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45 Jahre Zahnärzteblatt Baden-Württemberg

 

Ein Magazin im Wandel der Zeit

Ausgabe 1, 2018

Im Jahr 1973 gab es den Startschuss für ein Medium, das seither trotz zahlreicher Veränderungen im Lauf der vielen Jahre nach wie vor das wichtigste Sprachrohr für die Zahnärzteschaft Baden-Württemberg ist: das ZBW. Wir nutzen das Jubiläum, um zurückzublicken auf die Protagonisten, die das Heft seit seiner Entstehung zu etwas Besonderem gemacht haben. Und wir zeigen die Entwicklung, die das ZBW im Lauf der Jahre genommen hat.

Es war im Januar 1973, als die damalige baden-württembergische Ministerin für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung, Annemarie Griesinger, die Zahnärzte in Baden- Württemberg beglückwünschte, „zu Ihrer Entscheidung, ein gemeinsames Zahnärzteblatt aller Berufsorganisationen herauszugeben“. Denn dadurch, stellte Griesinger fest, „ist es Ihnen gelungen, ein Sprachrohr zu schaffen, das sicher dazu angetan sein wird, die Einheit Ihres Standes noch mehr zu festigen“. Heute, 45 Jahre später findet das ZBW nach wie vor monatlich den Weg zu den Zahnärztinnen und Zahnärzten im Land und Multiplikatoren wie Ministerien und Meinungsführern, und das mit leicht steigender Auflage. Im Jahr 2016 lag sie bei 12.200 Exemplaren. Eine leichte Steigerung im Vergleich zum Jahr 2009, als die Auflage bei 12.000 Exemplaren lag. Das ZBW tritt damit dem Trend fallender Auflagenzahlen in der Medienbranche entgegen.

Gründerväter. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die zu Beginn zwei besondere Persönlichkeiten des Berufsstandes geprägt hatten: Die ersten Schriftleiter des ZBW, Prof. Dr. Heinz Spranger und Dr. Jo Wiech, führten das Heft durch die entscheidenden ersten Jahre und drückten ihm unverkennbar ihre Stempel auf. Ihr Ziel: die Thematik des neuen Presseorgans für den Berufsstand in eine adressatengerechte Fassung zu bringen. Der Zahnarzt sollte nach einem „arbeitsreichen Tage nicht mehr überfordert werden von unübersichtlichem Material und undisziplinierter Polemik“, wie Prof. Spranger und Dr. Wiech schrieben. Prof. Spranger erinnert sich: „Zum damaligen Zeitpunkt war die potenzielle Leserschaft der Zahnärzte mit vielgestaltigen Publikationen bundesweit gut bedient, sodass wir unsere eigene Nische, den lokalen Bedarf für Zahnärzte in Baden-Württemberg, suchen konnten.“ Zu diesem Bedarf gehörten wissenschaftsrelevante Inhalte der Studien- und Fortbildungszeit, Reglementierungsleit- und Richtlinien der Körperschaften sowie eine Mischung aus Berichten über Neuigkeiten, Patientenspezifisches und Finanzielles. „Diese drei Informationstypen haben wir als regelmäßig berichtsfähiges Expertenwissen bezeichnet und zur Grundlage gemacht“, sagt Prof. Spranger. „Das berufliche Validierungskriterium war für uns aber die persönliche Berufserfahrung unserer Leser, die Zahnärzte in Baden-Württemberg. Auf diese haben wir uns fachjournalistisch abgestimmt.“ Vorgesehen hatten die Macher in der Gründerzeit des ZBW zwei ständige Rubriken. Zum einen das Editorial, das in bestimmter Reihenfolge wortführende Vertreter der Herausgeberorganisationen einlud, zu aktuellen Problemen Stellung zu nehmen. Im zweiten, offiziellen Teil des Heftes fanden die Leser einen Informationsteil der Herausgeber, der die einzelnen intraregionalen Rundschreiben ablöste, die es bis zur damaligen Zeit gegeben hatte. „Wir haben mit dem ZBW Wissen zum Anfassen präsentiert“, sagt Prof. Spranger, „und auf diese Weise konnten sich Berufspolitiker auf aufbereitete Recherchen, Berichte und Exposés stützen“.

Meinungsstark. Zudem war das ZBW schon früh ein Diskussionsforum. Dr. Wiech, Zahnarzt in Stuttgart, war der Kollegenschaft damals als ehemaliger Schriftleiter der Zahnärztlichen Informationen des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte e. V., Landesverband Baden-Württemberg, ein Begriff. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer der BZK Tübingen und stellvertretenden Geschäftsführer der KZV Tübingen, Johann Glück, der die Geschäftsführung des ZBW übernahm und dem damaligen Dr. Heinz Spranger, in jener Zeit Privatdozent und Oberarzt an der prothetischen Abteilung der Klinik und Poliklinik für Zahn-, Mundund Kieferkrankheiten der Universität Tübingen, gelang es ihm früh, das ZBW zu einem Sprachrohr zu machen. Das Heft wusste die politischen Entwicklungen richtig zu begleiten, zu kommentieren und einzuschätzen. Anfang der 1970er-Jahre hatten die Gründerväter des ZBW über „eindeutig definierte wissenschaftliche Themen von epochaler Bedeutung“ zu berichten, wie Prof. Spranger zurückblickend berichtet: „Prof. Dr. Erich Körber, Tübingen, hatte die Prinzipien der Versorgung des Lückengebisses erarbeitet (Körber-Klassifikation) und Prof. Dr. Willi Schulte, Tübingen, konnte mit den Arbeiten über Myoarthropathien wegweisende Befunderhebungen und Therapievorschläge der funktionellen Schmerzmedizin von Kopf und Oberkörper feststellen. Sie waren Grundlage für die heute überall als CMD akzeptierten Krankheitsbilder.“ Im November 1973 berichtete das ZBW in seinen „Aktuellen Notizen“ vom angekündigten Jugendzahnpflegegesetz. „Hartnäckigkeit und Geduld von Seiten der Zahnärzteschaft haben dazu geführt, dass nun auch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung Baden- Württemberg gemeinsam mit der CDU-Landtagsfraktion die Vorlage eines Jugendzahnpflegegesetzes angekündigt hat“, hieß es darin. Die Zahnärzte Dr. Günther Stoll, Stuttgart, Reinhold Sauter, Stuttgart, und Geschäftsführer Glück hatten im Februar 1973 im CDU-Landesausschuss für Gesundheitspolitik Leitsätze für das neue Gesetz verabschiedet – ein wichtiger Schritt für die Prophylaxe in Baden-Württemberg.

Es sollte keine zwei Jahre dauern, bis Dr. Wiech das Heft in leitender Funktion übernehmen würde. Prof. Spranger nahm eine Professur für Parodontologie an der Frankfurter Klinik an, weshalb es ihm nicht mehr möglich war, Schriftleiter zu bleiben. Die Juliausgabe 1975 war das erste Heft, das unter Dr. Wiechs Ägide erschien, damals nur knapp mehr als 20 Seiten stark. Fortan leitete er das ZBW gemeinsam mit seinem Stellvertreter Direktor Glück für sechs Jahre.

Neue Rubriken. In Dr. Wiechs Amtszeit kamen weitere ZBWRubriken hinzu. „Aus der Presse“ fasste lesenswerte Beiträge über zahnmedizinische Themen aus den Medien zusammen. Dennoch blieb die Berichterstattung über politische Themen ein wichtiger Bereich des Magazins. Im Oktober 1979 kommentierte Johann Glück im ZBW die geplante Abschaffung des Krankenscheins und den stattdessen geplanten Versicherungsausweis, „nach dem Muster von Scheckkarten à la Diners Club“. Die Vorbehalte waren groß. Damals fürchtete Glück weitere Strukturveränderungen für die Kassenzahnärztlichen und Kassenärztlichen Vereinigungen. Heute weiß ein Großteil der Bevölkerung nicht einmal mehr, dass es einst ein anderes System gab als das der Versichertenkarte. Das Beispiel zeigt: Das ZBW begleitete Reformen und Veränderungen stets kritisch, bezog dabei in Kommentaren regelmäßig Stellung.

Beginn einer Ära. Unter der Ägide von Dr. Hans-Henning Holfeld sollten viele politisch spannende Phasen für die ZBW-Redaktion folgen. Am 1. Juli 1981, acht Jahre nach der Einführung der Zeitschrift, übernahm er, mit dem Stellvertreter Direktor Glück, die Schriftleitung des ZBW. Tatkräftige Unterstützung erhielten die beiden von Friederike Fritz, die als Geschäftsführerin des ZBW über Jahre hinweg die Geschicke des Blattes mitlenkte. „Sie war eine unfassbar tüchtige Frau und ohne die tatkräftige Unterstützung von ihr und Johann Glück hätte ich es damals nicht geschafft, die Praxis und das ZBW unter einen Hut zu bringen“, erzählt Dr. Holfeld, dem gut in Erinnerung geblieben ist, dass „Frau Fritz die Heftseiten damals noch von Hand geklebt hat, denn es gab noch keine Computerprogramme“. Seit Beginn seines Berufslebens hatte Dr. Holfeld sich in herausragender Weise für standespolitische Aufgaben interessiert, stets in der festen Überzeugung, dass die Selbstverwaltung nur durch Anteilnahme des Einzelnen funktioniert. Sein Engagement führte er in der Verantwortung als Schriftleiter fort. Schon zu Beginn seiner Amtszeit stellte Dr. Holfeld fest: „Eine Zeitschrift lebt von der Vielfalt der Meinungen.“ Ein offener Diskurs war stets sein Bestreben. Die 1980er-Jahre waren eine bewegende Zeit für Deutschland. Der Fall der Berliner Mauer Ende des Jahrzehnts war der Höhepunkt, für die Zahnärzteschaft in Baden- Württemberg gab es auch zuvor bereits zahlreiche wegweisende Entwicklungen, über die das ZBW zu berichten hatte.

Prophylaxe. Wir schreiben das Jahr 1985. Im Februar hat die Konstituierende Vertreterversammlung der LZK Baden-Württemberg den Präsidenten Dr. Hans-Dieter Schwieder ebenso in seinem Amt bestätigt wie den stellvertretenden Präsidenten, Prof. Dr. Willi Schulte. Während dieser Zeit fällt eine weitere richtungsweisende Entscheidung unter intensiver Berichterstattung des ZBW. Die neuen Richtlinien zur Durchführung des Jugendzahnpflegegesetzes gilt es „mit Leben zu füllen“, wie Glück schreibt. In seinem Artikel „Eine Arbeitsgemeinschaft wird geboren – Modell für Baden-Württemberg?“ berichtet er über die neu gegründeten Arbeitsgemeinschaften Jugendzahnpflege und geht besonders auf die AG im Bodenseekreis mit Sitz in Friedrichshafen ein. „Sie verdient besondere Aufmerksamkeit“, schreibt Glück, denn ihre Organisationsstruktur „wer Land und Leute kennt“ sei besonders erfolgversprechend. Glück schließt seinen Artikel mit einem optimistischen Ausblick in die Zukunft: „Die Geburtsstunde der Arbeitsgemeinschaft lässt ein gutes Gedeihen erhoffen.“ Heute wissen wir: Diese Hoffnung hat sich erfüllt.

Doch nicht nur die Prophylaxe reformierte sich Mitte der 1980er- Jahre. Auch in Sachen Gebührenordnung gab es eine einschneidende Neuigkeit. Zum 1. Januar 1988 trat die GOZ in Kraft, die das ZBW unter Schriftleiter Hans-Henning Holfeld journalistisch begleitet hatte.

Layout-Neuerungen. Inzwischen hatte sich auch in der Optik des Zahnärzteblattes etwas getan. Innerhalb des Heftes zeigte sich langsam aber sicher, dass sich Printmedien von seitenlangen Bleiwüsten mehr und mehr zu gut lesbaren Schmuckstücken wandelten. Das ZBW enthielt nun einen Cartoon, einzelne Seiten waren in Farbe und Fotos kamen häufiger zur Verwendung als in den Anfangsjahren. Neben all den politischen, berufspolitischen und fachlichen Berichterstattungen kam Mitte der 1980er-Jahre auch die Kultur nicht zu kurz. Buchbesprechungen fanden ihren Weg ins Zahnärzteblatt. Im August 1992 gab es den ersten großen Relaunch des ZBW. Das Olivgrün auf der Titelseite machte Platz für einen frischen Auftritt in Weiß mit dem neuen ZBW-Logo, das bis heute leicht verändert im Einsatz ist. Die Idee des heutigen ZBW-Chefredakteurs Johannes Clausen: Das Dialogzeichen der Zahnärzteschaft, das leuchtend gelbe Z, sollte fortan auf weißem Hintergrund ein entscheidendes Element im Schriftzug des ZBW sein.

Auf zu neuen Ufern. 1997 endete die Zeit von Dr. Holfeld als Schriftleiter mit der bis heute einschneidendsten redaktionellen Veränderung des ZBW. Denn mit Johannes Clausen war der Leiter des Informationszentrums Zahngesundheit (IZZ) fortan als alleiniger Chefredakteur für das ZBW zuständig. Das IZZ übernahm von da an die Redaktion des Hefts. Zugleich schärfte die Redaktion das Profil des ZBW durch eine Neuordnung der Rubriken. Neben klassischen Rubriken wie dem Leitartikel und Informationen aus den einzelnen Institutionen der Zahnärzteschaft zählten nun Rubriken wie „Buchbesprechung“, „Aus den Kreisen“, „Zahnarzthelferin“, und „Amtliche Mitteilungen“ zum ZBW. Inzwischen waren auch Fortbildungsbeiträge fester Bestandteil des ZBW geworden. Ein wichtiger Inhalt des Hefts, der bis heute geblieben ist.

1997 begleitete das ZBW kritisch das GKV-Neuordnungsgesetz mit der Einführung des Kostenerstattungsprinzips. Über die Berichterstattung zum Solidaritätsstärkungsgesetz 1999 führte das ZBW seine Leserschaft meinungsstark ins neue Jahrtausend. Seit 1997 hat sich das ZBW wieder sichtbar weiterentwickelt. Die Titelseite schmücken seitdem die Teaser, die die wichtigsten Themen anreißen und bis heute auf dem Titelblatt des Hefts zu sehen sind. Auch unschöne Anzeigen auf der Titelseite gehörten der Vergangenheit an.

Bis zur Gegenwart. Die Ausgabe 12/2004 war ein bedeutendes Heft für die baden-württembergische Zahnärzteschaft. „Eine Ära geht zu Ende“, betitelte der Vorsitzende der KZV Freiburg, Dr. Konrad Hartmann, seinen Leitartikel der Dezemberausgabe und meinte damit die Ära der vier selbstständigen KZVen, die nach mehr als 50 Jahren zum 1. Januar 2005 gesetzlich verfügt zur Landes-KZV fusionierten. Gleichzeitig war das Gesetz zur Modernisierung der GKV ein großes Thema der Ausgabe. Ohnehin gab es im Jahr 2004 berufspolitisch vieles zu berichten, trat doch zum 1. Januar dieses Jahres der BEMA in seiner aktuellen Version in Kraft. Auch dessen Erweiterung 2013 und 2014 sowie die Novellierung der GOZ schon zum 1. Januar 2012 waren wichtige Themen in den 2010er-Jahren. Heute entwickelt sich das ZBW stetig weiter. In mehreren Leserumfragen seit dem Jahr 2002 haben die Leserinnen und Leser ihre Meinung geäußert, um aktiv am Heft mitzugestalten und eigene Wünsche mit einzubringen. 70,1 Prozent der Befragten der Umfrage 2013 lesen die Zeitschrift nach eigenen Angaben regelmäßig. Neben der Erkenntnis, dass sich das ZBW längst als Fachmedium etabliert hat, ergab die Umfrage, dass vor allem bei der jüngeren Zielgruppe ein erweitertes Online-Angebot gewünscht ist.

Die Schnittstelle zwischen Onlineauftritt und Heft nutzt die Redaktion seitdem verstärkt, um den Leserinnen und Lesern einen Mehrwert zu bieten mit aktuellen Nachrichten und ergänzenden Langversionen. Eine solche finden Sie auch von diesem Artikel auf www.zahnaerzteblatt.de, ebenso wie Interviews mit Dr. Holfeld und Prof. Spranger sowie weiteren Protagonisten des ZBW, die nach und nach online eingepflegt werden.

christian.ignatzi@izz-online.de