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Leitartikel

PKV-Leistungen um (welchen) jeden Preis in die GKV?

Ausgabe 12, 2017

Ein Aspekt kristallisierte sich auf der BZÄK-Bundesversammlung Mitte November in Frankfurt ganz klar heraus: Die Delegierten aus Baden-Württemberg nehmen kein Blatt vor den Mund. Engagiert, mutig und mit überzeugender Argumentation haben sie die Debatten in der Bundesversammlung aktiv mitgestaltet. Mit kritisch-konstruktiven Anträgen, insbesondere zum PAR-Versorgungskonzept und zur GOZ, wurden Brücken gebaut und Leitplanken montiert, die den Interessen von Patienten und zahnärztlicher Profession gleichermaßen dienlich sind.

Das bundesweit mit Vorschusslorbeeren bedachte Versorgungskonzept für die Behandlung von Parodontalerkrankungen bei GKV-Versicherten war das große Thema. Bereits bei der Vertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) wurde das von KZBV, BZÄK und der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie erarbeitete und vorgelegte Konzept einstimmig unter großem Beifall verabschiedet. Das Verhandlungsmandat für den G-BA war somit klar vorgegeben. Alles wunderbar, von Kritik keine Spur.

Keine Spur? Bis auf ein mit unbeugsamen Delegierten bevölkertes Bundesland im Südwesten. Da regte sich doch tatsächlich Widerstand. Es geht im Prinzip um die legitime Frage, ob bisher private Wahlleistungen wie zum Beispiel die PZR oder die UPT in ein GKV-Korsett gezwängt werden müssen.

Die Bundesversammlung begrüßt, dass das vorgestellte Versorgungskonzept das „Ärztliche Gespräch“ stärker in den Fokus stellt und sieht in dem Konzept mit einer Anreizkomponente über ein Bonussystem einen sinnvollen Ansatz, die Compliance der Patienten und damit den Erfolg der Therapie zu stärken. Zudem ist im PAR-Konzept vorgesehen, die UPT im regelmäßigen halbjährlichen Abstand neben allen anderen PAR-Therapiemaßnahmen in die GKV-Regelversorgung einzugliedern.

Allerdings darf der Spielraum für eine individuelle, risikobasierte und vollumfängliche Behandlung nicht eingeschränkt werden. Im Klartext: Die Therapiefreiheit des Arztes und der Wahlleistungsanspruch des Patienten müssen erhalten bleiben, denn eine Volkskrankheit passt in kein Korsett.

Machen wir uns nichts vor: Krankenkassen und Gesetzgeber sind erfreut, von den Vertretern der zahnärztlichen Spitzeninstitutionen ein tolles, wissenschaftlich flankiertes neues PAR-Versorgungskonzept präsentiert zu bekommen. Die Zahnärzteschaft muss dabei deutlich machen, dass dieses Konzept mit besserer Information und guter eigenverantwortlicher Mitarbeit der Patienten das Potenzial für eine Verbesserung der parodontalen Gesundheit hat.

Das ganze Leben ist bekanntlich ein Geben und Nehmen. Die Zahnärzteschaft hat damit ihre Verantwortung für die Mundgesundheit und eine verbesserte PAR-Therapie eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Staat, G-BA und Krankenkassen sollten diesen gesellschaftlichen Beitrag der zahnärztlichen Profession respektieren und auch honorieren. Eine Finanzierung der neuen PAR-Leistungen nur durch Umrelationierung oder unter einem Budget lehnen wir entschieden ab.

Wenn die Zahnärzteschaft mit diesem PARVersorgungskonzept ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht geworden ist, dann sollte dies auch die Politik tun, um das Prinzip der Freiberuflichkeit und freiberuflicher Leistungen zu würdigen.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle meinem Vizepräsidenten, Herrn Kollegen Struß, der mit seinem salomonisch formulierten Antrag die oben genannten Gründe als „Leitplanken“ formulierte, die meines Erachtens notwendige Voraussetzungen sind, um in die PAR-Verhandlungen zu gehen. Das sahen die meisten Delegierten auch so und deshalb fand dieser Antrag zu Recht eine große Mehrheit.

Dr. Torsten Tomppert, Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg