Zahnaerzteblatt.de

 

Praxis

Informationsveranstaltung für Berufsberater/innen und Arbeitsvermittler/innen

 

Finden – Ausbilden – Binden

Ausgabe 12, 2017

Am 18. Oktober 2017 fand in Freiburg die Informationsveranstaltung für Berufsberater/innen und Arbeitsvermittler/innen der Agenturen für Arbeit in Baden-Württemberg zum Berufsbild „Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r“ (ZFA) statt. Teilnehmer aus den Agenturen für Arbeit in Freiburg, Konstanz, Lörrach, Nagold, Offenburg, Pforzheim Rottweil, Stuttgart und Villingen-Schwenningen konnten bei der Veranstaltung begrüßt werden, die bereits zum siebten Mal von der Landeszahnärztekammer in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Baden-Württemberg, durchgeführt wurde.

Im Rahmen seiner Sitzungen beschäftigt sich der Ausschuss für Zahnmedizinische Mitarbeiter/ innen regelmäßig mit der Thematik „Zahnmedizinische Mitarbeiter/ innen „Finden – Ausbilden – Binden“ und stellt dem Vorstand Aufgaben, Handlungsfelder und Aktivitäten vor, um das Berufsbild der Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) attraktiv zu gestalten und somit gezielt für qualifizierte Mitarbeiter/innen zu werben. So konnte der Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiter/innen der Landeszahnärztekammer, Dr. Bernd Stoll, den Vorstand der Landeszahnärztekammer bereits in seiner Sitzung am 21.9.2017 über die verschiedenen Maßnahmen in diesem Bereich informieren.

ZFA-Aus- und Fortbildung. Eine wichtige Schnittstelle im Bereich der Berufsorientierung stellen die Berufsberater/innen und Ausbildungsbegleiter/innen der 24 Agenturen für Arbeit in Baden-Württemberg dar. Aus diesem Grund fand im Herbst dieses Jahres eine Informationsveranstaltung zum ZFA-Berufsbild im Zahnärztehaus Freiburg statt. Dr. Riedel, Vorsitzender und Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiter/ innen der Bezirkszahnärztekammer Freiburg, konnte die Teilnehmer in Südbaden begrüßen.

In vier Kurzreferaten wurden Informationen hinsichtlich der „ZFA-Ausbildungsverordnung“ vermittelt, die „Attraktivität des ZFA-Berufsbildes“ auch anhand der „ZFA-Aufstiegsfortbildungen“ erläutert sowie die „Rechtlichen Rahmenbedingungen“ von den Referenten dargestellt, so dass ein informativer Dialog mit den TeilTeilnehmern ermöglicht wurde. Insbesondere Fragestellungen zu den Themen:

- Teilzeitberufsausbildung,

- Wiedereinsteiger/innen in das ZFA-Berufsbild,

- Schwangerschaft während der Ausbildung,

- Röntgen (Kenntnisse im Strahlenschutz),

- Verdienstmöglichkeiten,

- Praktika und Fortbildungsangebote

wurden von den Ausbildungs- und Berufsberatern eingebracht und von den anwesenden Referenten Dr. Peter Riedel, Dr. Bernd Stoll und Thorsten Beck, unterstützt durch die Abteilung Zahnmedizinische Mitarbeiter/innen, Sabine Häringer sowie den Geschäftsführer der Bezirkszahnärztekammer Freiburg, Dr. jur. Frank Winkeler, ausführlich beantwortet.

Darüber hinaus wurde darüber informiert, dass die Novellierung der ZFA-Ausbildungsverordnung auf Bundesebene angestoßen wurde, da sich das Berufsbild in den letzten Jahren entsprechend gewandelt hat und die Tätigkeiten von Zahnmedizinischen Fachangestellten verstärkt in den Bereichen Betreuung, Behandlungsassistenz, Hygiene, Röntgen und Verwaltung stattfinden. Die sehr gute Bewertung der Veranstaltung durch die Teilnehmer/ innen zeigt, dass die Veranstaltung einen wichtigen Beitrag leistet, um Multiplikatoren der Berufsbildung einen Einblick in die Arbeitsweise von Zahnmedizinischen Fachangestellten zu geben und das Berufsbild somit bekannter zu machen.

Um landesweit möglichst eine Vielzahl an Multiplikatoren zu erreichen, wird die Veranstaltung im kommenden Jahr in Stuttgart und im Jahr 2019 in Karlsruhe durchgeführt und dann voraussichtlich weiter im jährlichen Wechsel an verschiedenen Standorten in Baden- Württemberg.

beck@lzk-bw.de

 

Reinigungs- und Desinfektionsprozess

 

Wartung und erneute Leistungsbeurteilung zeitlich nicht verknüpft

Ausgabe 12, 2017

Die Wartung am Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG, Thermodesinfektor) hat kurz vor der Durchführung der erneuten Leistungsbeurteilung (Revalidierung) des Reinigungs- und Desinfektionsprozesses zu erfolgen, dies war und ist ein (un)ausgesprochenes Gesetz in vielen Zahnarztpraxen. Was passiert aber nun, wenn z. B. ein Engpass an qualifizierten Technikern zu einer deutlichen Verzögerung der Durchführung der Wartung an Reinigungs- und Desinfektionsgeräten führt? Verlängert sich hierdurch auch das Validierungsintervall? Der folgende Beitrag soll hier eindeutig für Klarheit sorgen und „alte Praxisgesetze“ ggf. revidieren.

Angaben zu Wartungszyklen. Die Wartungszyklen werden in den gerätespezifischen Gebrauchsanweisungen des Herstellers ausgewiesen. Je nach Hersteller und Gerätetyp finden sich unterschiedliche Angaben zu der Erfordernis einer Wartung und den zu beachtenden Wartungszyklen. Achten Sie bitte auch auf die Angabe in der Gebrauchsanweisung „Wer darf die Wartung durchführen“ (hier finden Sie z. B. Angaben wie „Kundendienst des Geräteherstellers“; „autorisierte Kundendiensttechniker“; „Medizintechniker des Dentalfachhandels“).

Beispiele für Wartungsangaben von unterschiedlichen RDG-Herstellern. „Periodische Wartungen müssen nach 1.000 Betriebsstunden oder spätestens alle 18 Monate erfolgen.“ „Periodische Wartungen müssen nach 1.000 Betriebsstunden oder spätestens alle 24 Monate erfolgen.“ „Die Wartung ist regelmäßig alle 1.000 Zyklen/Chargen oder spätestens alle 18 Monate vorzunehmen.“ Auf dem Markt existieren auch Gerätehersteller, die z. B. eine Wartung nicht automatisch nach vorgegebenen Arbeitszyklus-Zahlen vorschreiben.

Praxistipp. Schauen Sie in die Gebrauchsanweisung des RDG-Herstellers und ggf. erkundigen Sie sich bei diesem direkt, ob die Ihnen vorliegende Gebrauchsanweisung die aktuelle Version darstellt.

Zusammenhang Wartung und erneute Leistungsbeurteilung (Revalidierung). In der aktuellen Leitlinie von DGKH, DGSV und AKI für die Validierung und Routineüberwachung maschineller Reinigungs- und thermischer Desinfektionsprozesse für Medizinprodukte ist keine Empfehlung zum maximalen Zeitraum zwischen Wartung und erneuter Leistungsbeurteilung (Revalidierung) ohne besonderen Anlass beschrieben. Der Zeitraum liegt somit im Verantwortungsbereich des Betreibers (Praxisinhabers).

Wann sind die erneuten Leistungsbeurteilungen (Revalidierungen) am RDG durchzuführen? Auf die jährliche Durchführung der erneuten Leistungsbeurteilungen (Revalidierungen) gemäß DIN EN ISO 15883 ist zu achten.

Fazit. Der bisher bekannte Tenor „Durchführung der erneuten Leistungsbeurteilung (Revalidierung) beim RDG nur nach vorher durchgeführter Geräte-Wartung“ ist somit obsolet!

Ihre LZK-Geschäftsstelle

 

Verlangen, nachdrücklich fordern oder haben wollen

 

Verlangensleistungen in der Zahnheilkunde

Ausgabe 12, 2017

Die GOZ 1988 beschränkte für Verlangensleistungen die Erfordernis eines Heil- und Kostenplans auf Leistungen, die nicht in den Gebührenverzeichnissen der GOZ oder der GOÄ enthalten sind. Mit der GOZ 2012 liegt eine Verlangensleistung hingegen immer dann vor, wenn die Leistung nicht zahnmedizinisch notwendig ist, unabhängig davon, ob sie in der Gebührenordnung geregelt ist oder nicht.

Leistungen, die über das Maß einer zahnmedizinisch notwendigen Behandlung hinausgehen, sind zum Beispiel Leistungen, die ausschließlich kosmetischen Zwecken dienen oder Wünschen des Patienten entsprechen, ohne Heilzwecken zu dienen, zum Beispiel die Erneuerung intakter Kronen nur aus kosmetischen Gründen.

Nicht unter diese Kategorie fallen Leistungen, die ästhetisch und zugleich zahnmedizinisch veranlasst sind, selbst dann, wenn der ästhetischen Motivation ein besonderes Gewicht zukommt. Beispielsweise das Bleichen eines einzelnen verfärbten Zahnes nach Trauma oder einer endodontischen Maßnahme.

Verlangensleistungen. Leistungen, die über das Maß einer zahnmedizinisch notwendigen zahnärztlichen Versorgung hinausgehen, dürfen nur berechnet werden, wenn sie auf Verlangen des Zahlungspflichtigen erbracht worden sind. § 2 Abs. 3 konkretisiert dies: Leistungen nach § 1 Absatz 2 Satz 2 und ihre Vergütung müssen in einem Heil- und Kostenplan schriftlich vereinbart werden. Der Heil- und Kostenplan muss vor Erbringung der Leistung erstellt werden; er muss die einzelnen Leistungen und Vergütungen sowie die Feststellung enthalten, dass es sich um Leistungen auf Verlangen handelt und eine Erstattung möglicherweise nicht gewährleistet ist. § 6 Abs. 1 bleibt unberührt.

Die GOZ selbst kennt keine Unterscheidung von medizinischen oder nichtmedizinischen Verlangensleistungen.

Begrifflichkeiten. Das „Verlangen“ im Sinne von § 2 Abs. 3 GOZ muss zielgerichtet auf eine medizinisch nicht indizierte Leistung gerichtet sein. Der BGH hat dazu in einem Urteil vom 1.2.1983, Az. VI ZR 104/81 ausgeführt, dass es die Verpflichtung des Arztes ist, den Patienten darauf hinzuweisen, wenn er ihm eine nicht notwendige Behandlung vorschlägt.

Da der Heil- und Kostenplan diesbezüglich nach dem Wortlaut von § 2 Abs. 3 GOZ keine Angaben enthalten muss, sollte die Aufklärung ergänzend aufgenommen und dokumentiert werden.

Aufklärungspflicht. Weiß der Behandelnde, dass eine vollständige Übernahme der Behandlungskosten durch einen Dritten nicht gesichert ist, oder ergeben sich nach den Umständen hierfür hinreichende Anhaltspunkte, muss er den Patienten vor Beginn der Behandlung über die voraussichtlichen Kosten der Behandlung in Textform informieren. Das heißt, die Verpflichtung zur Vereinbarung eines Heil- und Kostenplans trägt dem Bedürfnis des Zahlungspflichtigen nach Information über die geplanten Leistungen und die voraussichtlich entstehenden Kosten und damit der Transparenz und dem Patientenschutz auch bei Verlangensleistungen Rechnung. Dem Zahlungspflichtigen sollte zu Dokumentationszwecken ein Abdruck des HKP überlassen werden. Verlangensleistungen mögen zwar „Wunschleistungen“ sein, sie müssen aber immer auch zahnmedizinisch vertretbar sein. Für die Berechnung selbstständiger zahnärztlicher Leistungen, die nicht in der GOZ beschrieben sind, gilt der § 6 Abs.1 GOZ (Analogleistung) auch für Verlangensleistungen.

Bestandteile der Vereinbarung. Da die Voraussetzungen an eine Gebührenvereinbarung nach § 2 Abs. 2 für die Verlangensleistung nicht ausdrücklich genannt sind, scheint die Angabe von Gebührennummern und Steigerungssätzen nicht erforderlich zu sein und eine gewisse Pauschalierung des vereinbarten Honorars möglich.

Aus der zur Zeit unklaren rechtlichen Situation lassen sich in Bezug auf die vergütungsmäßige Bewertung von zahnmedizinisch/ medizinisch nicht notwendigen Leistungen der GOZ/GOÄ nach Auffassung des Ausschusses Gebührenrecht der Bundeszahnärztekammer aus Gründen der Rechtssicherheit bis auf Weiteres folgende Empfehlungen für Verlangensleistungen ableiten: In den Gebührenverzeichnissen nicht beschriebene Leistungen sind im Wege der Analogie gemäß § 6 Abs. 1 GOZ mit Gebührennummern der GOZ, und erst wenn dort keine Gebührennummer nach Art-, Kosten- und Zeitaufwand geeignet erscheint, mit durch die Verweisung in § 6 Abs. 2 GOZ erfassten Gebührennummern der GOÄ zu berechnen. Leistungen auf Verlangen sind in der Rechnung aufgrund § 10 Abs. 3 GOZ/§ 12 Abs. 3 GOÄ als solche zu bezeichnen. Eine Gebühr ist in jeder erforderlichen Höhe darstellbar, begrenzt lediglich durch die Angemessenheit des Honorars im Sinne der §§ 138, 242 BGB.

Autorenteam des GOZ-Ausschusses der LZK BW