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Kultur

Filminstallation Manifesto von Rosefeldt in der Staatsgalerie Stuttgart

 

Wandelbarkeit als Konzept

Ausgabe 4, 2017

Julian Rosefeldts „Manifesto“ ist eine deutsch-australische, international gefeierte Filminstallation aus dem Jahr 2015. Sie besteht aus 13 miteinander in Beziehung stehenden Filmen mit Cate Blanchett als Darstellerin, die in 13 verschiedenen Rollen verschiedenste Manifeste vorträgt. In der Staatsgalerie Stuttgart werden die Filme noch bis zum 14. Mai 2017 in Endlosschleife auf verschiedenen Projektionsflächen in einem Raum simultan gezeigt.

Die Freunde der Staatsgalerie – Stuttgarter Galerieverein erwarben „Manifesto“ im Jahr 2016 von Julian Rosefeldt. Julian Rosefeldts jüngste Arbeit „Manifesto“ ist eine Hommage an die bewegte Tradition und literarische Schönheit von Künstlermanifesten. Gefragt wird nach der Rolle des Künstlers in der heutigen Gesellschaft. Das Manifest ist ursprünglich eine meist schriftlich geäußerte Grundsatzerklärung. Rosefeldt zeigt es als lebendigen Aufruf in bewegten Bildern. Manifeste sollen Absichten, Motive oder Ansichten einer Einzelperson oder Gruppierung deutlich werden lassen. Künstlermanifeste sprechen in oft umstürzlerischer Rhetorik auch über die Kunst hinausgehende, gesellschaftliche Themen an. Rosefeldt macht den performativen Anteil und die politische Bedeutung dieser häufig in jugendlicher Rage geschriebenen Deklarationen sichtbar. Für 13 parallel gezeigte Filme hat Julian Rosefeldt historische Originaltexte zahlreicher Manifeste u.a. aus Futurismus, Dadaismus, Situationismus, Suprematismus, Fluxus, Pop Art, Konzeptkunst oder etwa von Dogma 95 collagiert. Darunter sind Proklamationen von Filippo Tommaso Marinetti, Tristan Tzara, Kasimir Malewitsch, André Breton, Claes Oldenburg, Yvonne Rainer, Elaine Sturtevant, Bruno Taut, Sol LeWitt, Jim Jarmusch und von weiteren Künstlern, Architekten, Choreografen und Filmemachern.

In ihren Manifesten geht es immer auch um die Freiheit des Ausdrucks und um die Forderung nach einem tiefgreifenden Wandel von Haltungen oder der Gesellschaft.

Die durch Kürzungen und Kombination der historischen Schriften entstandenen poetischen Textcollagen spricht und verkörpert die australische Schauspielerin Cate Blanchett in 13 unterschiedlichen Rollen: Ob als Choreograf in eines Tanzensembles, als Grundschullehrerin, als Trauerrednerin, Fabrikarbeiterin, Börsenmaklerin oder als obdachloser Mann – immer holen diese Charaktere die historischen Manifest-Texte in die heutige Alltagswelt. Die Formulierungen und Forderungen müssen sich in diesen neuen Umgebungen behaupten und erweisen sich häufig als überraschend aktuell.

Worte und Bilder überlagern sich in „Manifesto“, sie kämpfen gegeneinander um Aufmerksamkeit. Besonders ‚manifest’ wird dies in einem Moment der Filminstallation, in dem der Künstler die Stimmen der Charaktere gleichzeitig in allen Filmen zu einem orchestralen Zusammenklang aller Botschaften vereint.

Staatsgalerie/IZZ

 

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt Landschaftskunst

 

Unter freiem Himmel

Ausgabe 4, 2017

Das Ausstellungsprojekt „Unter freiem Himmel – Landschaft sehen, lesen, hören“ eröffnet Perspektiven auf Landschaft und erweitert Horizonte im Nachdenken über Natur im Bild. Die Kunsthalle zeigt 53 deutsche, niederländische und französische Spitzenwerke der Landschaftskunst aus 600 Jahren. 53 Autorinnen und Autoren verschiedenster Disziplinen haben sich von den Gemälden inspirieren lassen und zu ihnen passende Texte verfasst. Sie laden zu einem Streifzug durch die Kunstgeschichte ein, zu einer Exkursion durch verschiedenste Landschaften zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten.

In den Texten geht es unter anderem um die religiöse Bedeutung von Natur, um Formen menschlichen Lebens in ihr, um ökologische Fragen und die Wirkung von Naturphänomenen und Lichtstimmungen, um Sehnsuchtsorte, Gefühle des Geborgenseins, um Bedrohung und paradiesische Verheißung.

„Unter freiem Himmel“ verwandelt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe in einen Raum, in dem Bild und Sprache gleichberechtigt sind, denn die Texte sind ungekürzt vor den Bildern in der Ausstellung zu hören. Geografisch entführt die Ausstellung nach Südfrankreich und Brasilien, an den Fuß des Berges Sinai, in die Wüste Araba, die Niederlande, die Schweiz, nach Griechenland, Pompeji und Venedig, die unterschiedlichsten Landstriche Deutschlands und zahlreiche weitere erdichtete und erdachte Landschaftsräume, Welt-, Seelen-, Natur- und Kulturlandschaften.

Sicht der Natur. Häufig gehen in die Texte der Autoren eigene Wahrnehmungen realer Landschaften ein. Thematisiert werden sowohl das Naturverständnis vergangener Epochen als auch unterschiedliche Aspekte der Sicht auf Natur in der Gegenwart. So baut sich ein freier Imaginationsraum um die Kunstwerke auf, in dem Faktisches und Fiktives vielstimmig widerhallen. Auf einer weiteren Ebene begegnen sich damit auch gleichberechtigt Kunst und Wissenschaft, Erzählen und Erklären, Imagination und Recherche.

Die Ausstellung zeigt einen kleinen Ausschnitt aus der mehr als 550 Landschaften umfassenden Sammlung des Hauses. Bilder, für die sich die Autorinnen und Autoren aus einer Vorauswahl von 150 Werken entschieden. Sie ermöglicht die Begegnung mit Kunst deutscher, niederländischer und französischer Landschaftsmalerei und die nähere Betrachtung einer Gattung, mit der die Kunst im 19. und 20. Jahrhundert auch zu sich selbst fand. Eine kleine Gruppe von Landschaftsgemälden, die in der Ausstellung gezeigt, aber nicht von einem Text begleitet werden, sind Teil eines Projektes der Kunstvermittlung der Staatlichen Kunsthalle. Zu ihnen werden im Rahmen von Schreibwerkstätten neue Texte von Jugendlichen und Erwachsenen entstehen. Kuratorin der Ausstellung ist Dr. Kirsten Voigt, die auch die Ausstellung „Unter vier Augen – Porträts sehen, lesen, hören“ im Jahr 2013 konzipiert hatte.

Kunsthalle/IZZ