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Im Blick

Festakt zur Eröffnung des Deutschen Zahnärztetages 2017

 

Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft in Gold an Dr. Udo Lenke

Ausgabe 12, 2017

„Mit Ihrem Wissen und Ihren Erfahrungen haben Sie der Kollegenschaft über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus wertvolle Dienste erwiesen. Dafür gebührt Ihnen unser aller Dank, Respekt und höchste Anerkennung“ – mit diesen Worten verlieh BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel am 9. November 2017 beim Festakt zur Eröffnung des Deutschen Zahnärztetages in Frankfurt am Main die Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft in Gold an Dr. Udo Lenke.

Nur knapp ein Jahr nach seinem offiziellen Ausscheiden als Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg und der Verleihung der Ehrenpräsidentschaft der Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg, erhält Dr. Udo Lenke diese höchste Auszeichnung der deutschen Zahnärzteschaft für sein 24-jähriges standespolitisches Wirken.

Von 1993 bis 2000 als stellvertretender Präsident und von 2001 bis 2016 als Präsident der Landeszahnärztekammer prägte Dr. Udo Lenke eine standespolitische Ära – in Baden-Württemberg und auf Bundesebene.

Als LZK-Präsident verantwortet er die liberale Fortbildungsordnung für Zahnärzte in Baden-Württemberg. Für den Erhalt regionaler freiberuflicher Strukturen hat Dr. Lenke sich in seiner langjährigen Kammerzeit stets persönlich eingesetzt. Er hat der Kollegenschaft die Kammer als Dienstleister und als ihre berufliche Heimat vermittelt. Besonderes Engagement, auch weil es ihm eine Herzensangelegenheit war, zeigte Dr. Lenke bei der Präsentation der erfolgreichen Kinder- und Jugendprophylaxe in der Öffentlichkeit in seiner Funktion als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit. Als Sprecher der Landeszahnärztekammer hat er in zahlreichen Gesprächen mit Parlamentariern sowie mit den jeweiligen Sozialministern und Ministerialbürokraten zudem erreicht, dass die Kammer als seriöser Gesprächspartner mit ihren Anliegen wahrgenommen wird.

Auf sein außerordentlich engagiertes Wirken auf Bundesebene als langjähriges Mitglied im BZÄK-Vorstand und in zahlreichen BZÄK-Ausschüssen, wies BZÄK-Präsident und langjähriger Weggefährte Dr. Peter Engel dezidiert hin. Beharrlich und selbstbewusst habe Dr. Lenke badenwürttembergische Interessen und innovative Vorschläge eingebracht, „die ihm ab und zu in BZÄK-Vorstandssitzungen einen heißen Stuhl bescherten. Aber es war stets auch seine Intention, dass sich die gesamte Profession weiterentwickeln muss, um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, eine qualitativ hochwertige zahnmedizinische Versorgung für die Patienten zu gewährleisten“.

Neben Dr. Udo Lenke haben seine langjährigen Kollegen im BZÄK-Vorstand, Dr. Wolfgang Schmiedel (Berlin) und Dr. Andreas Wagner (Thüringen), die hohe Auszeichnung erhalten. Stellvertretend bedankte sich Dr. Wolfgang Schmiedel im Namen der Geehrten in einer emotionalen Grußbotschaft für die Würdigung.

mader@lzk-bw.de

 

Nachgefragt bei Dr. Udo Lenke

 

„Ich vermisse die Menschen, mit denen ich zusammen gearbeitet habe“

Ausgabe 12, 2017

Nur knapp ein Jahr nach seinem offiziellen Ausscheiden als Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg und der Verleihung der Ehrenpräsidentschaft der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, ist Dr. Udo Lenke mit der Goldenen Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft geehrt worden. Wie der Alltag und das Leben des Ehrenpräsidenten heute aussehen, was ihn ausfüllt und ob er die Kammer vermisst, lesen Sie in unserem Nachgefragt.

Herr Dr. Lenke, mal ganz ehrlich – wie sehr vermissen Sie die Standespolitik und die Kammer?

Ganz ehrlich? Ich vermisse beides sehr wenig. Das liegt aber nicht an der Kammer oder der Standespolitik, sondern eher daran, dass ich so viele andere Dinge zu tun habe. Alles hat eben seine Zeit und das ist auch gut so. Was ich jedoch vermisse, sind die Menschen, mit denen ich sehr gerne zusammengearbeitet habe.

Gibt es berufspolitische Felder, die Sie mit Interesse verfolgen oder sind Sie froh über den Abstand?

Ich beobachte genau, welchen Stellenwert zahnärztliche gesundheitspolitische Positionen in der Politik der neuen Bundesregierung einnehmen werden. Es wäre ja schon fast als fatal zu bezeichnen, wenn man so lange berufspolitisch tätig war und nach dem Ausscheiden das Interesse einfach weg wäre. Ich glaube, dann wäre etwas schief gelaufen. Interessant ist für mich zukünftig, wie sich mit dem gewonnenen Abstand die Sicht auf die standespolitischen Themen ändert. Man weiß ja, dass manchmal Distanz Nähe schaffen kann. Aber das können Sie mich vielleicht in ein, zwei Jahren nochmal fragen …

Wie dürfen wir uns Ihren Alltag vorstellen?

Die 24 Stunden, die einem zur Verfügung stehen sind total ausgefüllt. Auch heute noch. Allerdings klimaneutraler. Die Reisefrequenz hat deutlich abgenommen. Das war zu Kammerzeiten schon anders. Ansonsten wundere ich mich manchmal, dass das Zeitportfolio nicht mehr hergibt.

Sind Sie noch oder wieder als Zahnarzt in Ihrer Praxis tätig?

In der Tat bin ich noch in der Praxis tätig. Und es macht mir Freude am Patienten zu arbeiten. Allerdings in Summe nur noch drei bis vier Tage in der Woche.

Gibt es Interessen und Hobbys, für die Sie während Ihrer standespolitischen Zeit kaum Zeit hatten und die Sie jetzt ausfüllen?

Nachdem ich wortwörtlich „schlag(anfall)artig“ aus der Berufspolitik gerissen wurde, hat sich in meinen Leben auch einiges geändert. Zum einen Teil – zumindest in der ersten Zeit - zwangsweise, zum vitaleren Teil jedoch kraft neu gewonnener Überzeugung. Das Bewusstsein eine intakte Familie zu haben, Freunde und Wahlverwandtschaften zu besitzen, ist fantastisch und hat einen anderen Stellenwert bekommen. Ebenso das Bewusstsein wie wichtig Gesundheit ist. Und das als Zahnarzt. Da ist er wieder, der berühmte Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Und so hat sich aus einer anfänglich eher leidenschaftslosen Liaison zum Thema Fitness eine heute fast ausgefröhliche Beziehung dazu entwickelt. Yoga und Fitnessstudio sind inzwischen fester Bestandteil in meinem Leben geworden und machen tatsächlich Spaß. Und damit der Kopf auch „trainiert“ wird und fit bleibt, befasse ich mich intensiv mit einem Themenkomplex, der mich schon lang fasziniert und für den ich nie genug Zeit hatte: Heil- und Behandlungsmethoden neben der Schulmedizin. Und so besitze ich heute neben einem Zertifikat als Hypnosemaster sowohl einen Rentnerausweis als auch einen Studentenpass, weil ich eine Ausbildung zum Heilpraktiker begonnen habe. Die Vorlage beider Ausweise sorgt bisweilen für heitere Irritation.

Wie hat sich die Ehrung anlässlich des Dt. Zahnärztetages durch Ihren langjährigen standespolitischen Weggefährten, Dr. Peter Engel, angefühlt?

Es war ein schöner Festakt, den ich mit meiner Familie sehr genossen habe. Peter Engels Rede hat mich sehr gefreut, auch berührt. Und ich freue mich wirklich sehr über diese tolle Auszeichnung.

Wo sehen Sie die Landeszahnärztekammer und die Kammern insgesamt in zehn Jahren?

Oh, das hätten Sie am besten in Frankfurt Herrn Professor Opaschowski gefragt, der als einer der renommiertesten Zukunftsforscher Deutschlands die Festrede gehalten hat! Ich versuche es trotzdem mal: Trotz aller Gegenbewegungen werden die Kammern unverzichtbar bleiben, wenn sie ihre Patientenorientierung deutlich verstärken und ihre Hausaufgaben im Rahmen der Digitalisierung im Gesundheitswesen rechtzeitig und überzeugend erledigen.

mader@lzk-bw.de