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Kommentar: Begründete Forderungen

Die Erwartungen sind und waren hoch. Die Punktwertverhandlungen mit den Krankenkassenverbänden des Landes sollten den großen Ausgleich erbringen, mit dem wenigstens die Investitionen der Praxen in die Vorgaben der Hygienerichtlinien aufgefangen werden sollten. Das konnte natürlich nicht vollumfänglich durchgesetzt werden, und es war auch nicht zu erwarten. Der Frust ist aber trotzdem nicht kleiner geworden. Dabei sind die Vertragsabschlüsse insgesamt gesehen eigentlich gar nicht so schlecht. Irgendwas passt da nicht zusammen!


Erinnern wir uns: Seit 2006 sind die Hygienerichtlinien in Kraft, nur hat sie niemand so richtig ernst genommen. Fairerweise muss man aber feststellen, dass die LZK-Verantwortlichen immer wieder darauf hingewiesen haben, dass da mal was kommen kann. Nun werden die Landesbehörden aktiv und kontrollieren die Umsetzung, verbunden mit hohen Investitionskosten. Parallel dazu musste ein Qualitätsmanagement in den Praxen eingeführt werden, die Dokumentationspflichten wurden wesentlich erweitert und die Aufklärung der Patienten gemäß Patientenrechtegesetz nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. Diese Bürokratielasten zu stemmen geht nur mit dem enormen Zeiteinsatz des Praxisinhabers und damit auf Kosten der Freizeit oder durch eine Aufstockung des Personals, das sich nur mit der Umsetzung dieser Richtlinien und Vorgaben befasst. Das kostet neben der Investition in die notwendigen Geräte eine Menge Geld, das durch Patientenbehandlung erst erwirtschaftet werden muss, wofür aber immer weniger Zeit zur Verfügung steht. Da sind die Erwartungen an die Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen einfach hoch.


Erinnern wir uns weiter: Bis vor 3 Jahren haben wir uns mit Punktwertsteigerungen von z. T. unter 1% zufrieden geben müssen, weil die Anbindung an die Grundlohnsummensteigerung gesetzlich vorgegeben war. Nach Aufhebung dieser Begrenzung besteht aber immer noch die Beachtung des Gesamtbudgets und der Beitragssatzstabilität, die völlig freie Verhandlungen mit den Krankenkassen und die Erwartung an einen hohen Abschluss nicht zulassen. Dazu kommt, dass eine hohe Forderung an die Krankenkassen mit entsprechenden konkreten Nachweisen der gestiegenen Praxiskosten - einschließlich Hygienekosten - begründet werden muss. Und diese fehlen zurzeit noch. Vor diesem Hintergrund ist der diesjährige Abschluss der Vertragsverhandlungen zu verstehen und zumindest als nicht schlecht zu bewerten.


Dass sich aber dadurch die betriebswirtschaftliche Basis der Praxen bei stark gestiegenen Kosten nicht entscheidend verbessert hat, ist unbestritten. Was also ist zu tun? Politisch bleibt die nachdrückliche Forderung an die verantwortlichen Gesundheitspolitiker, dass Gesetze und Richtlinien, die mit hohen Kosten für die Praxen verbunden sind, mit der Bereitstellung von entsprechenden Finanzmitteln verbunden sein muss. Dies ist allerdings mit dem Bohren von extrem harten Brettern verbunden und kurzfristig nicht zu erreichen.


Die Praxen müssen noch mehr als sonst ihre betriebswirtschaftliche Basis beobachten und konsequent über den Mehrleistungssektor verbessern. Das ist nicht immer einfach, aber eigentlich unmittelbar umsetzbar.


Vorstand und Verwaltung der KZV BW arbeiten daran, belastbare Zahlen zur Entwicklung der Praxiskosten in Baden-Württemberg zu erhalten, um die Forderung nach höheren Punktwerten nachweisbar begründen zu können. Dazu wird ein Verfahren entwickelt, mit dem die notwendigen Zahlen in den Praxen erhoben werden können. Dies wird nicht ohne Mithilfe der Praxen in Baden-Württemberg gehen.


Deshalb ergeht heute schon der Appell, sich dieser Mitarbeit nicht zu verschließen. Bleiben wir also dran, es gibt - wie immer - viel zu tun.


Dr. Hans Hugo Wilms