Zahnaerzteblatt.de

 

Praxis

Schulung der Sachbearbeiterinnen der Zahnärztlichen Stelle Baden-Württemberg

 

Röntgen – am Puls der Zeit

Ausgabe 8-9, 2017

Am 23. und 24. Mai 2017 fand im FFZ Freiburg die diesjährige Schulung der Sachbearbeiterinnen der Zahnärztlichen Stelle Baden- Württemberg statt. Neben den Sachbearbeiterinnen und dem Röntgenreferenten der LZK BW nahmen als technische Experten zwei Mitarbeiter der Firma Dürr Dental teil. Außerdem waren als Gäste Mitarbeiter der Zahnärztlichen Stellen Westfalen-Lippe und Thüringen anwesend.

Das umfangreiche Programm begann mit einer Evaluation der Umsetzung der aktuellen normativen Vorgaben. Im Vordergrund standen dabei die Normen zur Abnahmeund Konstanzprüfung für DVTGeräte, da bis zum 31.01.2018 alle DVT-Geräte einer einheitlichen Abnahmeprüfung zu unterwerfen sind. Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass die o. g. Frist aus jetziger Sicht nicht von allen Betreibern eingehalten werden kann, da auch seitens des Fachhandels bzw. den Technikern zum Jahresende hin terminliche Engpässe zu erwarten sind. Erhöhten Anforderungen blicken aber auch die Zahnärztlichen Stellen entgegen, da sich die technische Auswertung der Qualitätssicherung durch die Normen zwar vereinheitlichen wird, jedoch auf Seiten der Betreiber in vielen Fällen Unklarheiten hinsichtlich des Umfangs und des Datenformats des einzusendenden Materials bestehen. In diesen Fällen wird sich der zeitliche Aufwand derartiger Prüfungen deutlich erhöhen, gleiches gilt im Übrigen auch für die Überprüfung der Patientendatensätze, da deren Zahl für DVT-Betreiber sukzessive bis auf acht erhöht wird.

Im Anschluss berichteten die beiden Techniker der Firma Dürr Dental über ihre Erfahrungen sowohl über den Einsatz von Speicherfolien, als auch über die ersten Schritte auf dem Feld der Schnittbilddiagnostik.

Digitalisierung. In den letzten Jahren konnte ein deutlicher Trend zur Digitalisierung der diagnostischen Bildgebung in der Zahnheilkunde festgestellt werden – der Anteil der digitalen bzw. digitalisierten Röntgeneinrichtungen dürfte in Baden-Württemberg bereits bei 70 Prozent liegen. In vielen Fällen wurden dabei bereits bestehende Röntgeneinrichtungen (z. B. ältere Panoramaröntgengeräte) unter dem Einsatz von Speicherfolien „digitalisiert“. Dies führte und führt u. U. zu erheblichen Problemen und mancherorts auch zu deutlichen Qualitätseinbußen, weshalb besonders bei älteren Panoramaröntgengeräten von diesem Schritt abzuraten ist. Da die Beschädigung einer Speicherfolie den häufigsten qualitativen Mangel darstellt, entwickelten sich die Ausführungen der Firmenvertreter zu Ursachen und Anwenderfehlern zum Highlight der diesjährigen Schulung. Dem Autor dieser Zeilen war bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar, wie viele verschiedene Möglichkeiten Praxismitarbeiter „erproben“, um Speicherfolien bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln. Ein weiterer interessanter Aspekt war der Hinweis auf eine regelmäßige Wartung der Speicherfolien-Leseeinheiten, da diese in erheblichem Maße durch die Anwendung verschmutzt werden.

Die Diskussion über diese Aspekte setzte sich auch beim gemeinsamen Abendessen fort und wurde auch am darauffolgenden Tag lebhaft fortgeführt.

DICOM in der Zahnarztpraxis. Nach diversen Beispielen für mangelhafte Bildqualität und deren Ursachen war es Zeit für eine Zäsur. Das Thema „DICOM in der Zahnarztpraxis“ sorgte für großes Interesse und naturgemäß ergaben sich Fragen nach der Umsetzung des Standards ab dem 1.1.2020 und daraus möglicherweise resultierenden Problemen. Ohne jeden Zweifel werden die Sachbearbeiterinnen der Zahnärztlichen Stellen aktuell schon häufig mit DICOM-Daten bzw. diesbezüglichen Fragen konfrontiert. Daher ist absehbar, dass dieser Bereich in Zukunft wesentlich mehr beratende Funktionen übernehmen muss und die betreffenden Mitarbeiter zu diesem Zweck auch regelmäßig zu schulen sind.

Schließlich wurden zu einigen praktischen Aspekten der täglichen Arbeit Erfahrungen ausgetauscht, so wurden z. B. einige Punkte aus der Sachverständigen-Richtlinie (insbesondere Tabelle II 1) recht kontrovers diskutiert. Die Frage, ob und wann eine erneute Abnahmeprüfung erforderlich ist, erhitzte die Gemüter, da in diesen Fällen der Fachhandel den Betreiber unserer Ansicht nach häufig übervorteilt. Auch hier lautete die – dann doch einhellige – Empfehlung, dass sich die Betreiber vor einer derartigen Entscheidung und z. B. bei Vorliegen eines entsprechenden Angebotes an die Zahnärztliche Stelle wenden sollten. Abschließend diskutierten die Beteiligten über die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Aufsichtsbehörden, wenig überraschend ergaben sich durchaus erhebliche Unterschiede von Bundesland zu Bundesland.

Zwei arbeitsreiche und sehr informative Tage gingen mit der Überzeugung zu Ende, dass der Informationsaustausch zwischen den einzelnen Zahnärztlichen Stellen aufrechterhalten und ggf. auch intensiviert werden soll und die Teilnahme eines branchenspezifischen Unternehmens an derartigen Schulungen einen großen Mehrwert darstellt.

Prof. (CUMC, NY) Dr. Dirk Schulze, Röntgenreferent der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg

 

GOZ 2012

 

Neue Urteile zur Berechnung endodontischer Therapieverfahren

Ausgabe 8-9, 2017

In der GOZ 2012 sind viele Fragen bei der Berechnung endodontischer Behandlungsmethoden offen geblieben bzw. wurden erst durch missglückte Formulierungen in den Leistungslegenden (vgl. z. B. „Trepanation eines Zahnes als selbstständige Leistung“) zu einem abrechnungstechnischen Problem gemacht. So nimmt es nicht Wunder, dass zur Klärung dieser unklar formulierten Sachverhalte die Gerichte im Nachgang herangezogen werden müssen. Im Bereich der Endodontie sind im Jahr 2016 einige neue bemerkenswerte Urteile gefällt worden, die im Folgenden der Öffentlichkeit der baden-württembergischen Zahnärzteschaft breiter bekannt gemacht werden sollen.

So kommt – ohne auf die Begründung des BMG zu seiner eigenen Gebührenordnung einzugehen, das Amtsgericht (AG) Bad Homburg mit Urteil vom 19.04.2016 (Az.: 2 C 2200/14 [29]) hinsichtlich der Berechnung der Trepanation zu dem Ergebnis, dass für die Trepanation eines Zahnes die GOZ-Nr. 2390 als selbstständige Leistung neben anderen Leistungen berechenbar ist. Im selben Urteil stellt das Amtsgericht hinsichtlich der für die Aufbereitung eines Wurzelkanals verwendeten Nickel-Titan-Instrumente auch nochmals eindeutig klar, diese seien nur insoweit in den Gebührenpositionen enthalten, als es sich nicht um Einmalwerkzeuge handele.

Hingegen seien Werkzeuge, die entweder von der Herstellerseite aus bereits als Einmalwerkzeuge vorgesehen sind, oder solche Werkzeuge, die nach den Regeln der zahnärztlichen Kunst nur einmal verwendet werden sollen, gesondert berechenbar. Ansonsten bestehe das Risiko, dass beim nächsten Patienten Teile von diesem Werkzeug abbrechen würden.

Besondere Bedeutung haben für die Zahnärzte alle Urteile, die die Analogberechnung von Behandlungsmaßnahmen, die in der GOZ nicht enthalten sind, bestätigen. Denn der weitaus häufigste Beanstandungsgrund in zahnärztlichen Liquidationen durch die PKVen stellt gegenwärtig die Berechnung von Analogleistungen dar. Zu begrüßen ist daher, dass das Amtsgericht (AG) Köln mit Urteil vom 24.11.2015 (Az.: 146 C 113/14) ausführt, dass mit der GOZ-Nr. 2170 analog mit dem 1,9-fachen Satz (182,62 EUR) ein präendodontischer Aufbau zutreffend und angemessen berechnet wird.

Das Amtsgericht (AG) Bad Homburg hat in dem bereits zitierten Urteil vom 19.04.2016 (Az.: 2 C 2200/14 [29]) den Ansatz der GOZ-Nr. 3120a für die Revision der Wurzelfüllung als gerechtfertigt bestätigt. Zwar seien Teilentfernungen und Revision einer vorhandenen Wurzelfüllung und die Resektion einer Wurzelspitze an einem Seitenzahn hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades grundsätzlich nicht vergleichbar, da im zweiten Fall im Knochen gearbeitet werden müsse, dementsprechend sei aber auch nur der 1,9-fache Satz (61,98 Euro) berechnet worden. Nach dem Gutachten des Sachverständigen sei die Behandlung selbst sehr schwierig und anstrengend, da der früher verwendete sehr harte Wurzelzement mit den feinen Instrumenten mit der Hand herausgekratzt werden müsse.

Auch beim Perforationsverschluss einer endodontischen via falsa handelt es sich um eine selbstständige zahnärztliche Leistung, die nur nach § 6,1 analog berechnet werden kann. Dies hatte bereits 2014 die Bundeszahnärztekammer, der Verband der privaten Krankenversicherung und die Beihilfe in dem eingerichteten gemeinsamen Beratungsforum für grundsätzliche Auslegungsfragen zur GOZ 2012 bestätigt.

Geeignete Analognummern hierfür zu empfehlen ist allerdings schwierig. Zum einen ist der tatsächlich gegebene Aufwand sowohl hinsichtlich der benötigten Zeit als auch des Materialeinsatzes und insbesondere der gegebene Schwierigkeitsgrad zwar schon grundsätzlich hoch, in seinem tatsächlichen individuellen Umfang jedoch dann doch sehr unterschiedlich.

Laut Urteil des Amtsgerichts (AG) Siegburg vom 28.10.2016 (Az.: 102 C 118/15) war aufgrund dieses (notwendigen) Ermessensspielraums eines Zahnarztes die Abrechnung über die GOZ-Nr. 2160 analog nicht zu beanstanden. Der Sachverständige habe dazu festgestellt, dass der Verschluss einer Perforation mit MTA (Mineral-Trioxid-Aggregat) nicht von der GOZ-Nr. 2440 erfasst sei, diese beschreibe lediglich das eigentliche Verfüllen des Wurzelkanals.

Darüberhinaus sei die Leistung medizinisch notwendig, um vor dem Einbringen der Wurzelfüllung ein stabiles Widerlager in Form eines apikalen Verschlusses mit MTA zu schaffen und eine Reinfektion des Wurzelkanals von apikal zu verhindern.

Es zeigt sich also, dass in – nicht nur in endodontischen – strittigen Auslegungsfragen der GOZ der Weg vor ein (in der Regel Amts-)Gericht durchaus dazu führen kann, dass Leistungen, deren Erstattung primär abgelehnt wurde bzw. von Seiten der PKV darauf hingewiesen wurde, dass die vorliegende Berechnung so nicht möglich sei, hernach doch vom Gericht als gebührenrechtlich korrekt und erstattungspflichtig eingestuft worden sind.

Autorenteam des GOZAusschusses der LZK BW

 

Neues vom Robert Koch-Institut (RKI)

 

Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens

Ausgabe 8-9, 2017

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO), deren Wissenschaftliche Geschäftsstelle am Robert Koch-Institut angesiedelt ist, hat ihre Empfehlung zur Händehygiene aus dem Jahr 2000 aktualisiert und erweitert. Die neue KRINKOEmpfehlung „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ wurde in der Zeitschrift „Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz“ offiziell veröffentlicht und ersetzt somit die ältere Empfehlung.

Die Empfehlungen gelten u. a. für alle stationären und ambulanten Gesundheitseinrichtungen.

Kurzüberblick. Die KRINKO-Empfehlung „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ beschreibt u. a. folgende Themen:

- Kategorien in der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention

- Bezug zu anderen Empfehlungen der KRINKO sowie zum Arzneimittel- und Medizinprodukterecht sowie zur Listung von Desinfektionsmitteln

- Die hygienische Händedesinfektion

- Die chirurgische Händedesinfektion

- Die Händewaschung

- Maßnahmen zum Schutz vor Kontamination und vor Chemikalien

- Anforderungen an Spender für Händedesinfektionsmittel und Handwaschpräparate

- Qualitätssicherung der Händehygiene

- Hautschutz und Hautpflege

- Rechtliche Aspekte

- Empfehlungen: Hygienische Händedesinfektion (Voraussetzungen, Indikationen, Auswahl und Durchführung, Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance und zur Qualitätssicherung); Chirurgische Händedesinfektion (Indikationen und Voraussetzungen, Durchführung); Medizinische Einmalhandschuhe und Schutzhandschuhe; Sterile OP-Handschuhe; Händewaschung; Hautschutz und Hautpflege.

Wo? Die KRINKO-Empfehlung „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ steht auf der Homepage des Robert Koch-Instituts unter www.rki.de (Schaltfläche „Kommissionen“ >>> „Wissenswertes aus dem Bereich – Empfehlungen der KRINKO“ unter der Rubrik „Infektionsprävention in Pflege, Diagnostik und Therapie“) zum Download bereit. Hier finden Sie auch noch weitere Informationen zum Thema Händehygiene.

Praxistipp. In Kapitel „11 Empfehlungen“ der neuen KRINKO-Empfehlung sind, unter Beachtung der „Evidenz- Kategorien in der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“, kompakt die Händehygiene- Empfehlungen beschrieben.

Ihre LZK-Geschäftsstelle