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Ergebnisse der Gutachtertagung 2015 der Bezirksdirektion Tübingen der KZV BW

Insgesamt können folgende Ergebnisse festgehalten werden:

• Im Vergleich zwischen OPT (OPG/PSA) und Mundfilm kann festgehalten werden, dass gegebenenfalls ein zusätzlicher exzentrisch angefertigter Mundfilm zur Beurteilung von apikalen Verhältnissen wertvolle Informationen liefern kann als ein OPT.

• Bei Verdacht auf pathologische Veränderungen sind aktuelle Röntgenbilder vom Behandler anzufordern.

• Im Fall von Planungsbegutachtungen sind Mundfilme einem OPT vorzuziehen. Gegenüber dem Patienten, auch aus Sicht des Behandlers, kann man auf die Möglichkeit von DVT-Aufnahmen zur Planung und Beurteilung hinweisen, obwohl diese privat zu liquidieren sind. Dies bleibt dann die Entscheidung des Patienten.

• Bei der Versorgung von wurzelkanalbehandelten Zähnen mit Einzelkronen wurde festgehalten, dass eine strengere Beurteilung zur Überkronung im Hinblick auf eine Gesamtplanung zu treffen sei. Ob ein Behandler Stabilisierungsstifte oder Stiftaufbauten bei der Versorgung einbezieht oder nicht, müsse ihm überlassen werden. Sind jedoch unklare apikale Befunde erkennbar, sollte der HKP nicht befürwortet werden mit dem Vermerk, dass die Vorbehandlungen noch nicht abgeschlossen sind.

• Extensionsbrücken mit Anhänger wurde seitens der Gutachter zugestimmt. Man war sich jedoch einig, dass ein endständiger endodontisch behandelter Brückenpfeiler  ein erhöhtes Frakturrisiko darstellt. Die  Verwendung/Einbeziehung von wurzelkanalbehandelten Zähnen ist Fall prinzipiell kritisch zu bewerten und vom Gutachter eine entsprechende Würdigung der Situation zu leisten.

• Bei Vorliegen einer überstopften Wurzelfüllung waren die Gutachter der Meinung, dass man diese belassen könnte, wenn kein pathologischer Befund vorliegt. Man könnte sich auch bei dem Behandler nach dem Alter der Wurzelfüllung erkundigen, um diese Situation besser beurteilen zu können.

• Ist eine Wurzelkanalbehandlung an einem überkronten Zahn notwendig, waren sich die Gutachter einig, die Krone für die endodontischen Maßnahmen gegebenenfalls zu entfernen. Die Entfernung von Kronen kann gelegentlich sogar ratsam sein (Übersicht Stumpf, Achsrichtung Pfeiler usw.). Abzuwägen sind eventuelle Konsequenzen wie der Erhalt einer vorhandenen Versorgungen (Krone mit Geschiebe/Teleskop o. ä.), da durchaus eine Kompletterneuerung die Folge sein kann, wenn es sich um strategisch bedeutsame Pfeiler handelt.

• Wird ein endodontisch behandelter Zahn in eine Teilprothetik einbezogen  ist dies, da ungünstige Kräfte wirken können, kritisch zu betrachten. Hierbei ist der Zerstörungsgrad des Zahnes zu beurteilen, wenn nötig, durch eine klinische Untersuchung des Patienten. Es ist Aufgabe des Gutachters zu beurteilen, ob die Stabilität des wurzelkanalbehandelten Zahnes für die Gesamtbelastung durch die geplante prothetische Versorgung  ausreichend ist. Bei Bedarf kann eine Empfehlung bzgl. der Insertion eines Stiftes gegeben werden. Im Falle eines fehlenden ferrule-designs  (Fassreifen – design)  müssen entsprechende Einschränkungen oder Bedingungen formuliert werden.

• Bei der Versorgung von Zähnen mit Teleskopen ist es irrelevant, ob es sich bei den Pfeilerzähnen um vitale oder devitale/wurzelgefüllte Zähne handelt. Sind die Wurzelbehandlungen nach den Behandlungs- bzw. Zahnersatzrichtlinen erbracht, können diese Zähne in Teleskopversorgungen einbezogen werden.