Zahnaerzteblatt.de

 

Regionen

Blended-Learning-Studiengang an der Universität Freiburg

 

Master Parodontologie und Implantattherapie

Ausgabe 10, 2020

Wie bilde ich mich heute am besten fort? In Zeiten, in denen eine zweite Meinung vor prothetischen Arbeiten und Zahnbehandlungstourismus in Nachbarländer fast schon alltäglich sind, ist das eine Frage, die man sich als Praxisneugründer häufig stellt. Um sich von bestehenden Praxen abzuheben, ist eine Spezialisierung das beste Mittel. Das Angebot in der Zahnmedizin ist umfangreich. Aber wie bekomme ich Praxis, Familie und Weiterbildung unter einen Hut? Das war die große Frage, die mich als dreifachen Vater beschäftigte.


Eine Weiterbildung ist mit erheblichen Ausfallzeiten für die Praxis verbunden – und ebenso auch mit Ausfallzeiten für die Familie. An dieser Stelle bin ich auf den Blended-Learning-Studiengang „Master Parodontologie und Implantattherapie“ der Universität Freiburg aufmerksam geworden. Blended Learning heißt dort das Zauberwort – und möchte genau das ermöglichen: die Vereinbarkeit von Praxis, Familie und Weiterbildung. Möglich wird dies dadurch, dass theoretische Lehrinhalte zuhause vermittelt werden – online. Alle 14 Tage nimmt man abends vor PC, Tablet oder Handy Platz und trifft seinen Studienjahrgang im virtuellen Klassenzimmer, dem VC. Das Programm ist abwechslungsreich: An manchen dieser Termine finden Vorlesungen internationaler Referenten statt, an anderen wird ein komplexer Behandlungsfall von den Teletutoren, die alle Onlinetermine als Lehrpersonen begleiten, vorgestellt und besprochen. Des Weiteren stellt nach und nach jeder Teilnehmer einen eigenen Behandlungsfall aus seiner Praxis vor. Dabei hat man unabhängig davon, welche Art der Onlineschulung gerade stattfindet, immer die Möglichkeit, Fragen an die Referenten zu stellen. Sei es zum Thema selbst oder auch zu eigenen Behandlungsfällen, bei denen man sich unsicher ist.
Als großen Vorteil empfinde ich es, dass die Referenten sowohl von der Uni als häufig auch aus der eigenen Praxis kommen – so werden nicht nur theoretische Fragen beantwortet, sondern durchaus auch solche, die die Abrechnung oder die Integration bestimmter Behandlungsschritte in den Praxisalltag betreffen.

Selbstverständlich kann ein komplexer Studiengang nicht rein virtuell abgehalten werden. Daher finden zusätzlich dreimal jährlich Präsenzveranstaltungen an der Universität Freiburg statt. Diese sind hauptsächlich an Wochenenden und dauern je nach Schwerpunkt zwischen zwei und drei, einmal auch fünf Tage.

Das Masterstudium beginnt mit einer dieser Präsenzveranstaltungen, in deren Rahmen man auf den virtuellen Studienteil und die Grundlagen vorbereitet wird. Daher sind grundlegende Computerkenntnisse völlig ausreichend, um problemlos in den Onlineteil einsteigen zu können.

Sehr gut gefällt mir, dass der Umfang des Studiums weit über den Bereich der Parodontologie hinausgeht: So ist beispielsweise ein Baustein für Ästhetik und Funktion oder (optional) auch die Fachkunde für die digitale Volumentomografie enthalten.

Während der Präsenzveranstaltungen wird umfangreiches praktisches Wissen vermittelt, das durch Übungen an tierischen und Humanpräparaten vertieft wird. Auch hier ist die geringe Gruppengröße von großem Vorteil: So bekommt man die Gelegenheit, sich von den Referenten spezielle Techniken zeigen zu lassen und ihnen bei komplizierten Behandlungsschritten genau über die Schulter zu schauen. In einer weiteren Präsenzveranstaltung wird von jedem Studierenden ein zuvor ausgewählter Patient parodontalchirurgisch versorgt. Die Referenten stehen begleitend und unterstützend zur Seite.

Nun aber zurück zur wichtigsten Frage: Wie funktioniert das mit dem blended learning im Alltag? Nach zwei Jahren kann ich sagen: sehr gut! Dadurch, dass man sich dank der VCs regelmäßig mit dem Stoff beschäftigt, lernt man deutlich effektiver, als wenn zwischen einzelnen Lernphasen einige Monate vergehen. Auch die Kommunikation mit den Kommilitonen bleibt so viel besser bestehen.

Statt viel Zeit dafür zu investieren, meine Ausfallzeiten in Praxis und Familie zu organisieren, sitze ich montagabends vor meinem PC und beschäftige mich mit der Materie selbst. Ich habe jederzeit die Möglichkeit eigene Patientenfälle vorzustellen und zu diskutieren – und das mit Gleichgesinnten, die mit ihren Praxen von Hamburg über Bern bis Wien niedergelassen sind. Aber selbstverständlich freue ich mich auch darauf, bei der nächsten Präsenzveranstaltung mit den Kollegen am Abend ein Bierchen trinken zu gehen.

2020 – in diesem Jahr darf ein Bezug zur aktuellen Corona-Situation nicht fehlen. Durch den dualen Aufbau hat der Onlinestudiengang gleich mehrere Vorteile: Zum einen kann der theoretische Teil planmäßig und ohne Einschränkungen fortgesetzt werden. Zum anderen kann ich mich kurzfristig und über Landes- und Bundesgrenzen hinweg mit meinen Kollegen besprechen und mir so einen Überblick über die Lage in ihren Zahnarztpraxen verschaffen. Dies war für mich gerade am Anfang dieser neuen Lage äußerst hilfreich. Den Blended-Learning-Studiengang „Master Parodontologie und Implantattherapie“ kann ich allerwärmstens empfehlen.

ZA Alexander Lorenz,
Oberthal