ist der Tatsache geschuldet, dass „seitens der Politik unter dem Stichwort Akademisierung gerade Veränderungen in diesem oberen Bereich der Qualifikation gefordert werden“, sagt ZFZ-Direktor Prof. Dr. Johannes Einwag, der die neue Aufstiegsfortbildung mit großem Aufwand mit seinem Team im ZFZ Stuttgart nach der verabschiedeten Fortbildungsordnung konzipiert hat. „Im Alltag werden jedoch genügend Mitarbeiter auch am unteren Ende der Fortbildungsleiter qualifiziert“, betont Prof. Einwag.

Anwendungsbezogen. „Das BWL-Knowhow der Fortbildung ist innerhalb der Ausbildung sowohl von Zahnärzten als auch zahnmedizinischen Mitarbeitern ziemlich einzigartig“, erklärt Prof. Einwag. „Es geht um wesentlich mehr als um Abrechnung und Management. Vermittelt werden vertiefende Kenntnisse, um den Chef beim Führen des Betriebes zu unterstützen“. Um diese Kenntnisse zu vermitteln, wartet das Zahnmedizinische Fortbildungszentrum Stuttgart mit einem Pool an renommierten Professoren auf, die in insgesamt zwölf Modulen die Grundlagen von Mathematik, Informations- und Kommunikationstechnologie, Buchführung, Statistik, Recht, Volkswirtschaftlehre und allgemeine, spezielle sowie strategische und praxisbezogene Betriebswirtschaftslehre vermitteln. „Es geht um die anwendungsbezogene Umsetzung und darum, betriebswirtschaftliche Arbeitsabläufe gesamtheitlich zu koordinieren“, betont Prof. Einwag. Die Termine der Module und Prüfungen sind praxisund abrechnungsfreundlich gewählt worden. Einmal im Monat finden die Präsenzveranstaltungen im ZFZ Stuttgart statt.

Mehr Lebensqualität. Zahnmedizinische Verwaltungsassistent/in (ZMV) oder ein gleichwertiger Abschluss sind Zugangsvoraussetzung für die neue Aufstiegsfortbildung. Das ZFZ Stuttgart wird jede Anmeldung individuell auf Zulassung prüfen. Spezielle Praxisvoraussetzungen gibt es ebenfalls nicht – im Blick ist eher die größere Praxis, aber grundsätzlich ist das vermittelte Wissen für jede Praxis heutzutage unersetzlich. Die/der Dentale Fachwirt/ in wird den Praxisinhaber in jeder Hinsicht entlasten und damit mehr Lebensqualität ermöglichen, weil sie/er dem Praxisinhaber ermöglicht, sich auf die Behandlung der Patientinnen und Patienten zu konzentrieren.

Nach dem Pilotkurs 2018 wird geprüft, ob die Fortbildung bzw. einzelne Kombinationen von Modulen eventuell für einen erweiterten Teilnehmerkreis geöffnet werden. „Die Fortbildung wird aber immer eine Aufstiegsfortbildung bleiben“, so Prof. Einwag, der sämtliche Maßnahmen im Rahmen der Aufstiegsfortbildung seitens der Kammer als Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Berufsbildes der Zahnmedizinischen Fachangestellten einordnet. „Das ist im Interesse des Berufsstandes.“

Aufstieg mit Förderung. Zahnmedizinische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für die neue Aufstiegsfortbildung entscheiden, dürfen mit einer Förderung rechnen. Nach dem Aufstiegsfortbildungsfördergesetz (AFBG), das berufliche Aufstiegsfortbildungen von Handwerkern (deshalb „Meister- Bafög“) und anderen Fachkräften erleichtert, werden die Kursund Prüfungsgebühren von 9900 Euro bzw. 750 Euro mit einem Zuschuss bis zu 40 Prozent gefördert. Eine Basisförderung erhält jeder – unter bestimmten individuellen Voraussetzungen, wie beispielsweise Familienstand oder Einkommen, sind weitere Zuschüsse möglich.

Jetzt planen und 2018 starten. Der Pilotkurs startet 2018 – bis dahin bleibt noch genügend Zeit, den Aufstieg in Ruhe zu planen und sich in der Praxis entsprechend zu organisieren.

Nach dem Scannen des QRCodes können Sie sich in der Broschüre des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart über die neue Aufstiegsfortbildung informieren. Alle weiteren Informationsquellen entnehmen Sie bitte dem Infokasten.

mader@lzk-bw.de



Interview

Die neue Aufstiegsfortbildung

„Wir erwarten eine große Resonanz”

Die neue Aufstiegsfortbildung zur/zum Dentalen Fachwirt/in ist in Deutschland bisher einmalig. Ordnen Sie bitte die neue Aufstiegsfortbildung in die bereits vorhandene Modulstruktur der baden-württembergischen Aufstiegsfortbildung ein. Welchen Stellenwert nimmt sie ein?

Dr. Stoll: Die bestehenden Aufstiegsfortbildungen in der Verwaltung sind nicht mehr ausreichend. Künftig werden mehr Mitarbeiter/innen benötigt, die die Bereiche Betriebswirtschaft, Personal, Praxis- organisation, Steuern, Controlling, Strategie, Planung, Kennzahlen, Management, etc. qualifiziert abdecken und für die/den Praxisinhaber/in unterstützend tätig sind. Dadurch hat diese Aufstiegsfortbildung einen sehr hohen Stellenwert, entsprechend ihrem Äquivalent auf der Assistenzschiene, der DH-Professional. Die Fortbildung „Dentale/r Fachwirt/in“ vermittelt dabei branchenbezogene Kenntnisse im Vergleich zu den allgemeinbezogenen Kenntnissen eines Betriebswirtes.

Zulassungsvoraussetzung für die neue Aufstiegsfortbildung ist eine erfolgreich abgeschlossene ZMV-Abschlussprüfung. Von welchem potenziellen Teilnehmerkreis für die neue Aufstiegsfortbildung sprechen wir demnach? Wen wollen Sie ansprechen? Rechnen Sie mit Anmeldungen aus anderen Bundesländern?

Dr. Stoll: Die Aufstiegsfortbildung „Dentale/r Fachwirt/in“ ist insbesondere und in erster Linie für die zu Zahnmedizinischen Verwaltungsassistentinnen (ZMV) fortgebildeten Mitarbeiter/innen konzipiert worden. Sie richtet sich also an die Verwaltungsfachkräfte der Zahnarztpraxis. Sicherlich wird die/ der Dentale Fachwirt/ in eher in größeren Praxen benötigt. Die Ausschreibung zur Fortbildung erfolgt in ganz Deutschland und hier erwarten wir eine große Resonanz, da es sich um ein bundesweit bislang einzigartiges Fortbildungsangebot handelt.