Zahnaerzteblatt.de

 

Soziales Engagement

Prophylaxe und Behandlungen in Bolivien

 

Hoher Aufklärungsbedarf

Ausgabe 4, 2017

Nach Hilfseinsätzen in Eritrea (2013) und Sambia (2014) waren der Fellbacher Zahnarzt Johan Mattsson und seine Frau Susanne auf Südamerika neugierig. Durch Kollegen in Baden-Württemberg wurden sie auf den „Förderkreis Clinica Santa Maria FCSM e. V.“ (www.fcsm. org) aufmerksam. FCSM organisiert Projekte in Bolivien und Ecuador. Mattsson und seine Frau verbrachten im November 2016 drei Wochen in Bolivien und berichten im ZBW von ihren Erfahrungen.

Am 4. November 2016 flogen wir von Stuttgart über Madrid nach Cochabamba. Nach einer einstündigen Taxifahrt erreichten wir Huancarani, wo wir in den nächsten drei Wochen arbeiten und wohnen würden. Cochabamba ist die viertgrößte Stadt Boliviens mit 600.000 Einwohnern. Huancarani ist ein Armenviertel mit etwa 150 Familien, die zwar Zugang zu medizinischer und zahnmedizinischer Hilfe haben, aber sich diese Behandlung meist nicht leisten können.

In Huancarani betreibt eine Schweizer Stiftung („Pro Huancarani“) eine große Einrichtung, in der sich FCSM um die zahnmedizinische Versorgung kümmert. Es gibt ein Behandlungszimmer, modern und voll ausgerüstet, ein zahntechnisches Labor und eine Dreizimmerwohnung für die Volontäre.

Bestens versorgt. In unserem Haus befand sich eine Wohnung für eine Familie, die sich um die Anlage kümmert. Die Frau kochte für uns, es gab Reis, Nudeln und Kartoffeln.

Nach dem ersten Wochenende ging es los. Wir waren entsprechend vorbereitet, aber trotzdem schockiert über den Zustand der Zähne. Kinder und Erwachsene konsumieren Unmengen gesüßte Getränke und Süßigkeiten. Als Folge fanden wir kaum kariesfreie Patienten vor, sondern vor allem massiv zerstörte Gebisse. Wir mussten sehr oft die Sechsjahresmolaren bei Sieben- bis Neunjährigen entfernen und natürlich waren Extraktionen und große Füllungen die häufigsten Behandlungen.

Prophylaxe. Natürlich versuchten wir, mit Zahnreinigungen und Aufklärung das Bewusstsein für Zahnhygiene zu fördern, aber es scheint sehr schwierig, Verständnis dafür zu finden. Wir hatten das Glück, einen jungen Zahntechniker aus Hannover dabei zu haben und konnten daher viele einfache Klammerprothesen und totale Prothesen anfertigen. Da wir gute Arbeit leisteten, lockten wir auch Patienten, die besser situiert sind, aus den umliegenden Dörfern. Darüber waren die dort niedergelassenen Kollegen nicht glücklich, aber wir wollen und konnten keine Patienten mit Behandlungsbedarf abweisen.

In Bolivien gab es eine schwere Dürre, es hatte nur an zwei Tagen in der Regenperiode geregnet und es herrschte Wassermangel. In den letzten zwei Wochen unseres Aufenthalts hatten wir fast kein fließendes Wasser, aber zum Glück gab es im Hof einen Brunnen.

Übergabe. Nach drei Wochen Arbeit kamen zwei junge, neu examinierte Kolleginnen, um alles weiterzuführen. Wir arbeiteten einen Nachmittag zusammen, danach beendeten meine Frau und ich unseren Einsatz und reisten als Touristen weiter.

Solch ein Hilfseinsatz hat, wie immer, positive und negative Seiten, aber ich kann nur allen Kolleginnen und Kollegen empfehlen, so etwas zu probieren. Die Erfahrung, die man gewinnt und die Freude und Dankbarkeit der Patienten sind mit nichts zu vergleichen.

JM/IZZ