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Kultur

Kunstmuseum Basel – vom Skizzenbuch zur Leinwand

 

Der verborgene Cézanne

Ausgabe 7, 2017

Mit 154 Blättern befindet sich im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel die weltweit umfangreichste und bedeutendste Zeichnungssammlung von Paul Cézanne (1839–1906). Diese bildet nun den Ausgangspunkt einer umfangreichen Ausstellung mit mehr als 200 Werken, die die Bedeutung der Zeichnung im gesamten Schaffen Cézannes thematisiert, von den Skizzen und Studien über die Aquarelle bis hin zu den Gemälden.

Bereits 1934 und 1935 erwarb das Kunstmuseum Basel vom Schweizer Kunsthändler Werner Feuz zwei große Zeichnungskonvolute mit insgesamt 141 Werken aus dem Nachlass Paul Cézannes. Unterstützt wurde der Ankauf von privater Seite, allen voran durch das Sammlerehepaar Martha und Robert von Hirsch. Das Kunstmuseum Basel war damit die erste Institution, die die Bedeutung des damals weitgehend unbekannten zeichnerischen OEuvres erkannte und die weitere Verstreuung dieser Skizzenbuchkonvolute verhinderte.

Zeichnungen. Cézannes Zeichnungen wurden im Gegensatz zu seinen Aquarellen und Gemälden wegen ihrer Fragilität nur selten ausgestellt und sind auch überra- Kunstmuseum Basel – vom Skizzenbuch zur Leinwand Der verborgene Cézanne Mit 154 Blättern befindet sich im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel die weltweit umfangreichste und bedeutendste Zeichnungssammlung von Paul Cézanne (1839–1906). Diese bildet nun den Ausgangspunkt einer umfangreichen Ausstellung mit mehr als 200 Werken, die die Bedeutung der Zeichnung im gesamten Schaffen Cézannes thematisiert, von den Skizzen und Studien über die Aquarelle bis hin zu den Gemälden. schend wenig erforscht. 111 Blätter aus dem Konvolut im Basler Kupferstichkabinett stammen aus fünf verschiedenen aufgelösten Skizzenbüchern, die möglichst weitgehend rekonstruiert wurden.

Die Skizzenbuchblätter als Ausgangspunkt und Kern des künstlerischen Prozesses erweisen sich als besonders ergiebiger Teil von Cézannes Schaffen, denn sie erlauben den Blick über die Schulter des Künstlers und die unmittelbare Begegnung mit seiner täglichen Zeichenpraxis. So zeigen diese Skizzen und Studien, welche Werke der Künstler im Louvre kopierte, dass er im Atelier Porträtstudien schuf, in der Provence Bäume studierte und zu Hause seinen Sohn und seine Frau zeichnete. Während er im Frühwerk verschiedene Bildthemen ausprobierte, limitierte er sich in der Folge auf wenige Motive wie Stillleben, Landschaften, Badende und Porträts.

Einblicke. Die kleinformatigen Skizzenbücher gewähren einen intimen Einblick, weil sie nie für ein Publikum gedacht waren. Sie dokumentieren einen zwanglosen Prozess des Suchens und Experimentierens. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat Cézanne darin die Zeichnung und deren Rolle grundlegend hinterfragt, indem er gängige Regeln missachtete und Gewohnheiten umging. Ganze Reihen von Studien nach der Natur und Kopien nach Alten Meistern von der Antike bis zu Eugène Delacroix zeigen, wie die wiederholte Beschäftigung mit einem bestimmten Motiv Cézanne immer wieder neue Optionen der Darstellung entwickeln ließ.

In seinen Aquarellen hat Cézanne die Beziehung von Linie und Farbe ganz neu gedacht. So ist die Zeichnung oftmals nicht einfach Vorzeichnung, sondern Cézanne überarbeitete Blätter auch nach dem Aquarellieren mit Graphit, sodass sich Linie und Farbe im lebendigen Zusammenspiel gegenüberstehen.

Kunstmuseum Basel/IZZ

 

Zeitgenössische Fotografie im Frieder Burda Museum

 

Rodney Graham. Lightboxes

Ausgabe 7, 2017

Vom 8. Juli bis 26. November 2017 präsentiert das Museum Frieder Burda in Baden-Baden Arbeiten des kanadischen Konzeptkünstlers Rodney Graham (*1949) und führt damit eine Reihe von Ausstellungen fort, die sich der zeitgenössischen Fotografie widmen. Nach Gregory Crewdson und Andreas Gursky wird Rodney Graham das nächste Kapitel aufschlagen. Die präsentierten Fotokünstler zeichnen sich vor allem durch ihre Ästhetik sowie durch ihre erzählerischen poetischen Inhalte aus, die sie in ihren Arbeiten konzeptuell verdichten und die den Betrachter emotional in das Geschehen hineinziehen.

Die Fotoleuchtkästen nehmen im vielfältigen Werk von Rodney Graham eine besondere Stellung ein. Ihre Bildsprache ist opulent sinnlich und tiefsinnig komisch, sie vermitteln Erfrischendes und Verblüffendes, wobei der Künstler durch seine ironische Vielschichtigkeit und kulturgeschichtlichen Referenzen die schöne Oberfläche immer wieder untergräbt.

Rollenbilder. Rodney Graham inszeniert sich in seinen Fotografien gerne selbst als Hauptdarsteller, bezieht sich auf Literatur, Musik, Film oder die Ikonen der Kunstgeschichte und begibt sich mit subtilem Humor in die unterschiedlichsten Rollen hinein. Er inszeniert diese Rollenbilder virtuos – und hinterfragt dabei, wie sich aus der sozial definierten Rollenzuschreibung individuelle Identitäten herausbilden. Profession als Obsession. Und immer in der Hauptrolle: Er selbst. Sein Medium: Der klassische Werbe-Leuchtkasten. So werden der detailreich inszenierte Antiquar oder auch der moderne Cowboy zum Werbeträger ihres selbst. Doch hinter der glatten, strahlenden Oberfläche der illuminierten Fotografie, hinter der perfektionistischen Szenografie verbirgt sich immer auch ein Anflug von Melancholie, die von den Lasten kündet, seine Rolle im großen Theater des Lebens perfekt spielen zu müssen. Ein Lächeln wird kaum geschenkt, dem Blick nur selten begegnet. Gerne schweift er ins Nichts, in die Ferne – oder auch in die Vergangenheit.

Vancouver School. Wie kaum ein anderer Gegenwartskünstler hat sich der 1949 geborene, heute in Vancouver lebende Rodney Graham auf die Spuren der Lebenswelten des 19. und 20. Jahrhunderts begeben. Dabei arbeitet er seit den 1970er Jahren an einem konzeptionellen Werk, das immer wieder neue Zeitund Genresprünge wagt. Er verknüpft Film, Fotografie, Installation, Performance, Malerei, Literatur und Musik. Graham, der gemeinsam mit Künstlern wie Jeff Wall oder Stan Douglas zu der sogenannten „Vancouver School“ zählt, zitiert Stile, Moden und Diskurse von der Romantik bis zur Postmoderne, um sie mit leiser Ironie zu kommentieren, weiterzudenken und umzuschreiben. Seine Inspirationsquellen reichen von Größen wie Sigmund Freud, Richard Wagner oder Edgar Allan Poe bis zu Pop-Heroen wie Kurt Cobain. Das eigene künstlerische Selbstverständnis, Haltungen wie Befindlichkeiten, werden dabei gleichermaßen ent- wie verhüllt.

Museum Frieder Burda/IZZ