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Leitartikel

Berufsbild ZFA attraktiv halten

Der Anteil der Auszubildenden mit Abitur in unseren Zahnarztpraxen liegt unter zehn Prozent. Viele der Abiturienten nutzen die Ausbildung als Sprungbrett für das Zahnmedizinstudium, das heißt sie arbeiten nie im Beruf ZFA. Bereits heute schließen 51 Prozent eines Jahrgangs mit Hochschulreife ab, Tendenz steigend. Der Akademisierungswahn entwertet das duale Bildungssystem.

Immer mehr Schulabgänger und Studieninteressenten entscheiden sich für die Kombination aus Praxisphasen und theoretischen Vorlesungszeiten an einer Universität. Heutzutage ist es sehr anerkannt, dual zu studieren. So haben Studenten an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg im Mittel einen besseren Abiturschnitt als ihre Kommilitonen an Baden-Württembergs Universitäten. Bei der Variante, die von den meisten Studieninteressenten bevorzugt wird und die ich mir für unsere Mitarbeiter vorstellen kann, absolvieren diese zeitgleich zum Bachelorstudium an der Hochschule eine Ausbildung in der Zahnarztpraxis. Die Ausbildung ist dabei in das Studium integriert (ausbildungsintegrierendes duales Studium). Nach erfolgreichem Abschluss können sie dementsprechend einen akademischen Hochschul- und einen Berufsabschluss vorweisen. Um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Vermittlung von Theorie und Praxis zu garantieren, muss die Kammer diesen Studiengang DH zusammen mit der Hochschule entwickeln. Wie bei der klassischen Ausbildung sollen die Studierenden möglichst viel Zeit in der Zahnarztpraxis verbringen. Ziel ist es, Abiturienten eine berufliche Qualifikation zu bieten, die sie nach Delegation im rechtlich zulässigen Rahmen, insbesondere unter Beachtung des Zahnheilkundegesetzes, befähigt, ihre beruflichen Handlungsfähigkeiten kompetent und verantwortlich umzusetzen, nach dem Grundsatz „Delegation und nicht Substitution“.

Wie können wir die Abiturienten als Mitarbeiter für unsere Praxen gewinnen? Hierzu gehören zunächst attraktive Möglichkeiten der Aufstiegsfortbildung. Baden-Württemberg bietet führend in Deutschland seit Jahrzehnten zahlreiche Aufstiegsfortbildungen an. Diese werden kontinuierlich weiterentwickelt. Die Vertreterversammlung der LZK BW hat eine Fortbildungsordnung „Dentale/r Fachwirt/in“ verabschiedet. Die neue Aufstiegsfortbildung baut auf der Fortbildung zur Zahnmedizinischen Verwaltungsassistentin (ZMV) auf und beinhaltet insbesondere die Bereiche Betriebswirtschaft, Personal, Praxisorganisation, Steuerung, Controlling, Buchführung und Statistik. Damit wird eine große Lücke in der Fortbildungslandschaft für ZFAs in Baden-Württemberg geschlossen und den Wünschen von Kollegen und ZMVs, die damit das Fortbildungsniveau einer DH erreichen können, Rechnung getragen. Weiterhin wurden sämtliche Fortbildungs- und Prüfungsordnungen überarbeitet und inhaltlich dem Sprachgebrauch des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) angepasst. Der Deutsche Qualifikationsrahmen ist ein Instrument zur Einordnung der Qualifikationen des deutschen Bildungssystems. Er soll zum einen die Orientierung im deutschen Bildungssystem erleichtern und zum anderen zur Vergleichbarkeit deutscher Qualifikationen in Europa beitragen. Ein/e ZFA kann danach als Dentalhygieniker/in (DH) oder Dentale/r Fachwirt/in Niveau 6 erreichen. Das entspricht dem Niveau eines Meisters und ist gleichrangig mit einem Bachelor-Abschluss. Die Ausund Fortbildung ist so strukturiert, dass ein/e Abiturient/in dieses Niveau in dreieinhalb Jahren erreichen kann. Das ist zwar gut, aber dennoch müssen wir über neue Berufsbilder für unsere Mitarbeiter nachdenken. 77 Prozent der Gymnasiasten wollen studieren. Was liegt hier näher, als ein duales Studium DH? Das duale Studium kommt ursprünglich aus Baden-Württemberg und ist mittlerweile zu einer Erfolgsgeschichte geworden. In den letzten Jahren hat es einen regelrechten Boom erlebt.

Es gibt viel zu tun!

Dr. Peter Riedel, Vorsitzender der Bezirkszahnärztekammer Freiburg