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Einer von uns

25 Jahre ZFZ-Leitung in der Hand von Prof. Dr. Johannes Einwag

 

Dynamik, Power und Kreativität im Dienste der Fortbildung

Ausgabe 8-9, 2017

Seit 1992 verging kein Jahr ohne Innovationen und Investitionen. So wurde das Zahnmedizinische Fortbildungszentrum (ZFZ) zu einem Leuchtturm in der Fortbildungslandschaft. Weit über Deutschland hinaus kennt man das ZFZ als beispielhafte Fortbildungsinstitution einer Kammer. Und dies dank Prof. Dr. Johannes Einwag, der frühzeitig wusste, wie das Praxisteam qualifiziert und für die Fortbildung motiviert werden kann.

Johannes Einwag ist ein Phänomen. Auf der einen Seite Hochschullehrer, wie er betont „ein pragmatischer Hochschullehrer“, dem immer mehr die Praxis und die Fortbildung lag. Schon früh legte er seinen Schwerpunkt auf die Prophylaxe. Seine Promotionsarbeit über die Bedeutung der Fluoride bei der Kariesvermeidung am Beispiel der natürlichen Trinkwasserversorgung in der Eifel war und ist bis heute ein wichtiger Beweis für die präventive Kraft der Fluoride. Was macht jedoch Johannes Einwag so unverwechselbar in der Fortbildung für Zahnärztinnen, Zahnärzte und Praxisteams?

Seine Leitfrage, die uns bis heute begeistert und die von ihm stets aufs neue hinterfragt wird, lautet: „Wie willst du als Patient behandelt werden?“ Voraussetzungen sind für ihn die Qualität der Ausbildung, die Stärke der patientenorientierten Kommunikation, Empathie und gute Personalführung. Vorrangig ist für ihn die Fachlichkeit, ohne die eine gute Patientenbehandlung nicht gelingen kann. Welche Kunst sollte daher ein Zahnarzt, Wissenschaftler und Leiter einer Fortbildungsakademie wie dem Zahnmedizinischen Fortbildungszentrum in Stuttgart beherrschen? Die Kunst – so Johannes Einwag – liege darin, „das Wissen um die Voraussetzungen für eine gute Patientenbehandlung auf Fortbildungsangebote zu transformieren“.

Lebenslang lernen. „Die Kollegin und der Kollege müssen sich bewusst sein, dass eine an der Uni erworbene Basisausbildung lebenslang weiterentwickelt werden muss, um Patienten zu erhalten und Mitarbeiter zu finden und zu binden“. Wenn Patienten sagen: „Mein Doktor ist auf dem neuesten Stand“, dann ist dieses Lob eine Bestätigung für die Motivation der Kollegen, sich lebenslang einer guten Patientenbehandlung zu verschreiben.

Sein Credo bei der Konzeption der Fortbildungscurricula: „Fortbildung muss immer praxisnah sein“. Diesem Grundsatz ist er seit über 25 Jahren erfolgreich verpflichtet, was sich nicht zuletzt an dem sehr hohen Zuspruch, dem großen Erfolg und der weit über Baden-Württemberg hinausreichenden Anerkennung ablesen lässt. Wichtig ist ihm stets, die Indikatoren einer erfolgreichen Fortbildung benennen zu können: „Die Indikationen müssen stets aus der Perspektive des Patienten abgeleitet werden.“ Johannes Einwag setzte früh auf Prävention und betont: „Früher war die Totalprothese die Regel, heute sind gezogene Zähne die Ausnahme.“ Als Beleg führt er die vor kurzem vorgestellte DMS V-Studie an, die deutlich zeige, dass der Prävention die Zukunft gehöre. „Es werden weniger Zähne gezogen, es werden weniger Füllungen gelegt, weil weniger Karies da ist. Der abnehmbare Zahnersatz wird verschwinden, weil die Lücken immer kleiner werden. Es wird auch weniger Implantate geben, und angesichts immer offensichtlich werdender Zusammenhänge zwischen Mund- und Allgemeingesundheit wird sich der Zahnarzt zum Mundarzt entwickeln.“

Visionär. Eine Frage drängt sich auf: Warum ist er von der Universität in eine Fortbildungsinstitution eingetreten? Seine unmissverständliche Antwort: „Ich bin kein Forschertyp.“ Sein Wirkungsfeld ist klar die „angewandte Prävention“. Sein Ruf ist exzellent. Schon früh verdiente er sich Anerkennung bei der Akademie Praxis und Wissenschaft und wurde bereits nach einem Jahr für erfolgreiche Lehrtätigkeit ausgezeichnet.

Seine Begeisterung für die Zahnheilkunde und seine Erfolge in der Prävention teilen heute neben vielen Patienten nicht zuletzt die zahlreichen Mitarbeiter/innen und Kolleg/innen, die in den vergangenen 25 Jahren ihre Fortbildung im ZFZ absolvierten. Johannes Einwag ist authentisch. Er ist Vordenker und die Standespolitik konnte sich auf ihn verlassen. Ob als Fortbildungsreferent der Kammer auf Landes- und Bezirksebene, ob als Vertreter auf Bezirks- und Landesebene, seine Beiträge haben Gewicht. Gerade auch durch sein Engagement in der Fortbildung hat sich der Blickwinkel für richtige präventive Behandlung, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner Kurse hervorheben, gewandelt. Er versteht es wie kaum ein anderer, das Wesentliche der Behandlungsstrategien – seine „Big Points“ – zu benennen. „Es kommt darauf an, komplizierte Sachverhalte einfach beschreiben zu können“. Als „neugieriger Praktiker“ stapelt Johannes Einwag gerne tief. Der Chronist dieser kleinen Würdigung konnte das im Laufe der Jahre in vielen Fortbildungsmomenten hautnah erleben. Dabei versteht Johannes Einwag es virtuos, sich auf das Auditorium einzustellen wie z. B. bei seiner außergewöhnlich erfolgreichen Sommerakademie im Forum in Ludwigsburg oder bei der Winterakademie. Ob als Berater und Gesprächspartner der Verantwortlichen in Berufspolitik oder in der Politik, stets wird deutlich, dass es Johannes Einwag Spaß macht, wenn er etwas einbringen kann.

Analog. Prof. Google ist überall. Auch für Fortbildungsinstitute gilt es, die Herausforderungen der digitalen Wissensvermittlung anzunehmen. Wichtig sind ihm vor diesem Hintergrund Gastreferenten mit Freude an der Präsenzfortbildung, die die Sachverhalte über die sie reden selbst praktisch vor den Augen der Kursteilnehmer umsetzen können. „Wissensvermittlung und Qualitätssicherung müssen sich ergänzen“. Schließlich gehören auch kollegiale Pausengespräche essenziell zur Fortbildung.

Geschichte geschrieben. Darüber hinaus hat der Leiter des ZFZ mit seinen Visionen einer bedarfsgerechten Fortbildung und der Weiterentwicklung des modularen Aus- und Fortbildungssystems für Praxismitarbeiterinnen schon heute Geschichte geschrieben. Basierend auf der Annahme, dass Prävention die Basis moderner Zahnheilkunde ist, wurden verschiedene Ebenen der Qualifikation herausgearbeitet, eine ZMP, eine ZMF und eine DH. „Wenn man sich die heutige Weltlage anguckt, dann muss man sagen: wenn es unser System nicht gäbe, müsste man es wirklich erfinden. Es ist mit Abstand das flexibelste System, welches alle Anforderungen an eine moderne berufliche Weiterqualifizierung erfüllt, weil es eben auch berufsbegleitend möglich ist“. Eine permanente Fortentwicklung in der Medizin ist wichtig und „wir brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich weiterentwickeln und das muss auch in den Strukturen deutlich werden“.

Aber Einwag ist nicht nur Wissensvermittler par excellence, sondern auch Gebäude- und Praxismanager. Insofern ein Glücksfall für die Kammer, dass sich in seiner Person so viele Talente vereinigen. Denn nur durch seine kontinuierlichen Investitionen ins Gebäude Herdweg 50 in Stuttgart und den Ausbau der Poliklinik und des modernen Phantomraums sowie der vorbildlichen Kursund Seminarräume konnte er den Erfolg des ZFZ weiter steigern. Flexibilität, Mobilität, Organisationsgeschick, sehr gutes Betriebsklima, Entwicklungen neuer Fortbildungsformate und vieles mehr zeichnen das ZFZ in der Ära Johannes Einwag in einzigartiger Weise aus.

Dazu gehört natürlich auch Fortune und der „frühe“ Gedanke, dass der Prävention die Zukunft gehört. Als die Universitäten dieses Potenzial vor „über 25 Jahren noch nicht in dieser Dimension erkannten“, hat Johannes Einwag zum Glück, „mit ganzem Herzen und vollem Verstand“ auf die Prävention gesetzt. Der Erfolg des ZFZ unter seiner Ägide gibt ihm Recht.

johannes.clausen@izz-online.de