Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Vertreterversammlung der KZBV

 

Deregulierung ohne Ausnahme?

Ausgabe 12, 2017

Werden die Zahnärzte aus dem umstrittenen EU-Dienstleistungspakt ausgenommen, werden ihnen umfangreiche Vereinheitlichungen erspart – oder nicht? Der Gesundheitsausschuss des EU-Parlaments hatte sich für diese „Bereichsausnahme“ ausgesprochen, im federführenden Binnenmarktausschuss aber zeichne sich „keine Mehrheit für diese Position“ ab, so Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) in der Vertreterversammlung in Frankfurt. Es werde „auf Kompromisse hinauslaufen“, kündigte Prof. Dr. Wolfgang Ewer, Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB) an. „Man weiß seit zwei Jahren, was hier droht, also welche Strategie und welche Lösungen hat die Bundesebene?“, so Christian Finster, stv. Vorstandsvorsitzender der KZV BW.

Es bestehe nur noch ein „sehr kurzer Zeitrahmen“, so Prof. Ewer Anfang November vor den Delegierten. Bereits am 4. Dezember stimmt der Binnenmarktausschuss über das Dienstleistungspaket ab. Reaktionen und Kompromissvorschläge machten „erst Sinn, wenn man die Beschlussfassung hat“, war Prof. Ewer überzeugt. Die Frage sei aber, so Finster, ob Lösungsund Kompromissvorschläge der Zahnärzteschaft vorliegen bzw. in der Kürze noch entwickelt werden können. Die drohenden Folgen der Deregulierungsbestrebungen seien seit Jahren bekannt. Für Dr. Wolf- Fotos: KZBV/Darchinger gang Eßer steht fest: „Uns steht hier ein kräftezehrender Prozess bevor, der der Allianz der Heilberufe, auch im Bundesverband der Freien Berufe, einiges abverlangen wird.“ Der Vorstandsvorsitzende der KZBV und der BFB-Präsident hatten die Zusammenarbeit der Bundesorganisationen zu diesem Thema als ausgesprochen gut gewürdigt.

Einstimmig riefen die Delegierten die Regierung dazu auf, „sich im Rahmen der Verhandlungen über das EU-Dienstleistungspaket mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass die Kompetenz der EUMitgliedstaaten für den Erlass von Berufsrecht nicht ausgehöhlt und deren gesetzgeberischer Beurteilungsspielraum nicht eingeschränkt wird“. Die Gesundheitsberufe müssten vom Anwendungsbereich der geplanten Richtlinie über eine Verhältnismäßigkeitsprüfung vor Erlass neuer Berufsreglementierungen ausgenommen werden. Weiter beschloss die VV, dass die politischen Entscheidungsträger national wie auch auf EU-Ebene darauf hinwirken sollen, dass Dienstleistungen im Gesundheitsbereich von der Normung durch das Europäische Komitee für Normung (CEN) ausgeschlossen werden. „Die Prinzipien der Normung von Produkten können nicht auf komplexe Dienstleistungen im Gesundheitsbereich übertragen werden“, heißt es in der Begründung.

Versorgungskonzept. Am zweiten Tag im Zentrum der VV: Das neu entwickelte PAR-Versorgungskonzept der Zahnärzteschaft (s. auch Kommentar), mit Hilfe dessen die erfolgreiche Präventions- und Versorgungsstrategie ausgebaut und der „Volkskrankheit Parodontitis der Kampf angesagt“ werden solle. Konkrete Bausteine wurden im Detail besprochen: u. a. die Aufklärung der Bevölkerung über die Bedeutung der Vorsorge, die Einführung der neuen Leistung „Ärztliches Gespräch“ zur individuellen Aufklärung der Patienten und die Ergänzung der Therapie durch eine strukturierte Nachsorge, die „Unterstützende Parodontitistherapie“ (UPT). Gewürdigt wurde die „konstruktive und hervorragende Zusammenarbeit“ (Dr. Eßer) der an der Konzeptentwicklung Beteiligten, allen voran der Experten in der AG PAR-Strategie unter der Leitung von Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW. Da die Behandlungsrichtlinien des G-BA angepasst werden müssen, ist auch klar: Es werden „mehrere sehr hohe Hürden“ zu nehmen sein, so Dr. Eßer.

Ausreichende Mittel. Die AG KZVen erinnert in einem Antrag die politisch Verantwortlichen aus Anlass der neuen Legislaturperiode daran, „bei künftigen Gesetzen und Verordnungen die Besonderheiten der Zahnheilkunde zu beachten“. „Mehrleistungen müssen in allen Bereichen der Zahnheilkunde vereinbarungsfähig sein“, so die Antragsteller. Die Aufnahme neuer Leistungen in den Sachleistungskatalog dürfe „nur bei gleichzeitiger Bereitstellung zusätzlicher ausreichender Mittel erfolgen“. Weiter heißt es: „Budgetierung und Degression sind aufzuheben“.

Weitere Themen der Vertreterversammlung: u. a. die Telematikinfrastruktur mit Rollout und konkreter Umsetzung „nicht vor Beginn Dezember 2017“ (Update: Noch im November wurden erstmals Komponenten zugelassen, die für die Anbindung an die Telematikinfrastruktur erforderlich sind), das Normenkontrollrat-Projekt „Mehr Zeit für Behandlung“ (wir berichteten aktuell im Gesundheitstelegramm der KZV BW), das Zahnärzte-Praxis-Panel (ZäPP), die Digitalisierung und ihre Chancen für die Zahnärzteschaft, die stetigen Verbesserungen der zahnärztlichen Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen (mit inzwischen 3.500 Kooperationsverträgen bundesweit) und die Erkenntnis: „Zurücklehnen und Zuschauen sind keine Option.“ Dr. Eßer: Es geht um „die Gestaltung von Zukunftsfragen“.

guido.reiter@kzvbw.de


Kommentar

PAR-Konzept: Neuer Anlauf

Seit die Parodontitistherapie im Jahre 1974 als vertragszahnärztliche Leistung anerkannt und in den BEMA aufgenommen wurde, ist an der Behandlungssystematik nichts mehr geändert worden. Der Versuch der KZBV, schon 2003 eine Änderung in Richtung Anpassung an den Stand der Wissenschaft zu erreichen, scheiterte an den zu hohen Kosten für die GKV. Im Endeffekt gab es eine Neurelationierung des BEMA mit Abwertung der PAR– Leistungen.

Jetzt also ein neuer Anlauf, initiiert von den Patientenvertretern im G-BA, gerne von uns unterstützt. Unter Einbeziehung namhafter Hochschullehrer haben KZBV und BZÄK ein neues Konzept für eine Behandlungsstrecke einer Parodontitistherapie entwickelt und wissenschaftlich abgesichert. Nachdem die Hauptversammlung des FVDZ schon zugestimmt hatte, lag es nun in der VV der KZBV und in der Bundesversammlung der BZÄK zur Verabschiedung vor. Schon im Vorfeld gab es Bedenken, diesem Konzept zuzustimmen, ohne zu wissen, mit welcher Honorierung man rechnen könnte. Vor allem befürchtete man, dass die PZR durch die in Teilen inhaltsgleiche UPT (unterstützende Parodontitis- Therapie) verlieren wird – mit entsprechenden wirtschaftlichen Einbußen für die Praxen. Selbstverständlich sind diese Bedenken ernst zu nehmen, aber darf man dem Vorstand der KZBV einfach unterstellen, dass er sich darüber hinwegsetzt und die PZR in den BEMA überführen will?

Um in der Gesundheitspolitik und im Leistungskatalog der GKV etwas zu verändern, bedarf es eines Konzepts, das von KZBV, BZÄK, DGZMK und FVDZ gemeinsam vertreten und in den G-BA eingebracht werden kann. Das ist sicherlich zielführender als auf Vorschläge der Kassen zu warten. Im Fall der PAR gibt es viele gute Argumente (DMS V-Studie, demografischer Faktor, Verbindung mit Diabetes Typ 2 u. a.), wonach diese chronische Erkrankung einer adäquaten Therapie zugeführt werden muss. Darauf hat ein Kassenpatient einen Rechtsanspruch und die KZBV dafür einen Sicherstellungsauftrag. Deshalb ist es taktisch klüger, das PAR-Konzept erst mal ohne konkrete Honorierungsansprüche einzubringen. Die gleiche Vorgehensweise hat man beim AuB-Konzept und dem Präventionskonzept ECC ebenfalls angewandt.

Ziel der KZBV ist es, ein Zuschussmodell vergleichbar mit dem Bonusheft im ZE-Bereich unter Berücksichtigung von Härtefällen zu etablieren. Weiterhin soll der Patient nur einen begrenzten Zeitraum (2 bis 3 Jahre) Anspruch auf eine UPT haben. Danach greift wieder die PZR als volle Privatleistung. Dies ist eine glaubwürdige Strategie, um allen Seiten gerecht zu werden. Nicht von ungefähr hat die VV in einem Antrag darauf hingewiesen, dass „Mehrleistungen in allen Bereichen der Zahnheilkunde vereinbarungsfähig sein müssen. Die Aufnahme neuer Leistungen in den Sachleistungskatalog darf nur bei gleichzeitiger Bereitstellung zusätzlicher Mittel erfolgen“.

Ein Aspekt im PAR-Konzept darf nicht übersehen werden: Das ärztliche Gespräch ist ein entscheidender Therapieschritt, ohne den kein adäquates Behandlungsergebnis erzielt werden kann. Wenn dies im G-BA konsentiert werden kann, ist die Aufnahme des ärztlichen Gesprächs in den BEMA gelungen und kann auf andere Bereiche ausgedehnt werden. Dies allein rechtfertigt es, alle Register zu ziehen, um das PAR-Konzept erfolgreich in den BEMA zu integrieren.

Dr. Hans Hugo Wilms

 

Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer

 

Geschlossenes und beeindruckendes Auftreten

Ausgabe 12, 2017

„Das war die lebhafteste Bundesversammlung, die ich je erlebt habe“, freute sich BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel am Ende der zweitägigen Bundesversammlung, „nur nach lebhaften Diskussionen gibt es gute Ergebnisse“. Sowohl an den lebhaften Diskussionen als auch an den guten Ergebnissen hatten baden-württembergische Delegierte großen Anteil. Durch kluges Netzwerken und fachlich überzeugende Argumente ist es gelungen, in das PAR-Versorgungskonzept von KZBV, BZÄK und DG PARO „Leitplanken“ einzuziehen und zielführende Beschlüsse bei der GOZ zu erwirken. LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert dankte den BW-Delegierten für „ein geschlossenes und beeindruckendes Auftreten“.

KZBV, BZÄK und die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) haben ein Konzept für die Behandlung von Parodontalerkrankungen bei Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (PAR-Versorgungskonzept) vorgelegt. Das Konzept wurde in der Vertreterversammlung der KZBV am Vortag einstimmig befürwortet. Das sollte auch für die Bundesversammlung die Marschroute sein – um die KZBV mit einem umfassenden Verhandlungsmandat für den G-BA auszustatten, so der KZBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Eßer. Bereits in ihren Vorbesprechungen hatten die baden-württembergischen Delegierten jedoch massive Bedenken gegen das Konzept vorgebracht. Einige baden-württembergische Vorbehalte fanden auf Umwegen Eingang in den Antrag der KZBVVertreterversammlung, der der Bundesversammlung wortgleich zur Abstimmung vorgelegt wurde: Über ein Bonussystem sollen zusätzliche Anreize gesetzt werden, um die Patienten eigenverantwortlich in die Therapie mit einzubinden. Das reichte den Baden-Württembergern jedoch nicht. Sie forderten notwendige „Leitplanken“ für das PAR-Konzept: Der medizinische Nutzen der Gingivitisbehandlung, insbesondere durch die PZR als vorbeugende Parodontitistherapie, sollte Berücksichtigung finden, der individuelle risikobasierte Behandlungsansatz muss durch die Therapiefreiheit des Arztes und Wahlfreiheit der Patienten weiter gewährleistet sein und neue Behandlungsleistungen dürfen nur dann eingeführt werden, wenn dafür zusätzliche und ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, eine Finanzierung durch Umrelationierung oder unter einem Budget ist abzulehnen. Diese fachlichen Argumente, die LZK-Vize Dr. Norbert Struß erarbeitet hatte, überzeugten auch Delegierte anderer Länderkammern. Der baden-württembergische „Leitplanken“-Antrag zum PAR-Versorgungskonzept fand so die Unterstützung der Delegierten der Zahnärztekammern Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen. Als weitestgehender Antrag als erstes abgestimmt, fand er schließlich auch eine große Mehrheit in der Bundesversammlung. Baden-Württemberg hatte der Versammlung mit seinem Antrag eine „goldene Brücke“ gebaut – die Folgeanträge des BZÄK-Vorstandes, der KZBV-Spitze und der bayerischen Delegierten zum PAR-Konzept fanden im Anschluss dann ebenfalls eine große Mehrheit.

Punktwertanpassung. Zielführendes Vorgehen führte die Baden- Württemberger auch bei der GOZ zum Erfolg. Die kaum überschaubare Anzahl an Anträgen wurde auf sechs konsentierte Anträge verdichtet. Dank der überzeugenden Argumente von LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert hat der BZÄK-Vorstand seine Leitanträge zurückgezogen und durch den baden-württembergischen Antrag ersetzt. Mit der einstimmigen Verabschiedung aller Anträge setzte die Bundesversammlung dann ein klares Zeichen: Ablehnung der GOÄ-Novelle aus ordnungspolitischen Gründen, Absage an eine Begrenzung des Steigerungssatzes in der GOZ, sofortige Anpassung des GOZ-Punktwertes und eine jährliche Dynamisierung.

Umgehend verabschieden. In seinem politischen Bericht skizzierte BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel weitere Handlungsfelder und aktuelle Herausforderungen des Berufsstandes, die von den Delegierten der Bundesversammlung aufgegriffen, kontrovers diskutiert wurden und in zahlreiche Anträge mit deutlicher Positionierung mündeten.

60 Jahre wartet der Berufsstand nun bereits darauf, dass sein akademischer Nachwuchs auf der Grundlage einer modernen Approbationsordnung ausgebildet werden kann. Als dann Gesundheitsminister Hermann Gröhe eine Novelle vorlegte, war der Bundesrat nicht gewillt, den Hochschulen aktuelle gesetzliche Rahmenbedingungen zu geben und vertagte sie in seiner letzten Sitzung am 3. November auf unbestimmte Zeit. „Dabei ist der Kern der Novelle goldrichtig – und der Schub in die Schublade ein Skandal“, wetterte Dr. Engel, „ein Skandal, weil die Länder kein Geld in die Hand nehmen wollen“. Die Bundesversammlung forderte die neue Bundesregierung und die Landesregierungen in einem einstimmig verabschiedeten Antrag auf, den Novellierungsprozess der Approbationsordnung auf der Grundlage des Kabinettsentwurfs vom 2.8.2017 umgehend im Bundesrat zu verabschieden.

Fremdkapitalgesteuert. 22 Wortmeldungen zeugen von einem hohen Grad an Empörung. Die Entrüstung der Versammlung richtete sich gegen die arztgruppengleichen zahnärztlichen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Versorgungspolitisch sind sie kontraproduktiv, weil sie vor allem in gut versorgten Lebensräumen gegründet werden und damit keinen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung im ländlichen Raum leisten, wofür sie von der Politik eigentlich vorgesehen waren. Weitere Gefahr droht durch Fremdkapitalgeber und Finanzinvestoren, die in erster Linie gewinnorientiert arbeiten, was nicht im Sinne der Zahnmedizin ist. „Ich kann es nicht mehr ertragen, wenn Politiker über den hohen Wert der Freiberuflichkeit sprechen, aber gleichzeitig den Gesundheitsmarkt über die Hintertür für Fremdkapital öffnen“, empörte sich KZBV-Vorsitzender Dr. Wolfgang Eßer und versprach den „knallharten Diskurs mit der Politik“ zu suchen.

Ihre kritische Haltung gegenüber den Medizinischen Versorgungszentren dokumentierte die Bundesversammlung in zwei Anträgen mit einem deutlichen Votum: Die künftige Bundesregierung wird aufgefordert, die Zulassung von MVZs auf arztgruppenübergreifende Formen zu begrenzen und die Wettbewerbsvorteile der MVZs durch die unbegrenzten Anstellungsmöglichkeiten zu beseitigen. Dies haben KZBV, BZÄK und der Freie Verband Deutscher Zahnärzte aktuell auch in einem Brief an Gesundheitsminister Hermann Gröhe formuliert.

Keine Aushöhlung. Das freiberuflich getragene Gesundheitswesen in Deutschland, das zu den besten in der Welt gehört, ist mehr und mehr auch durch Europa gefährdet. Im Januar 2017 hat die Europäische Kommission ein Dienstleistungspaket vorgeschlagen, mit dem das Wirtschaftswachstum stimuliert werden soll. Teil des Pakets ist der Richtlinienentwurf für eine Verhältnismäßigkeitsprüfung von Berufsrecht. Berufszugangs- und Berufsausübungsregelungen werden dabei als potenzielle Wachstumshemmnisse und Hürden für die Dienstleistungserbringung eingestuft. Hinter dem Dienstleistungspaket der Europäischen Union verbirgt sich eine „Zweckinitiative, die an die Wurzeln unserer Existenz geht“, urteilte Dr. Engel. „Diese Art von gezielter Ökonomisierung stellt die bewährten Strukturen freiberuflicher Selbstverwaltung infrage und befeuert Bestrebungen, die uns im Sinne des Patientenschutzes heftige Sorgen bereiten“.

Durch viele Gespräche und Initiativen und eine intensive Lobbyarbeit über das Brüsseler Büro der BZÄK bis in die Länderkammern schien es zunächst so, als könne der Berufsstand die Gefahr abwenden und eine Bereichsausnahme für die Heilberufe erreichen. Doch nun zeichnet sich eine fehlende Mehrheit im EU-Parlament und im zuständigen Binnenmarktausschuss ab, die Gesundheitsberufe vom Anwendungsbereich der geplanten Richtlinie über eine Verhältnismäßigkeitsprüfung auszunehmen. „Wir arbeiten weiterhin auf allen Ebenen und sind bis in höchste Gremien aktiv, um die Gefahr noch abzuwenden oder zu mildern“, betonte BZÄK-Präsident Dr. Engel.

Die Bundesversammlung unterstützte die Anstrengungen des BZÄK-Vorstandes mit einem Antrag: „Die Bundesversammlung ruft die Bundesregierung dazu auf, sich im Rahmen der Verhandlungen über das EU-Dienstleistungspaket mit Nachdruck dafür einzusetzen, dass die Kompetenz der EU-Mitgliedstaaten für den Erlass von Berufsrecht nicht ausgehöhlt und deren gesetzgeberischer Beurteilungsspielraum nicht eingeschränkt wird.“

Grenzen der Digitalisierung. Der Jahrhundertprozess der fortschreitenden Digitalisierung verändert wie keine andere technologische Errungenschaft die Gesellschaft, das Gesundheitswesen und damit auch die Zahnmedizin. Die Digitalisierung verheißt neue Möglichkeiten und Chancen. „Klar muss allen Beteiligten aber auch sein“, warnte Dr. Engel, „dass die Digitalisierung an eine Grenze stößt: Das ist die informelle Selbstbestimmung der Patienten“. Es sei die ureigene Aufgabe der zahnärztlichen Kammern, den Schutz der personenbezogenen Gesundheitsdaten einzufordern und zu gewährleisten. Die Unsummen an gesammelten Daten bedrohten den geschützten Vertrauensbereich zwischen Patient und Zahnarzt, so der BZÄK-Präsident. Welche Auswüchse eine unkontrollierte Digitalisierung schon jetzt hervorbringt, dokumentierte Dr. Engel mit einem Schreckgespenst aus China: Dort hat ein Roboter einer Patientin zwei Implantate gesetzt! „Ist das noch mit unserem berufsethischen Anspruch vereinbart? Lassen wir zu, dass die Technik uns ersetzt?“, fragte Dr. Engel in die Versammlung. Die Bundesversammlung folgte dem Präsidenten in seiner Einschätzung: „Die Bundesversammlung hält die Digitalisierung im Gesundheitswesen für ein zentrales Thema, an dem sich die Zukunft der zahnmedizinischen Versorgung unserer Patienten und die Zukunft der Zahnärzte als freier Beruf entscheiden kann“. Mit dem Antrag verpflichtete sich der zahnärztliche Berufsstand auch selbst, eine fortwährende angepasste Digitalisierungsstrategie zu erarbeiten.

Musterberufsordnung. Eine Arbeitsgruppe der Geschäftsführer der Länderkammern, darunter auch LZK-Direktor Axel Maag, hat in zahlreichen Arbeitstreffen eine Änderung der Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer erarbeitet, die der BZÄK-Vorstand befürwortete und der Bundesversammlung nun zur Abstimmung vorlag. Die Vorbehalte der Zahnärztekammer Nordrhein gegen eine Änderung der Regelung zur Verschwiegenheit wurden von den anderen Länderkammern nicht geteilt und so fanden die vorgelegten Änderungen der Musterberufsordnung eine breite Mehrheit in der Versammlung.

Haushalt. Erstmals in seiner neuen Funktion als Vorsitzender des Finanzausschusses erläuterte Dr. Wolfgang Klenner den Haushaltsplan für 2018. Auf Initiative von Dr. Eva Hemberger, stv. Vorsitzende des BZÄK-Finanzausschusses, wird über die Ausgaben für die betriebliche Altersvorsorge erst in der kommenden Bundesversammlung 2018 beraten, sie wurden aus dem Haushaltsplan 2018 herausgenommen. Im Anschluss an den Bericht genehmigten die Delegierten der Bundesversammlung den Haushaltsplan sowie die Mitgliedsbeiträge und den Aktionshaushalt für 2018.

mader@lzk-bw.de

 

Deutscher Zahnärztetag: DGZMK, BZÄK und KZBV stellen aktuelle Studie vor

 

Prävention hilft auch Flüchtlingen

Ausgabe 12, 2017

Die Mundgesundheit von Flüchtlingen entspricht etwa dem nationalen Stand der Bevölkerung vor 30 Jahren. Viele Defizite könnten jedoch mit gezielter Prophylaxe und Prävention aufgefangen werden. Das sind einige Ergebnisse der repräsentativen Studie „Flüchtlinge in Deutschland – Mundgesundheit, Versorgungsbedarfe und deren Kosten“ der Universität Greifswald unter Beteiligung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung.

Vorgestellt wurde die Untersuchung anlässlich des Deutschen Zahnärztetages 2017 in Frankfurt am Main. Die multizentrische Erhebung bietet erstmals einen wissenschaftlich abgesicherten, systematischen Überblick über die Mundgesundheit von Flüchtlingen. Insbesondere Kinder weisen einen deutlich erhöhten Kariesbefall auf. Die Karieswerte im bleibenden Gebiss steigen bei jugendlichen und erwachsenen Geflüchteten an. Die geschätzten Kosten des zahnmedizinischen Behandlungsbedarfs variieren je nach Alter erheblich und liegen bei 45- bis 64-jährigen Patienten am höchsten. Prof. Dr. Michael Walter, Präsident der DGZMK: „Der Erhalt oder die Wiederherstellung der Gesundheit ist ein Beitrag zur erfolgreichen Integration und stellt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar. Dieser stellen wir uns mit unserer Fachkompetenz.“ Die Studie zeige klare Versorgungsbedarfe in wesentlichen zahnmedizinischen Disziplinen wie Zahnerhaltung, Parodontologie oder Kieferorthopädie und beziffere mögliche Kosten. Damit liege eine wissenschaftliche Datenbasis vor, die sowohl die orale Erkrankungslast als auch den zahnmedizinischen Behandlungsbedarf bei Flüchtlingen valide erfasse.

Dr. Peter Engel, Präsident der BZÄK ergänzte: „Aufgrund der in der Studie erkannten Probleme ist es notwendig, die erfolgreichen Präventionskonzepte von Gruppen- und Individualprophylaxe gezielt auf Flüchtlinge und vor allem deren Kinder auszuweiten.“ Mit einer kulturspezifischen Vermittlung, wie man Krankheiten vorbeugt, erreiche man die Menschen. Damit Flüchtlinge an den sehr erfolgreichen zahnmedizinischen Präventionsstrukturen in Deutschland teilhaben können, bedürfe es gesellschaftspolitischer Initiativen. Der zahnärztliche Berufsstand stehe dafür zur Verfügung.

Versachlichung. Diese Daten schafften die Grundlage für eine Versachlichung der Diskussion um Kosten für die zahnmedizinische Versorgung von Flüchtlingen, ist Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV, sicher. „Die Behandlungskosten bleiben in einem vertretbaren Rahmen. Dies gilt ebenso für die akute Schmerzversorgung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, wie für den Aufwand, der nach Anerkennung von Asyl durch Regelleistungen der GKV entsteht.“

Die Kosten für eine vollständige Wiederherstellung der Mundgesundheit betragen laut der Studie zwischen 178 bis 1759 Euro pro Flüchtling. Die tatsächlichen Kosten durch die Inanspruchnahme der Behandlungen nach der regelhaften GKV-Versorgung dürften diese hypothetisch ermittelten Gesamtkosten jedoch deutlich unterschreiten. Prof. Christian Splieth, Leiter des Autorenteams, empfiehlt bestehende Präventions- und Prophylaxekonzepte für Flüchtlinge anzubieten, um restaurative Maßnahmen zu vermeiden. Für die Studie wurden von Ende 2016 bis Mitte 2017 544 Flüchtlinge an verschiedenen Standorten untersucht. Im Gegensatz zu anderen Erhebungen, die sich meist auf spezielle Erkrankungen in einzelnen Altersgruppen beschränken, erfasst die vorliegenden Studie Mundgesundheitsprobleme und mögliche Therapiekosten bei Patienten im Alter von drei bis 65 Jahren. Die Studie ist online abrufbar auf den Webseite: www.bzaek.de/studie.

IZZ/BZÄK

 

Hauptversammlung des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ)

 

Selbstbestimmung ist kein Selbstläufer

Ausgabe 12, 2017

Die Delegierten des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte (FVDZ) tagten vom 12. bis 14. Oktober in Berlin. Neben politischen Weichenstellungen wie dem jüngst eingeschlagenen „Zukunftsweg Zahnheilkunde“ waren die Vorstandswahlen von besonderer Bedeutung: Der bisherige Bundesvorsitzende ZA Harald Schrader wurde mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt. Höchst erfreulich für Baden-Württemberg ist die Wiederwahl von Dr. Gudrun Kaps-Richter als Stellvertretende Bundesvorsitzende

Die 163 Delegierten aus den 17 Landesverbänden zeigten sich sehr zufrieden mit der Arbeit auf Vorstandsebene, das machte die fast einstimmige Wiederwahl des Vorsitzenden mit 153 von 157 abgegebenen Stimmen deutlich. Und die stehenden Ovationen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses für den alten und neuen Bundesvorstand.

Geschlossenheit. Schrader, der 2015 zum ersten Mal zum Bundesvorsitzenden gewählt wurde, trat ohne Gegenkandidat an, ebenso seine Stellvertreter Dr. Peter Bührens und Dr. Gudrun Kaps- Richter, die gleichfalls mit hohen Zustimmungswerten bedacht wurden. Nicht nur bei der Wahl demonstrierte der Freie Verband Geschlossenheit, auch bei der Verabschiedung der Resolutionen und Beschlüsse zur Stärkung der Souveränität von Patient und Zahnarzt und zur Sicherung der Freiberuflichkeit waren sich die Delegierten einig. Durch eine noch weitergehende Einbeziehung des Patienten in die Therapiewahl und ein Anreizsystem zum verantwortungsvollen Umgang mit Gesundheitsleistungen durch den Patienten soll Transparenz hergestellt und eine Fehlallokation finanzieller Mittel vermieden werden.

Kein Kollateralschaden. Die wiedergewählte stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Gudrun Kaps-Richter, Heilbronn, machte in diesem Zusammenhang auf den Kostendruck in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufmerksam. Durch medizinischen Fortschritt sei immer mehr und bessere Therapie möglich, deshalb werde es vor allem in der Humanmedizin zur Kostenexplosion kommen. „Ich befürchte, die Zahnmedizin wird dann zum Spartöpfchen der GKV werden“. Die Einkünfte der Zahnärzte aus der GKV würden voraussichtlich weiter schrumpfen. „Und wir sind dann wieder der Kollateralschaden der Medizin.“

Hygienerichtlinien. Vielbeachtet auch der Antrag aus Baden- Württemberg und Nordrhein, der das BMG auffordert, zahnärztlichen Sachverstand bei der Erarbeitung von Hygienerichtlinien mit einzubeziehen und die besonderen Situationen in den Zahnarztpraxen zu berücksichtigen. In der Begründung zum einstimmig angenommenen Antrag heißt es u. a.: „Gesetze und Verordnungen sollten sich am Patientenschutz orientieren. Die Umsetzung nicht zielführender Hygieneanforderungen führt zu weiteren unnötigen und in vielen Fällen unangemessenen Kostensteigerungen für den Betrieb einer Zahnarztpraxis. Die Mittelverwendung im Gesundheitssystem muss sparsam erfolgen, um auch in Zukunft notwendige medizinische Leistungen erbringen zu können.“

Kein Selbstläufer. Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, konstatierte, dass die Bürgerversicherung zwar vom Tisch sei, trotzdem „dürfen die Entscheidungskompetenzen unseres Berufsstandes nicht beschnitten werden“. Selbstbestimmung und Selbstverwaltung im Gesundheitswesen seien keine Selbstläufer und müssen vehement verteidigt werden – auch und gerade in Europa. Wolfgang Eßer, Vorstand der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, rief dazu auf, auch wenn derzeit noch alle Räder stillstehen, die Zeit zu nutzen, um Gehör in der Politik zu finden: „Warten wir bitte nicht wie das Häschen vor der Schlange, sondern nutzen wir die nächsten vier Jahre, um das zahnmedizinische Erfolgsmodell auf der Versorgungsebene nach vorne zu treiben“. Er geißelte die von der EU geförderte Ökonomisierung und die Ausbreitung von Medizinischen Versorgungszentren sowie von Großpraxen, die schon längst im Visier des international agierenden Großkapitals sind.

Gegen Bevormundung. Humorvoller geriet das Grußwort von Dr. Claudius Ratschew, Präsident des Zahnärztlichen Interessenverbandes Österreichs (ZIV). Er verglich das im Bau befindliche Krankenhaus Nord in Wien mit dem Berliner Flughafen. Die Kosten für das modernste Spital Europas sind nach einer Serie von Pleiten, Pannen und Misswirtschaft auf 1,5 Milliarden Euro explodiert. Während dieses völlig unverantwortliche Missmanagement ohne Folgen bleibt, werde in den Praxen peinlichst genau auf die Einhaltung von teilweise sehr übertriebenen Qualitätsstandards geachtet. „Es geht darum, den freiberuflichen Zahnarzt zu regulieren, zu reglementieren und zu bevormunden.“

Neuerungen. Als angenehm und konstruktiv empfunden wurden bei der Berliner Hauptversammlung Neuerungen wie die Impulsreferate zu den Themen Qualitätssicherung und Versorgungsforschung mit anschließender Diskussionsmöglichkeit, ebenso die Ausweitung auf den Bereich der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte und auf die Studentenschaft. Die Mitglieder des neu gegründeten Studentenparlaments wählten Viktoria Landwehr, Freiburg, und Björn Vordahl ,Jena, zu ihren Sprechern. Ein HV-Beschluss, der eine Förderung des Studentenparlaments als Bindeglied zum FVDZ vorsieht, sowie ein Existenzgründerprogramm zeugen von der intensiven Nachwuchsarbeit des größten unabhängigen zahnärztlichen Berufsverbands in Deutschland. Resolutionen, Anträge und Beschlüsse können im Wortlaut hier nachgelesen werden.

FVDZ-BW

 

Vertreterversammlung der BZK Stuttgart am 15. November 2017

 

Erste Zwischenbilanz des neuen Vorstands

Ausgabe 12, 2017

Zur ersten ordentlichen Vertreterversammlung (VV) der Bezirkszahnärztekammer (BZK) Stuttgart in der neuen Legislaturperiode kamen Mitte November die gewählten Vertreterinnen und Vertreter im Zahnärztehaus Stuttgart zusammen, um von ihrem Vorstand eine erste Bilanz ihres ersten Amtsjahres zu erfahren. Insbesondere der Bericht des Vorsitzenden Dr. Eberhard Montigel wurde umfassend und positiv diskutiert. Zu den Schwerpunkten zählten z. B. Praxisführung, Praxisstrukturen und die Mitarbeiteroffensive.

Der neue Vorstand versteht sich als konstruktives Bindeglied der BZK Stuttgart zu den Zahnarztpraxen und möchte den Mitgliedern bei allen wichtigen Belangen der Berufsausübung Unterstützung anbieten. Der Vorsitzende der BZK Stuttgart, Dr. Eberhard Montigel, stellte zu Beginn seines mündlichen Berichts die Aufteilung der berufspolitischen Ressorts im Vorstand vor: Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Hendrik Putze ist für das neu gegründete Ressort Praxisführung zuständig. Bislang war dieses Ressort nur auf LZK-Ebene etabliert, aber aufgrund der Zunahme der nichtanlassbezogenen Praxisbegehungen möchte die BZK Stuttgart direkte Hilfe leisten. Dr. Gerhard Cube hat wie bisher das Referat Gutachterwesen übernommen. Dr. Edith Nadj-Papp kümmert sich um Jugendzahnpflege und Prophylaxe sowie um die Alters- und Behindertenzahnheilkunde und Dr. Bernd Krämer setzt sich als Ausbildungsberater für die Zahnmedizinischen Mitarbeiter/ innen ein.

Zahnarztpraxen. In ihren Berichten kritisierten Dr. Montigel und Dr. Putze die Vorgehensweise der nichtanlassbezogenen Praxisbegehungen. Sie zeigten Handlungsebenen auf, in die sich die BZK Stuttgart einbringen könnte. Die Beratung der Zahnärztinnen und Zahnärzte über den Inhalt der Begehungen stehe dabei an erster Stelle. Dazu benötige die BZK Stuttgart die Prüfungsprotokolle von bereits begangenen Praxen. Der Vorstand rief die Delegierten dazu auf, ihre Kollegenschaft zur Übermittlung der Protokolle zu motivieren.

Dr. Montigel sprach die Problematik an, qualifizierte Zahnmedizinische Mitarbeiter/innen zu finden. Durch geburtenschwache Jahrgänge gebe es weniger Bewerber/innen. Zudem sei der Bedarf an Prophylaxefachkräften gestiegen. Er forderte ein gutes Azubi-Marketing. Die LZK BW solle außerdem über neue Ausbildungswege nachdenken, wie z. B. zur „Sterilgut-Assistentin“, um Prophylaxefachkräfte in der Praxis adäquater einsetzen zu können.

MVZ. Eine große Gefahr sieht Dr. Montigel in der Zunahme der zahnärztlichen Medizinischen Versorgungszentren. Diese neuen Strukturen ermöglichen auch den Einstieg von Fremdkapital, die sich dann dem Berufsrecht der Kammer entziehen können. Hier müsse man durch Konzepte entgegensteuern, die die jüngeren Kolleg/innen zur Selbstständigkeit ermutigen, aber auch für ältere Kollegen, die Nachfolger suchen. Der Gesetzgeber muss auf diese negative Entwicklung aufmerksam machen.

Nach einer ausführlichen Diskussion, an der sich auch LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert, gleichzeitig Delegierter der BZK Stuttgart, beteiligte, folgten die mündlichen Berichte von Dr. Edith Nadj-Papp und Dr. Bernd Krämer. Dr. Gerhard Cubes Bericht fiel krankheitsbedingt aus. Die Haushaltsbilanz 2016 wurde von Dr. Gudrun Kaps-Richter vorgestellt. Die Geschäftsführerin der BZK Stuttgart, Christine Martin, erläuterte anschließend die Anforderungen von Haushaltsmitteln für das Jahr 2018.

Fazit. Die erste VV der neuen Legislaturperiode bewies, dass die berufspolitische Arbeit des neuen Vorstands auf sehr große Zustimmung stieß. Auch das konstruktive Diskussionsklima war ein Beispiel dafür, dass der Vorstand einen außergewöhnlichen Zuspruch erfuhr.

claudia.richter@izz-online.de

 

VV-Vorsitzende aller KZVen in Erfurt

 

Kollegialer Erfahrungsaustausch

Ausgabe 12, 2017

Im September 2017 kamen die VV-Vorsitzenden aller Bundesländer zur inzwischen fest etablierten gemeinsamen Arbeitsberatung in Erfurt zusammen. Themen waren u. a. die noch fehlende Genehmigung von Vorstandsverträgen durch drei Aufsichtsbehörden, die aufsichtsrechtlichen Geschäfts-, Rechnungs- und Betriebsprüfungen der KZVen gem. § 274 SGB V und die notwendige Heranführung junger Kollegen an die standespolitische Mitwirkung. Eingeladen nach Erfurt hatte der VV-Vorsitzende der KZV Thüringen.

Am Vorabend nahmen die VV-Vorsitzenden an einer Führung durch die heutige Gedenkstätte der ehemaligen Stasi-U-Haft in der berüchtigten Andreasstraße von Erfurt teil.

Aktueller Stand. Am folgenden Sitzungstag tauschte man sich zunächst über den aktuellen Stand der Vorstandsdienstverträge aus. Drei Ministerien haben immer noch keine Genehmigung zu den aktuell vorgelegten Vorstandsverträgen der betreffenden Vorstände erteilt. Gleichfalls wurde über die zunehmenden Amts- und Haftungsrisiken von Vorständen und aller gewählter Ehrenamtsträger durch die zunehmenden Einflussnahmen seitens der Aufsichtsbehörden mit den sich hieraus zwingend erforderlichen Risikoabsicherungen diskutiert. Ein weiterer Tagesordnungspunkt waren die aufsichtsrechtlichen Geschäfts-, Rechnungs- und Betriebsprüfungen der KZVen gem. § 274 SGB V durch die Landesprüfdienste der Ministerien in allen Bundesländern. Hierbei wurde von allen VV-Vorsitzenden beanstandet, dass sich die Ministerien in einigen KZVen unzulässigerweise neben der eigentlichen Fachaufsicht in die inneren Angelegenheiten, so in Satzungen, Ordnungen, Personalangelegenheiten und zusätzliche, auf die KZVen abgewälzten Prüf- und Kontrollaufgaben, einmischen.

Die KZVen aller Bundesländer widersprechen daher entschieden den z. T. unangemessenen und nicht nachvollziehbaren Forderungen der Prüfdienste.

Weiterhin wurde die von der Politik beabsichtigte Ausweitung der bestehenden „Qualitätsprüfungen“ und „Qualitätsbeurteilungen“ der Kollegen gemäß Vorgaben des SGB V durch die KZVen ab 2019, welche derzeit durch eine Arbeitsgruppe von KZBV und Krankenkassen erarbeitet werden, als eine Art nachgeschaltete zweite Wirtschaftlichkeitsprüfung scharf kritisiert. Plausibilitätsprüfungen mittels Zahn- und Patientenhistorien zeigen einmal mehr das Misstrauen der Politik gegenüber unserem Berufsstand hinsichtlich der Qualität unserer Behandlungen. Leidtragende werden möglicherweise Patienten mit risikobehafteten zahnärztlichen Behandlungen sein, um nicht im Nachhinein diesbezüglichen Prüfanträgen ausgesetzt zu werden.

Aufwand und Kosten. Im Ergebnis werden Verwaltungsaufwand und Kosten mit Zunahme von Prüfanträgen absehbar für die KZVen und die Praxen ohne erkennbaren Nutzen weiter steigen. Wieder eine Facette, weshalb sich jüngere Kolleginnen und Kollegen zunehmend weniger oder erst später überhaupt noch in eigener Praxis niederlassen. Abschließend stellte Kollege Michael Böcke einen Erfahrungsbericht des bereits fest etablierten Arbeitskreises „Standespolitische Zukunft der KZV Thüringen“ vor

Die VV-Vorsitzenden konnten in der regen Diskussion anhand der durchaus positiven Erfahrungen Thüringens, aber auch aus anderen KZV-Bereichen wertvolle Hinweise für die dringend notwendige Heranführung junger Kollegen an die standespolitische Mitwirkung, immer unter der Prämisse eines zahnärztlichen Sachverstandes, mitnehmen.

Der sehr offene und kollegiale Erfahrungsaustausch der VV-Vorsitzenden wird im Frühjahr 2018 in Potsdam auf Einladung des VV-Vorsitzenden Brandenburg, Kollege Sven Albrecht, fortgesetzt.

Dr. Horst Popp, VV-Vorsitzender der KZV Thüringen

 

3. Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg

 

Zukunftsbranche Gesundheit

Ausgabe 12, 2017

Der Landeskongress Gesundheit hat sich seit seinem Debüt zu einer der wichtigsten Plattformen für die Akteure der Gesundheitsversorgung und -wirtschaft in Baden-Württemberg entwickelt. Der dritte Kongress findet zum Jahresauftakt am 26. Januar 2018 auf der Landesmesse Stuttgart statt. Das Motto: „Innovationen für Menschen – Zukunftsbranche Gesundheit“. Unterstützt wird der Kongress von der KZV BW, von der BZK Stuttgart, der Landespsychotherapeutenkammer Baden- Württemberg und zahlreichen Krankenkassen. Erstmals werden zahnmedizinische Themen in den „World Café Foren“ diskutiert.

Hochkarätige Referenten beleuchten das zentrale Thema aus verschiedenen Perspektiven. Dem Grußwort der Landesregierung durch den Minister für Soziales und Integration, Manfred Lucha, folgt der Keynote- Vortrag von Prof. Dr. rer. nat. Reinhold Ewald, ESA-Astronaut und Professor für Astronautik und Raumstationen. Beim „Marktplatz der Ideen“ wird durch die Präsentation dreier Konzepte ein Blick in die nahe Zukunft des Gesundheitswesens geworfen. Eine Podiumsdiskussion zu „Innovationen im globalen Kontext“ und ein Referat zu Präzisions- und Big Data-Medizin runden den Nachmittag ab.

Interaktion. Der Landeskongress Gesundheit setzt darüber hinaus weiterhin auf Partizipation und Interaktion. Ein eigens für den Kongress entwickeltes Programm ermöglicht es den Teilnehmern, über ihre mobilen Endgeräte Fragen und Anmerkungen an die Referenten zu schicken.

Neben vielfältigen Gelegenheiten zum Networking dient das World Café Format am Nachmittag der Diskussion und Vertiefung. In sechs verschiedenen Foren adressiert der Kongress die essenziellen Aspekte der zukünftigen Gesundheitsbranche: Von dem Einfluss und Umgang mit der Digitalisierung, über Veränderungen der Versorgungswege durch moderne Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft bis hin zu innovativer Infrastruktur und Sicherstellung der Versorgungsqualität. Erstmals werden explizit zahnmedizinische Themen diskutiert: Wie kommen Innovationen in die Regelversorgung und den GKV-Leistungskatalog? Expertin zu dieser Frage ist Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW. Und: Zahnersatz, Medikamente, Prothesen – Wie verändern Produkte aus 3D-Druckern die Versorgung der Patienten? Koordinatorin ist Christine Martin, Geschäftsführerin der BZK Stuttgart.

Teilnehmer. Eingeladen zum Kongress sind angestellte und niedergelassene Ärzte und Zahnärzte sowie alle anderen Berufe der Gesundheitsversorgung, Verantwortungsträger aus Krankenhäusern, die jeweiligen Verbände und Organisationen, Personal aus der Führungsebene in Sozialverwaltungen, Krankenkassen, Kommunen, Ministerien und Politik sowie Entscheider aus der Gesundheitswirtschaft.

Anmeldung. Anmeldungen zum Kongress und zu den einzelnen Foren sind ab sofort online unter www.lk-gesundheit.de möglich. Dort sind ebenfalls eine Rückschau auf die vorangegangenen Veranstaltungen sowie alle weiterführenden Informationen zum 3. Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg zu finden.

Zeitgleich mit dem Landeskongress Gesundheit finden der Ärztekongress der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg und die MEDIZIN Fachmesse der Messe Stuttgart statt. Alle Vorträge des 53. Ärztekongresses sind CME-zertifiziert und bieten die Möglichkeit, insgesamt 22 Fortbildungspunkte zu erwerben. Ergänzend dazu werden die Landesärztekammer und ihre Bezirksärztekammern mit einem Informationsstand vertreten sein (Standnr. 4B60).

KZV BW BZK Stuttgart