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Berufspolitik

Landeskongress Gesundheit 2017

 

Zusammenarbeit ist unverzichtbar

Ausgabe 3, 2017

„Aktive Versorgungssteuerung – Wie sehen die Behandlungsprozesse der Zukunft aus?“ war das Thema des zweiten Landeskongresses Gesundheit Baden-Württemberg, der Ende Januar in Stuttgart stattfand. Unter der Regie der Bezirksärztekammer (BÄK) Nordwürttemberg hatten sich Vertreter verschiedener Interessengruppen im Gesundheitswesen zusammengefunden, um „produktiv zu arbeiten“, wie es sich BÄK-Präsident Dr. Klaus Baier wünschte. Das Publikum war aufgefordert, aktiv teilzunehmen und auf digitalem Weg Fragen an die Vortragenden zu stellen. Für den direkten Austausch gab es im „World Cafe“ Gelegenheit. Netzwerken war erwünscht, auch mit dem Ziel, gemeinsam neue Ansätze zu finden und den Landeskongress als „Ideenschmiede“ für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens zu etablieren.

„Wir haben es mit einem hochkomplexen und ebenso komplizierten System zu tun, das der Einzelne nur noch schwer durchschauen kann“, beschrieb Dr. Klaus Baier das Gesundheitswesen. Der Vorwurf, es sei zu teuer und ineffektiv, treffe nicht zu. Vielmehr bewege es sich auf „höchstem Niveau“ und sei für unsere Verhältnisse sogar preiswert. Aber viele Jahre „der Überregulierung und Bürokratisierung, des Sparwahns, der Überforderung, und der Ausbeutung der dort Tätigen“ machten es notwendig, zukunftstaugliche und konsensfähige Lösungen zu entwickeln. „Das wird nicht einfach“, so der BÄK-Präsident. „Da heißt es: über Schatten springen, Kröten schlucken, Mut haben.“

Anliegen. Mit drei Botschaften wandte sich Bärbl Mielich, Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Soziales und Integration, an die rund 250 Zuhörer: „Wir brauchen endlich eine sektorenübergreifende Versorgung.“ Ihre zweite Botschaft: „Wir müssen wegkommen von einer arztzentrierten Versorgungsstruktur.“ Mit ihrem dritten Anliegen traf sie den Nerv der Zeit: „Wir müssen natürlich den Weg der Digitalisierung gehen.“ Zwei eindrucksvolle Beispiele, wie dies in der Praxis aussehen könnte, schlossen sich unmittelbar an: Irmtraut Gu?rkan, stv. Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Heidelberg, erläuterte das Konzept einer „besseren Versorgung durch vernetzte Strukturen“. Prof. Dr. Matthias Schwab, Leiter des Dr. Margarete Fischer-Bosch-Instituts fu?r Klinische Pharmakologie in Stuttgart, sprach u?ber die „Stärkung der ambulanten Patientenversorgung mittels innovativer telemedizinischer Ansätze“.

Eine Art Rundumblick lieferte Lutz Stroppe, Staatssekretär im BMG, der in Vertretung von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe erschienen war. Auch er sieht Handlungsbedarf hinsichtlich der sektorenübergreifenden Versorgung, wobei er nicht nur Arztpraxen und Krankenhäuser, sondern auch Pflege- und Reha-Einrichtungen im Blick hat.

Nachfrage. Als größtes Hindernis im Bereich Pflege beklagte Stroppe den Mangel an Kräften und berichtete in diesem Zusammenhang von dem wenig erfolgreichen Versuch, die Akademisierung in den nichtärztlichen Gesundheitsberufen voranzutreiben: So habe es das BMG ermöglicht, in den Universitäten Modellstudiengänge einzurichten. In fünf Jahren sei dies lediglich in einem einzigen Fall, nämlich von der Universität Halle, umgesetzt worden.

Stroppe berichtete über den aktuellen Stand beim aus GKV-Mitteln finanzierten Innovationsfonds, der in den Jahren 2016 bis 2019 jährlich 300 Millionen Euro für die Förderung neuer Versorgungsformen (225 Millionen) und die Förderung der Versorgungsforschung (75 Millionen) zur Verfügung stellt. Ein wichtiges Kriterium für die Genehmigung der über 60 Projekte, die aus 550 Förderanträgen ausgewählt wurden, sei die Perspektive, dass diese später in die Regelversorgung überführt werden könnten.

Datenverkehr. Auch im Bereich Telemedizin habe man den „Durchbruch in Richtung GKV“ versucht. Die Telematikinfrastruktur sei ein wichtiger Teil, „aber drum herum muss mehr geschehen“, so der Staatssekretär. Es müsse zu einer Selbstverständlichkeit werden, über räumliche Entfernungen hinweg miteinander zu kommunizieren, wie es zum Beispiel in dem von Irmtraut Gu?rkan vorgestellten Projekt realisiert wurde. Wenn die Kommunikation hier und auch über sehr große Entfernungen möglich ist, so Stroppe, „dann sollten wir versuchen, es auch in Deutschland hinzubekommen“.

Dass angesichts dieser Entwicklungen Diskussionsbedarf besteht, machten vor allem die Fragen der Teilnehmer deutlich. „Wie stehen Sie zur Telediagnostik in dem Ausmaß, dass die Beurteilung von radiologischen Aufnahmen im Akkord in indischen Kliniken zu günstigen Preisen in europäischen Nachtzeiten im großen Stil durchgeführt wird?“, fragte einer der Zuhörer, der zu bedenken gab, dass „irgendwann eine ärztliche, diagnostisch arbeitende Berufsgruppe in ihrer Existenz bedroht“ sein könnte. Hier seien, gegebenenfalls auch gesetzlich, klare Grenzen für Verlagerungsmöglichkeiten zu setzen, erklärte der Staatssekretär. Gleichzeitig sei die Sicherheit der Ergebnisse zu gewährleisten: „Wir werden gerade in der Bundesrepublik Deutschland keine Akzeptanz für Digitalisierung finden, wenn wir nicht auch für die Sicherheit der Daten sorgen.“

Die deutschen Ansprüche an Datensicherheit sind vergleichsweise hoch, was Stroppe mit einem Hinweis auf die Gegebenheiten in Österreich illustrierte. Er erinnerte an den Hackerangriff auf die Internetrouter der Telekom in Deutschland im vergangenen November, der Hunderttausende Geräte zum Absturz brachte. Während hierzulande für das Gesundheitswesen eigens gesicherte Kommunikationskanäle innerhalb der Telematikinfrastruktur geschaffen wurden, sind in den Arztpraxen unseres Nachbarlands laut Stroppe genau diese angreifbaren Standardrouter im Einsatz.

GKV-SVSG. Auch die aktuelle Politik beschäftigte die Anwesenden. Stroppe hatte zwar das in den vorangegangenen Wochen viel diskutierte Thema „Selbstverwaltungsstärkungsgesetz“ bewusst aus seinem Keynote-Vortrag herausgehalten. Jedoch nutzte Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW, die Möglichkeit, digital nachzufragen, ob die Ausweitung der Prüfrechte des Bundesrechnungshofs, die ursprünglich im Gesetzentwurf enthalten war und nach Protesten der Selbstverwaltung in letzter Minute gestrichen wurde, endgültig vom Tisch sei (siehe nebenstehende Abbildung).

Stroppe versicherte: „Beim Bundesrechnungshof haben Sie mich auf Ihrer Seite.“ Die eigentliche Frage könne er aber nicht beantworten; diese werde zunächst auf parlamentarischer Ebene diskutiert. Es würde nun darum gehen, zusammen mit Mitgliedern des Haushaltausschusses ins Gespräch zu kommen, um zu sehen, wie man mit dem Maßgabebeschluss weiter umgehe. „Es gibt beim Thema ,Ausweitung der Prüfrechte‘ also keinerlei Entwarnung“, so das Resümee von Dr. Ute Maier. Die Zahnärzteschaft werde weiterhin dagegen ankämpfen.

schildhauer@meduco.de

 

Versorgungssteuerung

 

Das alte System stößt an seine Grenzen

Ausgabe 3, 2017

Wird es die freie Arztwahl in zehn Jahren noch geben? Rund zwei Drittel der Besucher des Landeskongresses Gesundheit Baden- Württemberg zeigten sich davon überzeugt, wie die Abstimmung per Handy ergab. Dies war auch die vorherrschende Meinung auf dem Podium, wo Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenkassen das Thema „Versorgungssteuerung“ diskutierten. Die Bedeutung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient wurde immer wieder unterstrichen – gleichzeitig war man sich aber weitgehend einig, dass das System ohne die Steuerung ärztlicher Inanspruchnahme an seine Grenzen stößt.

Die deutlichsten Worte auf die Frage nach dem Fortbestand der freien Arztwahl fand Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der KVBW, der „gegen den Mainstream“ argumentierte: „Die freie Arztwahl kann es gar nicht geben. Das System steht finanziell und organisatorisch vor dem Kollaps.“ Heute behandle der deutsche Hausarzt pro Woche 250 Patienten und habe dafür jeweils neun Minuten Zeit. Und warum? „Weil jeder da hingehen kann, wo er will.“ Würde die freie Arztwahl in der heutigen Konstellation bis 2050 fortbestehen, lägen die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung bei – unmöglichen – 40 Prozent.

Steuerung. Die freie Arztwahl dürfe man nicht mit Beliebigkeit verwechseln, so Dr. Christopher Hermann. „Wir sind natürlich schon viel weiter in Baden-Württemberg“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der AOK BW und verwies auf die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV), für die sich allein bei der AOK BW 1,5 Mil- Unisono. Hinsichtlich der Notwendigkeit einer Steuerung lagen die Teilnehmer der Podiumsdiskussion nicht weit auseinander. Von links: Detlef Piepenburg, Dr. Norbert Metke, Dr. Ulrich Clever, Siegfried Euerle, Moderatorin Hendrike Brenninkmeyer, Andreas Vogt, Dr. Gertrud Prinzing, Dr. Christopher Hermann und Winfried Plötze. lionen Versicherte entschieden hätten. Die wissenschaftliche Evaluation habe ergeben, dass es im Gegensatz zur Regelversorgung zu 40 Prozent weniger unkoordinierten Facharztkontakten komme. Man brauche eine freie Arztwahl, um den Arzt des Vertrauens zu finden. „Aber dann bin ich im System unterwegs und habe jemanden, der mich dort verantwortlich leitet“, so Hermann. „Und das ist der hochqualifizierte Hausarzt.“

Dass es zunächst darauf ankommt, einen Arzt des Vertrauens zu finden – diese Ansicht teilte auch Dr. Ulrich Clever, Präsident der LÄK BW. Je älter der Patient werde, desto wichtiger sei das Vertrauensverhältnis. Es habe sich gezeigt: Je mehr Erfahrung der Arzt mitbringe, desto weniger Diagnostik – und damit Kosten – veranlasse er, „weil er eben die Beratung so macht, dass sie auch angenommen wird“. Er sei „ein bisschen skeptisch“, dass dies in Zukunft Sache der Krankenkasse sei. „Deswegen ist das Case Management aus meiner Sicht bei den Ärzten zu verorten, und zwar bei den Primärärzten, die diese Vertrauensstellung haben.“

Lotsen. Dr. Gertrud Prinzing, Vorständin bei der Bosch BKK, unterstrich die Notwendigkeit einer integrierten Versorgung, zu der medizinisch geschulte Mitarbeiter der Krankenkasse, die Patientenberater, wesentlich beitragen könnten. Diese hätten nicht den Anspruch, den Arzt zu ersetzen, sondern ihn zu unterstützen. Die Integration der verschiedenen Versorgungselemente in einen gemeinsamen Versorgungspfad führe zu einer besseren Versorgung und sei „am langen Ende“ auch wirtschaftlich. Auch Siegfried Euerle, Vertragsgebietsleiter der DAKGesundheit BW, brach eine Lanze für die Krankenkassen, die „Kümmerer“ im System. Für Patienten stünden Ansprechpartner bereit, die durch den Dschungel der Angebote führten.

Nach Ansicht von Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung BW, wird das Gesundheitssystem in zehn Jahren anders aussehen und digitale Angebote für Patienten bereithalten. Ausgehend von Symptomatik, Laborbefunden und Informationen, die über Video- und Chatsysteme übermittelt würden, könnten dem Patienten elektronisch Empfehlungen für die Wahl des für seine Erkrankung kompetentesten Arztes gegeben werden. Und diesen werde er auch wählen, „weil er die beste Behandlung haben möchte“.

Wandel. Auch Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer BW, rechnet mit deutlichen Veränderungen der Versorgungslandschaft, insbesondere im ländlichen Raum. Selbst wenn der Anspruch auf freie Arztwahl bestehen bleibe, könne er wohl nicht überall eingelöst werden. Plötze plädierte für eine stärkere Vernetzung der Akteure und eine gemeinsame Anstrengung zur Bereinigung der Probleme. So sollte das Thema sektorübergreifende Versorgung offen diskutiert werden, „ohne dass wir gegenseitig versuchen, uns die Claims wegzunehmen oder die Versicherten zu instrumentalisieren“.

Mit dem Sektorübergreifenden Landesausschuss sei man auf dem richtigen Weg, fand auch Detlef Piepenburg, Vorsitzender der baden-württembergischen Krankenhausgesellschaft. Es gelte, die Möglichkeiten weiterzuentwickeln: „Wir müssen alles nutzen bis hin zur Telemedizin, um ein optimales Versorgungsangebot zu stricken. Die Patienten werden es letztlich annehmen, wenn sie Vertrauen ins System haben.“

schildhauer@meduco.de

 

Klausurtagung von Vorstand, VV-Vorsitzendem und Landesbeirat

 

KZV BW: Gemeinsamer Start in die Zukunft

Ausgabe 3, 2017

Die gemeinsamen Ziele für die beginnende Amtperiode der KZV BW standen im Mittelpunkt der Klausurtagung des Vorstands, des Vorsitzenden der Vertreterversammlung und des Landesbeirats der KZV BW, die zum Auftakt der neuen Legislatur (Amtszeit 2017 – 2022) Anfang Februar in Stuttgart stattfand. Die ergebnisorientierte Zusammenarbeit von Ehrenamt und Hauptamt zum Wohle des Berufsstandes ist ein starkes Zeichen der aktiv agierenden und bestens aufgestellten KZV BW. „Dieses Miteinander macht unsere KZV stark“, so Dr. Dr. Alexander Raff, Vorsitzender der Vertreterversammlung.

Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier legte dem Landesbeirat zusammen mit ihren Stellvertretern Ass. jur. Christian Finster und Dipl.-Volksw. Christoph Besters die Agenda 2017 der KZV BW „Die Zukunft ist da… Wir arbeiten daran, mit Vernunft und Sorgfalt...“ vor und berichtete, dass der Vorstand die Hauptverwaltung personell durch Florian Wahl als Leiter der neuen Stabsstelle Politik verstärkt habe. Die KZV BW werde mit politischer Stimme agieren und die Gespräche und Kontakte nutzen, um den Spielraum der Selbstverwaltung zum Wohle der Mitglieder und der Bevölkerung zu erhalten.

Der Landesbeirat als Gremium der Selbstverwaltung, bestehend aus den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Bezirksgruppen, trägt dazu bei, dass die Zahnärzteschaft breit und frühzeitig in die Entscheidungen ihrer KZV eingebunden ist: „Das Miteinander von Vorstand und Landesbeirat ist eine Bereicherung für alle Beteiligte“, erklärte der Sprecher des Landesbeirats Dr. Uwe Lückgen. „Die Würdigung und Beteiligung des Ehrenamts ist dem Vorstand auch in der neuen Legislatur ein wichtiges Anliegen“, betonte Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier.

Resolution. Während der Klausurtagung haben sich die Teilnehmer bewusst mit einer Resolution zum im Bundestag verabschiedeten GKVSelbstverwaltungsstärkungsgesetz (GKV-SVSG) positioniert. Der Vorstand, der Vorsitzende der Vertreterversammlung und der Landesbeirat der KZV BW betonen, dass das Gesetz trotz zahlreicher Nachbesserungen kontraproduktiv und schädlich sei. Es sei von generellem Misstrauen gegenüber der Selbstverwaltung geprägt. Und weiter: „Es darf nicht sein, dass ein Berufsstand – wegen vereinzelter Verfehlungen eines anderen Berufsstandes – kollektiv zur Verantwortung gezogen wird.“ Insgesamt sei zu beklagen, dass staatliche Eingriffe ohne die notwendige Differenzierung stetig zunehmen.

Der Änderungsantrag von CDU/ CSU und SPD hätte eine Ausweitung der Prüfrechte des Bundesrechnungshofes auf die KVen und KZVen der Länder bedeutet. „Das Absetzen dieses Antrages ist ein Erfolg des begründeten Protests aus der Selbstverwaltung“, so Vorstand, VV-Vorsitzender und Landesbeirat in der Resolution. Die frühzeitige Intervention des Vorstandes bei den baden-württembergischen Mitgliedern des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag und bei Landesgesundheitsminister Manfred Lucha MdL wurde ausdrücklich begrüßt, ebenso die persönliche Intervention des Vorstandsvorsitzenden bei Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Lutz Stroppe. Dabei wurde deutlich, dass es beim Thema „Ausweitung der Prüfrechte“ keine Entwarnung gibt. Es sei mit weiteren Versuchen der Ausweitung der Prüfrechte des Bundesrechnungshofes zu rechnen.

Die KZV BW wird weiterhin gegen dieses Ansinnen ankämpfen und bei jeglichem Versuch, dieses wieder aufzunehmen, bei politischen Vertretern auf Landes- und Bundesebene intervenieren, versichern Vorstand, VV-Vorsitzender und Landesbeirat.

Hintergrund. Der Gesetzgeber schränkt mit dem GKV-SVSG massiv den Gestaltungsspielraum der gewählten Organe der Selbstverwaltung ein. Die Selbstverwaltung ist aber ein bewährter und fester Bestandteil des sozialen und demokratischen Rechtsstaates in der Bundesrepublik Deutschland. Das gilt auch für die Selbstverwaltung der Freien Berufe. Diese wird von zwei Seiten bedroht: Auf der einen Seite verlangt die EU-Kommission den wissenschaftlichen Nachweis hinreichend untermauerter Rechtfertigungsgründe für die berufsständische Selbstverwaltung in Deutschland. Auf der anderen Seite wird die Selbstverwaltung der Freien Berufe durch nun verstärkte Regulierungen der Bundesebene noch stärker unter staatliche Kuratel gestellt werden.

florian.wahl@kzvbw.de

 

 

Hauptamt und Ehrenamt

Gemeinsam zielstrebig

Der Landesbeirat berät den Vorstand und die Vertreterversammlung der KZV BW. Der Vorstand entwickelt das Konzept für die strategische Ausrichtung der KZV BW. Die Entscheidung über die strategische Ausrichtung obliegt der Vertreterversammlung. Der Vorstand der KZV BW besteht aus: Dr. Ute Maier (Vorsitzende des Vorstandes), Ass. jur. Christian Finster (stv. Vorsitzender des Vorstandes) und Dipl.-Volkswirt Christoph Besters (stv. Vorsitzender des Vorstandes). Vorsitzender der Vertreterversammlung ist Dr. Dr. Alexander Raff, sein Stellvertreter ist Dr. Ulrich Jeggle. Der Landesbeirat besteht aus den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Bezirksgruppen Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen. Der Vorsitzende der Vertreterversammlung nimmt mit beratender Stimme an den Sitzungen teil.

Die Mitglieder des Landesbeirates wählen aus ihrer Mitte einen Sprecher und einen stellvertretenden Sprecher. Für die Legislatur 2017 bis 2022 sind gewählt: als Sprecher Dr. Uwe Lückgen, Bezirksgruppe Karlsruhe, und als stellvertretender Sprecher Dr. Hans Hugo Wilms, Bezirksgruppe Freiburg. Mitglieder des Landesbeirates sind: Dr. Uwe Lückgen (Sprecher, Vorsitzender der Bezirksgruppe Karlsruhe), Dr. Bert Bauder (stv. Vorsitzender der Bezirksgruppe Karlsruhe), Dr. Hans Hugo Wilms (stv. Sprecher, Vorsitzender der Bezirksgruppe Freiburg), Dr. Gudrun Kaps-Richter (Vorsitzende der Bezirksgruppe Stuttgart), Dr. Uwe Rieger (stv. Vorsitzender der Bezirksgruppe Stuttgart), Dr. Wilfried Forschner (Vorsitzender der Bezirksgruppe Tübingen), Dr. Dr. Heinrich Schneider (stv. Vorsitzender der Bezirksgruppe Tübingen).

KZV BW

 

Begegnungen 2017 im Zahnärztehaus Freiburg

 

Freiberuflichkeit in gesellschaftlicher Verantwortung

Ausgabe 3, 2017

„Die Sicherung der zahnmedizinischen Gesundheitsvorsorge liegt im Interesse aller Bürger und ist wesentlicher Bestandteil der Gemeinwohlverpflichtung des Berufsstandes.“ Ein Kernsatz, vorgetragen von Christoph Besters, stellvertretender Vorsitzender der KZV BW, der in seiner Ansprache vor über 100 geladenen Gästen subtil die staatlichen Eingriffe in Selbstverwaltung und Freiberuflichkeit analysierte.

Begegnungen 2017 – traditioneller Treffpunkt zu Beginn eines jeden Jahres für Verantwortungsträger in den Selbstverwaltungen, in Kammer und KZV sowie Gästen der dentalen Familie im Zahnärztehaus Freiburg. Abgerundet wurden die Begegnungen 2017 durch einen bemerkenswerten Vortrag von Florian Mehnert zum Thema Big Data und Ehrungen durch Dr. Peter Riedel für verdiente Kollegen, die sich über viele Jahrzehnte in der Selbstverwaltung erfolgreich engagierten.

Selbstverwaltung. Christoph Besters betonte, dass „die Grundlage für die aktive und innovative Entwicklung des Berufsstandes eine funktionierende Selbstverwaltung“ sei. Die Selbstverwaltung habe zwar den Auftrag, die Interessen der Zahnärzteschaft wahrzunehmen, aber sie „könne nur unter Beachtung der Gemeinwohlorientierung umgesetzt werden“. Das bedeute weiter, dass die „Freiberuflichkeit in ihrer Umsetzung somit in erster Linie das Tragen von Verantwortung und die Schaffung von Vertrauen in den Berufsstand ist“. Christoph Besters zeigte jedoch Entwicklungen auf nationaler und europäischer Ebene auf, die die Freiberuflichkeit und die Selbstverwaltung gefährden. Er verwies auf die Europäische Kommission, die zu Beginn dieses Jahres mehrere Gesetzesvorschläge präsentiert habe, die u. a. eine „Prüfung der Verhältnismäßigkeit von Berufsregeln“ vorsehe. Die Europäische Kommission sieht nationale Regelungen als Hindernis, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Berufsregeln dienen nach Auffassung von Kammer und KZV „vielmehr dem Patienten- und Verbraucherschutz sowie der Sicherstellung eines hohen Qualitätsniveaus“. Darüber hinaus gibt es nicht nur auf europäischer Ebene Überlegungen, Gebührenordnungen infrage zu stellen, führte Besters weiter aus. Er erinnerte an das Papier der Friedrich-Ebert-Stiftung, an dem u. a. die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis MdB aus Baden- Württemberg, mitgewirkt hat und der Bürgerversicherung „mit einem einheitlichen Bewertungssystem ärztlicher Leistung“ wider das Wort redete. „Eine GOÄ-Reform unter Federführung der SPD würde damit in die Einheitsversicherung führen“, ist sich Christoph Besters sicher. Darüber hinaus streifte Besters das GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz, das eher die „Zwangsverwaltung als die Stärkung der Selbstverwaltung im Auge hat“. Sein Appell: „Die Politik muss zu einer von Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägten Kultur des Umgangs mit der Selbstverwaltung zurückkehren.“ Seit Jahren bestimme das Motiv einer immer strengeren Regulierung unser Gesundheitswesen. Deswegen gelte es mehr denn je, für die Selbstverwaltung des Berufsstandes und die Freiberuflichkeit einzutreten.

Digitalisierung. Ein weiteres Thema, das bei Christoph Besters‘ Analyse der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen für Kliniken und Praxen nicht fehlte, galt der Digitalisierung. Das hier im ZBW vorzustellen, sprengte den Rahmen (Anm. der Red.: siehe auch die Kolumne von Florian Mehnert auf S. 17).

Die BZK Freiburg und die KZV BW, Bezirksdirektion Freiburg, laden nunmehr seit 2009 gemeinsam zum Neujahrsempfang unter dem Motto „Begegnungen“ ein. Zu Begegnungen gehört auch, dass eine markante Persönlichkeit über gesellschaftlich relevante aktuelle Themen referiert. Gekonnt leitete Dr. Peter Riedel, Vorsitzender der BZK Freiburg, zum Festvortrag von Florian Mehnert über. „Google weiß, wann man die Grippe hatte und nennt unser nächstes Urlaubsziel; WhatsApp weiß, mit wem wir kommunizieren. YouTube weiß, welche Videos wir betrachten, und Instagram kennt unser gepostetes Leben. Facebook kennt alle unsere Freunde, und Amazon weiß schon heute, was wir morgen kaufen werden.“ Vor diesem Hintergrund konnte Florian Mehnert, der sich als „postmedialer Konzeptkünstler“ einen Namen machte und dessen Werke sich in öffentlichen Sammlungen wie der Staatsgalerie in Stuttgart finden, den Blick des Auditoriums auf die Krake Big Data lenken, die er in zahlreichen Vorträgen an Universitäten und Museen im In- und Ausland beleuchtet.

Fazit: Begegnungen 2017 – ein Wort mit vielen Facetten, Persönlichkeiten der Selbstverwaltung, die sich austauschen können, die neuen Schwung holen, um den Herausforderungen im politischen Umfeld, zumal vor der Bundestagswahl, zu begegnen. Begegnung heißt aber auch, sich mit aktuellen und neuen Themen auseinanderzusetzen, wie heuer Big Data. Florian Mehnert hat es in vorbildlicher Weise verstanden, unprätentiös, sachlich das Thema Big Data zu bearbeiten sowie die Teilnehmer für die Herausforderungen, die heutzutage Social-Media- Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram u. a. darstellen, zu sensibilisieren. Begegnungen heißt aber auch, Freude am kollegialen Austausch zu fördern und Mut und Zuversicht für die berufspolitischen Ziele zu vermitteln, was Christoph Besters und Dr. Peter Riedel zusammen mit der Kollegenschaft hervorragend gelungen ist.

johannes.clausen@izz-online.de

 

Neujahrsempfang der BZK Stuttgart

 

Selbstverwaltung funktioniert

Ausgabe 3, 2017

Die Bezirkszahnärztekammer Stuttgart lud Ende Januar 2017 zum ersten Mal im Namen des neuen Vorstands zum Neujahrsempfang ins Stuttgarter Zahnärztehaus. Nachdem Dr. Konrad Bühler die Gäste über viele Jahre hinweg auf die Ziele des neuen Jahres eingestimmt hatte, übernahm nun der neue BZK-Vorsitzende Dr. Eberhard Montigel die Rolle des Gastgebers und Kommunikators. Er skizzierte die Zielsetzung für die neue Amtszeit: Eine aktive Kammer mit einer verantwortungsvollen und gut funktionierenden Selbstverwaltung in Zeiten einer von außen zunehmenden Regulierungsdichte auf die Zahnärzteschaft.

In diesem Jahr waren die Zusagen zum Neujahrsempfang besonders zahlreich, schließlich bekamen die geladenen Gäste zum ersten Mal die Gelegenheit, den neuen BZKVorstand näher kennenzulernen. Vonseiten der Zahnärzteschaft Baden- Württemberg waren so gut wie alle Ehrenamtsträger mit Rang und Namen präsent. Zudem war der Neujahrsempfang auch politisch hochkarätig besetzt, denn es hatten sich die gesundheitspolitischen Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Petra Krebs MdL, Rainer Hinderer MdL von der SPD und Jochen Haußmann MdL von der FDP die Zeit genommen, mit der Zahnärzteschaft Baden- Württemberg in Kontakt zu treten.

Schwerpunkte. Nachdem Dr. Eberhard Montigel den Gästen seinen Stellvertreter Dr. Hendrik Putze sowie die Vorstandsmitglieder Dr./ Med. Univ. Budapest Edith Nadj- Papp, Dr. Gerhard Cube und Dr. Bernd Krämer vorgestellt hatte, erläuterte er die Schwerpunkte, die er in den nächsten vier Jahren mit seinem Vorstand angehen möchte. Gerade in einer Zeit, in der eine Fülle von Gesetzesentwürfen und geplanten Richtlinien die freien Berufe und ihre Selbstverwaltung einzuschränken drohen (Stichwort GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz oder EU-Dienstleistungsrichtline), sei es nach Ansicht Dr. Montigels eine wichtige Aufgabe zu zeigen, dass die Selbstverwaltung gut und verantwortungsvoll funktioniere. Der Vorstand der BZK Stuttgart stehe somit für eine aktive Kammer zum Wohle der Patienten und Kollegen.

Die Kammer übernimmt bereits seit vielen Jahren hoheitliche Aufgaben in Absprache mit der Landesregierung, wie z. B. die zahnärztliche Kenntnisprüfung für nicht EUZahnärzte, die Fachsprachenprüfung zusammen mit der Landesärztekammer oder die Zahnärztliche Stelle Röntgen zur Qualitätssicherung. Dr. Montigel möchte diesen Aufgabenkatalog gerne erweitern: „Warum soll die Kammer nicht auch generell die Approbation erteilen? Warum soll die Kammer nicht auch Praxisbegehungen in Eigenregie und mit Augenmaß durchführen?“ Um diese hohen Ziele erreichen zu können, bedarf es jedoch der breiten Unterstützung in der Kollegenschaft.

Ehrung. Dass der neue Vorstand so nahtlos an die Arbeit des vorherigen Vorstands anknüpfen konnte, ist dem Einsatz von Dr. Konrad Bühler zu verdanken. Als Vorsitzender hatte er 14 Jahre lang die Geschicke der BZK Stuttgart mit großem Einsatz gelenkt. Zum Dank und als Würdigung seiner Verdienste überraschte ihn Dr. Montigel zum Abschluss seiner Begrüßungsrede mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden der BZK Stuttgart. Dr. Konrad Bühler war ob dieser Anerkennung sichtlich gerührt.

claudia.richter@izz-online.de

 

Zahnärztehaus Freiburg

 

Berufskunde-Informationsabend mit hervorragender Resonanz

Ausgabe 3, 2017

Schon traditionell ist der Informationsabend für die Examenssemester der ZMK-Klinik Freiburg als Abschlussveranstaltung der Vorlesungsreihe zahnärztliche Berufskunde, zu der die Bezirkszahnärztekammer Freiburg und die BD Freiburg der KZV BW Ende Januar in das Freiburger Zahnärztehaus eingeladen hatten.

Mit über 50 Studierenden fand die Einladung eine überragende Resonanz, was sicher auch aus der hochklassigen, inzwischen wieder alleinigen Gestaltung der Berufskundevorlesungen durch Referenten beider Körperschaften resultierte. Qualität, die überzeugte und zur Anmeldung zum Infoabend animierte.

Auch die angekündigten Themen versprachen einen echten Informations- und Nutzwert für die Studierenden: Neben konkreten Hinweisen zu den „Ersten Schritten“ nach dem Examen fanden die Punkte „Bedeutung und Aufgaben des zahnärztlichen Versorgungswerks“ sowie „Humanitäre Einsätze im Ausland während der Assistenzzeit“ großes Interesse seitens der Examenskandidaten. Unabhängig von der Wahl der Assistentenstelle und der Dauer dieser Tätigkeit sollte – so der abschließende Appell an die angehenden Zahnärztinnen und Zahnärzte – das Ziel einer freiberuflichen Tätigkeit in eigener Praxis stets Priorität haben.

Webportal. Als überaus positiv wurde die direkte Verfügbarkeit der Informationen über das Webportal für Studierende des Zahnärztehauses Freiburg gewertet. Auch die Onlinetools des Webportals, u. a. für die Anmeldungen für das Praktikum in Kooperationspraxen, oder andere Informationsangebote fanden lobende Worte seitens der Studierenden.

Beim anschließenden geselligen Beisammensein im Casino des Zahnärztehauses nahmen die Examenskandidaten die Gelegenheit wahr, mit den Referenten der Berufskundevorlesung in einen intensiven Austausch zu treten und persönliche Fragen und Anliegen im Hinblick auf die berufliche Zukunft zu diskutieren.

Erfolg. Der große Erfolg der Veranstaltung belegt, dass die zahnärztlichen Berufsvertretungen als kompetente und neutrale Partner in allen Fragen der Berufsausübung, der Assistenzzeit und Niederlassung endgültig in den Blick der Studierenden geraten sind. Für die Verantwortlichen im Zahnärztehaus Freiburg ist das Grund und Ansporn, diesen erfolgreichen Weg in der Nachwuchsarbeit zu intensivieren und weitere Projekte in enger Zusammenarbeit mit der Fachschaft Zahnmedizin der Universität Freiburg auf den Weg zu bringen.

BZK Freiburg/ KZV BW, BD Freiburg