Zahnaerzteblatt.de

 

Soziales Engagement

Krebskranke Kinder profitieren von Zahngold-Aktion

 

Fast fünf Millionen Euro in 25 Jahren

Ausgabe 7, 2017

Seit einem Vierteljahrhundert sammeln Zahnärzte auch in Stuttgart und der Region unter der Federführung des Stuttgarter Zahnarztes Dr. Gerhard Cube Zahngold ihrer Patienten. Damit unterstützen sie krebskranke Kinder über den Förderkreis krebskranke Kinder e. V. Stuttgart und das Olgahospital. 2015 und 2016 kamen fast 400.000 Euro zusammen.

Die von Dr. Gerhard Cube koordinierte Zahngold-Aktion in der Region Stuttgart war in den vergangenen beiden Jahren ein voller Erfolg. 392.647,33 Euro sammelten 101 Zahnärzte mit Hilfe ihrer Patienten. 196.119,78 Euro für 11,9 Kilo Zahngold im Jahr 2016. Und 196.527,55 Euro für 12,6 Kilo Gold 2015. Die Firma BEGO Bremer Goldschlägerei Wilh. Herbst GmbH & Co. KG aus Bremen schied das Zahnaltgold unentgeltlich. Aus dem Gesamterlös der vergangenen beiden Jahre gehen 40.000 Euro direkt an das Olgahospital Stuttgart. Der Rest geht ins Blaue Haus, eine Einrichtung, in der die Angehörigen krebskranker Kinder leben können.

Mit einem Erlös von 17.178 Euro in den Jahren 1992/93 hat Dr. Cube den Grundpfeiler gemeinsam mit zwei Kollegen gesetzt. Über die Jahre fand Dr. Cube zahlreiche Mitstreiter im Kollegenkreis. Mehr als 4,83 Millionen Euro kamen durch dieses langjährige Engagement bereits zusammen. Die Zahngold- Aktion ist die einzige Großspenden- Aktion zugunsten des Förderkreises krebskranke Kinder und stellt daher einen wichtigen Finanzierungspfeiler des Vereins dar. Der Gründer und Koordinator der Aktion, Dr. Gerhard Cube, erhielt für seine Verdienste für schwerkranke Kinder im März 2014 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Olgahospital. Neben dem Förderkreis krebskranke Kinder profitiert die Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin im Olgahospital – Klinikum Stuttgart mit dem Ärztlichen Direktor Prof. Dr. Franz-Josef Kretz seit mehreren Jahren vom nachhaltigen Engagement Dr. Cubes und freut sich über die Spendensumme von 20.000 Euro. Ein weiterer Spendenanteil von 20.000 Euro kommt Kindern mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen und Lebererkrankungen zugute, die in der Kindergastroenterologie am Olgahospital in Behandlung sind. Dr. Axel Enninger, Ärztlicher Zentrumsleiter Olgahospital/ Frauenklinik und Ärztlicher Direktor Pädiatrie 2, hat die Zahnaltgoldspenden der vergangenen Jahre in die technische Ausstattung im Bereich der Endoskopie investiert und somit optimale Untersuchungsbedingungen für die Kinder geschaffen.

Jubiläum. Neben der Zahngold- Aktion feiert auch der Förderkreis krebskranke Kinder e. V. Stuttgart Jubiläum und blickt auf sein 35-jähriges Bestehen zurück. Was als kleine Elterninitiative begann ist heute eine Hilfsorganisation, die Familien mit krebskranken Kindern und Jugendlichen in Stuttgart und der Region durch diese schwere Zeit hilft. Die Versorgung der jungen Patienten im Krankenhaus optimiert der Verein durch die umfangreiche Förderung der kinderonkologischen Station am Olgahospital Stuttgart etwa durch zusätzliche Pflegekräfte, Erzieher und Psychologen sowie medizinische Projekte.

Zahngold-Spende hilft Familien. Die direkte finanzielle Förderung für Familien, die unter anderem durch die Zahngold-Spenden möglich ist, erleichtert den Alltag bei Verdienstausfall oder Zusatzkosten durch die Erkrankung. Mit dem Blauen Haus bietet der Verein zudem Familien krebskranker Kinder ein Zuhause auf Zeit, in dem Eltern und Geschwister während der Behandlung der jungen Patienten Kraft tanken können.

Förderkreis krebskranke Kinder/ci

 

Behandlungen in Malawi

 

Hexenglaube im Behandlungsstuhl

Ausgabe 7, 2017

Mit dem Ziel, ein neues Land für zahnärztliche Hilfseinsätze zu erschließen, hat ein Team aus den Zahnärzten Dr. Hans Lohr, Anja Stengele und Nina Sickenberger sowie den Assistenten und Organisatoren Angie Lohr, Dominik Biehler und Matthias Schmitt im Frühling 2017 drei Wochen in Malawi verbracht. Die Walldorfer Zahnärztin und 1. Vorsitzende des Vereins Planet Action – Helfende Hände e. V., Nina Sickenberger, berichtet im ZBW von ihren Erfahrungen im Hilfseinsatz.

Zu Beginn der Reise behandelten wir im St. Gabriel’s Hospital in Namitete, rund 50 Kilometer westlich von der malawischen Hauptstadt Lilongwe entfernt. Das Krankenhaus wurde 1959 mitten im Busch gegründet und mit Unterstützung aus Luxemburg und Deutschland immer wieder vergrößert. Mittlerweile gibt es einige gut funktionierende Stationen. Trotz einiger Versuche auch Zahnmedizin für die arme umliegende Dorfbevölkerung anzubieten, ist dies bisher noch nicht gelungen. Auf die Ankündigung, deutsche Zahnärzte böten für eine Woche kostenlose Zahnbehandlungen an, machten sich deshalb zahlreiche Patienten aus der Umgebung auf den Weg zu uns. Täglich warteten ungefähr 100 Menschen auf eine Behandlung. Obwohl wir morgens früh mit der Arbeit begannen und erst bei Dämmerung Feierabend machten, mussten wir am Abend viele auf den nächsten Tag vertrösten.

Einfache Verhältnisse. Die Behandlungen fanden auf einfachen Liegen statt, die wir am Fenster platzierten, um neben unseren Stirnlampen noch etwas mehr Licht zu haben. Wir richteten unser Augenmerk auf Schmerzpatienten mit nicht erhaltungswürdigen, beherdeten Zähnen. Da wir uns auf die Extraktion schmerzender Zähne fokussiert hatten, hofften wir, möglichst viele Patienten behandeln und sie so von ihren Schmerzen befreien zu können.

Am meisten bleibt uns eine etwa 40 Jahre alte Patientin im Gedächtnis, die mit hohem Fieber, Schüttelfrost und einem eigroßen Abszess im Oberkiefer zu uns kam. Die Frau wog nur noch 37 kg, weil sie aufgrund heftiger Zahnschmerzen schon seit längerem nichts mehr essen konnte. Nach Inzision des Abszesses und Antibiotikaeinnahme konnten wir an den folgenden Tagen eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes der Patientin beobachten. Nachdem wir ihr am letzten Tag noch die „Übeltäter“ extrahierten, bedankte sie sich herzlich. Diese Geschichte war eines der gravierendsten und schönsten Erlebnisse zugleich.

Hexenglaube. Unsere zweite Station führte uns in die 600 Kilometer nördlich gelegene Küstenstadt Karonga. Auch hier boten wir unsere Hilfe in einem kleinen Krankenhaus, der Hope Clinic, an. Ärzte und gut ausgebildetes Personal gab es dort jedoch keines. Die beiden angestellten Schwestern vermuteten, dass sich viele Patienten nicht trauten zu kommen, da sie Kosten für die Extraktionen und Behandlungen befürchteten. Eine andere interessante Erklärung war der „Hexenglaube“, der in Malawi stark verbreitet ist. Einige Menschen glauben, dass für jeden gezogenen Zahn ein anderer Zahn kaputt geht.

Prophylaxe. Sowohl in Namitete als auch in Karonga besuchten wir eine Primary School, um den Schülern mithilfe unserer großen Zahnputzmodelle das richtige Zähneputzen zu zeigen. Außerdem klärten wir die Kinder über Zahngesundheit und Entstehung von Karies auf.

Trotz aller Probleme ist Malawi ein schönes Land. Am Ende der Regenzeit erstrahlte es in saftigem Grün. Die behandlungsfreie Zeit nutzten wir, um die Strände am Malawisee und den spektakulären Weitblick von den Ausläufern der Nyika- Berghänge zu genießen.

Dankbar blicken wir auf die Wochen zurück, in denen wir viel erlebten und bewirkten. Unsere Ansprechpartner waren eine wahre Bereicherung und unser Team, das sich spontan in dieser Konstellation zusammengefunden hatte, hätte nicht besser harmonieren können. Weitere Infos auf www.planet-action.de.

N. Sickenberger/IZZ