Zahnaerzteblatt.de

 

Soziales Engagement

Dental Camps im Kathmandu-Tal

 

Behandlung unter besonderen Bedingungen

Ausgabe 3, 2017

Bereits zum dritten Mal flog der Eberbacher Zahnarzt Dr. Edgar Lauser auf Einladung der einheimischen Organisation „Women’s Foundation“ (W. F.) im Oktober 2016 zu einem zahnärztlichen Hilfseinsatz nach Nepal. Seine Kollegin Ines Bergmann begleitete ihn in die Region, die noch immer unter den Auswirkungen eines Erdbebens zu leiden hat.

Gemeinsam mit Ines Bergmann flog ich nach Kathmandu, wo wir auf dem Gelände der Women’s Foundation für dortige Verhältnisse komfortabel untergebracht wurden. Dort liegen auch die Produktionsstätten für handgearbeitete Textilien, ein Biogarten und die Verwaltung einschließlich des Shops für zahlreiche Arten von Schals. Die Women’s Foundation hat sich zu einer großen Nichtregierungsorganisation mit zahlreichen Einrichtungen, 13 Zweigstellen und etwa 11.000 Mitgliedern entwickelt. Das Hauptziel ist der Schutz und die Förderung benachteiligter, teilweise auch misshandelter Frauen und Kinder (Näheres unter www.womenepal.org).

Dental Camp. Anderntags widmeten wir uns der Einrichtung eines „Dental Camps“. Dazu wurde der Meditationsraum entsprechend umgestaltet. Aus der großen Metallkiste, in der Geräte, Instrumente und Material lagerten, entnahmen wir, was wir benötigten und bauten es zusammen mit dem Mitgebrachten auf. Die Instrumente sterilisierten wir im Dampfkochtopf. Durch gute Organisation und mit Hilfe zweier Assistentinnen, die uns dolmetschten und mit Taschenlampen in die Münder der Patienten leuchteten, konnten wir in zwei Tagen einschließlich Auf- und Abbau nahezu 100 Patienten behandeln.

Danach fuhren wir mit den beiden Assistentinnen Sarada und Roma und drei Koffern voller Instrumente, Material, Geräte und zwei „Behandlungsstühlen“ zur alten Königsstadt Bhaktapur. Weiter ging es nach Osten bis zur Stadt Banepa im Distrikt Kavre. Dort erwarteten uns Mitarbeiter der dortigen Filiale der Women’s Foundation.

Unwegsam. Auf teils unwegsamen Routen ging es im Geländewagen zu einem in 2000 Metern Höhe gelegenen Dorf. Im Schulgebäude richteten wir unser Camp ein und die Behandlung begann. Ines Bergmanns Polymerisationslampe stand im Ladegerät griffgünstig zwischen uns. Dabei entpuppte sich die Ausführung mit Akku als großer Vorteil – besonders als der Strom abgeschaltet wurde, während ich das Füllungsmaterial einbrachte. Die Abschaltzeit des Elektrizitätswerks dauerte täglich etwa sechs Stunden. Für die Menschen ist das Alltag, und so fanden sie sich nachmittags oder am nächsten Tag wieder zur Füllungstherapie ein. Zwischenzeitlich wurde uns durch die vielen notwendigen Extraktionen aber nicht langweilig.

Erdbebenspuren. Auf dem Weg zum „Restaurant“ für ein gesundes Mittagsmahl (Reis, Mangold, Linsensuppe) sahen wir die Spuren, die das Beben hinterlassen hatte. Women’s Foundation hatte sich das Ziel gesetzt, mit deutschen Spendengeldern 65 Häuser erdbebensicher wiederaufzubauen, bis heute aber von den Behörden keine Genehmigung dafür erhalten. Am dritten Tag ging es zu einem anderen Dorf. Unser Ziel war wieder das Klassenzimmer einer Schule. Vor Behandlungsbeginn führten wir Mundhygieneunterweisungen bei den Kindern durch.

Rückkehr. Am letzten Tag unternahmen wir noch einen Rundgang durch das Gelände der Women’s Foundation, schauten den Frauen am Webstuhl, am Spinnrad und in der Färberei zu und endeten im Shop, wo wir Schals für unsere Lieben aussuchten. Projektmanagerin Sarada versammelte einen Großteil der Belegschaft, um uns zu verabschieden. Mit warmen Worten dankte sie uns für unseren Einsatz. Sie überreichte uns einen Schal, den wir wegen des Temperaturunterschieds von mindestens 15 Grad in Berlin gut gebrauchen konnten. In diesen wenigen, intensiv erlebten Tagen durften wir fühlen, dass Geben tatsächlich zufriedener und glücklicher machen kann als Nehmen.

Dr. Edgar Lauser

Hier finden Sie die Langversion des Beitrags mit weiteren Fotos.