Zahnaerzteblatt.de

 

Kultur

Paragraf 6a der Landesregierung

 

ZBW 6/2020, S. 21 „Standespolitische Arbeit erfolgreich – Aufhebung von Paragraf 6a: Zahnärzte praktizieren wieder uneinge-schränkt“

Ausgabe 8-9, 2020

Ich denke, dass wir als nicht systemrelevant angesehen werden, liegt auch daran, dass wir Zahnärzte nicht wirklich als Ärzte für Mundgesundheit angesehen werden. Dafür gibt es sicher viele Gründe. Ein Beispiel ist die Bezeichnung der medizinischen Studiengänge in Deutschland. Es gibt die Humanmedizin, die Tiermedizin und die Zahnmedizin. Ich frage mich, ist Zahnmedizin nicht auch Humanmedizin? Ich glaube nicht, dass wir juristisch etwas erreichen, um systemrelevant zu werden. Was wir brauchen ist ein anderes Image. Nämlich das Image eines Arztes, der sich für die Mundgesundheit seiner Patienten einsetzt, was die allermeisten von uns jeden Tag auch tun. Ästhetik ist sicher wichtig aber nicht alles. So kann ich den Begriffen Smile-Designe“ oder Praxis für Zahnästheti“ u. a. nichts abgewinnen, um unser Image zu verbessern. Denn der Erhalt bzw. die Wiederherstellung der Mundgesundheit ist es, was uns Zahnärzte als Ärzte auszeichnet. Mittlerweile gibt es doch schon so viele Studien, welche den Zusammenhang von Mundgesundheit und Allgemeingesundheit belegen. Und das muss in das Bewusstsein der Verantwortlichen.

Dr. Engelbert Koch, Hohberg

 

Interview Prof. Dr. Andréa Belliger

 

ZBW 7/2020, S. 14 ff. „Dimensionen der Digitalisie-rung im Gesundheitswesen: Digitale Transformation braucht mehr Vertrauen, Mut und Lei-denschaft“

Ausgabe 8-9, 2020

Selten habe ich drei Seiten derart konsequent durchgeschwurbeltes Wichtigsprech und Denglisch gelesen wie in dem Interview mit Frau Professor Belliger. Was will sie uns eigentlich mitteilen? Ja: Es geht um „neue Geschäftsmodelle“, „Patient*innen als Kunden“ und so weiter, also pure neoliberale Denkmuster, die meines Erachtens in den Heilberufen nur Unheil anrichten. Siehe beispielsweise Großbritannien.

Wir Zahnmediziner sollten nicht so dumm sein, uns diese Art der digitalen Transformation überstülpen zu lassen. Mit sinnfreimächtiger Beredsamkeit werden hier fantastische und theoretische Nutzenerwartungen behauptet; aber für wen denn? Sicher für die Hersteller und Vertriebler von IT-Produkten.

Lassen wir uns wirklich glauben machen, dass dadurch alles besser wird für die Patienten, unsere Mitarbeiter*innen und die Ärzteschaft, die Leute wie Frau Belliger gerne semantisch zu „Leistungserbringern“ degradieren?

Präventive und gute Zahnmedizin lässt sich doch kaum über den Rechner machen. Unseren Erfolg haben wir durch persönliche, vertrauensvolle Bindungen mit Patienten und das persönliche, körperliche Handeln, Behandeln von Patienten.

Im Übrigen: Wenn die deutsche Telematikinfrastruktur wie in Estland, dort anscheinend erfolgreich, mit Blockchain-Technologie geplant wäre – dann würde ich noch einmal darüber nachdenken, auf sie nicht zu verzichten.

Dr. Ulrich Maurer, Tübingen