Informationszentrum Zahngesundheit

Eine Einrichtung der Zahnärzteschaft Baden-Württemberg

Karlsruher Konferenz 2017 zur Zahnärztlichen Diagnostik

Am 31. März 2017 findet die inzwischen 32. Karlsruher Konferenz statt. Die Akademie für Zahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe, 1960 als Fortbildungseinrichtung der Zahnärzteschaft Baden-Württemberg gegründet, hat einen Ruf als exzellente Fortbildungsstätte, der weit über Baden-Württemberg hinausreicht. Ihr neues Fortbildungsjahr beginnt traditionell mit einer international besetzten Fortbildungsveranstaltung, der Karlsruher Konferenz. Im Jahr 2017 trägt die von rund 400 Zahnärztinnen und Zahnärzten besuchte Auftaktveranstaltung den Titel „Zahnärztliche Diagnostik auf dem Prüfstand". 
Professor Dr. Winfried Walther, Direktor der Akademie, will mit dieser Themenstellung den „analytischer Blick auf den Patienten" schärfen. Welche Bedeutung die aktuellen diagnostischen Verfahren für „das Erkennen und das Bestimmen des körperlichen oder geistigen Zustand eines Menschen" haben, legen am 31. März vier Experten aus den unterschiedlichen Bereichen der Zahnheilkunde dar.

Möglichst früh einsetzen sollten auch spezielle diagnostische Maßnahmen, mit denen der Zahnarzt zwischen somatischen und nicht-somatischen Ursachen unterscheiden kann. Orale Schmerzzustände, Prothesenunverträglichkeiten und veränderte Wahrnehmungen im Mundbereich erklären sich oft auch auf dem Hintergrund einer psychopathologischen Entwicklung. Um Zahnärzte für den Umgang mit den seelischen Problemen ihrer Patienten zu sensibilisieren, wurde Priv.-Doz. Dr. Anne Wolowski von der Universität Münster eingeladen. Sie möchte dem Auditorium klar machen, was ein Zahnarzt angesichts psychosomatischer Einflussfaktoren diagnostisch leisten kann und darf. Oftmals ist die Hinzuziehung von Fachkollegen aus dem ärztlichen Bereich oder die Beteiligung von Psychologen oder Psychotherapeuten angezeigt.

Zu den international gefragten Referenten gehört Dr. Shanon Patel, der in London praktiziert und darüber hinaus am King's College lehrt. Er hat bereits vor zehn Jahren den routinemäßigen Einsatz der digitalen Volumentomographie (DVT), einem dreidimensionalen bildgebenden Verfahren, bei Problemen in der Wurzelkanal-behandlung beschrieben und propagiert. Er wird sich in seinem auf Englisch gehaltenen Referat dem Einfluss des DVT auf die zahnärztliche Diagnose widmen.

Der „erweiterten parodontologischen Diagnostik" wendet sich der Vortrag von Priv.-Doz. Dr. Dirk Ziebolz, Leipzig zu. Der Oberarzt an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universitäts-medizin Leipzig widmet sich der Frage, welche klinischen Werte unbedingt erhoben werden müssen, um eine sichere parodontale Diagnose zu stellen. Dies ist u.a. auch abhängig von den Allgemeinerkrankungen unter denen der Patient leidet. Eine Vielzahl von Tests zielt auf die Zusammensetzung des Biofilms und die Aktivität des Immunsystems. Aktuelle Studien beschäftigen sich mit der Frage, ob diese Methoden eine größere Entscheidungssicherheit für den Zahnarzt bewirken. Die Entscheidung, ob ein Zahn durch eine Parodontitistherapie erhalten werden kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, unter anderem vom Ausmaß des Knochenabbaus. Spätestens bei einem Knochenbettverlust von mehr als 50 Prozent wird die Prognose ungünstig, bei 70 Prozent haben therapeutische Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen Erfolg mehr. Eine Früherkennung ist auf diesem Gebiet daher besonders wichtig.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit ist vielfach auch bei Diagnose und Behandlung von Schmerzen im Kiefer- und Gesichtsbereich nötig. Das liegt daran, dass Zähne, Muskeln, Sehnen, Nerven, Kieferhöhlen und Speicheldrüsen am Schmerzgeschehen beteiligt sein können. Die erste Aufgabe des behandelnden (Zahn-)Arztes muss es daher sein, die genaue Ursache zu ermitteln. Prof. Dr. Marc Schmitter, Würzburg, zeigt in seinem Vortrag, welche neuen Methoden zur Verfügung stehen, um den diagnostischen Blick auf Kiefergelenk und Kaumuskulatur zu schärfen. In der Diskussion ist u.a. eine computergestützte Registrierung und Auswertung des Verlaufs von Kieferbewegungen, die einen Rückschluss auf die Funktion der Kiefergelenke zulässt.

Weitere Infos

Dialog-Begegnung im Königsbau

Die Spitzenvertreter der Zahnärzteschaft Baden-Württemberg, LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert und KZV-Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier, führten am 14.Februar 2017 in der Geschäftsstelle des IZZ einen politischen Dialog mit Dr. Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand, den baden-württembergischen Landesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen.
Folgende Themen wurden u.a. diskutiert: Aufgaben der Selbstverwaltung, Stärkung des ländlichen Raumes, Feminisierung des zahnärztlichen Berufsstandes, Praxisbegehungen und Prävention.
Johannes Clausen, Leiter des IZZ (l.) moderierte das Gespräch.
Fotos: C. Richter/IZZ



Johannes Clausen, IZZ, Dr. Ute Maier, KZV BW, Dr. Torsten Tomppert, LZK BW, Oliver Hildenbrand und Dr. Sandra Detzer, Bündnis 90/Die Grünen.


Oliver Hildenbrand und Dr. Sandra Detzer informierten sich zuerst über die Strukturen der zahnärztlichen Selbstverwaltung.


LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert


Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW



Zahnärztlicher Kinderpass läuft aus

Für die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder U1 bis U9 gelten ab Juli 2016 neue Anforderungen. Dazu gibt es ein neues Kinderuntersuchungsheft („Gelbes Heft“) und damit entfällt auch der bisherige Zahnärztliche Kinderpass.

Zukünftig werden neue Anforderungen an die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres gelten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in Berlin den noch ausstehenden Beschluss zur Dokumentation der sogenannten U1 bis U9 im „Gelben Heft“ (Kinderuntersuchungsheft) gefasst. Die überarbeiteten Untersuchungsinhalte sind vom G-BA bereits im Juni 2015 beschlossen worden, bisher aber noch nicht in Kraft getreten. Im August 2015 hatte der G-BA zudem entschieden, dass jedes Neugeborene zukünftig auf Mukoviszidose (Zystische Fibrose) untersucht werden kann. Die neu gefasste und um das Mukoviszidose-Screening ergänzte Kinder-Richtlinie kann nun frühestens zum 1. Juli 2016 rechtsverbindlich werden.

„Mit dem heutigen Beschluss zum Kinderuntersuchungsheft – besser bekannt als „Gelbes Heft“ – sowie zu den qualitätssichernden Maßnahmen wird den Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 zukünftig eine inhaltlich und strukturell komplett überarbeitete Kinder-Richtlinie zugrunde liegen. Im Ergebnis des mehrstufigen Überarbeitungsprozesses stehen um wesentliche Elemente erweiterte Untersuchungen und neue Screening-Angebote zur Verfügung. Zudem ein neues Dokumentationsheft, in dem die Eltern sich bereits vor der Untersuchung über die wesentlichen Ziele und Inhalte informieren und eigene diesbezügliche Fragen notieren können. Mit einer herausnehmbaren Teilnahmekarte erhalten die Eltern eine neue Möglichkeit, beispielsweise gegenüber Kindergärten nachzuweisen, dass die Früherkennungsuntersuchungen wahrgenommen wurden, ohne dabei die vertraulichen Informationen zu Entwicklungsständen und ärztlichen Befunden des Kindes weiterzugeben“, erläuterte Dr. Harald Deisler, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzender des Unterausschusses Methodenbewertung.

Laut einer Pressemitteilung des G-BA im Mai 2016 ist das „Gelbe Heft“ entsprechend den neu konkretisierten und standardisierten Inhalten der Früherkennungsuntersuchungen umgestaltet worden. Der G-BA hat mit seinem aktuellen Beschluss auch die qualitätssichernden Maßnahmen neu gefasst. Ausdrücklich festgehalten ist nun, dass die in der Kinder-Richtlinie vorgegebenen Standards für die U1 bis U 9 eingehalten werden müssen, insbesondere beim Hörtest, den Sehtests und bei der orientierenden Beurteilung der Entwicklung. Die Qualität und die Zielerreichung der überarbeiteten Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9 werden anhand einer repräsentativen Stichprobe evaluiert. Beispielsweise soll untersucht werden, inwieweit Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten frühzeitig diagnostiziert und therapiert werden können. Der G-BA wird spätestens zwei Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie ein unabhängiges wissenschaftliches Institut mit der Evaluation beauftragen.

Die neuen „Gelben Hefte“ werden den Geburtskliniken, Kinderarztpraxen und Hebammen rechtzeitig mit dem Inkrafttreten zur Verfügung gestellt. Ab diesem Stichtag ist zu beachten: Für Neugeborene dürfen die bisher geltenden Hefte nicht mehr ausgegeben werden. Kinder erhalten bis zur U6 zusätzlich ein neues „Gelbes Heft“, Befunde aus dem bisher verwendeten Kinderuntersuchungsheft sind nicht zu übertragen. Ab der U7 wird die Ärztin oder der Arzt die Ergebnisse auf Einlegeblättern dokumentieren, die in das vorhandene Heft eingeklebt werden. Die Teilnahmekarten und die Einlegeblätter für die neuen U7 bis U9 werden zeitgleich mit den neuen Heften zur Verfügung gestellt.
Der konsolidierte Beschluss zur Neufassung der Richtlinie wird dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Prüfung vorgelegt und tritt nach Nichtbeanstandung und 14 Tage nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger, frühestens zum 1. Juli 2016, in Kraft. 

Für die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Baden-Württemberg bedeutet dies: Das IZZ hat die Versendung der Kinderpässe eingestellt. Es gibt noch einen Restbestand. Wer aber noch eine kleine Anzahl an Kinderpässen benötigt, kann sich an das IZZ wenden. 

Hier geht es zur Pressemitteilung des G-BA vom 19. Mai 2016.