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Titelthema

Stimmungsbild Dentalbranche

 

Traditionelle Fachdental nicht zu ersetzen

Ausgabe 8-9, 2020

Die Fachdental Südwest in Stuttgart ist die wichtigste Fachmesse  für Zahnmedizin in Südwestdeutschland. Die Mischung aus Information,  Kontaktpflege und Fortbildung lockt jedes Jahr Zahnärzt*innen, Zahntechniker*innen und Zahnmedizinisches Fachpersonal auf die Dentalmesse. 2020 ist alles anders: Die Coronapandemie führte zu drastischen Einbrüchen beim Patientenaufkommen, finanziellen Einbußen und Kurzarbeit in den Zahnarztpraxen. Dies wirkte sich auf  die gesamte Dentalbranche aus – Handel und Hersteller*innen sind ebenso betroffen wie Labore und Zahntechnik.

 

Aufbruch. „Die einflussreichen Meinungsbildner sind zwingend aufgerufen, mit schnellen praktikablen Maßnahmen für positive  Aufbruchsstimmung zu sorgen, statt mit der Androhung einer zweiten Welle für erneute Depression“, findet Jochen Linneweh.

 

Die wirtschaftliche Bedeutung der Zahnmedizin und der Dentalbranche für das Land Baden-Württemberg wird häufig unterschätzt. Als langjährige Partnerin der Messe Stuttgart für die Fachdental Südwest hat die Landeszahnärztekammer deshalb angeregt, ein Stimmungsbild der Dentalbranche im Land zu zeichnen. In Zusammenarbeit mit der Messe Stuttgart haben wir Jochen Linneweh, Geschäftsführer von dental bauer GmbH & Co. KG als Vertreter für den Dentalhandel, Christoph Baumgardt, Geschäftsführer der Zahntechniker-Innung Württemberg (ZIW), ebenfalls Partnerin der Messe Stuttgart für die Fachdental Südwest, Stefan Kaltenbach von orangedental GmbH & Co. KG in Biberach als Vertreter für die Dentalhersteller und LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert um ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage gebeten. Kann die Fachdental Südwest wichtiger Wirtschaftsmotor und Plattform für den Austausch und für Inspiration nach der Krise sein?

 

ZBW: Die Coronapandemie hat auch die Dentalbranche stark erschüttert. Wo liegen bei Ihnen die brennendsten Probleme und warum sind diese so schwerwiegend?

 

Jochen Linneweh: Mir ist kaum eine Branche bekannt, die bislang von der Coronapandemie unversehrt blieb. Es handelt sich um einen regelrecht grenzübergreifenden Flächenbrand. Jeder Betrieb, ob groß oder klein, erleidet Schaden, wenn die Nachfrage nach seinen Leistungen im zweistelligen Prozentbereich von jetzt auf nachher rückläufig ist. Nur selten bestehen Optionen, um die laufenden Fixkosten im erforderlichen Maß zu reduzieren. Eine der wenigen verbleibenden Maßnahmen ist die Kurzarbeit, um die Substanz von Betrieben zu erhalten. Durch die Pandemie werden leider zwangsläufig Firmen und Mitarbeiter*innen zu unverschuldeten Betroffenen. Die seitens der Regierung sehr früh in Aussicht gestellten „unbürokratischen wirtschaftlichen Schutzschirme“ dienten nach heutiger Erfahrung zur publikumswirksamen Beruhigung des Volkes. Denn letztlich handelt es sich um recht begrenzte Förderprogramme oder im größeren Maß um nichts anderes als um zurückzuführende verzinste Kredite, denen vor ihrer Bewilligung das ausschlaggebende Mitspracherecht von Banken zugrunde liegt.

 

Partnerschaft. „Wir freuen uns, dass unsere zahnärztlichen Kund*innen jetzt auch wieder richtig arbeiten können. Schutzausrüstungen sollten mittlerweile vorhanden sein, also können Zahnärzt*innen und Zahntechniker*innen in ihrer Systempartnerschaft wieder „Gas geben“, freut sich Christoph Baumgardt.

 

Christoph Baumgardt: Das größte Problem für unsere Mitgliedsbetriebe ist der zum Teil wirklich massive Auftragsrückgang. Wenn Patient*innen ihre Zahnersatzversorgung verschieben oder ganz absagen, dann verdienen die Dentallabore kein Geld. Die Kosten laufen aber weiter. Um in dieser schon vorher von großem Mangel an zahntechnischen Fachkräften geprägten Zeit keine Mitarbeiter*innen zu verlieren, wurden viele Zahntechniker*innen in Kurzarbeit geschickt. Trotzdem musste für die Patient*innen, die Versorgungsbedarf hatten, z. B. Reparaturen, der Service sichergestellt werden. Die Zahntechniker*innen erwiesen sich dabei wieder einmal als äußerst flexibel und serviceorientiert.

 

Stefan Kaltenbach: Die größten Probleme resultieren daraus, dass die Zahnärzteschaft sicherlich noch deutlich unter der Auslastung von 2019 wirtschaften muss. Hinter den Hygieneproduktanbieter*innen und den Materialanbieter*innen kommen sicher die Investitionsgüteranbieter*innen, zu denen wir ja mit orangedental gehören, beim Kaufverhalten der Zahnärzteschaft an letzter Stelle. Wenn ich aber die Situation in Deutschland mit Ländern wie zum Beispiel den USA und England vergleiche, sind wir in Deutschland hervorragend aufgestellt. Insbesondere zahlen sich hierbei die sehr hohen Hygienestandards in unseren Praxen aus.

 

Insbesondere Zahnärzt*innen sind gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, stehen aber auch wirtschaftlich und innerbetrieblich vor großen Unsicherheiten. Welche weiteren Auswirkungen spüren Sie durch die Krise?

 

Live vor Ort. „Telefon- und Videokonferenzen können den Gedankenaustausch vor Ort nicht ersetzen – deshalb freue ich mich, die Fachdental Südwest im Oktober persönlich im Rahmen der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen live zu erleben“, sagt Dr. Torsten Tomppert.

 

Dr. Torsten Tomppert: Die Auswirkungen der Coronakrise sind hoch. Jetzt liegen deutschlandweit repräsentative Daten aus dem GOZ-Analyse-Panel der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) vor: Im Bundesdurchschnitt schätzen die Praxen den Rückgang des Arbeitsaufkommens zwischen Anfang Februar und Anfang April auf mehr als 50 Prozent. Kurzarbeit musste im Bundesdurchschnitt von über zwei Dritteln der Praxen in Anspruch genommen werden. Probleme gab es auch mit fehlenden FFP2-Schutzmasken für die Zahnärzt*innen und ihr Praxispersonal. Leider erreichten die von offizieller Seite versprochenen Lieferungen von Schutzausrüstungen nur wenige Zahnarztpraxen, sodass die zahnärztlichen Körperschaften in Eigenregie umfangreiche Schutzausrüstung ordern mussten, was mit hohen Kosten verbunden ist. Jetzt hat sich die Lage allerdings entspannt. Für die zahnmedizinische Notfallversorgung von nachgewiesenen COVID-19-Erkrankten bzw. in Quarantäne befindlichen Patient*- innen wurde landesweit ein Netz von 20 Schwerpunktpraxen organisiert und eingerichtet, das von sogenannten Coronaambulanzen, wie zum Beispiel den Universitätskliniken Freiburg und Tübingen oder dem Katharinenhospital Stuttgart und dem Städtischen Klinikum Karlsruhe ergänzt wird. Zudem wurde zur Beratung eine Telefonhotline geschaltet.

 

Hervorragend aufgestellt. „Die größten Probleme resultieren daraus, dass die Zahnärzteschaft sicherlich noch deutlich unter der Auslastung von 2019 wirtschaften muss. Wenn ich aber die Situation in Deutschland mit anderen Ländern vergleiche, sind wir in Deutschland hervorragend aufgestellt“, sagt Stefan Kaltenbach.

 

Stefan Kaltenbach: Da inzwischen die allermeisten Praxen über alle notwendigen Schutzmaterialien verfügen, sind die gesundheitlichen Risiken der Zahnärzt*innen und ihren Belegschaften sehr begrenzt. Mir persönlich sind nur zwei Infektionsfälle bekannt. Aus meiner Sicht ist besonders wichtig, dass man Patient*innen über die jeweils getroffenen Hygienemaßnahmen proaktiv und glaubwürdig informiert.

 

Jochen Linneweh: Zahnärzt*-innen samt Mitarbeiter*innen in Praxen zählen unbestritten zur Risikogruppe. Die Situation unter Corona stellt eine große Herausforderung dar, doch ist allgemein bekannt, dass gerade in Zahnarztpraxen mit sehr hoher Eigendisziplin in Sachen Hygiene gearbeitet wird. Aus dieser Sicht könnte man umso mehr die leichtfertige Haltung von Bundes- und Landesregierungen in den letzten Monaten als irritierend bezeichnen. Denn, unterlegt durch Hygiene-Argumente, wollten diese per Verordnung Praxisschließungen bewirken, die zwangsläufig die Existenz dieser Praxen ins Risiko gestellt hätten. Die Zahnarztpraxis ist heute in den meisten Fällen, den modernen Behandlungstrends folgend, ein hochtechnifizierter Betrieb. Ihre Betreiber*innen sind Mediziner*innen und Unternehmer*innen zugleich und damit allen negativen wirtschaftlichen Begleiterscheinungen der Pandemie ausgesetzt. Die hieraus resultierenden unternehmerischen Herausforderungen in den Praxisbetrieben unserer Kund*innen sind mit denen in unserem Unternehmen generell vergleichbar, d. h. die Auswirkungen sind im Grundsatz identisch.

 

Christoph Baumgardt: Auch bei den Zahntechniker*innen gibt es Unsicherheit, wie es weitergehen wird. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung trifft die Zahntechniker*innen genauso. Steht den Verbraucher*innen weniger Geld zur Verfügung, z. B. wegen Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit, dann wird die Konkurrenz mit anderen Gütern, die Verbraucher*innen gerne hätten, natürlich größer. Denn dann stellen sich die Patient*innen noch mehr die Frage, ob sie sich hochwertigen Zahnersatz leisten können und wollen. Das württembergische Zahntechniker-Handwerk kann aber für jede*n Patient*in etwas anbieten. Schon vor der Krise hatten wir sehr hohe Hygiene-Standards, insofern haben sich die Arbeitsabläufe im Dentallabor nicht geändert. Wir schützen aber natürlich unsere Mitarbeiter*innen vor einer möglichen Coronainfektion durch aktualisierte Arbeitsschutz-Richtlinien, z. B. durch Abstandsrege-lungen, so wie es überall sein sollte. Wir freuen uns sehr, dass unsere zahnärztlichen Kund*innen jetzt auch wieder richtig arbeiten können. Schutzausrüstungen sollten mittlerweile vorhanden sein, also können Zahnärzt*innen und Zahntechniker*innen in ihrer Systempartnerschaft wieder „Gas geben“, wenn die Patient*innen kommen. Deswegen hat die Zahnärzteschaft – und auch wir als Zahntechniker-Innung – jeweils mit einer Anzeigenkampagne in Zeitungen darauf hingewiesen, dass wir bereitstehen.

 

Überall besteht die Hoffnung auf Rückkehr zur Normalität. Wie könnte diese realistisch aussehen und was bräuchte es dazu?

 

Stefan Kaltenbach: Wenn wir in Deutschland, wie bisher, sehr schnell und konsequent bei Infektionshäufungen reagieren, ist die Rückkehr zu einer, sicherlich neuen, d. h. die entsprechenden Hygienemaßnahmen berücksichtigenden Normalität, die wahrscheinlichste aller Entwicklungen. Sicherlich wird man dabei den entsprechenden Spritzschutz, den wir ja im Übrigen mit der protecton auch für unser Lupenbrillensystem opt-on® bereits im Angebot haben, den entsprechenden Mundschutz sowie die weiteren Hygienemaßnahmen beibehalten.

 

Christoph Baumgardt: Die Patient*innen müssen einfach wiederkommen. Dazu müssen sie der Überzeugung sein, dass der Besuch in der Zahnarztpraxis und eventuell im Dentallabor, zum Beispiel zum Aussuchen der Zahnfarbe, sicher ist. Darauf machen wir aufmerksam. Außerdem setzen wir darauf, dass nun die Einsicht zunehmen wird, dass eine Zahnersatzversorgung aus der Region wichtig ist. Wir haben die Globalisierung des Marktes für Zahnersatz schon vor der Krise abgelehnt. Zahnersatz aus der Region ist preiswert und sicher. In zahlreichen Gesprächen mit Patient*innen stellen wir als Innung fest, dass Zahntechnik aus China gerade keinen guten Ruf hat. Wir möchten, dass dies so bleibt, dann können wir als Innungs-Meisterlabore auch weiterhin hier vor Ort sichere Arbeits- und Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Außerdem werden uns sicherlich die Senkung der Umsatzsteuer sowie die Anhebung der Festzuschüsse helfen. Beide Maßnahmen senken die Kosten des Zahnersatzes für die Patient*innen. Dr. Torsten Tomppert: Seit der durch die zahnärztlichen Körperschaften geforderten und dann auch umgesetzten Streichung des § 6a der Corona-Verordnung der Landesregierung Baden-Württemberg am 4. Mai 2020 ist ein „normales“ Arbeiten in den Zahnarztpraxen des Landes wieder möglich. Die durch einige Medien und Teile der Politik verunsicherten Patient*innen fassen nur langsam wieder Mut. Deshalb appelliere ich an alle Patient*innen, sich wieder in zahnärztliche Behandlung zu begeben, denn mit einem Aufschieben der Vorsorgetermine können Sie ihre Mundgesundheit gefährden. Denken Sie immer daran: Eine gesunde Mundhöhle ist bester Infektionsschutz, auch vor CO-VID-19, denn sie wirkt als Barriere gegen Krankheiten! Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber und bei uns absolut unbegründet, denn alle Zahnarztpraxen sind in Sachen Infektionsschutz sicher, weil hier schon immer strenge Hygienevorschriften nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts eingehalten werden.

 

Jochen Linneweh: Der Weg der Rückkehr zur Normalität wird nicht durch die innere Hoffnung an das Gute geebnet werden und an einen wirtschaftlichen Selbstheilungsprozess ist keinesfalls zu glauben. So wie es die Regierungen in der Beratung durch Virologen erreicht haben, ganze Wirtschaftszweige und die Bürger*innen in einen Narkosezustand zu versetzen, so wären gerade nun die einflussreichen Meinungsbildner*innen zwingend aufgerufen, mit schnellen praktikablen Maßnahmen für positive Aufbruchstimmung zu sorgen, statt mit der Androhung einer zweiten Welle für erneute Depression. Die aus der Hüfte geschossene zeitlich befristete Reduzierung der Mehrwertsteuersätze lässt zumindest im Ansatz einen Versuch erkennen, Kaufinteresse und Wirtschaft für sechs Monate anzukurbeln. Doch mindert dies nicht die tiefe Verunsicherung und Angst vor Ansteckung bei unserer Bevölkerung, die letztlich die Bereitschaft zum Arztbesuch negativ beeinflusst. Wenn es Gesundheitsminister Spahn erst im Juni einfällt, Patient*innen zu fälligen Arztbesuchen zu motivieren, dann belegt dies den Blickwinkel der Politik. Denn in keinem anderen Land hängt die kontrollierte Messlatte für Hygiene in der Zahnarztpraxis so hoch wie in Deutschland. Es stellt sich die Frage, ob Politiker*innen die relevanten Vorschriften und Gesetze bekannt sind, die aus ihrem Ressort stammen.

In der ersten Jahreshälfte und darüber hinaus mussten sämtliche Veranstaltungen – seien es Fortbildungen, Kongresse oder Messen – coronabedingt abgesagt werden. Im Oktober besteht nun auf der Fachdental in Stuttgart die erste Gelegenheit zum Austausch auf einer Messe. Welche Chancen und welche (besondere) Rolle sehen Sie in einer Fachmesse im Herbst?

 

Dr. Torsten Tomppert: Trotz des Digitalisierungsbooms können Telefon- und Videokonferenzen nicht den Gedankenaustausch vor Ort ersetzen. Deshalb freue ich mich, die Fachdental Südwest im Oktober persönlich im Rahmen der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen live zu erleben und mich über ein umfangreiches Spektrum an innovativen Dentalprodukten, Dienstleistungen und Trends zu informieren und beruflich inspirieren zu lassen. Zudem ist auch wieder die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg mit einem repräsentativen Stand dabei. Hier erhalten die Messebesucher*innen wertvolle Hilfe und fachliche Beratung zu allen Fragen rund um die Praxisführung, zu Fortbildungsmöglichkeiten wie auch zu gesundheitspolitischen Entwicklungen.

 

Christoph Baumgardt: Uns als Zahntechniker-Innung Württemberg ist klar, dass dieses Jahr ein Ausnahmejahr ist. Wir mussten zahlreiche Veranstaltungen, vor allem Fortbildungen zur Umsetzung der neuen Medizinprodukteverordnung (MDR), verschieben oder, wie unsere Frühjahrs-Innungsversammlung oder die Lossprechungsfeier für unsere frisch gebackenen Gesell*innen, gar absagen. Nur durch außergewöhnliche Ideen und Kreativität können wir den wirtschaftlichen Schaden auch für uns als Innung selbst dabei geringhalten. Unsere Innungsversammlung findet deswegen dieses Jahr nicht im Kongresscenter der Messe statt, weil wir gleichzeitig eine große MDR- Schulung durchführen wollen, die wir zweimal verschieben mussten. Auf der Messe stand leider aufgrund der Abstandsregeln ein so großer Raum kurzfristig nicht zur Verfügung. Natürlich ist die ZIW trotzdem mit ihrem Infomobil auf der Messe präsent. Im nächsten Jahr kommen wir auch wieder mit unserer Innungsversammlung zur Messe. Trotzdem werden unsere Mitglieder die Messe als Möglichkeit zum Austausch mit der Dentalindustrie und dem Dentalhandel wahrnehmen. Der persönliche Kontakt ist auch bei aller modernen Technik durch nichts zu ersetzen.

 

Jochen Linneweh: Das einerseits geringe allgemeine Interesse als auch die wiederholten Misserfolge und gar nicht erst zustande gekommenen virtuellen Konferenzen und Webinare seit Beginn von Corona belegen, dass bestimmte Formen von Gedankenaustausch in Diskussionsrunden oder gar Kongressen unter Zuhilfenahme digitaler Medien nicht abgebildet werden können. Gleiches gilt für den virtuellen Besuch von Ausstellungen und Messen. Nebenbei bemerkt sei hier, dass Deutschland nicht ansatzweise über flächendeckende Kabel- und Glasfasersysteme verfügt, die modernen Standards entsprechen. Generell ist eine professionell organisierte Fachmesse, zum Beispiel die traditionelle Fachdental, mit einem kompletten dentalen Portfolio samt Fortbildungsprogramm nicht zu ersetzen. Sie ist so in der Lage, bei Besucher*innen wie Aussteller*innen für Attraktivität und positive Aufbruchstimmung zu sorgen. Zu den vorrangigen Voraussetzungen zählen aber auch die dann gültigen und nachvollziehbar sinnvollen praktikablen Zugangsbedingungen für alle Teilnehmer*innen. Grundsätzlich ist eine Fachmesse im Herbst in der Lage, positive Impulse zu setzen.

 

Stefan Kaltenbach: Leider werden im Herbst so gut wie keine Messen stattfinden. Wir selbst bieten aber Webinare an und eine erste Anwender*innenschulung ist für den Oktober 2020 geplant. Wir vermissen die persönlichen Kontakte und freuen uns, wenn diese möglichst bald wiederkehren, da sie für die Orientierung und die Strategieentwicklung und -umsetzung unersetzlich sind.

Das Interview führten Patricia Roth
von der Messe Stuttgart und Andrea Mader

 

Wirtschaftliche Konsequenzen der Coronakrise für die Zahnarztpraxen

 

Massive Einbrüche

Ausgabe 8-9, 2020

Die vorläufigen Abrechnungen des zweiten Quartals sowie eine Blitzumfrage der KZV Baden-Württemberg für April 2020 machen auf dem Papier klar, was die Zahnarztpraxen im Land tagtäglich  zu spüren bekommen: Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Co-ronakrise sind für viele Zahnärzt*innen äußerst dramatisch.  Aufgeschobene Termine, ausgesetzte Behandlungen, verunsicherte  Patient*innen – noch immer scheint die Normalität fern. Wie  gestaltet sich diese Krise in Baden-Württemberg bei genauer  Betrachtung?

 

 

Blitzumfrage. Einen Rückgang von durchschnittlich 43,2 Prozent im Monat April, bezogen auf die KCH-Honorarumsätze im Vergleich zum Vorjahr, hatte die Blitzumfrage der KZV BW zum Ergebnis. (KZV BW/Grafiken IZZ)

 

Der Gründonnerstag dieses Jahres war für die Zahnärzteschaft kein guter Tag. Der an diesem Tag veröffentlichte Paragraf 6a der Corona-Verordnung schränkte die zahnärztlichen Behandlungen massiv ein. Intensive Gespräche der KZV BW und LZK BW mit der Landesregierung über die Osterfeiertage führten zunächst zu einer „Abschwächung“, zum 4. Mai dann zur Aufhebung des umstrittenen Paragrafen.

Die Verunsicherung blieb indessen. „Ist der Besuch bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt des Vertrauens sicher?“, „Ist die Vorsorgeuntersuchung wirklich so wichtig?“, so die Nachfrage vieler Patient*innen. Durch Informationsmaßnahmen des Informationszentrum Zahn- und Mundgesundheit wie auch durch eine Social-Media-Kampagne der KZV BW, die vielfach von Zahnarztpraxen im ganzen Land geteilt wurde, trat der Vorstand diesen Zweifeln entgegen, um die Verunsicherung zu überwinden.

 

Blitzumfrage. Die Umsatzeinbrüche wurden durch eine Blitzumfrage der KZV BW mit Zahlen belegt. 1054 Praxen nahmen bei dem Vergleich der Honorarumsätze für konservierende und chirurgische Leistungen und Röntgenleistungen (KCH) zwischen April 2019 und 2020 teil. Das Ergebnis: Insgesamt waren die KCH-Honorarumsätze in diesem Monat um 43,2 Prozent zurückgegangen. Rund 17 Prozent der teilnehmenden Praxen gaben sogar einen Rückgang der KCH-Honorarumsätze zwischen 70 und 100 Prozent an. Am häufigsten, nämlich von 172 Praxen, wurde ein Rückgang zwischen 50 und 60 Prozent angegeben.

 

Rückgang absoluter Fallzahlen. Der Einbruch wird bei den gemeldeten Fallzahlen in den Leistungsbereichen KB/KG und ZE im ersten Halbjahr sehr deutlich.
(KZV BW/Grafiken IZZ)

 

Abrechnungen. Der deutliche Abwärtstrend, der mit der Blitzumfrage bereits deutlich geworden war, bestätigt sich auch anhand der Abrechnungen. Bei Zahnersatz beträgt der Rückgang der Fallzahlen, sowohl im April wie auch im Mai, rund 25 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Juni liegt die Differenz der Fallzahlen sogar bei 31 Prozent. Im Bereich Kieferbruch/Kiefergelenkserkrankungen (KB/KG) sind im Mai dieses Jahres knapp 19 Prozent weniger Fälle zu verzeichnen. Auch hier verringerten sich die Fallzahlen gemäß den Abrechnungsergebnissen in den Folgemonaten nochmals. Unter dem Strich steht so für das zweite Quartal dieses Jahres ein Rückgang der Fälle um 20 Prozent.

Parodontologie. Besonders ausgeprägt gestaltet sich der Rückgang und die ausbleibenden Patient*innen bei Betrachtung der Fälle im Leistungsbereich Parodontologie (Par). Wurden im Mai des vergangenen Jahres noch 10.515 Fälle behandelt, sind dies in diesem Jahr nur noch 6941 Fälle: ein Rückgang um rund ein Drittel. Im Juni wurden im Vergleich zum Vorjahr hier gar 4417 Fälle weniger abgerechnet, ein Minus von 39 Prozent.

 

Quartalsvergleich. Hochrechnungen (Stand: 08.07.2020) geben auch Aufschluss über das gesamte zweite Quartal 2020 bei den Honorarumsätzen im Bereich KCH: Knapp ein Viertel weniger Fälle wurden verzeichnet. Ein Vergleich der ersten Halbjahre ergibt der bisherigen Hochrechnung zufolge einen Rückgang von knapp 15 Prozent für dieses Jahr.

 

Vorjahresvergleich Par. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2019 sind in den Monaten April bis Juni bei den Fallzahlen im Leistungsbereich Parodontologie massive Einbrüche sichtbar. (KZV BW/Grafiken IZZ)

 

Liquiditätshilfen. Ende Mai machte die Vertreterversammlung der KZV BW den Weg frei für Liquiditätshilfen für Vertragszahnärzt*innen. Damit ist die Inanspruchnahme der Hilfen ermöglicht, aber keineswegs verpflichtend. Unabhängig von der Höhe der Abschlagszahlungen für konservierendchirurgische und kieferorthopädische Leistungen in Höhe von jeweils 33 Prozent der Vorjahreswerte können zusätzlich Liquiditätshilfen beantragt werden.

Liegt die Summe der geleisteten Abschlagszahlungen und der Schlusszahlung unter 85 Prozent der eingereichten Honorarabrechnungen des entsprechenden Vorjahresquartals, kann eine Liquiditätshilfe bis zu dieser Höhe (85 Prozent) schriftlich beantragt werden.

Eine Hilfe, die später allerdings vollständig zurückgezahlt werden muss. Das entsprechende Antragsformular findet sich im Rundschreiben (04-2020) vom 04. Juni.

Benedikt Schweizer

 

Zahnärztinnen schildern ihre Erfahrungen in der Coronakrise

 

Corona, Praxisalltag und Familie

Ausgabe 8-9, 2020

Seit mehreren Monaten hält uns die Coronapandemie in Atem. Nahezu kein Bereich des alltäglichen Lebens bleibt von den Auswirkungen der Einschränkung aufgrund des Coronavirus unberührt. Gerade in  der Zeit des kompletten Lockdowns und den damit verbundenen Schul- und Kindergartenschließungen hatten insbesondere Familien  zusätzliche Herausforderungen zu meistern. Wie funktionierte der Alltag für Zahnärztinnen und Zahnärzte mit minderjährigen Kindern, wenn  diese statt in der Schule oder Kita zuhause waren? Welche Probleme traten auf und was bereitete Sorgen? Wir haben mit drei Kolleginnen  gesprochen. Alle drei führen eine eigene Praxis und haben Kinder. Sie berichten uns über ihre Zeit im Lockdown und geben uns einen Einblick in ihren Familien- und Praxisalltag während dieser Zeit.

 

ZBW: Wie hat sich die Corona-Krise auf Ihre familiäre Situation und auf Ihren Praxisalltag ausgewirkt?

 

Dr. Anna-Maria Smaczny: Die Coronakrise hat unseren Alltag in unserer Freiburger Praxis ganz schön durcheinander gebracht. Meinen Vater/Sozietätspartner habe ich in den Zwangsurlaub geschickt. Die Betreuung unserer dreijährige Tochter hat glücklicherweise unser Babysitter übernommen. Unsere Praxis war lediglich vormittags geöffnet und wir waren erstaunt, wie dankbar unsere Patient*innen über die Notfallbesetzung in dieser Zeit waren.

 

Leonie Wälder, niedergelassene Zahnärztin in Stuttgart, hat zwei Kinder im Alter von viereinhalb und sechs Jahren.

 

Leonie Wälder: Als selbstständige Zahnärztin und alleinerziehende Mutter habe ich mich schon vor der Coronakrise doppelt und dreifach abgesichert, was die Betreuung meiner Kinder angeht. Es gab also zunächst wenig Auswirkungen. Der Praxisalltag lief aber trotzdem nicht wie zuvor, da meine Mitarbeiterinnen durch die Schul- und Kitaschließungen familiär stark eingebunden waren und die Patient*innen zunächst wegblieben.

 

Dr. Veronika Werle, niedergelassene Zahnärztin in Mannheim, hat zwei Kinder im Alter von fünf und zweieinhalb Jahren.

 

Dr. Veronika Werle: Mein Mann wurde zunächst dankenswerterweise von seinem Arbeitgeber freigestellt, so dass die Betreuung unserer Kinder für die erste Zeit sichergestellt war. Dann kamen die Kinder in die Notbetreuung bis 15.30 Uhr. Ich passte die Praxiszeiten den Betreuungszeiten an.

Ab Mitte März hatten wir schlagartig fast keine Patient*innen mehr, da die Bevölkerung massiv verunsichert war. So waren wir gezwungen im April Kurzarbeit anzumelden. Gleichzeitig hatten und haben wir jedoch durchgehend einen Sicherstellungsauftrag. Diesen haben wir auch gerne und ohne Panik ausgeführt. Denn wir Zahnärzt*innen sind ja in Sachen Hygiene und PSA so gut aufgestellt wie sonst nur wenige.

 

Konnten Ihre Mitarbeiter*innen wie zuvor arbeiten oder mussten sie zuhause Kinder betreuen?

 

Dr. Veronika Werle: Eine meiner Mitarbeiterinnen hat eine 3½-jährige Tochter. Sie konnte nicht mehr im gewohnten Umfang arbeiten. Da aber die Patient*innenzahl stark zu-rückgegangen war, sind wir mit dem restlichen Team und den verkürzten Zeiten ganz gut hingekommen.

 

Leonie Wälder: Für meine Mitarbeiter*innen war die ganze Situation viel schwieriger als für mich. Zwei von ihnen haben Kinder im schulpflichtigen Alter. Die mussten zusehen, dass sie die Aufgaben zuhause erledigt bekommen. Durch die Kurzarbeit hatten sie zwar mehr Zeit für die Kinder – das Homeschooling hat aber auch eine Menge Stress bedeutet. Und wenn sie bei mir gearbeitet haben, mussten sie während der Arbeitszeit für ihre Kinder teils erreichbar bleiben. Eine andere Mitarbeiterin konnte gar nicht kommen, da ihr die Betreuung weggebrochen ist, sie allerdings nicht als systemrelevant anerkannt wurde.

 

Wie muss man sich Ihren Tagesablauf während der Schließung der Schulen, Kitas und Horte vorstellen?

 

Dr. Veronika Werle: Seitdem die Kinder in der Notbetreuung sind, fährt mein Mann morgens früh zur Arbeit und ich bringe die Kinder vor der Praxis in den Kindergarten und hole sie anschließend ab. Ich bin sehr froh, dass meine Kinder noch nicht in der Schule sind. Denn die Anforderungen, die derzeit vor allem berufstätigen Eltern von Schulkindern gestellt werden, sind nicht leistbar.

 

Leonie Wälder: Wenn man keine Betreuung hat und die Kinder den halben Tag mit in die Praxis nehmen muss, steht man ein bisschen zwischen Patient*in und Kind. Das bringt den Ablauf immer etwas durcheinander, auch wenn ich extrem liebe Kinder habe. Ich habe ein tolles Team hier, das mich extrem unterstützt und ein Umfeld, das die Sache so leicht wie möglich macht.

 

Was sahen Sie als besondere Herausforderung an? Was kostete am meisten Kraft, Zeit, Nerven? Was bereitete Sorgen?

 

Dr. Anna-Maria Smaczny: Zu Anfang war es notwendig, den Mitarbeiter*innen etwas die Angst zu nehmen, sie aufzuklären und ihnen zu verdeutlichen, dass die Praxis im Grunde genommen ein sicherer Ort ist. Nun liegt die Herausforderung darin, der Lethargie, die sich unter den Mitarbeiter*innen breit gemacht hat, wieder entgegenzuwirken. Das kostet unheimlich viel Kraft. Unser Personal muss wieder motiviert werden, richtig anzupacken und mit Freude zu arbeiten. Keine leichte Aufgabe! Manchmal träume ich von Urlaub am Meer…

 

Dr. Veronika Werle: Die größte Herausforderung aus meiner persönlichen Sicht war, den Kindern nicht zu schaden mit unserem neuartigen Verhalten. Ich machte mir wirklich Sorgen, was es mit der Entwicklung kleiner Kinder macht, die wochenlang isoliert werden, nicht mit ihren Freunden spielen dürfen. Ich versuchte meinen Kindern zu vermitteln, dass sie weiter unbekümmert Kind sein dürfen –  ohne Angst. Und auch, dass eine Umarmung nichts Schlimmes ist!

In Bezug auf die Praxis wird die schwerste Zeit wohl noch kommen. Wenn wir nämlich wieder mehr zu tun haben, haben wir auch wieder volle Kosten. Gleichzeitig haben wir dann aber wenige Einnahmen, da wir ja derzeit kaum Prothetik- und weniger KCH-Umsätze erzielen.

Wie sich der Privatumsatz entwickelt, kann ich noch nicht abschätzen. Ich hoffe, dass meine Rücklagen ausreichen. Leider konnte ich noch nicht allzu viele Rücklagen schaffen, da es in den letzten Jahren ständig Investitionsbedarf gab – auch dank der Hygienevorschriften. Außerdem zahle ich noch immer Kredite aus der Zeit der Praxisübernahme ab.

 

Leonie Wälder: Zusätzlich zu den Problemen durch das Homeschooling und die verwirrende Nachrichtenlage, kamen noch wirtschaftliche Sorgen durch die Einführung von 50 Prozent Kurzarbeit. Der Arbeitsaufwand war gleichzeitig für alle in der Praxis höher als vor der Coronakrise: Coronafragebögen, zusätzliche Telefonate mit Patient*innen, zusätzliches Desinfizieren, die Extraplanungen von Behandlungszeiten, damit keine Wartezeiten entstehen. Eine Mitarbeiterin war nur damit beschäftigt Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung zu besorgen. Dazu kam eben, dass die Mitarbeiter*innen – was ich sehr gut verstehen kann – nicht hundertprozentig nur mit dem Kopf bei der Arbeit sein konnten, weil die Kinder von zuhause angerufen haben. Und trotzdem möchte ich sagen: Meine Mitarbeiter*innen haben das wirklich exzellent gemacht, ich bin mächtig stolz auf meine Leute.

 

Können Sie der Krise auch etwas Positives abgewinnen? Für das Zusammenleben in der Familie? Für das Miteinander in der Praxis?

 

Dr. Veronika Werle: Nein, kann ich leider nicht.

 

Dr. Anna-Maria Smaczny: Unsere Praxis hatte eine Whats-App-Gruppe eingerichtet. Jeder hat mal etwas Lustiges eingestellt, sei es ein Video oder einen witzigen Spruch. Das war wirklich nett und hat unser Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Wir hatten unsere Praxis jeden Tag geöffnet. Die Arbeit hat mich abgelenkt. Ich denke, es wäre schlimmer gewesen, untätig zu Hause zu sitzen. Unsere Tochter hat es genossen, dass ich mehr Zeit für sie hatte. Auch wenn ich erschöpfter war als sonst, ich konnte mehr Zeit mit ihr verbringen.

Die Fragen stellte Jenny Dusche

 

 

Menschen mit geistiger Behinderung in der Coronakrise

 

Kein Lockdown für Karies

Ausgabe 8-9, 2020

Die Coronakrise hat uns bewusst gemacht, wie wichtig die Arbeit von Supermarktverkäufer*innen, von LKW-Fahrer*innen und von Paketbot*innen ist. Von den Balkonen haben wir den Ärzt*innen und den Pfleger*innen in den Krankenhäusern für ihre aufopferungsvolle Arbeit applaudiert. Für einige Held*innen des Corona-Alltags ist jetzt eine Prämie im Gespräch wie für die Altenpfleger*innen. Doch eine Berufsgruppe wurde definitiv vergessen, finden Petra Dunker, Geschäftsführerin des Gesundheitszentrum Kernen und Dr. Guido Elsäßer, LZK-Referent für Behindertenzahnheilkunde – das sind die Heilerziehungspfleger*innen. Auch sie sind Corona-Held*innen.

 

 

Sehnsucht. Der junge Mann hat seine Freundin vermisst – über Wochen konnte er nur telefonisch mit ihr in Kontakt treten.

 

Heilerziehungspfleger*innen sind für die pädagogische, lebensprak-tische und pflegerische Unterstüt-zung und Betreuung von Menschen mit Behinderung zuständig. Ca. 1200 Heilerziehungspfleger*innen und weitere Betreuungskräfte aus sozialen Berufen arbeiten in der Diakonie Stetten für die rund 1350 Menschen mit Behinderung, die dort in Wohneinrichtungen leben und in Werkstätten vor Ort arbeiten. Der Shut- oder Lockdown infolge der Coronapandemie in Deutsch-land hat die Einrichtung und die Mitarbeiter*innen, insbesondere  aber die Bewohner*innen und ihre Angehörigen vor besondere  Herausforderungen gestellt. Wie sind sie damit umgegangen? Wie haben sie die Situation gemeistert?

Wir haben nachgefragt – bei Petra Dunker, der Geschäftsführerin des Gesundheitszentrum Kernen GmbH, ein MVZ der Diakonie Stetten, und bei LZK-Referent für Behindertenzahnheilkunde, Dr. Guido Elsäßer, der eine Schwerpunktpraxis auf dem Gelände der Diakonie Stetten führt.

Wie in Coronazeiten üblich, konnte die ZBW-Redakteurin ihre Recherche nicht vor Ort im persönlichen Gespräch führen, der vorbereitete Fragenkatalog wurde im Video-Chat bearbeitet: Die Redakteurin vor ihrem Notebook am Arbeitsplatz in der Geschäftsstelle – Dr. Elsäßer und Petra Dunker, beide mit obligatorischer Schutzmaske, im Büro von Dr. Elsäßer in der Praxis.

 

Digitalisierungsschub. „Tolle Effekte“, hätten sie mit den Videokonferenzen per Skype erzielt, erzählt Petra Dunker zum Einstieg. Bisher sei man nie auf den Gedanken gekommen, eine Videokonferenz als Kommunikationsmittel zwischen Bewohnern und ihren Angehörigen einzusetzen. Nun hat man es erstmals probiert, gezwungenermaßen, denn Besuche von Angehörigen waren nach dem Shutdown nicht mehr erlaubt. Ein Bewohner mit einer Autismus-Spektrum-Störung, der mit Telefonkontakten noch nie etwas anfangen konnte und seine Schwester nie in sein Zimmer ließ, führte jetzt bereitwillig der Schwester sein Zimmer im Videochat vor.

 

Besondere Risikogruppe? Aus medizinischer Sicht gehören Menschen mit Behinderung nicht zwangsläufig zur besonderen Risikogruppe für SARS-CoV-2. Risikofaktoren wie Alter oder Vorerkrankungen wie beispielsweise ein schwaches Immunsystem können Menschen mit Behinderung ebenso haben wie Menschen ohne Behinderung. Was Menschen mit Behinderung zu Risikopatienten machen kann, resultiert in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen aus der besonderen Lebensform in Wohngruppen, die Wohngemeinschaften sehr ähnlich sind. Abstandsgebot und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes lassen sich dort nur schwer umsetzen, besonders dann nicht, wenn manche Menschen mit geistiger Behinderung Körpernähe suchen oder Pflegebedürftigkeit bei komplexer Behinderung besteht.

Auf die Coronapandemie waren die Diakonie Stetten und das Gesundheitszentrum Kernen dennoch gut vorbereitet, ist sich Petra Dunker sicher. „Nach der Schweinegrippe gab es bereits erste Pandemiepläne, die wir im Februar unter Hochdruck erweitert haben. Ein Grundstock an Schutzausrüstung war deshalb schon vorhanden. Von Anfang an gab es eine enge Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Rems-Murr. Früh wurden erste Maßnahmen eingeleitet – zum Beispiel für Mitarbeiter*innen, die ihren Faschingsskiurlaub in Risikogebieten verbracht hatten. „Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass es in erster Linie Mitarbeiter*innen sein würden, die Infektionen in die Einrichtung tragen“, sagt Petra Dunker. Im Gesundheitszentrum, das sich auf dem Gelände der Diakonie Stetten befindet, konnten Tests schnell durchgeführt werden. Das hat mit dazu beigetragen, mögliche Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen. „Unsere Ärzt*innen und Praxismitarbeiter*innen haben da einen wichtigen Beitrag geleistet“, betont Petra Dunker. Momentan gibt es keine Infizierten in der Einrichtung. Die erste Infizierte war eine 80-Jährige, die keine Symptome hatte und die Infektion gut überstanden hat. „Aufgrund ihres Alters wäre ein schwerer Verlauf eigentlich zu erwarten gewesen“. Einen Todesfall unter den Bewohner*innen hat die Diakonie Stetten indes zu beklagen: Ein 64-jähriger Mann mit geistiger Behinderung, der einige Vorerkrankungen hatte, ist an COVID-19 gestorben.

Isolationsstation. In der Hochphase der Coronapandemie  gab es für positiv getestete Bewohner*innen in der Diakonie Stetten eine eigene Quarantäne-Station. Inzwischen geschlossen, gab es in der Diakonie auch eine Isolationsstation. Sie war für Bewohner*innen, die von einem Besuch bei Angehörigen oder von einem Krankenhausaufenthalt zurückgekehrt sind. Selbstverständlich können und konnten die Bewohner*innen jederzeit ihre Angehörigen besuchen – „mit entsprechenden Vorkehrungen“  betont  Petra Dunker.

 

Heimarbeit statt Homeoffice. Der Shutdown habe die Einrichtung vor mehrere Herausforderungen gestellt, berichtet Petra Dunker. Die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen mussten ganz geschlossen werden. Damit sind die Bewohner*innen ganz unterschiedlich umgegangen – für einige bedeutete dies Entspannung und ein deutlich entschleunigter Tag, weil der eng getaktete Tagesplan mit frühem Transport per Fahrdienst zur Arbeit in die Werkstatt oder vorgegebene Essenszeiten weggefallen ist. „Dies machte sich bei einigen in einem deutlichen Rückgang körperlicher Übergriffe gegen sich selbst, aber auch andere bemerkbar“. Anderen wiederum hat der strukturierte Alltag gefehlt, sie waren verunsichert und konnten die neue Situation nicht einordnen.  „Heimarbeit statt Homeoffice“, erläutert Petra Dunker die neue Arbeitsweise. Manche der Industrieaufträge, wie zum Beispiel das Zusammenfügen von Fliegenklatschen, müssen nicht zwingend in den Werkstätten erledigt werden, sie können auch zu Hause bearbeitet werden. Und dies wurde gemacht – und zwar in den Wohneinrichtungen. Die Mitarbeiter*innen aus den Werk-stätten haben dann in den Wohneinrichtungen gearbeitet. Flexibilität war angesagt: Die Mitarbeiter*innen der Diakonie Stetten erhielten andere Aufgaben und andere Einsatzgebiete. „Sie haben unglaublich viel geleistet“, lobt Petra Dunker – für die Bewohner*innen ist die gewohnte Tagesstruktur komplett zusammengebrochen, sie mussten woanders essen, sie konnten nicht mehr in die Werkstätten, sie erhielten keinen Besuch mehr von ihren Angehörigen. Für all das mussten die Mitarbeiter*innen in der täglichen Betreuung einen guten Umgang finden. 

 

Coronaambulanz vermeiden. Dr. Guido Elsäßer hatte in seiner Schwerpunktpraxis nach dem Lockdown die gleichen Herausforderungen wie alle Zahnarztpraxen in Baden-Württemberg zu bewältigen: Einbruch beim Patientenaufkommen, Kurzarbeit für das zahnmedizinische Fachpersonal, fehlende Schutzausrüstung.

Als Schwerpunktpraxis sind etwa ein Drittel seiner Patient*innen Menschen mit Behinderung. „Die sind weitestgehend weggebrochen, die restlichen Zweidrittel waren vorsichtig bis ängstlich“, erinnert sich Dr. Elsäßer.

Für seine behinderten Patient*-innen beschreibt Dr. Elsäßer rückblickend drei Phasen: In der ersten Phase ging es vor allem um die Patient*innen, die wegen akutem Behandlungsbedarf vor dem Shutdown Termine vereinbart hatten, die dann aber abgesagt wurden. „Wir wussten, nur wenige Meter entfernt lebten Patient*innen mit akutem Behandlungsbedarf, womöglich auch solche, die ihre Schmerzen nicht äußern konnten und wir durften sie nicht behandeln“. Angehörige riefen bei Dr. Elsäßer an und fragten nach. „Sollten wir es einfach so laufen lassen bis die ersten Bewohner*innen der Diakonie Stetten mit Abszessen notfallmäßig in eine Zahnklinik hätten gebracht werden müssen? Welche Risiken bestehen für die behinderten Patient*nnen, die begleitenden Mitarbeiter*innen und für unser Team, wenn wir bei uns behandeln?“ – diese Fragen stellte sich Dr. Elsäßer. Eine Dilemmasituation. Gemeinsam entschloss man sich, Notfallbehandlungen in der Praxis durchzuführen. Allerdings durften keine Angehörige (als externe Personen) mitkommen. Die Begleitung übernahmen die Mitarbeiter*innen aus den Wohngruppen. „Ich wollte unbedingt vermeiden, dass meine behinderten Patient*innen in eine Coronaambulanz oder Zahnklinik überwiesen werden müssen. Das hätte einen wahnsinnigen logistischen Aufwand und ein unkalkulierbares Infektionsrisiko für alle Beteiligten bedeutet. Besonders bei Patient*innen, die bei einer normalen zahnärztlichen Behandlung nicht kooperieren“. Dr. Elsäßer konnte sämtliche geplanten Behandlungen in Narkose in seiner Praxis durchführen, in kompletter persönlicher Schutzausrüstung des gesamten Teams – „unsere Anästhesisten haben uns dabei voll unterstützt“. Nachdem die akuten Schmerzfälle abgearbeitet waren, hat sich eine gewisse Entspannung eingestellt. Allerdings wurden wegen der Verordnung der Landesregierung zeitweise keine professionellen prophylaktischen Maßnahmen mehr durchgeführt. Das ist besonders für Patient*innen, die sich nicht eigenverantwortlich die Zähne putzen können, sehr schlecht.

 

Kein Lockdown für Karies. Die Entspannungsphase hat nicht lange angehalten. Waren vor der Pandemie die Bewohner*innen einer Wohngruppe meist als Gruppe gemeinsam zu den Untersuchungsterminen in die Praxis gekommen, war dies nun nicht mehr möglich. Um einen Überblick über den Zustand der Zahn- und Mundgesundheit zu bekommen, hat Dr. Elsäßer in Absprache mit den Verantwortlichen begonnen, Bewohner*innen in den Wohngruppen zu untersuchen, in voller persönlicher Schutzausrüstung. Und wie befürchtet, hat er zahlreiche Schmerzpatient*innen identifiziert. „Für Karies- und Parodontitiskeime gibt es keinen Lockdown“.  Dr. Elsäßer erzählt von einem jungen Mann, der die Wohngruppe aus Angst, sich mit COVID-19 zu infizieren, seit dem Lockdown nicht mehr verlassen hat. Er hat jede ärztliche Untersuchung verweigert. Als jedoch Dr. Elsäßer, den er schon seit vielen Jahren kennt, in die Wohngruppe kam und ihn gefragt hat, ob er ihn untersuchen dürfe, hat er zugestimmt – denn Dr. Elsäßer hat ihm versichert, dass ihm mit seiner Spezialmaske nichts passieren kann. Die Untersuchung fand dann draußen auf der Terrasse statt. „Über das Vertrauen des Bewohners habe ich mich sehr gefreut“.

Coronastau abarbeiten. In der dritten Phase geht es nun darum, die durch mangelnde Mundhygiene während des Lockdowns entstandenen starken Zahnfleischentzündungen zu behandeln. Dr. Elsäßer sieht viele Schmutzgingivitiden und erzählt von Zahnfleisch, das schon beim Hinschauen blutet, hat aber durchaus Verständnis für die Mitarbeiter*innen auf den Wohngruppen, die die Zahn- und Mundhygiene vernachlässigt haben. „Der/die Mitarbeiter*in soll Abstand halten, hat keine Schutzkleidung und soll trotzdem der/dem Bewohner*in die Zähne putzen, das hat sie/er verständlicherweise nicht oder jedenfalls nicht so gründlich gemacht.“ Es gehe jetzt darum, die Zahnpflege wieder ins Gedächtnis zu rufen, denn gerade bei Menschen mit komplexen Behinderungen hat die mangelnde Mundhygiene massive Auswirkungen. Derzeit unterweisen seine zahnmedizinischen Mitarbeiter*innen die Heilerziehungspfleger*innen in den Wohngruppen in der vermehrten Verwendung elektrischer Zahnbürsten, um die coronabedingten Defizite möglichst rasch abzuarbeiten.

 

Neue Coronaroutine. Maskenpflicht und Abstandsregeln gelten natürlich auch in der Praxis von Dr. Elsäßer. Daher dürfen zur gleichen Zeit nur noch drei Bewohner*innen, begleitet von einer Fachkraft, kommen. Zwei Wartebereiche wurden eingerichtet – einen für Gruppen derselben Wohneinheit und Familien, in dem kein Abstand eingehalten werden muss und einen Wartebereich, in dem der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden kann. Die meisten Patient*innen mit Behinderung tragen auch im Flur und im Wartebereich eine Alltagsmaske, obwohl sie das nicht müssten. „Das klappt überraschend gut“, freut sich Dr. Elsäßer.

 

Systemrelevant? Auf die abschließende Frage, ob er seine Arbeit als systemrelevant bezeichnen würde, wirkt Dr. Elsäßer sehr nachdenklich – er scheint die letzten Monate gedanklich Revue passieren zu lassen bevor er antwortet: „Meine Mitarbeiter*innen und ich haben unseren Beitrag zur Vermeidung eines Zusammenbruchs des Gesundheitssystems darin gesehen, Überweisungen unserer Patient*innen mit geistiger oder komplexer Behinderung in Zahnkliniken zu vermeiden. Das ist uns bis dato gelungen. Ob das systemrelevant ist, mögen andere entscheiden.“

Andrea Mader

 

Die Auswirkungen der Coronakrise auf die Dentallabore

 

Blick über den Tellerrand

Ausgabe 8-9, 2020

In der Regel agieren sie im Hintergrund. Für das Gros der Patient*innen in den zahnmedizinischen Praxen sind sie zwar meistens unsichtbar, unverzichtbar sind sie dennoch nicht. In den letzten Monaten waren sie ebenso von den Ängsten um den Arbeitsplatz oder das eigene Labor betroffen wie die Zahnärzteschaft. Das ZBW hat in einigen Laboren in Baden und Württemberg angerufen und sich erkundigt, wie die vergangenen Monate verliefen.

 

Auftragslage. Während der Coronakrise wurden deutlich weniger hochwertige Arbei-ten in Auftrag gegeben und auch die Zahl der Reparaturen wurde weniger.

 

ZBW: Werfen wir einen gemeinsamen Blick auf Ihren Laboralltag an einem Arbeitstag im März, im Mai und im Juli dieses Jahres – worin unterschieden sie sich?

 

Jochen Birk: Anfang März war die Welt noch in Ordnung. Wir waren mit dem Abarbeiten der alten Aufträge noch sehr gut beschäftigt. Der Juni war der schlechteste Monat, weil die Zahnärzte im April und Mai aufgrund des Fernbleibens der Patient*innen keine Heil- und Kostenpläne gemacht haben. Die Versorgung mit Zahnersatz hat ja immer einen gewissen Vorlauf. Deswegen brachen die Aufträge weg. Seit den Pfingstferien geht es deutlich aufwärts. Für den Juli erwarte ich daher wieder relativ normale Umsätze. Ab Anfang Juli hilft uns zudem sicherlich auch die Absenkung der Mehrwertsteuer von sieben auf fünf Prozent.

 

 

Dirk Bachmann: Nach einem sehr guten Start in das Jahr 2020 hatten wir im März eine gute Auslastung. Die ankommende Pandemie haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wahrgenommen. Die angefangenen Aufträge wurden in Vollbeschäftigung bis in die zweite Aprilwoche ausgeführt, danach kam der große Einbruch. Im Mai waren wir im zweiten Monat in Kurzarbeit, im Labor waren etliche Arbeitsplätze verwaist. Wir freuten uns über jede Arbeit und hofften auf schnelle Rückführung in den Alltag. Unsere Kunden unterstützen wir durch Aufklärungsarbeit in sozialen Netzwerken, außerdem halfen wir bei der Besorgung von Schutzmasken und Desinfektionsmitteln.

Im Juli ist die Auftragslage deutlich stärker, jedoch ist davon auszugehen, dass der Vorjahresumsatz nicht erreicht werden kann. Allerdings befinden wir uns seit diesem Monat nicht mehr in Kurzarbeit.

 

Ralf Schieweg: Anfang Mai hatten wir schon fast wieder eine gewisse Routine in der Krise. Alle arbeits-stützenden Maßnahmen waren eingeleitet und griffen so gut sie konnten. Auffällig war das Dilemma, in das die Frauen mit Kindern gerieten: Sie waren und sind die großen Verliererinnen der Kurzarbeit. Sie erfuhren zwar Entlastung durch Kurzarbeit, mussten aber zuhause den Ausfall von Kindergartenbetreuung und Schulunterricht abfangen. Hier ist gesellschaftspolitisch weder während noch danach das richtige Instrument vom Staat gefunden worden. Wir als Arbeitgeber hatten hier nur die beschränkten Möglichkeiten, durch KuG100 die Mitarbeiterinnen zu unterstützen.

 

Vergleichen wir die Auftragsbücher vom Vorjahr mit den gleichen Monaten in diesem Jahr. Wie fällt die Bilanz aus?

 

Ralf Schieweg: Wir hatten einen Umsatzeinbruch von 70 Pro-zent am Anfang der Pandemie. Der gleich starke Bilanzeinbruch konnte jedoch durch Kurzarbeit und Unterstützung des Staats teilweise abgefedert werden. In den Monaten Juni und Juli befanden wir uns wieder deutlich auf dem Weg nach oben. Es verbleibt aber derzeit weiterhin eine Einbuße von ca. 25 Prozent.

Dirk Bachmann: April minus 50 Prozent – Mai minus 30 Prozent – Juni minus 40 Prozent.

 

Welche Unterstützung half Ihnen während der Hochphase der Coronakrise am meisten?

 

Johannes Koch: Wir mussten im April und Mai Kurzarbeit anmelden. Unser Personal hat diese Entwicklung außerordentlich solidarisch und loyal mitgetragen. Es wurden Plusstunden abgetragen und Urlaub genommen. Das war eine große Hilfe.

 

 

Jochen Birk: Mir war vor allem der Austausch zwischen den Zahntechniker-Innungen in Deutschland und mit meinen Obermeister-Kollegen wichtig. So haben wir zum Beispiel gemeinsam mit der Zahntechniker-Innung Düsseldorf tausende von FFP2-Masken für unsere Innungsmitglieder besorgt. Diese haben die Masken dann überwiegend an ihre Kund*innen weitergegeben, damit Patient*innen behandelt werden konnten.

 

Hans-Werner Pauli: Die Unterstützung in der Coronakrise vonseitens der Politik war sehr dürftig, der Berufsstand des Zahntechnikers ist offenbar zu klein und nicht bedeutend genug. Persönliche Briefe meinerseits an die Politiker von Land und Bund blieben unbeantwortet. Eine Ausnahme bildete Minister Guido Wolf, der sich tele-fonisch bei uns meldete und der zumindest ein offenes Ohr für die Zahntechniker*innen hatte. Ihn durften wir auch in den vergangenen Tagen bei uns begrüßen, da ihn die Situation vor Ort interessierte.

 

Hans-Werner Pauli, Nadja Pauli-Köhler, Katrin Pauli-Kästle

 

Ralf Schieweg: Finanziell hilfreich war ganz klar das Kurzarbeitergeld, das in seiner novellierten Form mit 60 bzw. 67 Prozent des Lohns Mitarbeiter*innen und Arbeitgeber*innen eine Brücke zur Aufrechterhaltung des Arbeitsverhältnisses und des Betriebes auf recht unkomplizierte Weise ermöglichte. Die Innung und die Handwerkskammer versorgten den Betrieb mit aktuellen Informationen zu finanziellen, steuerlichen und hygienischen Maßnahmen. Nicht zu vergessen ist die einmalige Soforthilfe. Alles zusammen war es ein Paket, das den politischen Entscheidungsträgern respektvoll angerechnet werden sollte. Persönlich war der Austausch mit Kolleg*innen und zahnärztlichen Praxen förderlich, jede/r half der/dem anderen durch Informationen, wo es noch Masken oder Desinfektionsmittel gab. Zum Beispiel besorgte eine Praxis PET-Folien, wir druckten so-wohl die passenden Halter für die Gesichtsschilder auf unseren 3D-Druckern als auch Filteraufnahmen für Mundschutzmasken.

Gab es spezielle Aufträge, die nicht mehr angefragt wurden?

 

Jochen Birk: Die Struktur der Auf-träge hat sich natürlich gerade im April, Mai und Juni arg verändert, große und hochwertige Arbeiten sind deutlich weniger geworden. Auch die Zahl der Reparaturen wurde weniger, da ältere Patient*innen eher das Risiko scheuten, in die Praxen zu gehen. So wurde nur das an Reparaturen gemacht, was wirklich nicht mehr ging.

Katrin Pauli-Kästle: Es gab viele spezielle Aufträge, die in dieser Zeit nicht mehr angefertigt wurden, der Grund lag an der Verunsicherung der Menschen, die jegliches Risiko scheuten in eine zahnmedizinische Praxis zu gehen. Schuld an dieser Misere waren meiner Meinung nach die vielen Negativberichte der Presse, obwohl alle meine Kund*innen die gesetzlichen Hygienevorschriften beachteten.

 

Johannes Koch: Natürlich wurden sämtliche Eingriffe, die nicht wirklich dringend waren, aufgeschoben, darunter vor allem Neuanfertigungen. Der Bereich Kunststoff/Prothetik fiel bei uns während dieser Zeit komplett weg.

Haben sich die Hygiene- und Schutzmaßnahmen in Ihrem Betrieb durch die Coronakrise verändert?

 

Dirk Bachmann: Im Arbeitsablauf nicht, dort hatten wir schon immer hohe Standards, da wir eine Hygieneschleuse betreiben und unsere Mitarbeiter*innen nur mit desinfizierten Werkstücken, Abdrücken etc. in Berührung kommen. Im Moment müssen Patient*innen einen Laufzettel der Praxis mitbekommen, damit eine zuverlässige Rückverfolgung der Personen nachvollziehbar ist. Wir behandeln ausschließlich mit Mundschutz und Handschuhen, dies war jedoch schon vor der Coronakrise der Fall. Johannes Koch: Generell sind unsere Hygienestandards, wie in den Zahnarztpraxen auch, sehr hoch. Schwierig ist es lediglich, den Mindestabstand von 1,5 Metern im Arbeitsalltag einzuhalten. Wir haben daher während des Lockdowns zwei Teams gebildet und gehen heute noch in zwei Gruppen zum Frühstück und Mittagstisch. Seit der Pandemie haben wir noch weitere Stationen mit Desinfektionsmitteln in unserem Labor installiert. Mussten Sie Kurzarbeit anmelden?

Johannes Koch: Ja, in den Monaten April und Mai mussten wir Kurzarbeit anmelden. Seit Juni arbeiten wir wieder voll und hoffen auf keinen zweiten Lockdown.

 

Nadja Pauli-Köhler: Wir haben seit Mai Kurzarbeit angemeldet, da zu diesem Zeitpunkt der Umsatz weiter zurückging. Das Kurzarbeiter-geld der Arbeitnehmer*innen haben wir aus unseren Rücklagen auf 100 Prozent aufgestockt, so dass keiner unserer Mitarbeiter*innen finanzielle Einbußen hat. Wir sind ein Team in guten und in schlechten Zeiten.

 

Welche Schwierigkeiten wiegen für Ihren Berufsstand neben Corona am schwersten?

 

Jochen Birk: Leider ist der Markt für Zahnersatz an einigen Stellen unfair. Jede/r darf Zahnersatz zum Beispiel aus China importieren, als Hersteller in Deutschland habe ich jedoch hohe bürokratische Auflagen zu erfüllen. Des-halb appelliere ich vor allem auch an die Zahnärzt*innen: lassen Sie Zahnersatz dort herstellen, wo wir gewerblichen Dentallabore Arbeits- und Ausbildungsplätze für die Menschen aus der Region anbieten. Hans-Werner Pauli: Die Dentalindustrie mit werkseitigen Inhouse-Fertigungen zu Dumpingpreisen sowie die Investoren der medizinischen Versorgungszentren, versuchen mit immer größerem Druck, den inhabergeführten Zahnarztpraxen und gewerblichen Laboren das Wasser abzugraben. Durch die Pandemie und den damit verbundenen Lieferengpässen in den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen sollten wir uns darauf besinnen, dass viele Dinge nicht importiert, sondern in Deutschland gefertigt und gekauft werden sollten, um so die heimische Wirtschaft zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten.

Dirk Bachmann: Bei dieser Krise wurde wieder einmal deutlich, in welcher Abhängigkeit unser Berufsstand sich gegenüber den Zahnärzt*innen befindet. Wir haben keine Möglichkeiten, durch ein Zusatzgeschäft fehlende Einnahmen zu kompensieren.

 

Ralf Schieweg: Die Zahngesundheit wird immer mehr zu einem Gewinnoptimierungsmarkt. Das Gebilde aus Behandler*innen, Techniker*innen und Industrie ist im Auflösungsprozess. Heute mit der Digitalisierung springen ungleiche Partner in ein Becken auf der Jagd nach dem dicksten Fisch. So pickt sich zum Beispiel die Industrie vermeintlich rentable Versorgungsformen aus dem Portfolio und bewirbt diese in den Praxen oder für sich selbst mit Gewinnbeispielen, die verlockend aussehen. Doch die Patient*innen möchten Zahn- und Kopfgesundheit – und diese ist komplex. Sie ist nur von Routinier*innen und Fachspezialist*innen zu errei-chen. Die Patient*innen äußern immer den Wunsch, die Aufga-benteilung soll zum Wohl ihrer Gesundheit erfolgen. Jede*r Expert*in  soll ihren/seinen Fachbereich erfüllen. Da liegen die Patient*innen ziemlich richtig mit ihrem Bauchgefühl.

Die Gespräche führte  Cornelia Schwarz

 

Studie zum Einfluss von Corona

 

Freiberufler*innen im Überlebenskampf

Ausgabe 8-9, 2020

Durch die Coronapandemie ging in vielen Zahnarztpraxen das Patienten- aufkommen drastisch zurück. Kurzarbeit und finanzielle Einbußen waren die Folge. Auch Freiberufler*innen anderer Sparten, beispielsweise Kulturschaffende oder Selbstständige in beratenden Funktionen, sind durch  Schließungen und den deutlichen Rückgang von Aufträgen in ihrer Existenz bedroht. Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) beleuchtet in einer aktuellen Umfrage die negativen Auswirkungen von Corona für freiberuflich Tätige. Kleine und junge Unternehmen sind besonders bedroht.

 

 

Kampagne. Der BFB hat die Kampagne „Mit System relevant. Wir helfen. Freie Berufe“ gestartet.

 

Im Auftrag des BFB wurden von Mitte Mai bis Anfang Juni 2020 vom Institut für Freie Berufe (IFB) mehr als 2600 Freiberufler*innen zu den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass ihre Lage äußerst angespannt ist: Die Zahl der Aufträge ging bei jeder/jedem dritten um über die Hälfte zurück. Durch den wochenlangen Shutdown sind knapp zwei Drittel der Freiberufler*innen wirtschaftlich massiv beeinträchtigt. 24,5 Prozent trifft die Krise „sehr stark“, 37,3 Prozent sind „stark“ betroffen. Lediglich 4,5 Prozent spüren keine Auswirkungen. Im Ranking der Sparten geben drei von vier Angehörigen der Freien Kulturberufe an, „stark“ oder „sehr stark“ betroffen zu sein, dahinter folgen die Heilberufe mit rund zwei Dritteln.

 

Kleine Unternehmen bedroht. Unter besonderem Druck stehen kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeiter*innen. Von ihnen hat fast jedes vierte mehr als 75 Prozent seiner Aufträge verloren. 66,7 Prozent geben an, „stark“ oder „sehr stark“ durch die Coronamaßnahmen betroffen zu sein, für 32,2 Prozent sind die Folgen sogar „existenzbedrohend“. 13,7 Prozent fürchten, die nächsten sechs Monate nicht mehr zu überstehen, weiteren 9,2 Prozent droht das Aus im Jahr 2021. Ebenfalls existenzbedrohend ist die Lage bei Unternehmen mit sechs bis zehn Mitarbeiter*innen. Auch hier beklagen 63,0 Prozent „starke“ oder „sehr starke“ Auswirkungen.

 

400.000 Stellen in Gefahr. Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeiter*innen hoffen die Krise besser zu überstehen, müssen hierfür jedoch Stellen abbauen. Bisher wurden „nur“ 8,7 Prozent der Mitarbeiter*innen entlassen, besonders von Unternehmen mit zehn bis 49 Mitarbeiter*innen (15,6 Prozent). Aber auch der Großteil der Unternehmen mit 50 Mitarbeiter*innen und mehr befürchtet, coronabedingt schon in naher Zukunft Stellen abbauen zu müssen. Prof. Dr. Wolfgang Ewer, Präsident des BFB, warnt deshalb, dass insgesamt mindestens 400.000 weitere Stellen in Gefahr seien.

 

Gründerkultur bröckelt. „Junge“ Freiberufler*innen, die seit 2019 ihre Tätigkeit aufgenommen haben, sind besonders gefährdet: 81,0 Prozent geben in der Umfrage an, „stark“ oder „sehr stark“ belastet zu sein. Oft fehlen ihnen Rücklagen, um die Krise bewältigen zu können, weshalb schon heute 72,3 Prozent um ihre Existenz kämpfen müssen.

 

Staatliche Hilfe lückenhaft. Viele Freiberufler*innen mussten aufgrund des Shutdowns staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, also Soforthilfen der Länder (24,0 Prozent) oder des Bundes (22,1 Prozent), Steuerstundungen (19,5, Prozent) und Kurzarbeitergeld (14,7 Prozent). Weniger gefragt waren die verschiedenen KfW-Kredite, die nur vier Prozent der Freiberufler*innen beantragten. Zwar finden die Freiberufler*innen diese Unterstützung generell hilfreich, befürchten jedoch eine zweite Welle wirtschaftlicher Coronafolgen. Besonders gefährdet sind hiervon Unternehmen mit nachlaufender Rechnungslegung, deren Verluste erst mit Zeitverzug sichtbar werden. Der BFB fordert deshalb eindringlich, diese in der geplanten Überbrückungshilfe, welche die Koalitionsparteien anstelle der auslaufenden Soforthilfe vorgesehen haben, stärker zu berücksichtigen.

 

Freiberufler*innen schützen. Der BFB fordert auf der Grundlage der aktuellen Studie die Bundesregierung auf, die Freien Berufe mit ihren besonderen Bedürfnissen stärker zu berücksichtigen. Nur so könne ihr wertvoller Beitrag zum Erhalt und zum Ausbau der Struktur und Kultur am Standort Deutschland erhalten werden.

Kerstin Sigle

 

Zahnarzt bemängelt ungleiche Behandlung

 

Beim Rettungsschirm vergessen

Ausgabe 8-9, 2020

Der Zahnarzt Bernd Ludwig hat trotz Corona seine Patient*innen weiter betreut, fühlt sich aber von den staatlichen Stellen im Stich gelassen. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten berichtet er über die Situation..

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung Schwarzwälder Bote  v. 23. Juni 2020

 

Team. Dr. Bernd Ludwig, Tennenbronn: „Wir halten zusammen für unsere Patient*innen gegen die Ministerialbürokratie der Herren Olaf Scholz und Jens Spahn“.

 

Das Coronavirus stellt die Zahnarztpraxen vor gewaltige Herausforderungen. Obwohl Dr. Bernd Ludwig an vorderster Front für seine Patient*innen tätig ist, gab und gibt es für ihn und seine Kolleg*innen der Zahnheilkunde keine Zuschüsse des Bundes oder des Landes bei den wegbrechenden Einnahmen, aber gleichzeitig weiterlaufenden Kosten für Mitarbeiter*innen, Räume und Technik. „Als Zahnärzt*innen stehen wir an vorderster Front, was die Gefährdung betrifft, und erhalten trotzdem keinen Rettungsschirm“, klagt Dr. Ludwig enttäuscht.

Die Zahnmedizin sei viel ausstattungsintensiver als andere Fachbereiche, warum gerade hier nicht die gleichen Schutzmechanismen greifen wie im restlichen Gesundheitssystem, ist für ihn faktisch nicht begründbar. Seit 30 Jahren hat Dr. Ludwig seine Praxis in Tennenbronn. Seine Patient*innen kennt er zum Teil seit vielen Jahren, sogar aus Bad Dürrheim, Geisingen oder Donaueschingen kommen sie. „Oft laufen Behandlungen über einen längeren Zeitraum, das kann ich doch dann nicht einfach unterbrechen“, gibt er zu bedenken. Natürlich sorgt er sich wegen des Ansteckungsrisikos für sich und seine Mitarbeiter*innen („Infizierte ohne Symptome, das ist wie russisches Roulette“) oder wegen des Risikos, die Praxis wegen Quarantäne zeitweise schließen zu müssen.

 

Flexibilität. „Zum Glück hatten wir Schutzmasken und Desinfektionsmittel auf Vorrat, andere hatten das nicht. Und es hat ewig gedauert, bis wieder etwas nachkam“, berichtet er. Dr. Ludwig hat flexibel auf die Lage reagiert: Er macht wie die meisten seiner Kollegen weiter, betreut seine Patient*innen, schiebt aber Neuplanungen zeitlich nach hinten, wo das möglich ist, hat auch nicht unbedingt nötige Zahnreinigungen ausgesetzt. Seine Aufgabe sei es, eine Landzahnarztpraxis zu führen und nicht, politische Statements abzugeben. Aber es nerve ihn, dass die zuständigen Ministerien laufend neue Aussagen machen, dass sie oft ohne wirklichen Kontakt mit der Praxis Entscheidungen treffen und Verordnungen verabschieden. Und er verstehe nicht, dass für andere Arztgruppen ein Rettungsschirm aufgespannt wurde, aber für die Zahnärzt*innen nicht. Dass man diese im Stich gelassen habe, obwohl sie gleiche Belastungen und ein vielleicht noch höheres Ansteckungsrisiko als andere Arztgruppen tragen mussten. Denn der ursprünglich angedachte Rettungsschirm für die Zahnmedizin (analog zu allen anderen Arztgruppen), ist am 5. Mai mit dem Inkrafttreten der SARS-CoV-2-Versorgungsstrukturen-Schutzverordnung zu einer Liquiditätshilfe zusammengeschrumpft, die in vollem Umfang zurückgezahlt werden muss. „Statt echter Hilfen wird den Zahnärzt*innen lediglich ein Kredit zugedacht – verbunden mit der fast schon zynischen Begründung, Zahnärzt*innen könnten ihre Verluste doch im Laufe des Jahres durch Mehr-arbeit weder ausgleichen“, kritisiert Bundeszahnärztekammer-Präsident Dr. Peter Engel die Entscheidung des Bundes.

 

Hohe Kosten. Laufende Kosten wie Miete, Raten für Geräte, Hygienekosten, Materialien und Ausstattung beliefen sich oft auf Fixkosten von 10.000 bis 20.000 Euro pro Monat, je nach Lage und Größe. Die Neugründung einer Einzelpraxis koste zudem durchschnittlich 598.000 Euro, die überwiegend kreditfinanziert ist. „Dabei liegt der Rückgang des Arbeitsaufkommens in den Zahnarztpraxen laut einer repräsentativen Befragung von 950 Zahnarztpraxen bei über 50 Prozent, zwischen 48 und 86 Prozent der befragten Praxen mussten Kurzarbeit beantragen“, beschrieb Dr. Engel die Lage Anfang Mai. Die immensen Verluste ließen sich nicht in anderen Monaten nachholen, dies sei organisatorisch und personell gar nicht möglich. Für die ohnehin oft mit Krediten belasteten Praxen sei diese Situation folgenschwer.

„Welchen Einfluss die Folgen der Coronapandemie und die Erfahrungen mit den Entscheidungen der Politik auf die zahnärztliche Versorgungsstrukturen der Region hat, ist noch nicht absehbar“, stellt auch Ludwig fest. Er befürchtet, dass manche*r Kolleg*in von ihm keine große Lust mehr zum Weitermachen hat.

Johannes Fritsche

 

Fachmesse für Zahnmedizin und Zahntechnik

 

Fachdental Südwest weiterhin in Planung

Ausgabe 8-9, 2020

Die Fachdental Leipzig wäre im Herbst eine der ersten Fachmessen  für die Dentalbranche gewesen, die nach den coronabedingten Absagen zahlreicher Veranstaltungen endlich wieder hätte stattfinden können. Am 3. Juli sah sich die Landesmesse Stuttgart als Veranstalterin  gezwungen, die regionale Dentalfachmesse auf dem Leipziger Messegelände abzusagen. Die Fachdental Südwest ist jedoch weiterhin in Planung, versichert die Landesmesse Stuttgart.


Kontaktplattform. Als einzig verbliebener Branchentreff in diesem Jahr bleibt die Fach-dental Südwest weiterhin in Planung.

 

Grund für die Absage in Leipzig sei die situationsbedingte Unsicherheit gewesen, so die Landesmesse Stuttgart in einer Pressemitteilung, die sich in Ausstellerrückfragen und zuletzt in Absagen bemerkbar gemacht habe. Eine Durchführung im Bundesland Sachsen wäre auch aufgrund des bereits vorliegenden und regierungsseitig genehmigten Hygienekonzepts grundsätzlich möglich gewesen. Andreas Wiesinger, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Stuttgart, bedauert die Absage in Leipzig sehr, „denn damit verliert die Dentalbranche die zentrale Plattform in Mittel- und Ostdeutschland, welche für den Aufschwung im Herbst nötig gewesen wäre“.

Messen sind immer ein Spiegelbild der Branche und können gerade in komplexen Zeiten wichtige Impulse für Branchen bieten. Insbesondere wenn Kundenkontakte über längere Zeit nicht im gewohnten Umfang gepflegt werden konnten, bieten Messen eine zentrale Kontaktplattform für das laufende Geschäftsjahr und zur Vorbereitung von Investitionen für das Folgejahr.

 

Hygienekonzept. Die Landesmesse Stuttgart ist davon überzeugt, dass Messen auch in den gegenwärtigen Zeiten mit entsprechenden Sicherheits- und Hygienekonzepten für alle Beteiligten gut und sicher durchgeführt werden können und für die Dentalbranche möglich gemacht werden sollten. Deshalb werde am Konzept der Fachdental Südwest 2020 von 16. bis 17. Oktober 2020 festgehalten, betont die Landesmesse Stuttgart, um „dem dringenden Bedarf nach dem nun einzigen verbleibenden Branchentreffen in diesem Jahr nachzukommen“.

 

Kammer bleibt Partnerin. Um den Aussteller*innen und Besucher*innen größtmögliche Transparenz und Planungssicherheit zu geben, hat die Landesmesse bereits seit Wochen auf der Webseite der Fachdental Südwest wichtige Orientierungshilfen und ein Sicherheits- und Hygienekonzept in Form eines FAQ-Kataloges bereitgestellt.

Mit den Konzepten zum Gesundheitsschutz soll sichergestellt werden, dass Mindestabstände, eine sorgfältige Kontrolle der Teilnehmerzahl und andere wirksame Maßnahmen der öffentlichen Hygiene gewährleistet werden können. „Die Gesundheit unserer Besucher*innen und Aussteller*innen steht für uns an höchster Stelle, weshalb das Durchführungskonzept laufend an die aktuellen Anforderungen angepasst wird“, betont Andreas Wiesinger.

Die empfohlenen Anpassungen für die Planung des Messeauftritts hat die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg als langjähriger Partner der Landesmesse Stuttgart für die Fachdental Südwest bereits im internen Projektteam besprochen und entsprechende Korrekturen und Anpassungen am Messestand sowie den weiteren organisatorischen Planungen des Messeauftritts vorgenommen. „Nach der schwierigen Coronazeit ist die Zahnärzteschaft zurück auf ihrem Weg zur Normalität“, sagt LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert, „trotz aller Schwierigkeiten blicken wir positiv in die Zukunft. Ich freue mich auf den jährlichen Messebesuch mit unserem Praxisteam und den Gedankenaustausch.“

Andrea Mader