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Kultur

Kunstmuseum Basel zeigt Marc Chagall

 

Kunst der Pariser Vorkriegsjahre

Ausgabe 10, 2017

Die Ausstellung Chagall – Die Jahre des Durchbruchs 1911 bis 1919 fokussiert auf das Frühwerk Marc Chagalls. Grundlage ist die außerordentliche Gruppe von hochkarätigen Gemälden des französischen Künstlers in der Sammlung des Kunstmuseums Basel und der Sammlung Im Obersteg.

Der künstlerische Durchbruch Marc Chagalls vollzog sich zwischen zwei gegensätzlichen Polen: Seiner weißrussischen Heimatstadt Witebsk und der Weltstadt Paris, wo Chagall von 1911 bis 1914 lebte. In dieser Zeit kombinierte er in seinen Gemälden Erinnerungen aus dem russischen Provinzleben mit ikonischen Bruchstücken aus dem Leben in der Metropole. Reminiszenzen an die russische Volkskunst wurden ebenso verarbeitet wie neueste stilistische Experimente, denen er durch das Leben im Mittelpunkt der künstlerischen Avantgarde und durch die Bekanntschaft mit vielen der progressivsten Künstler, darunter Pablo Picasso, Robert und Sonia Delaunay sowie Jacques Lipchitz, ausgesetzt war.

Schlüsselwerke. Aus diesen Pariser Jahren zeigt die Ausstellung Schlüsselwerke wie À la Russie, aux ânes et aux autres (1911), die den Erfolg Chagalls auf dem Salon des Indépendants 1912 begründeten, und Hommage à Apollinaire (1913), das von seiner Verbindung zum französischen Dichter und der Pariser Avantgarde zeugt.

1914 nahm Chagalls Biografie eine unbeabsichtigte Wende. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges überraschte ihn während einer Reise in seine Heimat und zwang ihn zu einem achtjährigen Aufenthalt in Russland. Die Ausstellung zeigt eine repräsentative Auswahl von Werken aus dieser künstlerisch, biografisch und politisch bewegten Zeit.

Selbstreflexion. In Witebsk setzte eine Phase intensiver Selbstreflexion ein, von der viele Gemälde und Arbeiten auf Papier Zeugnis ablegen. Einen Höhepunkt in Chagalls Werk aus den russischen Jahren stellt die Gruppe der sogenannten „vier großen Rabbiner“ – von denen sich drei in der Sammlung Im Obersteg befinden – dar, die in kurzer Folge 1914 bis 1915 entstanden und nun erstmals gemeinsam zu sehen sein werden. In den Gemälden gelingt dem Künstler eine überzeugende Synthese zwischen aus dem eigenen Erlebnis gespeister intensiver Emotion einerseits und der Suche nach neuen formalen Lösungen andererseits. Die Jahre nach Chagalls Rückkehr nach Russland sind zudem von den Kriegshandlungen geprägt, die auch seine Heimatstadt betreffen.

Selbstporträts. In diesen acht Jahren entstanden außerdem zahlreiche Selbstporträts, Darstellungen des jüdischen Lebens und zuletzt Entwürfe für das Bühnenbild zur Jahresfeier der Oktoberrevolution 1918, die er in seiner Funktion als Kommissar für Künste und Leiter der Kunstschule von Witebsk ausrichtete. Die wichtige Gruppe von Gemälden in den Sammlungen des Kunstmuseums Basel wird ergänzt durch hochkarätige Leihgaben aus Schweizer und internationalen privaten und öffentlichen Sammlungen.

Kunstmuseum Basel/IZZ