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Fortbildung

Fortbildungsforum (FFZ) Freiburg

 

Kurse laufen wieder an

Ausgabe 10, 2020


Nachdem alle Kurse im FFZ Freiburg aufgrund der Coronapandemie bis zum 15. Juni 2020 abgesagt werden mussten, fand unter strengen Hygieneauflagen nun wieder die erste Fortbildung, der Kursteil III „Praxisverwaltung“ für Zahnmedizinische Fachangestellte, statt. Lesen Sie hier einen Bericht über die erste Veranstaltung.




Der Stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dipl.-Volksw. Christoph Besters und Dipl.-Volksw. Albert Mergelsberg begrüßten die erste Gruppe nach dem Lockdown im Zahnärztehaus Freiburg. Zunächst wurden die strengen Hygieneauflagen, die Laufwege, das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, die Abstandregelungen usw. erläutert.

Christoph Besters führte im ersten Teil der Fortbildung in die grundlegenden Bestimmungen des Berufsrechts für Zahnärzte ein.

Samira Müller, Mitarbeiterin der Bezirkszahnärztekammer Freiburg, erläuterte im Rahmen ihres Unterrichts die rechtssichere, korrekte privatzahnärztliche Abrechnung nach den Bestimmungen der Gebührenordnung für Zahnärzte und der Gebührenordnung für Ärzte, welche durch etliche Workshops vertieft wurden (bei reinen Privatpatienten sowie gesetzlich versicherten Patienten mit außervertraglichen Leistungen).

Festzuschüsse. Annette Maraun-Hipp, Mitarbeiterin der KZV BW, Bezirksdirektion Freiburg, setzte ihre Schwerpunkte bei den gesetzlichen und vertraglichen Grundlagen des Festzuschusssystems, der Erstellung von Heil- und Kostenplänen, den Regelungen bei Härtefällen, den Abrechnungsbestimmungen der BEMA-Nrn. 7b – 100 (ZE), den Festzuschüssen der Befundgruppe 1 bis 7 und den Wiederherstellungsmaßnahmen. Zahlreiche Beispiele halfen dabei, in den anschließenden Workshops das Wissen zu vertiefen.

Abrechnung. Sarah Trotter, ebenfalls Mitarbeiterin der KZV BW, Bezirksdirektion Freiburg, führte durch den BEMA Teil 1 – Kons./Chirurgie sowie durch die Laborabrechnung nach BEL II. Es wurden die einzelnen Positionen, die Mehrleistungen bei Füllungen und die IP-Leistungen intensiv durchgesprochen. Weiterhin wurden die wichtigsten Laborpositionen nach BEL II sowie die Notwendigkeit der Überprüfung der Laborrechnungen besprochen. Alles wurde anhand vieler Abrechnungsbeispiele mit den Teilnehmenden geübt.

Im Seminar bei Sina Schakeit, Mitarbeiterin der KZV BW, Bezirksdirektion Freiburg, waren die Schwerpunkte die BEMA-Abrechnung Teil 2 – Kieferbruch sowie die BEMA-Abrechnung Teil 4 – Parodontologie, der Umgang mit den Richtlinien, das Wirtschaftlichkeitsgebot sowie die Beachtung der verschiedenen Abrechnungsbestimmungen. Mit vielen Beispielen wurden interessante Fälle aus der Praxis besprochen.

Iris Karcher, langjährige Referentin des FFZ Freiburg, unterrichtete das Fach „Praxisorganisation“ und natürlich ihr Lieblingsthema, das „Qualitätsmanagement“ in der Zahnarztpraxis.

Soziale Netzwerke. Im Kursteil „Informations- und Kommunikationstechnologie“ führten Martina Eberhard von der Kaufmännischen Schule Emmendingen, Waltraud Hollstein, Carsten Bock sowie Albert Mergelsberg von der Gertrud-Luckner-Gewerbeschule Freiburg an den Computerarbeitsplätzen im EDV-Schulungsraum des Zahnärztehauses in den sicheren Umgang mit dem Internet und den sozialen Netzwerken ein. Weitere Schwerpunkte waren die elektronische Terminvergabe sowie die Textverarbeitung in der Zahnarztpraxis. Das komplexe Thema der Telematikinfrastruktur mit den damit zusammenhängenden zukünftigen Entwicklungen wurde den Teilnehmenden vermittelt. Alle Teilnehmenden verhielten sich sehr verantwortungsbewusst. Abstandregelungen im Unterricht und bei der Prüfung waren kein Problem, wobei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes „Tagesgeschäft“ ist. Die sonst üblichen Kursbilder als Erinnerung für die Teilnehmenden hatten dieses Mal auch ein anderes Aussehen.

Sie können sich über die Seminare und Fortbildungen auf der Webseite fortbildung.kzvbw.de informieren und online anmelden.

Albert Mergelsberg

 

Forum Rottweil gelingt Präsenz-Fortbildung

 

Statt Hochzeitstanz: Fortbildung mit Distanz

Ausgabe 10, 2020

Abgesagte Fortbildungsveranstaltungen in den letzten Monaten, auch im Forum Rottweil. Die Coronapandemie hat die jährliche Fortbildung für Kieferorthopädie und auch die für Zahnärztinnen und Zahnärzte im Frühjahr 2020 verhindert. Nach den Lockerungen in Baden-Württemberg für Veranstaltungen bis zu 100 Personen gelang nun doch noch am 11. und 18. Juli die Durchführung beider Fortbildungen. Live statt online: Referenten und Teilnehmende haben dies genossen.

Eine spezielle Location, die ehemalige Pulverfabrik im alten Industrieareal „Neckartal Rottweil“ machte es möglich. Dort, wo normalerweise große Hochzeiten mit mehreren hundert Gästen gefeiert werden, konnten die Bedingungen für eine COVID-19-konforme Veranstaltung mit genauen Ablaufplänen und Distanzregeln erfüllt werden. Die Absage von fest terminierten Hochzeitsfeiern machte es möglich. Pech auf der einen, Glück auf der anderen Seite.

Behandlungsergebnis. Über 60 Kieferorthopäden aus ganz Baden-Württemberg fanden sich ein zum Thema „Stabilität – Rezidiv – Retention“. Der Referent, Prof. Dr. Peter Proff von der Universitätszahnklinik Regensburg, wies bereits eingangs darauf hin, dass seit den Anfängen der Kieferorthopädie die langfristige Stabilität eines Behandlungsergebnisses eine wichtige und auch kontrovers diskutierte Fragestellung war und auch heute noch ist. Zahlreiche Untersuchungen an behandelten und unbehandelten Personen zeigen, dass das stomatognathe System sowie das Gesicht einer ständigen Dynamik und einer lebenslangen Anpassung unterliegen (aging) und daher nicht alle Veränderungen als Rezidiv zu werten sind. Erschreckend zu hören: Alterung beginnt bereits im 23. Lebensjahr. Die Rezidiv-Prävention beginnt laut Prof. Proff nicht erst bei Behandlungsende im Sinne einer Retention, sondern bereits bei der Diagnostik und Therapieplanung. Physiologische Tendenzen und Limitationen wie Wachstumsrichtung und funktionelle Befunde haben eine erhebliche Bedeutung für die zu erwartende Stabilität bzw. Instabilität. Nicht alle klinisch auftretenden Veränderungen der Zahnstellung sind Rezidive. Aufgrund von physiologischen und biologischen Merkmalen sind wachstums- oder altersbedingte Veränderungen (tertiärer Engstand) zu berücksichtigen. Bei skelettalen Abweichungen gilt die Regel, frühzeitige, am Wachstumsprozess orientierte Behandlungsmaßnahmen einzusetzen. Auch dadurch werden negative Einflüsse auf die Stabilität reduziert. Überraschend sei die Erkenntnis, so Prof. Proff, dass die frontale Engstandsbildung bei unbehandelten Männern größer ist im Vergleich zu Frauen. Die Ursache hierfür sei unbekannt. Immer wieder Streitpunkt und Dauerthema unter Kieferorthopäden: welche Retentionsmethode ist die beste?“ Laut einer Cochrane-Studie aus dem Jahr 2016 sei kein Retentionsschema klar überlegen. Die Vor- und Nachteile aller bekannten Retentionsvarianten sind individuell zu berücksichtigen.



Allgemeine Zahnheilkunde. Auch in der Fortbildungsthematik für Allgemeinzahnärztinnen und -zahnärzte eine Woche später stand das Kernanliegen der Zahnheilkunde im Mittelpunkt: Halt und Erhalt jedes einzelnen Zahnes.

Die Referenten Prof. Dr. Patrick Schmidlin und Dr. Jens Schug von der Abteilung für Parodontologie der Universitätszahnklinik Zürich zeigten erstaunliche Fälle. Die Zähne waren eigentlich klar und eindeutig extraktionsreif. Und dennoch konnten sie erhalten werden, was für den betroffenen Patienten im Einzelfall ein Gewinn gewesen sei – auch an Lebensqualität. „Kürette gegen Desmotom“, ein provozierender Titel. Was geht und was geht nicht? Kompromittierte Zähne zu erhalten, ist aus parodontologischer Sicht oftmals eine Gratwanderung, die eine umfassende Aufklärung und Beratung des Patienten voraussetzt.

Welche regenerativen Fähigkeiten im Faser- und Knochenbereich des Parodonts stecken, zeigten viele beeindruckende Fallbeispiele von Prof. Schmidlin.

Prothetische Versorgung. Doch auch der Zahnverlust durch nicht mehr zu vermeidende Extraktion, stellt hohe Anforderungen an die weitere Strategie der prothetischen Versorgung. Dazu gehört die Vermeidung bzw. Reduzierung von atrophischen Veränderungen des Kiefers. Wichtig sei laut Dr. Jens Schug, vertikalem und transversalem Verlust des Alveolarkamms durch gewebeschonende Techniken während und nach der Extraktion vorzubeugen. Dies zeigte er in seinem Vortrag auf. Die sekundäre Alveolarkamm-Prävention entweder mit Dentinmatrixproteinen (DMP) oder mit synthetischen Biomaterialien (z. B. easy-graft Classic/Chrystal) sei eine Voraussetzung für langfristige Gewebestabilität. Prof. Schug konnte dies mit deutlichen Beispielen beweisen. Sofortimplantation, verzögerte oder Spätimplantation sowie alle implantatprothetischen Verfahren profitierten von diesen zwischen Biologie und Technik angesiedelten Behandlungsverfahren. Wie wichtig kleinste Details der implantatprothetischen Gestaltung für die biologische Heilungsreaktion des Knochens sind, zeigte Dr. Schug an ausgewählten Fällen auf.



Zahnerhalt. Das Spannungsfeld zwischen fraglichem Zahnerhalt (aus parodontologischer Sicht) und vorschneller Extraktion (aus implantat-prothetischem Blickwinkel) wurde anhand beider Vorträge deutlich. Der aufgeklärte Patient wird an der Entscheidung für eine Behandlungsmaßnahme mitbeteiligt, auch wenn es keine hundertprozentige Sicherheit für den Erfolg gibt. Aber, so Prof. Schmidlin mit Verweis auf die Scheidungs-Statistiken, bei einer Eheschließung gebe es auch keine absolut sichere Prognose für Erfolg und Dauer. Wie gut, dass an diesem Tag in der „Kathedrale“ der Pulverfabrik „nur“ eine Zahnärztefortbildung und keine Hochzeit stattfand. Für Zähne und für Ehen gilt dies: ad multos annos!

Dr. Reinhard Schugg