Zahnaerzteblatt.de

 

Titelthema

Presseaktion zum Tag der Zahngesundheit 2020

 

Du bist, was Du isst

Ausgabe 10, 2020

In diesem Jahr steht das Thema Ernährung im Mittelpunkt des bundesweiten Aktionstages. Das Motto lautet daher: „Gesund beginnt im Mund – Mahlzeit!“. Bedauerlicherweise konnte in diesem Jahr keine öffentlichkeitswirksame Präsenzveranstaltung ausgerichtet werden. Dennoch sollte das Thema die Schreibtische der Redaktionen erreichen. Neben einer Pressemitteilung zum Thema zahngesunde Ernährung erhielten die Pressevertreter zudem ein zahngesundes Sandwich und eine Flasche grünen Tee mit Minze, Himbeeren, Preiselbeeren und Vanille und natürlich auch eine Zahnbürste und Zahnpasta.

 

Die Zahnärzteschaft im Land weiß es zur Genüge: Neben der Vorsorge und der regelmäßigen Zahnpflege kommt vor allem auch der zahngesunden Ernährung eine wesentliche Rolle zu. Was wir essen und trinken hat unmittelbaren Einfluss auf unsere Mundgesundheit. Zucker- oder säurehaltige Getränke und Speisen sollten vermieden werden, doch oft versteckt sich gerade Zucker in Lebensmitteln, bei denen man es auf den ersten Blick gar nicht vermutet, beispielsweise in Ketchup. Vitaminreiche und mineralhaltige Kost da gegen hilft, die Mundgesundheit zu stärken. Aufklärung schadet daher nie.

 

Verantwortung und Vorbild. Anlässlich des Tags der Zahngesundheit 2020 riet der Präsident der Landeszahnärztekammer und Vorsitzender des LAGZ-Vorstandes, Dr. Torsten Tomppert deshalb auch zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, die Zähne und Zahnfleisch der Kinder mit allen Mineralstoffen, die für den Aufbau und die Festigung der Zähne nötig sind, versorgt. Eine besondere Rolle spielt hierbei das Kalzium. „Reichlich Kalzium, gründliches Kauen und wenig Süßes sowie die richtigen Getränke und Trinkgefäße sind in Sachen Ernährung gut für die Zähne.“ Darüber hinaus appelliert er an das Verantwortungsbewusstsein und die Vorbildfunktion der Eltern, auf regelmäßige zahnärztliche Kontroll- und Vorsorgeuntersuchungen zu achten.

Stellenwert Mundgesundheit. Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung, unterstreicht zudem den Zusammenhang zwischen Mund- und Allgemeinerkrankungen. „Kranke Zähne oder entzündetes Zahnfleisch können sich auf den Gesundheitszustand insgesamt negativ auswirken. So sind die Wechselwirkungen zwischen Zahnbetterkrankungen und Diabetes wissenschaftlich nachgewiesen. Ebenso kann ein Zusammenhang zwischeneinem erhöhten Herzinfarkt- oder einem erhöhten Schlaganfallrisikound der Mundgesundheit festgestellt werden.

Prophylaxe durch LAGZ. Angesichts des hohen Stellenwerts der Zahn- und Mundgesundheit kommt den regionalen Arbeitsgemeinschaften der LAGZ Baden- Württemberg e. V. hinsichtlich Prävention und Prophylaxe eine wichtige Rolle zu. „Nicht in allen Familien liegt der Fokus bei der zahngesunden Erziehung“, weiß Dr. Bernd Krämer, Prophylaxereferent der Landeszahnärztekammer. In den regionalen Arbeitsgemeinschaften der LAGZ wirken fast 200 Prophylaxefachkräfte. 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter bis 16 Jahren in ca. 7.000 Kindertagesstätten und 4.100 Schulen werden von ihnen in Kooperation mit Sozialpartner*innen sowie Erzieher*innen, Lehrer*innen und Eltern betreut.

Cornelia Schwarz

 

Parlamentarisches Frühstück anlässlich des Tags der Zahngesundheit

 

Gesund beginnt ab Mund

Ausgabe 10, 2020

Auf eine öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zum bundesweiten Aktionstag wurde in diesem Jahr in Baden-Württemberg coronabedingt verzichtet. Den Tag ohne eine besondere Aktion vorübergehen lassen, wollten die Verantwortlichen aus KZV und Kammer dann doch nicht und so lud das Informationszentrum Zahnund Mundgesundheit (IZZ) die gesundheitspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen im Namen der Körperschaften zum parlamentarischen Frühstück in die Räumlichkeiten des IZZ, wo ein reger Austausch stattfand.

 

„In Baden-Württemberg teilen sich drei Kinder einen kariösen Zahn“, mit diesem überraschenden Satz begrüßte Dr. Torsten Tomppert das frühmorgendliche Auditorium in den Räumlichkeiten des IZZ in Stuttgart. Als Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg und als Vorsitzender des Vorstands der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg e. V. (LAGZ) war er doppelt befugt, diese Erfolgsgeschichte der zahnmedizinischen Prävention an seine Gäste weiterzugeben. Neben ihm an den Rednerpulten standen Dr. Ute Maier, Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung, und Prof. Dr. Johannes Einwag, Leiter des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart (ZFZ).

Politik im Dialog. Unter den Gästen waren die gesundheitspolitischen Sprecher beziehungsweise ihre Vertreter aus allen im Landtag vertretenen Parteien. Für Bündnis 90/Die Grünen war Petra Krebs MdL anwesend, die CDU vertrat Claudia Martin MdL, Rainer Hinderer MdL und Dr. Tanja Schatz repräsentierten die Sozialdemokraten, Jochen Haußmann MdL die FDP und Dr. Christina Baum MdL und Carola Wolle MdL (AfD) vervollständigten die Riege der Landtagsabgeordneten. Ebenfalls unter den Frühstücksgästen waren Dr. Tim Gerhäusser vom Landkreistag Baden-Württemberg, Jörg Klaski (AOK) und Carolin Scheib, Interims-Geschäftsführerin als Vertreter*innen der LAGZ, sowie der Prophylaxereferent der LZK, Dr. Bernd Krämer.

Wissenschaftliche Betrachtung. „Zusammenhänge zwischen Erkrankungen der Mundhöhle und verschiedenen Allgemeinerkrankungen sind signifikant.“ Eindrücklich schilderte Prof. Einwag diese Beziehungen zwischen erkrankten Zähnen oder Zahnfleisch, die durch Ausschwemmung von Bakterien der Mundhöhle mögliche Auslöser für akute Allgemeinerkrankungen, wie beispielsweise Endokarditis oder Lungenentzündungen sein können. In seiner wissenschaftlichen Ausführung betrachtete Prof. Einwag auch das Risiko für die Entstehung oder Verschlechterung chronischer Erkrankungen wie Diabetes oder rheumatische Arthritis und akuter gesundheitlicher Probleme (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall) bei Vorliegen entzündlicher Veränderungen in der Mundhöhle. „Neuere Studien legen sogar einen Zusammenhang zwischen Entzündungen in der Mundhöhle und bestimmten Karzinomen nahe“, so der Experte, der damit die wissenschaftliche und gesamtgesundheitliche Relevanz der Mundgesundheit für die Allgemeingesundheit deutlich machte.


Standespolitische Betrachtung. Nach den wissenschaftlichen Ausführungen nahm Dr. Ute Maier nochmals deutlich Stellung zu den coronabedingten Entwicklungen, die am Karfreitag dieses Jahres ihren Anfang nahmen und deren Auswirkungen auf die Zahnärzteschaft im Land bis heute andauern. „Denn auch wenn die Corona-Verordnung in nahezu allen Medien veröffentlicht wurde, suchte man dort vergeblich nach den Auslegungshinweisen, die deutlich gemacht hätten, dass es keinerlei Einschränkungen bei der zahnmedizinischen Behandlung gibt“, so die KZV-Vorsitzende. Deutlich kritisierte sie die ungleiche Behandlung der Zahnmediziner*innen im Vergleich zu den Ärzt*innen und Heilmittelversorger*innen, die bis heute für absolutes Unverständnis sorgt. Zudem sei es nicht nachvollziehbar, dass die Landesregierung bis heute nicht auf Schreiben von KZV und LZK Baden-Württemberg reagiert hat, die nach Hintergründen und Erklärungen für die der Zahnärzteschaft nicht zuerkannte Systemrelevanz fragten. In diesem Zusammenhang wies Dr. Ute Maier auf eine eklatante Diskrepanz hin: Einerseits wurde der Versorgungsauftrag der Zahn- ärzteschaft durch die Politik eingefordert, dem selbstredend vollumfänglich nachgekommen wurde, parallel dazu mussten die betroffenen Zahnärzt*innen aber auch noch ihre Kinder versorgen, die andererseits nicht von den Betreuungsangeboten der systemrelevanten Berufe berücksichtigt wurden. „Das war despektierlich und abwertend.“



Ungleiche Behandlung. Bislang hat es die Landesregierung abgelehnt, sich an den Kosten für die Schutzkleidung der Zahnärzteschaft zu beteiligen. Dies erfolgte bislang mit der Begründung, dass die Zahnmediziner*innen immer schon Masken gehabt hätten und es sich daher nicht um eine zusätzliche Anschaffung handeln würde. „Wie würden sie sich als eines von fünf Kindern fühlen, dessen vier Geschwister zu Weihnachten Geschenke bekommen, sie aber leer ausgehen“, so Dr. Tompperts Frage ins Publikum. Er forderte deshalb ein Überdenken dieser Entscheidung und bat diesbezüglich um Unterstützung der anwesenden Politiker*innen.


Cornelia Schwarz

 

Seit fast drei Jahrzehnten ein Begriff: Der Tag der Zahngesundheit

 

Gesund beginnt im Mund

Ausgabe 10, 2020

Bereits seit 1991 gibt es den Aktionstag, der die Zahnund Mundgesundheit alljährlich im September bundesweit in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Rund um den 25. September finden Vorträge, Diskussionsrunden, Prophylaxekampagnen und PR-wirksame Veranstaltungen zur Zahnpflege statt. Baden-Württemberg war von Anfang an dabei und zahlreiche Städte im Land sind – teilweise sogar zum wiederholten Male – im Spätsommer Austragungsort des besonderen Events. In diesem Jahr wäre Albstadt-Ebingen der baden-württembergische Nabel der Zahnund Mundgesundheit gewesen, wenn Corona nicht sämtliche Planungen hinfällig hätte werden lassen. Doch einen Blick zurück kann selbst das Virus nicht verhindern.

Nur ein einziges Mal, nämlich im Jahr 1994, fand der Tag der Zahngesundheit nicht als Spektakel auf einem Marktplatz in einer der Städte oder Gemeinden in Baden-Württemberg statt. In all den anderen Jahren wurde das weiße Pagodenzelt als Zentrum der Prophylaxe im September aufgestellt und war mehrere Tage lang Anziehungspunkt für Kindergartengruppen, Grundschulklassen, Lehrer*innen, Erzieher*innen, Interessierte aus Politik und dem Gesundheitsbereich sowie zahlreichen Medienvertreter*innen.

Im ganzen Land vertreten. Stuttgart, Freiburg, Ulm, Mannheim, Karlsruhe, Reutlingen, Heidelberg, Ravensburg, Ludwigsburg, Pforzheim, Göppingen, Lörrach, Aalen, Biberach, Bad Mergentheim, Konstanz, Esslingen, Emmendingen, Gengenbach – die Liste der Austragungsorte des Tags der Zahngesundheit liest sich mit Freude und kaum eine Region, die sich noch nicht mit ihrer Arbeitsgemeinschaft vor Ort beteiligt hat oder es gerne möchte, denn die Liste der Orte, die sich für eine Teilnahme bewerben ist lang.

Bundesweiter Ursprung. Seinen Ursprung hat der besondere Aktionstag in der Gründung des „Aktionskreises Tag der Zahngesundheit“, der sich im Herbst 1990 auf Initiative von 25 verschiedenen Organisationen aus Zahnärzteschaft und Krankenkassen gebildet hatte. Derzeit hat der bundesweite Aktionskreis 30 Mitglieder. In BadenWürttemberg organisiert das Informationszentrum Zahnund Mundgesundheit (IZZ) im Auftrag der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg und in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg (LAGZ) und den regionalen Arbeitsgemeinschaften seit jeher die Veranstaltung.

Bundesweiter Auftakt. Im Jahr 1996 fand die bundesweite Auftaktveranstaltung des Tags der Zahngesundheit in Baden-Württemberg und dort auf dem Stuttgarter Schloßplatz statt. Schirmherrin war damals Kultusministerin Dr. Annette Schavan.

Besondere Zielgruppen. Der Tag der Zahngesundheit stellt jedes Jahr eine andere Zielgruppe in den Fokus. Neben Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen können das auch Menschen sein, die eine Behinderung haben, pflegebedürftig sind oder zu einer sozioökonomischen Risikogruppe gehören. Das jährlich wechselnde Motto wird durch die Vollversammlung des Aktionskreises getroffen, in Baden-Württemberg ging man in manchen Jahren jedoch eigene Wege und vervollständigte das Motto „Gesund beginnt im Mund“ mit einem zu den regionalen Anforderungen passenderen Slogan. In diesem Jahr steht das Thema Ernährung im Mittelpunkt. Das Motto lautet daher: „Gesund beginnt im Mund – Mahlzeit!“ Aus diesem Grund widmete sich die diesjährige Aktion in Baden-Württemberg auch dem Thema gesunde Ernährung.

2020 keine Großveranstaltung. Bedauerlicherweise können in diesem Jahr keine Vertreter*innen aus Politik, der Krankenkassen, der Medien oder der Bevölkerung zum Zähneputzen ins weiße Pagodenzelt geladen werden. Dem Tag der Zahngesundheit wird dennoch Tribut gezollt, denn gesund beginnt im Mund – auch während der Coronapandemie.

Cornelia Schwarz

 

Zahngesundheit von Kindern während Corona

 

Gruppenprophylaxe in Warteposition

Ausgabe 10, 2020

Da während der Coronapandemie die Kindertagesstätten und Schulen im Frühjahr zuerst geschlossen waren und nun mit strengen Hygieneregeln belegt werden, konnte seit Monaten keine Gruppenprophylaxe stattfinden. Viele regionale Arbeitsgemeinschaften Zahngesundheit (AG) mussten daraufhin Kurzarbeit anmelden. Inzwischen gibt es einige regionale Initiativen, um den Kindern in Kitas und Schulen sowie deren Eltern Hilfestellung zu leisten, damit Karies auch während Corona keine Chance hat. Dennoch befindet sich die Gruppenprophylaxe in Baden-Württemberg gerade in einer Art Vakuum, denn es gibt bislang keine grundsätzliche Regelung.

 


In Sachen Gruppenprophylaxe ist Baden-Württemberg stets vorbildlich unterwegs: 37 regionale Arbeitsgemeinschaften Zahngesundheit, die unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit e. V. (LAGZ) agieren, sorgen für eine flächendeckende Betreuung von Kindern in Kindertagesstätten, Grund- und Hauptschulen, außerdem in Förderschulen sowie in weiterführenden Schulen. Dafür sind knapp 200 Prophylaxe-Fachkräfte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes im Einsatz. Unterstützt werden sie von 1350 niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten, die als Patenzahnärzte den regionalen Arbeitsgemeinschaften angehören.

Besuchsverbot. Im Frühjahr 2020 wurde die Gruppenprophylaxe in den Schulen und Kitas aufgrund des Corona-Lockdowns auf null heruntergefahren. Seit Ende Juni laufen die Kitas in Baden-Württemberg zwar wieder im Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen, aber der Zutritt für externe Personen wird zum Schutz der Kinder und Mitarbeiter*innen weiterhin streng gehandhabt. Auch die Grundschulen und weiterführenden Schulen sind seit den Pfingstferien wieder geöffnet. Doch in der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg war bis zu den Sommerferien festgeschrieben, dass außerunterrichtliche Präsenzveranstaltungen und die Mitwirkung außerschulischer Partner am Schulbetrieb bis zum Jahresende nicht stattfinden dürfen. Somit war die Gruppenprophylaxe in den Schulen aufgrund der Corona- Verordnung bis weit in den Sommer hinein kein Thema. Zusätzlich standen arbeitsrechtliche Fragen im Raum sowie die Ausstattung der Prophylaxemitarbeiter*innen und Patenzahnärzt*innen mit geeigneter Schutzausrüstung. Den regionalen Arbeitsgemeinschaften Zahngesundheit war es somit monatelang nicht möglich, ihre Prophylaxeprogramme anzubieten.

Kariesanstieg. Der Prophylaxeausschuss der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg hat in seiner jährlichen Sitzung, die Mitte Mai 2020 in Form einer Videokonferenz stattfand, Befürchtungen geäußert, dass das Kariesgeschehen durch die Einstellung der gruppenprophylaktischen Maßnahmen ansteigen könne. Der Ausschuss empfahl daher dringend, regelmäßig zu prüfen, welche Einschränkungen gelockert werden können.
Kurzarbeit. Das komplette Herunterfahren der Gruppenprophylaxe aufgrund von Corona hat dazu geführt, dass im Frühjahr mehr als die Hälfte der regionalen Arbeitsgemeinschaften Zahngesundheit in Baden-Württemberg Kurzarbeit anmelden musste. Teilweise wirkten die Mitarbeiter*innen der AGs unterstützend bei den Gesundheitsämtern mit, teilweise wurden während des Lockdowns liegengebliebene Arbeiten erledigt oder andere Lösungen gesucht und gefunden.

Initiativen. Die Arbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Zollernalbkreis hat zum Beispiel ihr Prophylaxeprogramm coronabedingt auf die Betreuung von kleinen Gruppen umgestellt und ist mit diesem Konzept auf die Kindergärten der Region zugegangen. Manche Einrichtungen waren sehr dankbar, dass etwas Abwechslung in den tristen Coronaalltag kam und nahmen das Angebot gerne an. Ulrike Nachbar von der AG Zollernalbkreis berichtete, dass etwa jede zweite Kita einverstanden war, die Gruppenprophylaxe auch während Corona stattfinden zu lassen. Die Besuche in den Kindergärten wurden auf mehrere Tage verteilt, weil maximal 12 Kinder pro Gruppe an den Prophylaxemaßnahmen teilnehmen konnten. Nach Möglichkeit wurden die Kinder im Freien mittels Fingerübungen und Singspielen mit den Regeln zur richtigen Zahnreinigung vertraut gemacht. Ein echtes, gemeinsames Zähneputzen konnte in den Einrichtungen aus Hygienegründen natürlich nicht durchgeführt werden.

Digitale Prophylaxe. Ein völlig anderes Gruppenprophylaxekonzept hat das Team der regionalen Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden für Kitas und Grundschulen ausgearbeitet. Die AG setzt auf ein digitales Angebot, um Kitas, Schulen und Eltern wichtige Informationen und Wissen rund um die Zahngesundheit auch in Coronazeiten zugänglich zu machen. Über die Internetplattform „Padlet“ können die Schulen und Kitas auf das Angebot zugreifen. „Neben interaktiven Aktionen gibt es auch zwei liebevoll mit Handpuppen selbst produzierte YouTube-Videofilme, die das Zähneputzen 2.0 vermitteln und allgemeine Informationen zur Zahngesundheit bieten. Zusätzlich sollen Eltern, Erzieher*innen und Lehrer*innen mit Handzetteln, Plakaten und Briefen auf das neue Konzept aufmerksam gemacht werden“, berichtet Sabine Merkel von der Arbeitsgemeinschaft Rastatt.




Einheitliche Regelungen. Damit auch während der Coronapandemie die Gruppenprophylaxe nicht vernachlässigt wird, braucht es einheitliche Regelungen, an die sich alle Beteiligten halten können. So hat die kommissarische Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit e. V. (LAGZ), Carolin Scheib, den regionalen Arbeitsgemeinschaften Informationen zu Hygieneregeln rund um das Zähneputzen, zur Gruppenprophylaxe in den Kitas, Zahnputzübungen sowie Arbeitsschutzhinweise übermittelt. Vonseiten des Kultus- und Sozialministeriums gibt es kurz vor Beginn des neuen Schuljahres noch keinen offiziellen Startschuss für die Wiederaufnahme der gruppenprophylaktischen Maßnahmen in den Schulen. Zwar hat das Kultusministerium BW am 7. August 2020 die Information veröffentlicht, dass Präventionsangebote schulexterner Kooperationspartner*innen oder externer Expert*innen zur generellen Gesundheitsförderung im neuen Schuljahr wieder in den Klassen stattfinden können. Die Entscheidung darüber, ob die Gruppenprophylaxe wieder in den Schulen stattfinden darf, obliegt aber den Schulleiter*innen. Sie sollen auch sicherstellen, dass dieses Angebot möglichst nur klassenweise angeboten wird. Eine Durchmischung von Jahrgangsstufen ist nach den Vorgaben zum Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen möglichst zu vermeiden.

Empfehlungen. Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Uni Bonn Anfang September 2020 Hygieneempfehlungen für das Zähneputzen in Gemeinschaftseinrichtungen veröffentlicht. Unter dem Titel „Mundhygiene in den Zeiten von Covid-19 – jetzt erst recht!“ verbirgt sich eine umfangreiche Checkliste für hygienisch unbedenkliches Zähneputzen in den Kitas. Die Empfehlungen sollen allen Akteurinnen und Akteuren der Gruppenprophylaxe vor Ort Mut machen und sie motivieren, damit das Zähneputzen in den Kitas auch während Corona stattfinden kann. Damit ist zumindest mal ein Anfang gemacht, um die Zähne der Kinder gesund zu halten. Was aber immer noch fehlt, ist ein flächendeckendes Gruppenprophylaxe-Konzept für Kitas und Schulen, auf das sich die regionalen Arbeitsgemeinschaften Zahngesundheit in Pandemiezeiten stützen können.

Claudia Richter

 

Special Olympics Baden-Württemberg

 

Ich will gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, so will ich mutig mein Bestes geben

Ausgabe 10, 2020

Special Olympics möchte Menschen mit geistiger Behinderung mit den Mitteln des Sports zu mehr Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Anerkennung in der Gesellschaft verhelfen. Aber es geht nicht um den Sport allein – Special Olympics versteht sich als Alltagsbewegung mit einem ganzheitlichen Angebot. Ein Beispiel dafür ist das Gesundheitsprogramm Healthy Athletes ® zur Verbesserung von Gesundheit und Fitness. Eines der Gesundheitsprogramme ist „Special Smiles – Gesund im Mund“, für das die Landeszahnärztekammer mit Special Olympics Baden-Württemberg seit 2017 in einer Kooperation verbunden ist.

Seit 14. März musste Special Olympics Baden-Württemberg (SOBW) seine sportlichen Wettbewerbe und das Gesundheitsprogramm wegen der Coronapandemie aussetzen. Welche Auswirkungen hatte das auf die Psyche und die Gesundheit der Athlet*innen? Wir haben nachgefragt bei SOBW-Geschäftsführer Christian Sigg und beim Referenten des Gesundheitsprogramms „Healthy Athletes ® – Gesunde Athleten“ von SOBW, Florian Rauch.

Viele Vorgaben. Am 23. und 24. September fand nach über einem halben Jahr der erste Wettbewerb, das Landes-Leichtathletik-Fest in Ettlingen, statt. Seit dem Lockdown sind etwa 30 Wettbewerbe ausgefallen – einige konnten auf den Herbst verschoben werden, die meisten mussten jedoch abgesagt werden. Für 2020 sind jetzt noch sechs Wettbewerbe geplant. Für die Durchführung dieser sechs verbliebenen Wettbewerbe müssen die Verantwortlichen von Special Olympics viele Vorgaben beachten. „Unsere vulnerable Zielgruppe, Menschen mit Behinderung, ist anfälliger für gesundheitliche Risikofaktoren und als Risikogruppe benötigen sie einen besonders hohen Gesundheitsschutz, entsprechend viele Vorgaben sind zu beachten“, erklärt Christian Sigg. Zu diesen Vorgaben gehören die Bestimmungen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bzw. der einzelnen Fachverbände des DOSB. Der eigene Dachverband, Special Olympics Deutschland hat ebenfalls Vorgaben gemacht. Und letztlich gelten die Hygienevorschriften der Coronaverordnung des Landes mit den zusätzlichen Hinweisen der Werkstättenverordnung. „Wir versuchen die Anmeldung zu den Wettbewerben so reibungslos wie möglich für die Athlet*innen zu gestalten“, berichtet Christian Sigg, „wegen der Registrierung sind wir mit den zuständigen Ordnungsämtern in Kontakt und die Formulare werden im Vorfeld von den Betreuer*innen ausgefüllt“. Dennoch gibt es für viele Werkstätten für Behinderte ein logistisches Hindernis für die Anmeldung: Aufgrund der gebotenen Trennung nach Wohngruppen können nur Athlet*innen, die in den gleichen Kleingruppen in den Werkstätten zusammen arbeiten, in einem Bus zu den Wettbewerben fahren. „Wenn dann vier Busse eine Fußballmannschaft zum Turnier befördern sollen, ist das natürlich unmöglich und wir erhalten eine Absage“, erklärt Christian Sigg. Ein Blick auf den Terminkalender auf der Webseite von SOBW weist viele Wettbewerbe als sogenannte Anerkennungswettbewerbe aus, das heißt durch die Teilnahme und das Erreichen einer guten Platzierung können sich die Athlet*innen für nationale Spiele qualifizieren. „Diese sportlich regulative Seite ist derzeit eher unwichtig“, erklärt Christian Sigg, „es geht vor allem darum, dass die Menschen endlich wieder rauskommen aus ihren vier Wänden, die Geselligkeit steht derzeit im Mittelpunkt, wir führen alle Wettbewerbe unabhängig von der Teilnehmerzahl durch“. Special Olympics ist derzeit eine der wenigen (Sport-)Organisationen, die wieder Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung macht.

TK-Pizza statt Gemüse. Seit dem Lockdown spielte sich das Leben vieler Menschen mit Behinderung ausschließlich in der Wohnung bzw. der Wohngruppe ab. Die Arbeit in den Werkstätten und damit auch die Beschäftigung sind ebenso weggefallen wie die Kommunikation und das Zusammensein mit Freunden und vor allem Angehörigen. „Die Auswirkungen der Kontaktbeschränkungen kennen wir aus unserer eigenen Erfahrung“, erklärt Florian Rauch, „bei Menschen mit geistiger Behinderung sind all diese Problematiken verstärkt“. Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung haben viele Begleiterkrankungen und ein um 40 Prozent höheres Risiko für zusätzliche gesundheitliche Einschränkungen: Hör- und Sehfähigkeit sind eingeschränkt, sie neigen zu Übergewicht und falscher Ernährung und um ihre Zahn- und Mundgesundheit ist es im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung deutlich schlechter bestellt. „Vermutlich haben Viele während der Ausgangssperre lieber eine TK-Pizza verdrückt statt auf gesunde Ernährung mit Obst und Gemüse zu achten; der Spaziergang mit dem Betreuer war eher die Ausnahme als die Regel und sportliche Betätigung gab es vermutlich so gut wie keine“.

Zündende Idee. Die Verantwortlichen bei SOBW waren sich dieser Situation bewusst und „dann hatte unser Sport-Inklusionsmanager die Idee für Online-Wettbewerbe“, erzählt Christian Sigg. Gemeinsam mit einem Praktikanten hat sich Martin Metz einfache Übungen ausgedacht und daraus verschiedene Online-Wettbewerbe kreiert: Kugel-Schreiber-Werfen, Hampel-Männer, Stand-Weitsprung, Leicht-Wurf, Pendel-Lauf, Besen-Hockey. Für jeden Online-Wettbewerb haben die SO-Filmregisseur*innen jeweils einen Film zur Anleitung für die Athlet*innen und einen Film mit einer Zusammenfassung und der Siegerehrung gedreht. Die Filme sind auf dem eigenen You- Tube-Kanal von SOBW zu sehen. 95 Online-Athlet*innen haben an den Wettbewerben teilgenommen. „Es hat uns gefreut, dass auch Mitarbeiter*innen des DOSB und des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) mitgemacht haben“, sagt Christian Sigg. Neben dem You-Tube-Kanal haben die Verantwortlichen von SOBW auch die anderen Social-Media-Aktivitäten verstärkt: Es gibt einen Facebook-Auftritt und einen Instagram-Kanal von SOBW. „Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, während der Kontaktbeschränkung direkt mit unserer Zielgruppe in Kontakt zu treten“.

Gesunder Mittwoch. Das Gesundheitsprogramm von Special Olympics bietet Athlet*innen während regionaler, nationaler und internationaler Sportveranstaltungen kostenlose Beratungen und Vorsorgeuntersuchungen in sieben verschiedenen Gesundheitsbereichen an. Weil das Programm neben Beratungen und Informationen auch Untersuchungen mit körperlichem Kontakt beinhaltet, hat SOBW in Abstimmung mit Special Olympics Deutschland das Gesundheitsprogramm bis Ende September ausgesetzt. Dann entscheidet ein Gremium wie es weitergeht und ob einige Gesundheitsdisziplinen oder Teilprogramme wieder angeboten werden können. „Infektionsnahe Programme wie das Zahn-, Augen- und Ohrenprogramm werden wohl längerfristig nicht stattfinden können“, vermutet Florian Rauch. Aber erneut war Special Olympics um keine Idee verlegen, aus einer Telefonkonferenz, die die Baden-Württemberger mit den Landesverbänden Bayern, Sachsen-Anhalt, Berlin/Brandenburg und Schleswig-Holstein führten, ist die Idee für den „Gesunden Mittwoch“ entstanden. Mit der Video-Reihe „Gesunder Mittwoch“ widmen sich die fünf Landesverbände jetzt jeden Mittwoch einem Thema aus dem Special Olympics Gesundheitsprogramm. Special Olympics Baden-Württemberg war auch schon an der Reihe und hat ein Video zum Thema „Anti-Stressball selbst basteln“ aus der Disziplin „Strong Minds – Innere Stärke“ gedreht. Sämtliche Videos sind auf den Webseiten der teilnehmenden Landesverbände sowie auf deren Facebook- und Instagram-Kanälen zu sehen. Die Resonanz auf den „Gesunden Mittwoch“ ist gut, der bessere Informationsfluss in den Wohngruppen und Werkstätten macht sich bemerkbar. „Die Betreuer*innen kommen jetzt auch wieder besser an Menschen mit Einschränkungen heran“, erklärt Florian Rauch den Erfolg des neuen Angebots.

Mannheim 2021. Kein Beitrag über Special Olympics Baden-Württemberg kann ohne Erwähnung des Ereignisses enden, dem alle Sportler*innen, Betreuer*innen, Helfer*innen und Verantwortlichen entgegenfiebern: Die Landes-Sommerspiele 2021, die nach dem Beschluss des Präsidiums von SOBW an die Stadt Mannheim vergeben wurden. „Die Planungen laufen auf Hochtouren“, berichtet Christian Sigg. „Opening Eyes – Besser Sehen, Fig Feet – Fitte Füße und Special Smiles – Gesund im Mund, diese drei Gesundheitsdisziplinen sollen in Mannheim stattfinden“, ergänzt Florian Rauch, „in einer Halle räumlich voneinander getrennt“. „Im schlimmsten Fall dürfen wir nicht untersuchen, das wäre sehr schade, denn es entspricht nicht unserem Gesundheitsprogramm“, gibt Florian Rauch zu bedenken. Die Planungen laufen deshalb derzeit zweigleisig. Fieberhaft wird auch an einem an die lokalen Gegebenheiten angepassten Hygienekonzept gearbeitet: Die Athlet*innen müssen beim Warten auf die Untersuchungen und Beratungsgespräche getrennt werden, die Zugangs- und Ausgangswege müssen getrennt werden, wegen der Nachverfolgung von Infektionen bedarf es einer detaillierten Registrierung. „Wir erwarten eine komplizierte Helferschulung“, vermutet Christian Sigg. Am 15. Juni 2021 werden die Landes-Sommerspiele unter dem Motto „Gemeinsam stark“ eröffnet. Die Wettbewerbe beginnen dann am 16. Juni 2021 und werden in 16 olympischen Sportarten ausgetragen. Neu dabei: Handball. Passend dazu konnten die Verantwortlichen von SOBW den Hand- ballprofi Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen als Gesicht der Spiele gewinnen.

Andrea Mader