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Zahnärzteblatt Baden Württemberg Ausgabe 01/2016

Editorial

Ausgabe 01, 2016

» Ausbildung im Wandel. Durch den Anstieg des Bildungsgrades in der Bevölkerung wird es für Zahnärztinnen und Zahnärzte zunehmend schwerer, Mitarbeiterinnen für die Praxis zu gewinnen. Bereits 51 Prozent eines Jahrgangs schließen die Schule mit der Hochschulreife ab und entscheiden sich lieber fürein Studium als für eine Ausbildung im dualen Bildungssystem. So liegt der Anteil der Auszubildenden mit Abitur in den Zahnarztpraxen bei unter zehn Prozent, und viele dieser ausgebildeten Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) schließen ein Studium der Zahnmedizin an und gehen somit als Praxismitarbeiterinnen wieder verloren. Wie man diesem Trend entgegensteuern kann, hat Dr. Peter Riedel, Vorsitzender der BZK Freiburg, in seinem Leitartikel auf Seite 7 zusammengefasst. Er spricht sich für attraktive Aufstiegsfortbildungen aus, die auch ein duales Studium enthalten können. So würden ein Bachelorstudium an einer Hochschule sowie die Ausbildung in der Zahnarztpraxis parallel ablaufen. Das Ziel ist es, dass die Absolventen nach der Ausbildung unter Beachtung des Zahnheilkundegesetzes ihre beruflichen Handlungsfähigkeiten kompetent und verantwortlich umsetzen, nach dem Grundsatz „Delegation und nicht Substitution“.

» Novellierung. Die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg hat bereits einen Schritt in Richtung Zukunft gemacht und die Fortbildungsordnungen für Zahnmedizinische Mitarbeiter/innen novelliert. Damit ist die Fortbildungslandschaft um die Aufstiegsfortbildungen Dentalhygienikerin Professional und Dentale/r Fachwirt/in komplettiert worden. Wie die Fortbildungsordnungen im Detail strukturiert sind, lesen Sie auf Seite 12 ff. Bei allen Neuordnungen sollte beachtet werden, dass ein Beruf nicht allein durch die Aufstiegsmöglichkeiten attraktiv wird, sondern auch durch die Möglichkeiten, Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren zu können. Wenn die Zahnarztpraxen zusätzlich flexible Arbeitszeitmodelle anbieten und dies entsprechend kommunizieren, haben sie gute Chancen, ihre Mitarbeiterinnen langfristig zu halten.

» Berufspolitik. Die standespolitischen Vertreter in Kammer und KZV starten in die finale Phase der Legislaturperiode, denn im Sommer 2016 wird neu gewählt. Nun gilt es, die laufenden Themen und Fragestellungen abzuarbeiten bzw. die Weichen für die Zukunft zu stellen. Welche Schwerpunkte sich dabei die Landeszahnärztekammer BW in ihrer Vertreterversammlung im Dezember 2015 gesetzt hat, lesen Sie auf Seite 8 ff. Auch bei der Vertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg Ende November 2015 wurde im Sinne der Kollegenschaft zukunftsfähig diskutiert und beschlossen. Die Vorsitzende des Vorstands, Dr. Ute Maier, betonte dabei: „Wir haben den klaren Auftrag, für die Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg die bestmöglichen Lösungen zu erreichen.“ Neben den politischen Themen wie Flüchtlingsversorgung, E-Health-Gesetz und Bürokratiebelastung wurden in der VV u. a. die Arbeitsthemen Vertragswesen, Haushalt und Mitgliederbeiträge behandelt. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 16 ff.

» Stiftungsprofessur. In Deutschland gibt es mehr  als 1000 Stiftungsprofessuren, vor allem in BadenWürttemberg und Bayern. Mit einer Stiftungsprofessur wird eine zusätzliche Hochschullehrerstelle geschaffen, die von privaten Förderern meist für fünf Jahre finanziert wird. Oft wird die Stiftungsprofessur danach in den Haushalt der Hochschule übernommen. Einen Großteil dieser Professuren findet man auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften und den anwendungsbezogenen MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). In der Medizin und in den Gesundheitswissenschaften sind sie auch weit verbreitet, doch in der Zahnmedizin gibt es erst seit Oktober 2015 in Baden-Württemberg eine Stiftungsprofessur, obwohl die zahnmedizinische Forschung hierzulande in der Spitze vertreten ist. An der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Universität Freiburg läuft nun ein neues Projekt, das als Stiftungsprofessur angelegt ist, über das Christian Ignatzi auf Seite 31 ff. berichtet.

» claudia.richter@izz-online.de