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Kultur

Werke der Sammlungen Frieder, Hubert und Franz Burda

 

Meisterwerke des Expressionismus

Ausgabe 6, 2020

Mit der Ausstellung „Die Bilder der Brüder. Eine Sammlungsgeschichte der Familie Burda“ öffnet das Museum Frieder Burda nach der Corona-Schließung nun wieder. Gezeigt werden bis zum 4. Oktober expressionistische Meisterwerke, die die Brüder Frieder, Hubert und Franz Burda im Lauf der Zeit zusammentrugen, darunter Gemälde von Kirchner, Schmidt-Rottluff, Münter und Beckmann. US-Künstler Carl Ostendarp hat sie in farbige Wandmalereien gebettet.

 

Expressionismus. Das Museum Frieder Burda öffnet wieder mit Meisterwerken des Expressionismus aus den drei Sammlungen Frieder, Hubert und Franz Burda. Zu sehen ist auch das Gemälde „Nordsee III“ (1937) von Max Beckmann.

 

Was die Eltern Aenne und Franz Burda sammelten, förderte die Begeisterung der drei Brüder Franz, Frieder und Hubert für die Kunst. Eine Leidenschaft fürs Leben entstand. Gesichter leuchten in starkem Pink, Körper räkeln sich in grellem Gelb, bunte Landschaften breiten sich vor dem Betrachter aus, schwarze Ränder fassen die Flächen holz-schnittartig ein: Es ist der deutsche Expressionismus, dem die Farben ihre Emanzipation von den Dingen und der Wirklichkeit verdanken, der sie in den Dienst des unmittelbaren subjektiven Ausdrucks von Emotionen, von Seelenwelten und Welt-erfahrung stellt. Von Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Gabriele Münter bis hin zu Max Beckmann: Es ist genau auch der deutsche Expressionismus, dem die drei Brüder Franz, Frieder und Hubert ihre erste Begegnung mit Kunst verdanken. Die Sammlung der Eltern, beide erfolgreiche Verleger und Medienunternehmer in Offenburg, lässt sie die unmittelbare Macht der Farben erleben – als ein Versprechen auf eine faszinierende Welt hinter und mit den Bildern. Und gleichzeitig bestärkt und befeuert die Sammlung die drei Brüder auch, sich vom elterlichen Erbe zu emanzipieren und ihren eigenen Weg in die Kunst ihrer Zeit zu finden.

 

Sammlungstätigkeit. Die Aus-stellung im Museum Frieder Burda spürt den Wurzeln der Sammlungs-tätigkeit der drei Brüder nach. Damit schlüsselt sie auch auf, was ein Leben mit und für die Kunst bedeuten kann. Sie wurde noch zu Lebzeiten von Frieder Burda geplant und spiegelt seinen großen persönlichen Wunsch wider, die Kunst der drei Geschwister einmal in seinem Museum in einer gemeinsamen Aus-stellung zu vereinen. Den Auftakt der Ausstellung bildet das bekannte Gruppenporträt „The Three Gentlemen“ der drei Brüder Burda von Andy Warhol, der amerikanischen Pop Art-Legende, in seinen drei farblich unterschiedlichen Varianten, von denen jeder der Brüder eine erhielt.

 

Inszenierung. Expressiv und farbig ist auch die Inszenierung der Ausstellung, die die klassisch weiße Architektur des Gebäudes von Richard Meier der Macht der Farben überantwortet. Dazu wurde der amerikanische zeitgenössische Maler Carl Ostendarp (geboren 1961 in Massachusetts) eingeladen. Seine Wandmalerei baut auf ein ausgeklügeltes Farbkodierungssystem. Gleichzeitig zitiert er einen flächigen Comic-Stil, der die Farbe voll zur Geltung kommen lässt, indem er sie wie eine delikate Glasur über die Wände laufen lässt. Die davor angebrachten Werke erscheinen als zentrale Etappen im Verlauf dieser imaginären Lebenslinien mit all ihren Höhen und Tiefen. Sie fügen sich ein in die spielerisch entstehen-den Kurvungen und Amplituden und werden so humorvoll in ihrer Wirkung bereichert und gesteigert. Das gesamte Museum verwandelt sich in einen für den Betrachter erlebbaren, umfassenden Farbkosmos. Ein eigener Raum wird den jungen Be-suchern gewidmet sein: Die Kunstwerke werden auf deren Augenhöhe gehängt, wie es auch Andy Warhol für eine seiner Ausstellungen realisiert hat.

Museum Frieder Burda/IZZ