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Berufspolitik

Landesversammlung des FVDZ in Ispringen

 

Zukunftsmodell Zahnmedizin in der Diskussion

Ausgabe 10, 2017

Die Landesversammlung des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte Baden-Württemberg (FVDZ), die am 15. Juli 2017 im badischen Ispringen stattfand, bot Diskussionsstoff wie noch nie zuvor. Diesmal stand zusätzlich eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Standespolitik, Parteien und Krankenkassen auf dem Programm, die sich mit der Zukunft der Zahnmedizin im Rahmen der gesetzlichen Sozialversicherung befasste. Gerade die kontroversen Meinungen zeigten deutlich: Das Gesundheitssystem in Deutschland ist sehr komplex und geeignete Lösungsansätze zu finden, ist schwer.

Traditionell beginnt die Landesversammlung mit einer Reihe von Grußworten. Als neuer Präsident der Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg wurde Dr. Torsten Tomppert um ein Grußwort gebeten. Dr. Tomppert, selbst Mitglied beim FVDZ, betonte dabei, wie wichtig die Freiberuflichkeit für die Zahnärzteschaft sei und die Kammer als berufliche Selbstverwaltung eine tragendende Rolle spiele. Im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl kritisierte er, dass der Staat inzwischen viel zu viel kontrolliere und reguliere, was die zahnärztliche Berufsausübung stranguliere, viel Zeit koste und letztendlich den Patienten schade. Dieser Zustand sei inakzeptabel und die Politik solle im Sinne des Zitats des Schweizer Publizisten Ernst Reinhardt handeln: „Was ist Fortschritt anderes, als immer mehr Irrtümer einzusehen und immer weniger zu begehen.“

Genossenschaftsmodell. Auch Harald Schrader, Bundesvorsitzender des FVDZ, kam zu Wort. Es war ihm ein Anliegen aufzuzeigen, dass der Freie Verband einen Mehrwert bieten möchte, damit sich die Mitgliedschaft auch lohne. Hier sind vor allem die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte im Fokus. Sie benötigen besondere Unterstützung, denn es sei heute kaum mehr möglich, eine Praxis einzurichten, ohne sich ein Leben lang zu verschulden. Der Freie Verband hat dabei ein besonderes Modell im Blick: Medizinische Versorgungszentren könnten zu Genossenschaften werden, in die sich Berufsanfänger anteilsmäßig einkaufen könnten. Das finanzielle Risiko wäre für den Einzelnen überschaubar und böte zudem basisdemokratische Entscheidungsmöglichkeiten. Die Zahnärzte wären Angestellte und Unternehmer gleichzeitig und zudem flexibler, denn sie könnten ihre Anteile auch wieder verkaufen. Genossenschaften böten außerdem einen guten Schutz gegen Hedgefonds, die derzeit auf den Markt drängen, um das ambulante Gesundheitswesen zu übernehmen.

Podiumsdiskussion. Passend zur Bundestagswahl fand unter der Moderation von Wolfgang Molitor, stellvertretender Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, eine Diskussionsrunde zum Thema „Zukunftsmodell Zahnmedizin: Die Zukunft der Zahnmedizin im Rahmen der gesetzlichen Sozialversicherung“ mit Standespolitikern, Vertretern der Parteien sowie der Krankenkassen statt. Mit dabei: Rainer Hinderer MdL, gesundheitspolitischer Sprecher der SPDLandtagsfraktion, Jochen Haußmann MdL, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Gunther Krichbaum MdB aus dem Wahlkreis Pforzheim (CDU), Harald Schrader, Bundesvorsitzender des FVDZ, und Andreas Vogt, Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse Baden- Württemberg. Dabei war die Bürgerversicherung ein großes Thema und die parteipolitischen Positionen wurden sehr deutlich kommuniziert. Während Jochen Haußmann MdL davor warnte, ein funktionierendes System aufzugeben und dabei von Gunther Krichbaum (CDU) und Harald Schrader Unterstützung bekam, versuchte Rainer Hinderer (SPD) als einziger Befürworter dieser Runde das Modell zu verteidigen. Andreas Vogt zeigte als Krankenkassenvertreter auf, wo seiner Meinung nach die Probleme angegangen werden müssten: z. B. beim Finanzierungsmodell der PKV, das der Demografie nicht gerecht werde. Ob es in der Diskussion nun um Bürokratieabbau, Bonussysteme für Patienten, Freiberuflichkeit oder um die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Zahnärzte ging, am Ende wurde deutlich: Das Gesundheitssystem in Deutschland ist eine sehr komplexe Angelegenheit und benötigt vielschichtige Lösungen, um gesichert in die Zukunft zu kommen.

Landesversammlung. Nach dem politischen Part ging es an die grundsätzliche Arbeit des Freien Verbandes und der Landesvorsitzende Dr. Joachim Härer skizzierte in seiner Rede die Aufgaben und Herausforderungen, die den Landesverband derzeit beschäftigen. Er stellte einige politische Themen zur Diskussion, für die entsprechende Anträge zur Abstimmung vorlagen, so z. B. zum Zukunftsmodell Zahnheilkunde, zu den Rahmenbedingungen für die Praxisausübung, Telematik oder zum Hygienekonzept für Zahnarztpraxen. Außerdem wurde eine aktualisierte Plattform in der Version 2017 vorgestellt. Der Diskussionsbedarf zu allen Anträgen und zur Plattform war groß, aber letztendlich wurden bei der Abstimmung alle Anträge angenommen. Hier finden Sie sämtliche Anträge im Wortlaut sowie die Plattform 2017 als PDF.

Zum Schluss stand noch die Wahl eines neuen Landesvorsitzenden auf dem Programm. Der amtierende Vorsitzende Dr. Joachim Härer kandidierte ebenso wie seine Stellvertreter. Dr. Joachim Härer wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt. Als Stellvertreter wurden Dr. Thomas- Rainer Schlachta und Dr. Jens Finger in ihren Ämtern bestätigt. Die Versammlungsleitung wurde wieder an Dr. Gisela Leisin-Hillebrand und ihre Stellvertreter Dr. Elisabeth Echternach und ZA Heinz-Jürgen Bruckmann übertragen.

Fazit. Die Landesversammlung hat wieder einmal gezeigt: Der Diskussionsbedarf in der Zahnärzteschaft ist groß und der Meinungsaustausch konnte den ganzen Tag lang gepflegt werden. Es wurde deutlich, dass dem Freien Verband eine wichtige Rolle in der Diskussion um den zahnärztlichen Berufsstand zukommt, denn er darf sich zu allen Aspekten politisch frei äußern, während sich die berufspolitischen Organisationen oft in Zurückhaltung üben müssen. Gerade die kontroversen Diskussionen sind aber wichtig, um eine Weiterentwicklung voranzubringen. Man kann dem Freien Verband für die Zukunft nur wünschen, diese Chance zu nutzen und dabei den Worten des Bundesvorsitzenden zu folgen, der in Ispringen dazu aufforderte: „Wir müssen wieder Steine ins Wasser werfen, damit es Wellen gibt.“

claudia.richter@izz-online.de

 

3. Landesweiter SuB-Erfahrungsaustausch

 

Ein menschlicher und wirtschaftlicher Gewinn

Ausgabe 10, 2017

Kaum ein Bundesland hat vergleichbare Strukturen in der Altersund Behindertenzahnheilkunde: In Baden-Württemberg gibt es 41 Senioren- und Behindertenbeauftragte. Sie sind sowohl erste Anlaufstelle für Kollegen als auch Ansprechpartner für Pflegeeinrichtungen, die einen Kooperationszahnarzt für ihre Einrichtung suchen. Einmal im Jahr lädt die Landeszahnärztekammer ihre Senioren- und Behindertenbeauftragten zu einem Erfahrungsaustausch ein. Die Beauftragten erhalten Informationen aus erster Hand zu gesetzlichen Neuerungen und Kooperationsverträgen sowie aktuellen Entwicklungen in der Alters- und Behindertenzahnheilkunde. Ein Impulsreferat zur internen Fortbildung rundet das alljährliche Treffen ab.

„Eine engagierte Streiterin für das Thema Alters- und Behindertenzahnheilkunde auf KZV-Seite“. Mit diesen Worten begrüßte LZK-Referent für Alterszahnheilkunde, Dr. Elmar Ludwig die Vorstandsvorsitzende der KZV BW, Dr. Ute Maier, als erste Referentin des Tages. „Das ist eine gute Konstellation und wir sind in Baden-Württemberg außergewöhnlich gut aufgestellt“.

Kooperationsverträge zwischen Zahnärzten und Pflegeeinrichtungen, Individualprophylaxe für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung, G-BA-Krankentransport- Richtlinie … über das SGB V gibt es zahlreiche Bezugspunkte zum Vertragszahnarztrecht und zur KZV im Bereich der Alters- und Behindertenzahnheilkunde.

Entsprechend groß ist jedes Jahr das Interesse der Senioren- und Behindertenbeauftragten an den Ausführungen aus erster Hand durch die KZV-Vorsitzende.

In diesem Jahr präsentierte Dr. Maier eine vergleichende Auswertung der DMS-V-Studie für jüngere und ältere Senioren.

Dr. Maier ging ebenfalls auf den Stand der Umsetzung von § 22 a SGB V ein und kündigte ein Ende der Beratungen im G-BA sowie die Umsetzung im BEMA voraussichtlich zum 1. Juli 2018 an.

Was den aktuellen Stand der abgeschlossenen Kooperationsverträge betrifft, konnte sie die Zahl von 331 abgeschlossenen Verträgen im Bereich der KZV BW bekanntgeben. Dabei hat die Mehrheit der 230 Zahnärztinnen und Zahnärzte einen bis drei Kooperationsverträge abgeschlossen.

Abschließend berichtete die KZVVorsitzende über die Vertragssituation und bat die Beauftragten um ihre Teilnahme am Zahnärzte-Praxis-Panel ZäPP.

Kompetenz. LZK-Referent für Behindertenzahnheilkunde, Dr. Guido Elsäßer gilt als ein Experte im Bereich der Behindertenzahnheilkunde in Deutschland. Dies hat ihn auch in die Arbeitsgruppe der KZBV zur Umsetzung des § 22 a SGB V geführt. Aus diesen Sitzungen konnte Dr. Elsäßer in Ergänzung zu den Ausführungen von Dr. Maier berichten, dass einzig die Frequenz der Entfernung der harten Zahnbeläge noch zu den strittigen Fragen im G-BA gehört. Während KZBV und Patientenvertreter die Entfernung bei Bedarf bis zu viermal im Jahr fordern, beharren die Vertreter der gesetzlichen Krankenversicherungen auf der Entfernung nur einmal im Jahr und fordern entsprechende evidenzbasierte Studien.

Das Handbuch der Mundhygiene der BZÄK wurde überarbeitet – federführend daran beteiligt waren beide LZK-Referenten. Derzeit läuft die Bedarfsabfrage der BZÄK, voraussichtlich im Herbst werden die neuen Pflegehandbücher ausgeliefert.

„Zwischen Bundesjugendspielen und Kirchentag“ – so beschrieb Dr. Elsäßer die Special Olympics Baden-Württemberg, die von 17. bis 19. Mai in Offenburg stattgefunden haben. Dr. Elsäßer ist regionaler Koordinator des Special Smiles Programm, des Gesundheitsprogramms, in dessen Rahmen die Athleten augen- und zahnärztlich untersucht werden. Derzeit laufen die Beratungen über eine Kooperationsvereinbarung zwischen Special Olympics BW und der LZK BW.

Abschließend verwies Dr. Elsäßer für interessierte Einsteiger in die Behindertenzahnheilkunde noch auf den Intensivkurs im ZFZ Stuttgart, bei dem er als Referent aktiv ist. Außerdem gab er den SuBs den Ratschlag, mit den Behindertenbeauftragten, die es in jedem Landkreis gibt, Kontakt aufzunehmen. „Das sind Ihre Ansprechpartner vor Ort!“

Schatz und Verantwortung. „Mit wie vielen Kissen schlafen Sie?“ Dies wäre eine angemessene Kontrollfrage, um das Risiko eines kardiologischen Notfalls einschätzen zu können. Das sagte die Münchner Fachärztin für Anästhesiologie Dr. Catherine Kempf, die das diesjährige Fachreferat beim landesweiten Erfahrungsaustausch hielt.

Fast die Hälfte aller Notarzteinsätze in der Zahnarztpraxis sind auf kardiologische Notfälle zurückzuführen. „Da hilft nur eines – aktualisieren Sie Ihre allgemeinmedizinische Anamnese!“ Dann lasse sich vermeiden, dass diese Patienten zu flach im Behandlungsstuhl gelagert werden, „das schafft das Herz nicht mehr“. Nicht die Krankheit an sich, sondern die Schwere der Krankheit sei entscheidend für Risiko und Therapie.

72 Prozent der über 65-Jährigen nehmen täglich fünf bis sieben Medikamente. „Sie müssen nach den Medikamenten, die Ihre Patienten einnehmen, fragen“, appellierte Dr. Kempf, „und die Wechselwirkungen beachten!“ Falsche Dosierung sei noch immer der häufigste Fehler und führe zu Niereninsuffizienz, so die Münchner Expertin. „Oft erkennt der Zahnarzt als erster eine systemische Erkrankung – das ist doch ein großer Schatz und zugleich eine immense Verantwortung!“

Königsdisziplin. Mit einem leidenschaftlichen Appell für das Engagement in der Alters- und Behindertenzahnheilkunde, das in jeder Hinsicht sowohl ein menschlicher wie auch wirtschaftlicher Gewinn sei, forderte Dr. Ludwig die Senioren- und Behindertenbeauftragten auf, in persönlichen Gesprächen bei den Kolleginnen und Kollegen vor Ort für die Arbeit in der Alters- und Behindertenzahnheilkunde und den Abschluss von Kooperationsverträgen zu werben. „Die Alterszahnheilkunde ist die Königsdisziplin – bei der demografischen Entwicklung in Deutschland muss und wird sich jede allgemeinzahnärztliche Praxis in diesem Bereich engagieren müssen!“ Über Fortbildungen an den vom Arbeitskreis initiierten Intensivkursen und Curricula der kammereigenen Fortbildungsinstitute im Land könne der Zugang geebnet werden. Mit der Überarbeitung und Aktualisierung des Handbuches für die Seniorenund Behindertenbeauftragten haben die Beauftragten eine To-Do-Liste an die Hand bekommen. Hier sind alle relevanten Netzwerkpartner aufgeführt, zu denen es nach und nach Kooperationen aufzubauen gilt, z. B. die Teams der Heimaufsicht, die im Rahmen der Heimnachschau auf das Betreuungsangebot der LZK BW hinweisen können. „Es wäre sehr bedauerlich, wenn es uns nicht aus eigener Kraft gelingt, die Menschen mit Unterstützungsbedarf zu betreuen und wir dann am Ende vom Staat vorgeschrieben bekommen, wie wir es zu machen haben“. Dr. Ludwig betonte, dass der Abschluss eines Kooperationsvertrages nicht vorrangig ein karitatives Engagement darstelle, es gehe vielmehr um die richtige Organisation und Integration in die Praxis. Und die Hilfestellung dazu leistet der Arbeitskreis Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung der LZK.

Das nächste landesweite Treffen für die Senioren- und Behindertenbeauftragten der LZK BW findet am 21. April 2018 in Stuttgart statt.

mader@lzk-bw.de

 

Sommertour in Baden-Württemberg

 

Persönlicher Dialog mit wichtigen Einblicken

Ausgabe 10, 2017

Dörzbach, Bühlertal, Waghäusel-Kirrlach, Schönaich, Waiblingen, Backnang, Hardheim, Heilbronn und Neuffen: Hier hatte die Sommertour im August und Anfang September Station gemacht – und war mit den Praxisbesuchen in die heiße Phase des Wahlkampfs gestartet. Mit dem Ausgang der Bundestagswahl am 24. September stand auch die Entscheidung darüber an, wie das zukünftige Gesundheitswesen und die (zahn-)medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger gestaltet werden. „Deshalb ist es so wichtig, den persönlichen Dialog zu suchen, um auf drängende Fragen und Probleme hinzuweisen, damit diese möglichst gelöst werden“, sagte Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW.

Bürokratie, Richtlinien, Bürgerversicherung, Versorgung vor Ort und Kommunalportal, Niederlassung versus Anstellung, die Technologisierung der zahnärztlichen Arbeit: Themen gab es genug im Dialog mit Landtagsabgeordneten, Bundestagskandidaten und Landräten und Bürgermeistern bei der Sommertour. „Immer größerer bürokratischer Aufwand könnte in Zukunft die zahnärztliche Versorgung gefährden“, bringt es Redakteur Matthias Staber in seinem Beitrag in der Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung auf den Punkt. „30 Prozent seiner Arbeitszeit benötigt ein Zahnarzt heutzutage für die Bürokratie“, erläuterte Dr. Ute Maier. Immer schärfere Vorschriften treiben zudem die Kosten für die Praxen in die Höhe: „Allein die Wartungs- und Folgekosten der für die Reinigung und Desinfektion seiner Instrumente benötigten Geräte betragen pro Jahr über 10.000 Euro“, so der Schönaicher Zahnarzt Dr. Klaus Lux.

Im August und Anfang September hatte die Sommertour Station gemacht in den Praxen von Dr. Nicole Dörr, Dörzbach, Dr. Vera Hüttemann und Dr. Holger Hüttemann, Bühlertal, in der Praxisklinik für Oralchirurgie und Endodontie von Dr. Andre Hoffmann in Waghäusel- Kirrlach, in den Praxen von Dr. Andreas Kling und Dr. stom./Univ. Belgrad Lidija Novakovic, Waiblingen, und von Dr. Frank Kehrer und Dr. Ulrich Jeggle, Backnang, in der Gemeinschaftspraxis Dr. Wolfgang Eisenhauer und Dr. Uta Graalmann, Hardheim, bei Dr. Bernd Lang, Heilbronn-Neckargartach, und Dr. Michael Aschenbrenner, Neuffen.

Die bürokratischen Vorschriften und Handlungsanweisungen zu erfüllen „ist teuer und kostet viel Zeit“, berichtete die Hohenloher Zeitung. Wenn man die Richtlinien umsetzt seien das „enorme Zusatzbelastungen“, vermittelte Dr. Nicole Dörr dem Landtagsabgeordneten Arnulf von Eyb (CDU) und Landrat Matthias Neth. Dr. Vera Hüttemann und Dr. Holger Hüttemann diskutierten mit der Landtagsabgeordneten Sylvia Fiedler (CDU), mit Bundestagskandidat Manuel Hummel (Bündnis 90/Die Grünen) und Bürgermeister Hans- Peter Braun (siehe auch Bilder der Sommertour).

Dass die zahnärztliche Versorgung im Hohenlohekreis wie auch im Landkreis Rastatt gut ist, wurde sehr gewürdigt. „Es ist wichtig, frühzeitig ins Gespräch mit Ärzteschaft und Politik zu gehen, und zwar vorrangig auf kommunaler Ebene, um einem möglichen Ausbluten der Infrastruktur im ländlichen Raum entgegenzuwirken“, betonte Dr. Ute Maier.

Einblicke. Die Praxisklinik für Oralchirurgie und Endodontie von Dr. Andre Hoffmann in Waghäusel- Kirrlach besuchten der gesundheitspolitische Sprecher der FDP/ DVP-Landtagsfraktion Jochen Haußmann MdL und die FDP-Bundestagskandidaten Dr. Christian Jung und Hendrik Tzschaschel. Die Einblicke des Praxisteams in Arbeitsabläufe ermöglichten den Politikern, Hintergründe zu verstehen und verdeutlichten, wie wichtig es ist, einen Zahnarzt vor Ort zu haben.

„Wir Zahnärzte engagieren uns intensiv dafür, dass die sehr gute Versorgungssituation für die Patientinnen und Patienten in Baden- Württemberg erhalten wird“, betonte Dr. Ute Maier. Im Rahmen des ausführlichen Praxisrundgangs, mit Besuch des Sterilisationsraumes und Erläuterungen zu den Hygieneanforderungen, kamen viele bürokratiebehaftete Organisationsdetails, wie die sehr weitreichenden Hygienevorschriften, zur Sprache. „Diese Vorschriften halten zunehmend von der eigentlichen Arbeit ab: der Behandlung der Bürgerinnen und Bürger“, sagte Dr. Andre Hoffmann.

Bürgerversicherung. Dr. Ute Maier ging auch auf das kürzlich veröffentlichte Gutachten „Auswirkungen einer Bürgerversicherung auf die Versorgung in Baden-Württemberg“ ein. Der prognostizierte Verlust von 500 Zahnarztpraxen und über 2.000 Arbeitsplätzen im Land hätte konkrete Auswirkungen auch für den Landkreis Karlsruhe. Jochen Haußmann betonte, dass die freie Wahl der Krankenversicherung für die Freien Demokraten auch in Zukunft ein wichtiges Anliegen sei. „Dazu setzen wir uns neben einer starken privaten Krankenversicherung (PKV) auch für eine freiheitliche gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ein. Einer als ‚Bürgerversicherung‘ getarnten staatlichen Zwangskasse erteilen wir in unserem Wahlprogramm eine klare Absage“, sagte der FDP-Politiker.

Für die gute zahnärztliche Versorgung im ganzen Landkreis Konstanz und vehement gegen eine Bürgerversicherung: Mit klarer Botschaft wandten sich Jochen Haußmann und Dr. Ute Maier bei einer Vortragsveranstaltung des FDP-Kreisverbandes Konstanz an die interessierten Zuhörer. Jochen Haußmann forderte, dass es keine politischen Eingriffe in die Selbstverwaltung geben dürfe – die Selbstverwaltung müsse erhalten bleiben. Mit von der Partie war Tassilo Richter, Bundestagskandidat im Kreis Konstanz und Mitglied des Landesfachausschuss Gesundheit und Soziales.

guido.reiter@kzvbw.de
katrin.hommers@kzvbw.de

 

Minister-Lob für Initiativen der KZV BW

 

Lucha sagt Einsatz für Versorgung zu

Ausgabe 10, 2017

Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) hat in einem Schreiben an KZV-Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier seinen Einsatz „für eine gute zahnmedizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger“ zugesagt. Dem „weiterhin guten fachlichen Austausch“ – persönlich und mit der KZV BW – sieht er mit Freude entgegen. Besonders positiv würdigte der Minister die Initiativen der KZV BW wie beispielsweise das neue „Kommunalportal“. Lucha antwortet stellvertretend für Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) auf das Schreiben von Dr. Ute Maier zu Bürgerversicherung und den prognostizierten massiven Nachteilen für die Versorgung in Baden-Württemberg.

Der Minister bittet zunächst um Verständnis dafür, dass er in seiner Funktion „keine Äußerungen zum Wahlprogramm“ mache. Für Baden-Württemberg sieht er die „vorrangige Aufgabe“, für die zahnmedizinische Versorgung gute Rahmenbedingungen „in allen Regionen zu erhalten bzw. zu schaffen“. Die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte würden für ihre berufliche Tätigkeit neue Maßstäbe setzen – Stichworte sind u. a.: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Niederlassung und Anstellung, Einbeziehung der Lebenspartnerin oder des Lebenspartners in berufliche Entscheidungen. Lucha: „Daran wollen wir gemeinsam mit den Akteuren im Gesundheitswesen und so auch mit Ihnen arbeiten, dass auch die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte in Zukunft die vertragszahnärztliche Versorgung in Baden-Württemberg sicherstellen.“

Engagement. Die „gute bis sehr gute Versorgungslandschaft“ solle „ausreichend Ansporn sein, unser Engagement aufrechtzuerhalten“, so der Minister. In diesem Zusammenhang bedankt sich Lucha „für die Initiative der Kassenzahnärztlichen Vereinigung bei der Einrichtung der Online-Plattform ,Kommunalportal‘“. Das Portal biete eine gute Möglichkeit, Kriterien für die Entscheidung zur Gründung oder Übernahme zu vermitteln. Gerne habe er daher die Schirmherrschaft übernommen.

„Wir bedanken uns sehr herzlich bei Minister Manfred Lucha für die Unterstützung und die klaren Auffassungen, und wir freuen uns ebenfalls sehr darauf, wichtige Versorgungsfragen gemeinsam zu diskutieren und konstruktiv pragmatisch Lösungen für Baden- Württemberg zu finden“, so Dr. Ute Maier.

guido.reiter@kzvbw.de

 

ZäPP-Erhebung: Jeder Teilnehmer zählt!

 

Rücksendefrist bis Ende Oktober verlängert

Ausgabe 10, 2017

Seit Anfang Juli liegen die Erhebungsunterlagen für das Zahnärzte- Praxis-Panel (ZäPP) in den baden-württembergischen Zahnarztpraxen vor. Durchgeführt wird die Erhebung vom Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi) im Auftrag der KZV BW. In der Zwischenzeit sind bereits zahlreiche ausgefüllte Fragebögen in der Treuhandstelle des Zi eingegangen. Um den angeschriebenen Zahnärztinnen und Zahnärzten etwas mehr Zeit für die Bearbeitung zu geben, ist nun die Rücksendefrist für die Unterlagen bis 31.10.2017 verlängert worden.

Ziel der Erhebung ist es, eine aussagekräftige und belastbare Datengrundlage über die Rahmenbedingungen und die wirtschaftliche Entwicklung – insbesondere der Kosten – in den Zahnarztpraxen in Baden-Württemberg zu gewinnen. Die Ergebnisse sind für die Verhandlungen mit den Krankenkassen über die künftige Vergütung vertragszahnärztlicher Leistungen von entscheidender Bedeutung. Einbezogen sind alle Zahnarztpraxen mit Zulassung vor dem 02.01.2014. Die Teilnahme ist freiwillig (wir berichteten, s. ZBW 06/2017). Die wichtigsten Punkte zum ZäPP sind hier nochmals zusammengestellt.

Steuerberater. Zur Bearbeitung von Teil C des Fragebogens (Finanzdaten der Praxis) ist die Einbindung des Steuerberaters erforderlich, welcher die notwendigen Angaben bereitstellen und auf dem Datenblatt mit Stempel und Unterschrift bestätigen muss. Die Bestätigung ist notwendig, um eine nachweislich valide Datenbasis zu gewährleisten und somit belastbare Auswertungsergebnisse erzielen zu können. Da viele Zahnärzte keinen Steuerberater nutzen, werden auch Bestätigungen durch verwandte Berufsgruppen akzeptiert. Zur Klärung möglicher Alternativen steht die Treuhandstelle des Zi gern beratend zur Verfügung.

Bereitstellung der Finanzdaten. Um den Bearbeitungsaufwand beim Steuerberater möglichst gering zu halten, stellt das Zi in Zusammenarbeit mit DATEV, ADDISON und HMD Software-Tools bereit, mit denen die Finanzdatenabfrage durch den Steuerberater automatisiert erfolgen kann. Bislang sind hier die im zahnärztlichen Bereich verbreiteten Kontenrahmen SKR 80 und SKR 03 hinterlegt.

Derzeit wird vom Zi an einer Erweiterung der Software-Angebote gearbeitet, um auch Steuerberater, welche den Kontenrahmen SKR 04 nutzen, besser unterstützen zu können. In einem ersten Schritt steht daher ab sofort eine Zuordnungstabelle der Konten aus dem SKR 04 zu den Fragen im Teil C des ZäPP-Fragebogens zur Verfügung. Interessierte Steuerberater und Zahnärzte wenden sich für nähere Informationen bitte an die Treuhandstelle des Zi.

Ihre Vorteile. Teilnehmer am ZäPP erhalten zahlreiche Vorteile. Neben der Aufwandspauschale werden zusätzliche Informationsangebote bereitgestellt, welche für die wirtschaftliche Planung der Praxis eingesetzt werden können: die Praxisberichte und die sogenannte Chef-Übersicht.

Praxisbericht. Von A wie Arbeitszeiten bis Z wie Zahnersatz können sich ZäPP-Teilnehmer mit dem Praxisbericht einen schnellen Überblick über die wirtschaftliche Situation ihrer Praxis im Vergleich zum baden-württembergischen Durchschnitt verschaffen. Im Bericht dokumentieren Kennzahlen, wie viele Stunden Zahnärzte und Praxismitarbeiter durchschnittlich arbeiten oder wie sich die Einnahmen- und Kostenstrukturen der Praxis darstellen. Dabei werden jeweils den Werten der eigenen Praxis Vergleichskennzahlen aus Baden-Württemberg gegenübergestellt – so können ZäPP-Teilnehmer ihre eigene Situation auf einfache Weise mit den Durchschnittswerten in BW vergleichen.

Chef-Übersicht. Zusätzlich zum Praxisbericht erhalten ZäPPTeilnehmer Zugang zur soge-nannten Chef-Übersicht. Übersichtlich und einfach gestaltet stellt dieses interaktive Online-Portal anhand von Grafiken und Erläuterungen die Entwicklung der Einnahmenund Kostenstrukturen der Praxis im Verlauf der vergangenen Jahre dar. Hat sich der Zahnarzt einen Überblick über die bestehenden Finanzstrukturen verschafft, kann die Chef-Übersicht zudem als Grundlage für die Finanzplanung der kommenden drei Jahre genutzt werden. Anhand von Szenario- Analysen kann der Zahnarzt zum Beispiel rasch veranschaulichen, welche Auswirkungen eine Investition oder welche Folgen Personalveränderungen hätten. Die Szenarien werden in der ChefÜbersicht grafisch aufbereitet und übersichtlich dargestellt. Weiterhin besteht die Möglichkeit, die entwickelten Szenarien zu exportieren und als Grundlage für die private Liquiditätsplanung für die kommenden Jahre zu nutzen.

Kontakt. Die Treuhandstelle des Zi steht den baden-württembergischen Zahnärztinnen und Zahnärzten bei Rückfragen unter der Rufnummer 030/40052446 gern zur Verfügung. Der Vorstand der KZV BW bittet alle vom Zi angeschriebenen Zahnärztinnen und Zahnärzte nochmals sehr herzlich und eindringlich, die Erhebungsunterlagen auszufüllen und an die Treuhandstelle des Zi bis Ende Oktober zurückzusenden, sofern dies nicht bereits erfolgt ist. Machen Sie mit, es ist in Ihrem Interesse und zu Ihrem Vorteil. Jeder Teilnehmer zählt!

KZV BW