Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Vertreterversammlung der BZK Tübingen

 

Patientenberatung in der Diskussion

Ausgabe 11, 2017

Es gehört schon zur Tradition, dass der Vorsitzende der BZK Tübingen, Dr. Wilfried Forschner, am Abend vor der Vertreterversammlung die Kreisvorsitzenden ausführlich über Beratung, Beschlüsse und berufspolitische Diskussionen des Vorstands informiert. In der Vertreterversammlung am 14. September in Konstanz beherrschte das Thema Patientenberatung die Diskussion.

Seit über 25 Jahren ist die Zahnmedizinische Patientenberatung als Service des Berufsstandes in Baden- Württemberg etabliert. Damit hatte Baden-Württemberg Pionierarbeit auch für andere Kammerregionen geleistet. Heute, nachdem die Patientenberatung durch einen eigenen Verwaltungsrat repräsentiert wird, in dem die Körperschaften paritätisch zusammenwirken, stellte der Vorstand der BZK Tübingen den kostenfreien Service für die Bürgerinnen und Bürger zur Diskussion in der Vertreterversammlung. „Patientenberatung ist eine freiwillige Aufgabe des Berufsstandes“, betonte der Vorsitzende, „denn das Kammergesetz sieht keine verpflichtende Beratung vor“. Die Zahnärzteschaft Baden- Württemberg habe auf diesem Gebiet ein Alleinstellungsmerkmal. „Jedenfalls“, fügte der Vorsitzende hinzu, „haben die Ärzte nichts Vergleichbares“. Nach Meinung des Vorsitzenden brauche es keine eigene Institution, um z. B. eine Zweitmeinung einholen zu können. Jeder Zahnarzt könne konsultiert werden, ist sich der Vorsitzende sicher. Da die Patientenberatung auch einen Teil der Kammerkosten verursache, müsse diese Institution hinterfragt werden dürfen. Dr. Peter Riedel, Vorsitzender der BZK Freiburg und Gast der Vertreterversammlung, zudem im Verwaltungsrat Patientenberatung, zählte die positive Wirkung auf. Die Patientenberatung habe eine „enorme Steuerungsfunktion“, jeder verhinderte negative Niederschlag in den Medien zahle sich letztlich aus: Deswegen solle die Patientenberatung „in unserer Regie bleiben“. Denn es gebe zu viele undurchsichtige Quellen, die meinen, auch beraten zu können. „Doch nur wir Zahnärzte haben die Kompetenz, durch die die Patientenberatung in Politik und Gesellschaft eine große Akzeptanz erzielt hat.“

Nachfrage. Verzeichnete die Patientenberatung 2014 2206 Nachfragen, so waren 2016 2123 zu konstatieren. In der individuellen Zweitmeinung sind es im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016 ungefähr 600 pro Jahr. Einige Vertreter kritisierten den hohen Aufwand bei der Datenerfassung.

Guter Rat. Die Klientel der Ratsuchenden Patienten sei in der Regel im Seniorenalter und nicht so internetaffin, betonte Dr. Norbert Engel, Vorsitzender der BZK Karlsruhe, als Gast der VV. Die sogenannte Unabhängige Patientenberatung stoße in der Kollegenschaft nicht auf Akzeptanz. Die UPD habe zudem mit ,,unserem Berufsstand keine Grundberührung“. „Wir waren froh, dass nur Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg als ehrenamtliche Berater in der Patientenberatung mitwirken“. Zudem dürfe das Stadt-Land-Gefälle nicht außer Acht gelassen werden. Dr. Norbert Engel fügte hinzu: „Baden-Württembergs Patientenberatung hat Modellcharakter und ist durchweg positiv“. Dr. Manfred Jooß pflichtete Dr. Norbert Engel bei: „Wir wollten und wir haben ein Exportmodell für andere Bundesländer.“ Patientenberatungen können gegebenenfalls in Teilbereichen neu justiert werden, aber ,,als Wegweiser für Patienten ist die Patientenberatung unverzichtbar“. Viele Patienten seien hilflos und verstünden auch keinen Heil- und Kostenplan. Dr. Bernd Stoll kritisierte, dass „heute die Patientenberatung zu viel an Bürokratie verursacht, weil die Datenerfassung bei der Beratung zu umfassend sei. Deshalb stellt sich die Frage, wie eine Verschlankung ausgestaltet werden kann.“ Dr. Markus Steybe erläuterte seine Erfahrung aus der Beratung im Forum Zahngesundheit und bei Telefonaktionen in Zusammenarbeit mit den Redaktionen der Tageszeiten: „Wer die Dankbarkeit der Ratsuchenden erlebt hat, kann nicht gegen die Beratung insgesamt sein.“ Das Internet biete mehr Desinformation als verlässliche Information. Auch Dr. Herbert Martin sprach sich für eine Verschlankung der Patientenberatung aus. Dr. Horst Gebhardt meinte, dass die Kritik an der derzeitigen Ausgestaltung der Patientenberatung objektiv geprüft werden solle. Aber er betonte auch, dass die Patientenberatung in der Öffentlichkeit „gut ankommt“, in der Presse als auch bei der Kollegenschaft. „Ältere Patienten wollen nicht zu anderen Zahnärzten zur Beratung“. Deswegen plädiere er für die Beibehaltung, aber in abgespeckter Form. Die Vertreterversammlung beschloss nach intensiver Diskussion, in der Vertreterversammlung der LZK Baden- Württemberg folgenden Antrag einzubringen: „Die Patientenberatung BW wird zum nächstmöglichen Zeitpunkt im Hinblick auf Struktur und Kosten in den zuständigen Gremien auf den Prüfstand gestellt. Da die Patientenberatung zu gleichen Teilen von KZV BW und LZK BW getragen wird, ist hier das Einvernehmen herzustellen.“

Appro-Neu. Die neue Approbationsordnung ist seit Jahren ein unendliches Thema. Dr. Torsten Tomppert, Präsident der Landeszahnärztekammer, erläuterte auf der VV, dass Baden-Württemberg im Bundesrat eine Vertagung der Verabschiedung der Approbationsordnung für Zahnärzte beantragt habe, weil die Landesregierung neue Zahlen wünsche. Die Initiative sei vom Wissenschaftsministerium ausgegangen. Dr. Dr. Heinrich Schneider, stv. Vorsitzender der BZK Tübingen, berichtete aus der erweiterten Vorstandssitzung des FVDZ, die sich kritisch mit der neuen Approbationsordnung auseinandergesetzt habe. Prof. Dr. Bernd Haller ergänzte, dass es sicherlich aus Finanzierungsgründen auch in der Universität Stimmen gebe, die die Approbationsordnung lieber so lassen würden. Nur sei das eine gefährliche Situation. Früher habe die Prothetik in der Zahnheilkunde im Vordergrund gestanden. Mittlerweile gebe es einen Paradigmenwechsel in der Zahnheilkunde, nämlich in Richtung Parodontologie und Prävention. „Im Endeffekt geht es immer wieder um das liebe Geld.“ Damit einhergehend auch um die Veränderung des Relationsschlüssels bei der Betreuung. Die Approbationsordnung der Mediziner werde im Drei- bis Vierjahresrhythmus novelliert. Nach jetzt mehr als 60 Jahren sei es angesagt, die jetzt vorgelegte Approbationsordnung für Zahnärzte endlich zu verabschieden. Last but not least verabschiedete die Vertreterversammlung bei drei Enthaltungen der Betroffenen aus dem Haushaltsausschuss die Prüfung des Haushalts 2016 und verabschiedete den Haushaltsansatz 2018, der in der Landeszahnärztekammer VV am 2. Dezember in den Gesamthaushalt der Landeszahnärztekammer einfließt.

Im Anschluss an die sehr breit geführte Diskussion gaben noch die Referenten für Fortbildung, Prof. Dr. Bernd Haller, GOZ, Dr. Herbert Martin und Dr. Monika Krämer, Kieferorthopädie, und Dr. Bernd Stoll, Vorstandsreferent für Mitarbeiterinnen, sowie Dr. Martin Braun, Prophylaxereferent, und Dr. Christian Hoch zum Thema Praxisbegehungen, ihre Statements ab.

johannes.clausen@izz-online.de

 

Vertreterversammlung der BZK Karlsruhe

 

Die Kammer, glaubwürdig, vertrauensvoll und kompetent vertreten

Ausgabe 11, 2017

„Wir richten in unserem Bezirk den Blick nach vorne und arbeiten hart an unseren Aufgaben. Dies geschieht mit der uns innewohnenden Liberalität, aber immer mit Blick auf die Notwendigkeit, die gute Qualität der Zahnheilkunde hier im Lande zu bewahren und weiterzuentwickeln“, betonte der Vorsitzende der BZK Karlsruhe, Dr. Norbert Engel, Ende September in seiner Rede vor den Vertreterinnen und Vertretern im Zahnärztehaus Mannheim.

Es war eine sehr bemerkenswerte Rede, die der Vorsitzende in der VV hielt. Dabei spannte er einen weiten Bogen, um den neuen Kolleginnen und Kollegen in der VV „eine erste allgemeine nicht nur zahnarztbezogene Orientierung“ zu geben. Deshalb stellte er zu Beginn die Frage: „Welchen Teil des Landes Baden-Württemberg repräsentieren wir?“ Den Regierungsbezirk Karlsruhe gibt es in dieser Form erst seit 1973. „Unser Regierungsbezirk ist ein „Vielvölkerstaat“, in dem Badener, Kurpfälzer, Schwaben und andere „friedlich zusammenleben, ja mehr noch – konstruktiv zusammenleben“. Historische Ereignisse, bedeutende Persönlichkeiten der Literatur- und Geistesgeschichte wie Hermann Hesse, Calw, Philipp Melanchthon, Bretten, Johannes Reuchlin, Pforzheim, oder der sagenumwobene Alchimist „Dr. Faust, Knittlingen“, die aus unserer Region stammten, verschiedenste Dialekte, die jahrhundertelange Geschichte der ältesten Universität Deutschlands in Heidelberg (seit 1386) „haben einen äußerst fruchtbaren und inspirierenden Boden bereitet. Badisches Savoir Vivre, kurpfälzische Liberalität (Schillers Räuber wurden in Mannheim uraufgeführt) sowie schwäbische Tüftelei und Eigensinn zeichnen die Region aus. Dieses Bewusstsein eint uns.“

Blick nach vorne. Dr. Norbert Engel kritisierte die für die Ausübung einer exzellenten Zahnheilkunde „hinderliche gesetzliche Reglementierung“ und politische Steuerung, einhergehend mit den daraus entstehenden rechtlichen Problemen. Deshalb werde der Berufsstand mit Vehemenz „von der Politik eine zielführende Struktur und die nötigen Freiräume einfordern“, um die „überbordende Bürokratie“ zu reduzieren. Darüber hinaus setzte sich der Vorsitzende mit der „externen Bedrohung der freiberuflichen Tätigkeit“ auseinander, nämlich durch „kapitalgestützte Systeme“ wie in Amerika oder „staatliche Gesundheitssysteme“ wie im angelsächsischen und skandinavischen Bereich. Als Beispiel nannte er „Entwicklungen im Kliniksektor unseres Landes“. Aber auch die „interne Erosion“, die „nicht oder weniger sichtbar“ sei, bereite ihm Sorgen. So konstatiere er eine „gewisse Gleichgültigkeit unserer Kolleginnen und Kollegen“ beim berufspolitischen Engagement. Denn der Wert einer freien Arzt-Patienten-Beziehung müsse „frei von politischen oder wirtschaftlichen Störgrößen“ sein und „von jedem einzelnen Zahnarzt erkannt, geschätzt und verteidigt werden“. Dabei habe die Kammer „die Funktion, die Gefährlichkeit einer solchen Gleichgültigkeit darzustellen und ihren eigenen Wert nicht nur zu kommunizieren, sondern auch zu demonstrieren“. Um den „von uns gewünschten Stellenwert der Kammer in der Wahrnehmung unserer Mitglieder“ zu erreichen, müssen „wir die aus der wissenschaftlichen Qualitätsforschung gewonnenen Erkenntnisse beherzigen und in der täglichen Arbeit den Dienst am Kollegen und für die Gesellschaft umsetzen“. Sein Credo: „Wir sind zuverlässig. Wir sind entgegen- und zuvorkommend. Wir sind kompetent. Wir sind vertrauenswürdig. Wir sind erreichbar, hören und verstehen.“

Die neue Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Dr. Karen Folttmann, berichtete über das gute Jahresergebnis 2016. Nach erfolgter positiver Prüfung des Jahresabschlusses durch den Wirtschaftsprüfer empfahl die Vertreterversammlung einstimmig die Entlastung für den Teilhaushalt in der Dezember VV auf Landesebene. Für den Haushaltsplan 2018 ist im vierten Jahr in Folge keine Beitragserhöhung im BZK-Beitrag geplant.

johannes.clausen@izz-online.de

Die Rede von Dr. Norbert Engel, Vorsitzender der BZK Karlsruhe, anlässlich der VV in Mannheim finden Sie im vollständigen Wortlaut hier.

 

Standespolitische Nachwuchstagung der BZK Tübingen

 

„Standespolitisches Engagement ist in jeder Hinsicht ein Gewinn“

Ausgabe 11, 2017

Dr. Elmar Ludwig prägte den Satz, den der Chronist als Überschrift gewählt hat, auf der standespolitischen Nachwuchstagung in Isny am 6. und 7. Oktober. Als Leitmotiv könnten diese Worte über vielen weiteren standespolitischen Tagungen stehen.

Teilnehmer der Nachwuchstagung (v. l.). Dr. Simon Haug, Dr. Philipp Paul Heinrich, Dr. Wolfram Widmaier, Dr. Elmar Ludwig, Dr. Herbert Martin, Dr. Anke Bleicher, Katrin Sump, Dr. Wilfried Forschner, Dr. Stefanie Veronika Wiegel, Dr. Bernd Stoll, Dr. Stephan Große-Sender, Dr. Jan Philipp Ruprecht, Dr. Dr. Heinrich Schneider, Dr. Sven Anders Rieth, Dr. Jan Christof Schneider.

Einer, der die Standespolitik wie kaum ein anderer kennt und seit mehreren Dekaden gestaltet: Dr. Wilfried Forschner, Vorsitzender der BZK Tübingen und Vorsitzender der Bezirksgruppe Tübingen der KZV BW, betonte in seiner Begrüßung, dass es mit KZV und Kammer „zwei Welten“ gebe, die zum einen durch das Sozialgesetzbuch V auf Bundesebene und durch das Kammergesetz auf Länderebene gekennzeichnet seien.

Junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich niedergelassen haben, konnten sich über profunde Informationen über Aufgaben, Ziele und Köpfe in Standespolitik und Verwaltung sowie Finanzen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und der Bezirkszahnärztekammer freuen. Dazu kam, dass mit Prof. Dr. Diana Wolff die neue Ordinaria der Poliklinik für Zahnerhaltung, Universitätsklinik für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde Tübingen, sich mit einem fulminanten Vortrag „Mehr Zahnerhaltung – was wir heute an den Universitäten lehren und in der Praxis übernehmen können“ vorstellte.

Aber zuvor wurden von Dr. Wilfried Forschner die Strukturen der Kammer und KZV erläutert und die vier Organe der Kammer – Vorstand, Vertreterversammlung, Haushaltsausschuss und das Berufsgericht – gewürdigt. Dabei zeigte er, dass der Berufsstand zahlreiche Aufgaben, unabhängig vom gesetzlichen Auftrag, wie z. B. Patientenberatung/Zweitmeinung, Öffentlichkeitsarbeit der Kammer und KZV und viele Aufgaben mehr vor Ort und auf Landesebene gestaltet.

Provokant stellte der Vorsitzende die Frage „Wohin geht der Berufsstand?“ in die Runde. Vor dem Hintergrund der Daten der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V), die zeigte, dass es innerhalb einer Generation 90 Prozent weniger Karies gibt und gleichzeitig neun Prozent Zuwachs an Zahnärzten, müsse sich der Berufsstand auch in Kammer und KZV mit diesem Paradigmenwechsel in der Zahnheilkunde auseinandersetzen.

Gutachterwesen. Dr. Wolfram Widmaier, Gutachterreferent der KZV BW, Bezirksdirektion Tübingen, bot einen exzellenten Einblick in das Gutachterwesen und Dr. Stephan Große-Sender, Referent für Abrechnungs- und Prüfwesen der KZV BW, BD Tübingen, war es vorbehalten, den jungen Kolleginnen und Kollegen die Struktur und Funktion des Prüfwesens näherzubringen.

Kosten, Kostenstrukturen, Kammerbeiträge, kurz Finanzen, ein Themenspektrum, das bei Dr. Dr. Heinrich Schneider, stv. Vorsitzender der BZK Tübingen, in guten Händen ist. Dr. Schneider dokumentierte an zahlreichen Fällen transparent die Verwendung des Kammerbeitrages und zeigte, wie sich der Kammerbeitrag zusammensetzt.

Herausforderungen. Zu Beginn der Tagung hatte der Vorsitzende im Hinblick auf den erfolgreichen Kariesrückgang die Frage nach der Zukunft der Zahnheilkunde gestellt. Eine der Antworten kam von Dr. Elmar Ludwig, einem Pionier und Wegbereiter in Sachen Alterszahnheilkunde. Der Vorsitzender des Arbeitskreises Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung, der zusammen mit Dr. Guido Elsäßer bundesweit wegen der auf diese Patientengruppe bezogene Praxiskonzepte hoch geschätzt wird, zeigte, dass in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die zahnärztliche Betreuung und Versorgung von Senioren, Alten und Hochbetagten sowie die Schulung von Pflegepersonal eine der zentralen Herausforderungen des Berufsstandes ist.

Sein Beitrag, der ein großes Spektrum der Möglichkeiten, der Chancen und die damit verbundenen Versorgungsmöglichkeiten beleuchtete und Kooperationsverträge vorstellte zeigt, dass es für beide Seiten, den Pflegebedürftigen wie für den Zahnarzt ein Gewinn ist. Dank des standespolitischen Engagements, auch von Dr. Ute Maier, Vorsitzende der KZV BW, konnte in den letzten Jahren vieles in der zahnärztlichen Versorgung von den Pflegeeinrichtungen erreicht werden: Sein Fazit: „Standespolitik ist in jeder Hinsicht ein Gewinn.“

GOZ und Team. „Ohne Moos nichts los“, könnte der Vortrag von Dr. Herbert Martin, GOZ-Referent der BZK Tübingen, überschrieben sein. Dass manche der GOZ-Positionen bereits unter GKV-Leistungspositionen liegen, machte er in seinem Vortrag überdeutlich. Dr. Martin zeigte in bravouröser Manier die Historie der Honorierungen von der Antike bis zur Gegenwart und sparte auch nicht mit Kritik.

Schließlich ist der finanzielle Rahmen die Grundlage, um eine Praxis betriebswirtschaftlich richtig führen zu können und Mitarbeiter und Auszubildende angemessen bezahlen zu können. Vor diesem Hintergrund war denn auch der Vortrag von Dr. Bernd Stoll, Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiterinnen, unter dem Leitsatz „Mitarbeiter – finden, ausbilden und binden“ ebenso bedeutsam wie die Honorierungssituation. In seinem Vortrag betonte er, wie wichtig es ist, jungen Menschen ein attraktives Bild von der Ausbildung zur ZFA und ein positives Berufsbild zu vermitteln. Insbesondere die Perspektiven, sich weiter zu qualifizieren, die hierzulande geboten werden, sind bundesweit viel beachtet, so Dr. Bernd Stoll.

Fazit. Einen geballten Abriss der Strukturen, Köpfe, Körperschaften in Vergangenheit und Gegenwart erlebten die jungen Kolleginnen und Kollegen in einem Ambiente, dem Jägerhof in Isny, der geeignet ist, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für künftige Aufgaben in der Standespolitik zu gewinnen. Darüber hinaus kam der kollegiale Austausch nicht zu kurz. Diskussionen während und nach den Vorträgen machten das Engagement auf allen Seiten deutlich. „Standespolitik ist in jeder Hinsicht ein Gewinn“. Die Nachwuchstagung unterstrich einmal mehr, wie sehr dieser Satz berechtigt ist.

johannes.clausen@izz-online.de

 

Sommertour 2017 in Baden-Württemberg

 

37 Gäste, 30 Mitwirkende, 16 Stationen

Ausgabe 11, 2017

Die Sommertour 2017 – eine neue Maßnahme der politischen Kommunikation und Information – ist von den Teilnehmern aus dem politischen und zahnärztlichen Bereich sehr positiv aufgenommen worden. Fast 40 Bundestagsabgeordnete, Bundestagskandidaten, Landräte und Bürgermeister kamen in die 16 teilnehmenden Praxen vor Ort, um im persönlichen Dialog wichtige und drängende Fragen und Probleme im Zusammenhang mit der zahnärztlichen Versorgung im Land zu erörtern. Das Team der Zahnärzteschaft bildeten 30 mitwirkende Zahnärztinnen und Zahnärzte.

Mit der Bundestagswahl 2017 stand auch die Entscheidung über die zukünftige Gesundheitsversorgung an. Viele Themen konnten daher angesprochen und konstruktiv diskutiert werden. Die Einblicke in die Arbeitsabläufe in den Praxen ermöglichten den Politikern Hintergründe zu verstehen und verdeutlichten, wie wichtig es für die Patientinnen und Patienten ist, einen Zahnarzt vor Ort zu haben.

Stationen. Die Sommertour 2017 machte Station in ganz Baden- Württemberg: in Steinen, Laufenburg, Stuttgart, Dörzbach, Bühlertal, Waghäusel, Schönaich, Waiblingen, Backnang, Hardheim, Heilbronn- Neckargartach, Neuffen, Flein, Esslingen und in Mannheim.

Bundestagskandidaten. Vor Ort informierten sich die Bundestagsabgeordneten Eberhard Gienger (CDU; am 24.09.2017 wiedergewählt), Markus Grübel (Parlamentarischer Staatssekretär, CDU; wiedergewählt), Christian Lange (Parlamentarischer Staatssekretär, SPD; wiedergewählt). Mit den Zahnärzten diskutierten die Bundestagskandidaten: Dr. Christoph Hoffmann (FDP), Gerhard Zickenheiner (Bündnis 90/Die Grünen), Daniel Poznanski (FDP), Michael Theurer (Europaabgeordneter, FDP; gewählt als Bundestagsabgeordneter), Manuel Hummel (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Christian Jung (FDP), Hendrik Tzschaschel (FDP), Marc Biadacz (CDU; gewählt als Bundestagsabgeordneter), Jasmina Hostert (SPD), Melanie Lang (Bündnis 90/Die Grünen), Gudrun Senta Wilhelm (Landtagsabgeordnete, FDP), Lisa Walter (FDP), Alexander Throm (CDU; gewählt als Bundestagsabgeordneter), Wirtschafts- und Finanzminister a. D. Dr. Nils Schmid (Landtagsabgeordneter, SPD; gewählt als Bundestagsabgeordneter), Catherine Kern (Bündnis 90/Die Grünen), Stephanie Reinhold (Bündnis 90/Die Grünen), Sven Kobbelt (FDP), Nikolas Löbel (CDU; gewählt als Bundestagsabgeordneter).

Landespolitik. Bei den Praxisterminen vor Ort begrüßten die Zahnärztinnen und Zahnärzte die Landtagsabgeordneten Arnulf Freiherr von Eyb (CDU), Sylvia Felder (CDU), Jochen Haußmann (FDP/ DVP), Siegfried Lorek (CDU), Rainer Hinderer (SPD), Nico Weinmann (FDP) sowie Bürgermeister Gunther Braun (Steinen), Bürgermeister Ulrich Krieger (Laufenburg), Landrat Dr. Matthias Neth (Hohenlohekreis), Bürgermeister Andy Kümmerle (Dörzbach), Bürgermeister Hans- Peter Braun (Bühlertal), Landrat Roland Bernhard (Böblingen), Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper (Backnang), Bürgermeister Volker Röhm (Hardheim), Sina Häffner (stv. für Landrat Dr. Achim Brötel, Neckar-Odenwald-Kreis), Dr. Claudia Lappe (stv. für Landrätin Marion Dammann, Lörrach), Sozialbürgermeisterin Agnes Christner (Heilbronn).

Zahnärzteschaft. Das Team der Zahnärzteschaft bildeten: Dr. Ute Maier, Dr. Norbert Struß, Dr. Hendrik Putze, Dr. Wilfried Forschner, Dr. Christian Hoch, Dr. Hans Rothweiler, Norbert Findling, Dr. Hans Hugo Wilms, Monika Knecht, Dr. Dr. Alexander Raff, Dr. Nicole Dörr, Holger Gerlach, Dr. Vera Hüttemann, Dr. Holger Hüttemann, Dr. Andre Hoffmann, Dr. Klaus O. A. Lux, Dr. Andreas Kling, Dr. stom./Univ. Belgrad Lidija Novakovic, Dr. Frank Kehrer, Dr. Ulrich Jeggle, Dr. Wolfgang Eisenhauer, Dr. Uta Graalmann, Dr. Bernd Lang, Dr. Michael Aschenbrenner, Dr. Jürgen Carow, Dr. Florentine Carow, Dr. Thomas Miersch, Dr. Carsten Ullrich und Dr. Sandra Hessenthaler.

guido.reiter@kzvbw.de

 

Pressegespräch zum Thema Praxisbegehungen

 

„Warum lassen die sich nicht stoppen?“

Ausgabe 11, 2017

Von seinem Termin bei der Sommertour von KZV und LZK in Waiblingen Anfang September hat Journalist Uwe Roth vor allem eines mitgenommen: Im Regierungsbezirk Stuttgart sind die Hygienekontrollen in den Zahnarztpraxen durch die Begeher des Regierungspräsidiums besonders streng. Warum das so ist, hat Uwe Roth in einem Beitrag für die Südwest Presse ermittelt. Für seine Recherchen hat das LZK-Präsidium Uwe Roth in die Praxis von Dr. Hendrik Putze nach Stuttgart eingeladen.

„Gar nicht, angemessen, intensiv“ – so beschreibt LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert die unterschiedlichen Ausprägungen der Praxisbegehungen in den vier Regierungsbezirken in Baden-Württemberg. Und ergänzt: „Die Zentralstelle der Länder für Gesundheitsschutz bei Arzneimitteln und Medizinprodukten hat eine bundeseinheitliche Verfahrensanweisung konsentiert. In Baden-Württemberg werden die Anforderungen mit am strengsten ausgelegt.“

Im Gesicht von Uwe Roth zeichnet sich ein ungläubiges Staunen ab. Dr. Norbert Struß, Referent für Praxisführung der LZK, ergänzt mit einem konkreten Beispiel für die überbordenden Hygieneanforderungen bei den Begehungen: Die KRINKO-/ BfArM-Empfehlung definiert die Anforderungen, wie ein Instrument aufbereitet werden muss. Von den Herstellern der Instrumente gibt es ebenfalls zu berücksichtigende Aufbereitungsanweisungen. Und dann gibt es noch die Hersteller von Aufbereitungsprodukten, die ihre Desinfektionsmittel nach den unterschiedlichsten Testungen bzw. Listungen prüfen und zulassen. „Diese Fülle an Informationen und Produktlistungen ist für die einzelne Zahnarztpraxis nicht beherrschbar“, kritisiert Dr. Struß. Dr. Hendrik Putze, Mitglied im LZK-Praxisführungsausschuss, ergänzt aus seiner Erfahrung der eigenen Praxisbegehung: „Die Begeherin sagte mir dann, ich solle mich an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn wenden und vermerkte einen entsprechenden Mangel im Protokoll“. Im Aufbereitungsraum der Praxis erläutern die Zahnärzte dem Journalisten weitere Beispiele. Dazu gehört die bauliche Planung im Aufbereitungsraum, die von Bundesland zu Bundesland variiert und ständig um neue Bestimmungen ergänzt wird. Oder die Dokumentation: „Wir dokumentieren, wenn wir bei Grün über die Ampel gegangen sind“, bemerkt Dr. Struß ironisch in Anlehnung an die KRINKO-/BfArM-Empfehlung, wonach jede positiv verlaufene Aufbereitungscharge dokumentiert werden muss. „Sinnvoll und vor dem Hintergrund eines Bürokratie-Abbaus dringend geboten wäre jedoch eine Dokumentation, wenn vom Standard abgewichen wird“, fordert Dr. Struß. „Das geht übrigens auch aus dem Zwischenbericht des Projekts „Mehr Zeit für Behandlung – Vereinfachung von Verfahren und Prozessen in Arztund Zahnarztpraxen“ des Nationalen Normenkontrollrats (NKR) hervor, der am 23.10.2017 in Berlin vorgestellt wurde. Danach führt die Dokumentation der Hygienemaßnahmen zu einem erhöhten bürokratischen Aufwand in den Zahnarztpraxen.“

Das Fragezeichen im Gesicht von Uwe Roth wird von Minute zu Minute größer: „Warum lassen die sich nicht stoppen? Es muss doch Gründe geben, warum die Regeln immer strenger werden?“ Als eine Möglichkeit erscheint dem Journalisten eine Vielzahl an Praxen, die aufgrund von Keimbefall geschlossen werden mussten. Doch der Kammer sind nur Einzelfälle bekannt – Praxisinhaber, denen die Anwendung ihrer Instrumente untersagt wurde oder die Aufbereitung der Instrumente extern erfolgen musste. „Sie können zudem versichert sein, dass die Kammer in ihrer Zuständigkeit selbst initiativ werden würde, wenn uns Praxen bekannt würden, in denen der Patientenschutz nicht mehr gegeben ist“, betonte Dr. Tomppert. „Wir wollen einen regelmäßigen runden Tisch, Zahnärzte und Regierungspräsidien“, erläutert der LZK-Präsident die Forderungen der Kammer, „wir sind seit vielen Jahren erfolgreich für die Patientinnen und Patienten und ihre Versorgung da und wir erwarten, dass ein offenes Gespräch stattfindet und ein vernünftiges Maß gefunden wird. Es geht um den Schutz der Patienten, aber auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der eigenen Person. Kein Zahnarzt wird die Hygiene in seiner Praxis daher vernachlässigen.“

mader@lzk-bw.de