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Berufspolitik

Vertreterversammlung der KZV BW

 

Mit Konsequenz für den Berufsstand

Ausgabe 1, 2016

Lautstark machbare Vorschläge vertreten, strategisch ergebnisorientiert die Vergütung verhandeln, positiv konsequent für den Berufsstand agieren: Nicht wenig Anspruch, den Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier in der Vertreterversammlung (VV) Ende November gegenüber den Delegierten bekräftigte. „Wir haben den klaren Auftrag, für die Kolleginnen und Kollegen in Baden-Württemberg die bestmöglichen Lösungen zu erreichen“, betonte Maier im ZBW-Gespräch. Dies sei stets handlungsleitend für ihre Berufspolitik. Neben politischen Themen wie Flüchtlingsversorgung, E-Health-Gesetz und Bürokratiebelastung gab es in der VV auch Arbeitsthemen: u. a. Vertragswesen, Haushalt und Mitgliederbeiträge sowie das PNA-Projekt.

Dauerproblem Bürokratiebelastung: In Zahnarztpraxen werden durchschnittlich 96 Tage im Jahr für die Erfüllung von Informationspflichten aufgewendet, hat der Normenkontrollrat (NKR) nachgewiesen. Und weiter: Bürokratiekosten entstehen in Zahnarzt- und Arztpraxen im Jahr in Höhe von sage und schreibe ca. 4,33 Milliarden Euro. Der NKR liefert aber nicht nur die Analyse, sondern auch „konkrete Handlungsempfehlungen zum Abbau von Bürokratie, diese unterstützen wir, damit die Kolleginnen und Kollegen mehr Zeit für die Behandlung bekommen“, so Dr. Ute Maier. Die Berufspolitik ist unisono gefordert: Künftig solle frühzeitig im Vorfeld der bürokratische Aufwand abgeschätzt werden, damit für die inhaltliche Beratung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) belastbare Zahlen vorliegen.

Flüchtlinge. Die Bewältigung des Flüchtlingsansturms in Deutschland betrifft auch die Zahnärztinnen und Zahnärzte unmittelbar. Aufgrund der zahlreichen, oft auf Unsicherheit über den Umgang mit der Problematik beruhenden Anfragen von Zahnärzten hat die KZV BW „sehr schnell einen Fragen-Antwortkatalog, eine sogenannte FAQ-Liste, erstellt und auf der Website veröffentlicht“, so Maier. Informiert wird hier u. a. über die Voraussetzungen für einen Leistungsanspruch eines Asylbewerbers auf zahnärztliche Behandlung. Klargestellt wird, welche Leistungen in Baden-Württemberg auf Grundlage der bestehenden Rahmenvereinbarung zwischen dem Landkreis- und Städtetag und der KZV BW erbracht werden können. „Wir sind da schon recht weit“, so Maier. Bundesweit ist die FAQ-Liste auf große Resonanz gestoßen und selbst auf der VV der KZBV Ende Oktober vom Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Eßer als nützlicher Leitfaden hervorgehoben worden.

Maier erläuterte weiter, dass die Regelungen des § 4 Asylbewerberleistungsgesetz „im Übrigen keine Vorgaben über die Vergütungsmodalitäten“ machen. Hier bestehe zwischen KZV und Sozialhilfeträgern Gestaltungsspielraum. In Baden-Württemberg seien feste Vergütungsbedingungen vereinbart und damit „mittelbar die Vergütung des Zahnarztes für die Behandlung des Asylbewerbers geregelt“ worden. Ausgabenobergrenzen in der Art eines Budgets seien nicht vereinbart. Die Bestimmungen des Honorarverteilungsmaßstabs (HVM) der KZV BW würden nicht gelten, da dieser nur die vertragszahnärztliche Versorgung betreffe. Erbrachte Leistungen für Asylbewerber würden auch nicht in Wirtschaftlichkeitsprüfungen nach § 106 SGB V einbezogen. „Das nennt man aktives vom SGB V differenziertes Vertragsmanagement“, betonte die Vorstandsvorsitzende.

Gleichwohl sind elementare Probleme nach wie vor ungelöst: das Zuständigkeitswirrwarr – Integrationsministerium, Städte- und Landkreistag und Regierungspräsidien schieben sich gegenseitig die Zuständigkeiten und die Verantwortung zu – müsse endlich entflochten werden. Auch bedürfe es der Festlegung klarer Regelungen wie die Behandlung vor Ort im Zusammenspiel mit allen Beteiligten wie Zahnärzten, Mitarbeitern der LEAs, BEAs und Notunterku?nfte, Sozialarbeitern und Ehrenamtlichen erfolgen könne. Und last but not least seien auch Fragen zu klären etwa hinsichtlich der Erbringung von Prophylaxeleistungen und deren Abrechnung. Dies insbesondere dann, wenn schon klar sei, dass die Aussicht auf ein Bleiberecht gegeben sei und somit sich die Frage stelle, ob Prophylaxe und Zahnerhalt langfristig nicht kostengünstiger seien, als die kurzfristig als billigste erscheinende Behandlung, z. B. die Extraktion. Maier: „Wir helfen sehr gerne, wir versorgen die Menschen, wir leisten ehrenamtlich Hilfe – es darf aber einfach nicht passieren, dass die Hilfeleistenden überfordert werden.“

E-Health. Vehement verwahrten sich die Delegierten mit einer einstimmig verabschiedeten Resolution gegen die im Entwurf des E-Health- Gesetzes vorgesehenen Sanktionsregelungen bei Überschreiten der vorgesehenen Fristen für den Beginn des „Online-Rollout“ und die Anwendung des „Versichertenstammdaten- Managements“. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten der Industrie bei elementaren Produkten sei bereits erkennbar, dass die gesetzlichen Fristen für den „Online-Rollout“ und der vorgesehene Starttermin für die Telematikinfrastruktur nicht einzuhalten seien. Nichtsdestotrotz hat der Bundestag in der Woche nach der VV das E-Health-Gesetz beschlossen.

„Nach den aktuellen Zeitplänen der gematik kann der Rollout weiterhin im Jahr 2016 beginnen, sodass die gesetzlich vorgesehenen Sanktionen nicht greifen müssen“, bemerkte das Bundesgesundheitsministerium. Von der Industrie, den Ärzten und Krankenkassen erwarte man, dass „sie mit Hochdruck daran arbeiten, Arztpraxen und Krankenhäuser an das neue Netz anzuschließen, damit die Telematikinfrastruktur endlich den Patientinnen und Patienten zugutekommt“. Das Gesetz bedarf nicht der Zustimmung des Bundesrates und kann daher Anfang 2016 in Kraft treten.

Vertragswesen. Auf Basis der detailliert ausgearbeiteten Vertragsstrategie kombiniert mit der in Baden-Württemberg sehr guten Vertragspartnerschaft mit den Krankenkassen waren die Vergütungsverträge in 2015 so frühzeitig unter Dach und Fach, dass diese im Wesentlichen schon in der VV Ende Juni beschlossen worden waren. „Ute Maier leistet ganz hervorragende Arbeit, immer wieder werden sehr gute Ergebnisse erzielt“, hob Dr. Uwe Lückgen, Sprecher des Landesbeirates, in der VV hervor.

Von den Delegierten mehrheitlich verabschiedet wurden nach eingehender Diskussion die „Eckpunkte in der Vertragspolitik“ des Landesbeirates. Hintergrund hierfür ist ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 30.10.2013, in dem dieses die rechtliche Einordnung der Zuständigkeiten des Vorstandes und der Vertreterversammlung (VV) der KZV BW vorgenommen und der VV „einen steuernden Einfluss durch abstrakte Vorgaben für den Abschluss von Verträgen“ zugewiesen hat. An diese Vorgaben sei der Vorstand im Innenverhältnis gebunden. Gleichzeitig stellte das BSG klar, dass die vom Gesetzgeber gewollte Außenvertretung der KZV durch den hauptamtlichen Vorstand nur umsetzbar sei, wenn „der Vorstand den Kern der Außenvertretung, nämlich das Vertragsgeschäft im Kollektiv- und Selektivvertragssystem, in der Hand hat“. Dies wäre nach dem Bundessozialgericht nicht mehr der Fall, wenn die vom Vorstand abgeschlossenen Verträge nur wirksam seien, wenn die Vertreterversammlung mit Mehrheit zustimmen würde.

Lückgen betonte, dass man mit den Eckpunkten einen „gewissen Rahmen vorgeben“ und diese „keineswegs als ein Korsett der Vertragspolitik“ sehen wolle. „Die Eckpunkte sind nicht in Stein gemeißelt, wir werden das Papier weiterentwickeln, das muss man positiv sehen“, stellte Lückgen klar. Die Vorstandsvorsitzende dagegen betonte, dass sie „nicht glücklich“ mit manchen eher einengenden und starren Punkten sei. Die Möglichkeit für ein schnelles und flexibles Reagieren in der Vertragsverhandlung sowie eine nach vorne gerichtete Vertragsstrategie seien dadurch nicht mehr gegeben.

Senkung. Solide gewirtschaftet, weniger Haushaltsmittel in 2015 aufgewendet als veranschlagt: „Die Verwaltungskostenbeiträge für 2016 können gesenkt werden, nach zehn Jahren KZV BW sind wir beim Beitragssatz unter der Schwelle von 2005“, so Ankündigung und Bilanz des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Christian Finster. Dank Controlling und Finanzmanagement behalte man stets die Kosten sehr genau im Auge, zugleich habe man die Fusion bewältigt, Rückstellungen für die Altersversorgung gebildet, Immobilien werthaltig und wertsteigernd bewirtschaftet – dies alles bei fallendem Zinssatz. Die Zustimmung hierzu, die Entlastung des Vorstandes und die Verabschiedung des Haushaltes 2016 waren Formsache.

Abrechnungsmodul. Auf ein EDV-Großprojekt machte stellvertretender Vorstandsvorsitzender Christoph Besters die Delegierten aufmerksam: das Projekt Neuentwicklung des Abrechnungssystems, kurz PNA, das vom „Zentrum für Informationstechnologie“ (ZIT) für die vier Mitglieds-KZVen Baden- Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Hessen umgesetzt wird. Besters: „Aufgrund einer Änderung der Strategie des Software-Anbieters ergibt sich die Notwendigkeit, den gesamten Bereich der zahnärztlichen Abrechnung in ein neues EDV-Programm zu fassen.“ Das Projekt selbst läuft über vier Jahre, das Finanzvolumen liegt bei über sechs Millionen Euro.

Termin. Die nächste VV der KZV BW findet am 24. und 25. Juni 2016 in Donaueschingen statt.

guido.reiter@kzvbw.de

Kommentar

Weiterhin erfolgreich

Die Vertreterversammlung als das höchste ehrenamtlich besetzte Organ einer KZV hat ihre Aufgabe wahrgenommen, im wichtigsten Geschäftsfeld einer KZV, der Vertragsgestaltung mit den GKV-Kassen, Eckpunkte zu formulieren. Eigentlich ein „Selbstgänger“, aber offensichtlich doch nicht so ganz unproblematisch.

Nachdem das Bundessozialgericht Ende 2013 eine Klage der KZV BW bezüglich Mitsprache der VV bei Vertragsabschlüssen abgewiesen und dazu die alleinige Kompetenz des Vorstandes festgestellt hatte, stellte sich die Frage, welche Einflussnahme die VV bei Vertragsverhandlungen überhaupt noch habe. In der Urteilsbegründung verwies das Gericht auf die Möglichkeit, Vertragseckpunkte als Vorgaben für Vertragsverhandlungen zu formulieren und zu verabschieden. Dieser Aufgabe hatte sich der Landesbeirat angenommen und in zahlreichen Diskussionen untereinander wie auch gemeinsam mit dem Vorstand Eckpunkte in der Vertragspolitik erarbeitet und konsentiert, die der VV nun zur Abstimmung vorlagen.

Unterschieden wurden die Eckpunkte für Kollektiv- und Selektivverträge mit einer Ergänzung für politische Forderungen wie z. B. nach Abschaffung der Budgetierung und der Degression. Es wurde sehr darauf geachtet, keine ultimativen Forderungen aufzustellen, damit der Vorstand handlungsfähig bleibt. Die VV-Mitglieder waren u?ber die Bezirksgruppen im Vorfeld informiert worden, um größtmögliche Transparenz in der Entscheidungsfindung zu gewährleisten.

Die Diskussion in der VV bezog sich interessanterweise in erster Linie auf die Eckpunkte für Selektivverträge, die schon seit 2009 mit dem Vorstand abgestimmt und der VV bekannt gemacht worden waren. Es wurden lediglich einige Präzisierungen vorgenommen. Den erfolgreichen Vertragsabschlüssen seitens des Vorstandes haben diese Eckpunkte seitdem offensichtlich nicht im Wege gestanden. Das hat wohl auch die große Mehrheit der Delegierten so gesehen, die der Verabschiedung der Eckpunkte in der vorliegenden Form zustimmte.

Gelassenheit ist also angesagt, die erfolgreiche Vertragspolitik des Vorstandes wird sich auch mit den nun vorliegenden Eckpunkten nicht ändern.

Dr. Hans Hugo Wilms

 

Gutachtertagung im Zahnärztehaus Freiburg

 

Die Macht der Sprache im Gesundheitswesen

Ausgabe 1, 2016

Einer festen Tradition folgend, finden im jährlichen Wechsel Gutachtertagungen einmal landesweit und im Folgejahr in den körperschaftlichen Untergliederungen statt – 2015 nun stand die „kleine“ südbadische Gutachtertagung im Zahnärztehaus Freiburg an. Erneut wurde diese körperschaftsübergreifend von der Bezirksdirektion Freiburg der KZV BW und der Bezirkszahnärztekammer Freiburg gestaltet. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer füllten den großen Hörsaal des FFZ.

Entwicklungen. Als „Filmriss“ bezeichnete der Gutachterreferent der beiden zahnärztlichen Körperschaften im Zahnärztehaus Freiburg die Kündigung der Vereinbarung zu den Gutachterstellen in den vier Bezirksdirektionen der KZV Baden-Württemberg zum 1.1. bzw. zum 1.4. des Jahres 2015. Seither beauftragen die Krankenkassen die Vertragsgutachter direkt.

Dieses Prozedere birgt für die Gutachter jedoch einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand z. B. bei der Beschaffung der für die Begutachtung erforderlichen Unterlagen. Ferner führt dies auch zu Verschiebungen bei der Frequenz der Gutachtenauftragsvergabe durch die Krankenkassen und zu einer fehlenden Rückkopplung zwischen den Gutachtern und ihrer Körperschaft. „Uns ist da etwas ganz Wesentliches verloren gegangen“, so der Kommentar des Gutachterreferenten zu diesem Thema.

Neuerungen. Mit aktuellen Neuerungen aus der Gutachtervereinbarung zwischen KZBV und dem Spitzenverband der Krankenkassen begann die Vorstandsvorsitzende der KZV BW, Kollegin Dr. Ute Maier, ihren Bericht. Sie erläuterte wesentliche Änderungen bei der Benennung von Gutachtern und bei der Betreuung von Neugutachtern.

Jeder KZV ist es seither freigestellt, gesamtvertraglich zu vereinbaren, ob als zweitinstanzliches Verfahren im Prothetikbereich das Obergutachtenverfahren oder der Prothetikeinigungsausschuss eingesetzt werden soll. Auch die Bereiche Qualitätsverbesserungen und PEAVereinbarung stießen auf großes Interesse des Auditoriums, haben doch beide wesentliche Auswirkungen auf die gutachterliche Tätigkeit im Vertragszahnarztwesen.

Sicht des Juristen. „Die Macht der Sprache“ – das Tagungsmotto wurde von Dr. Dirk Liebold, Fachanwalt für Medizinrecht, aufgegriffen, der gutachterliche Aussagen und Wertungen aus Gerichtsgutachten aus juristischer Sicht – und aus der des vornehmlich mit der Vertretung von Patienteninteressen Betrauten – kommentierte.

Rechtsanwalt Liebold legte den Fokus seiner Ausführungen auf die Definition des allgemein anerkannten fachlichen Standards mit den damit verbundenen Auswirkungen Behandlungsfehler und haftungsrechtliche Relevanz bei Pflichtenverstoß gegen diesen Standard.

Seine zentrale Forderung an die Gutachter zielte auf Klarheit und Eindeutigkeit gutachterlicher Wertungen. Wichtig hier seine Ausführungen zum missverständlichen Gebrauch der Sprache, den er u. a. an dem Wort „unverständlich“ festmachte: Ein „unverständliches Vorgehen bei einer Behandlung“ ist nur für den Zahnarzt aus zahnmedizinischer Sichtweise unverständlich, für den Juristen indes ist dieses Wort ein Ansatz für eine Beweiserleichterung – auch hier: Macht der Sprache!

Macht der Sprache. Wie mächtig Sprache in der Tat sein kann, stellte Vanessa Siegel, M.A. unter Beweis, in dem sie mit einem furiosen, fünfundvierzigminütigen Parforceritt Beispiele präsentierte, in denen Sprache tatsächlich die Welt veränderte. Dies gelang der Freiburger Sprachwissenschaftlerin unterhaltsam und überzeugend zugleich, die mit einem humorvollen Exkurs in die Reduktion der Sprache durch Mitbürger mit Migrationshintergrund und in die sogenannte Kiezsprache die Teilnehmer in die Mittagspause entließ.

Privat- und Gerichtsgutachter. Den zweiten Teil der Gutachtertagung bestritten Privat- und Gerichtsgutachter der Bezirkszahnärztekammer Freiburg, die mit interessanten Fallpräsentationen zum Gelingen der Veranstaltung wesentlich beitrugen.

Aus dem Bereich GOZ stellte Kollege Dr. Gert Krieg, der auch das Amt des GOZ-Referenten der BZK Freiburg innehat, den in der Tat außergewöhnlichen Fall „das teure Provisorium“ vor, welcher die Vorstellungskraft zahlreicher Teilnehmer forderte.

Dr. Conrad Gast berichtete über „den eskalierten GA-Fall“ und zeigte auf, wie trotz einwandfreiem körperschaftlichen Vorgehens ein Mängelgutachten sich negativ weiterentwickeln kann.

Dr. Markus Denzel stellte einen Fall aus seiner gerichtsgutachterlichen Tätigkeit vor, den einer „Bisshebung mittels Zahnersatz“, ein Thema, das das Zeug zum Dauerbrenner hat.

Wie sehr die drei Referenten den „gutachterlichen Nagel auf den Kopf getroffen“ haben, zeigte die rege Diskussion im Anschluss an die Kurzreferate.

Ausblicke. 2016 wird es wieder eine „große“, landesweite Gutachtertagung geben, ebenso wie die diesjährige in Freiburg körperschaftsübergreifend organisiert und inhaltlich bestückt.

Mit einem Hinweis auf diese Veranstaltung und einem Ausblick auf die nächste Gutachtertagung im Zahnärztehaus Freiburg am ersten Oktobersamstag 2017 fand eine mit relevanten Informationen prall gefüllte Veranstaltung für die südbadischen Gutachterinnen und Gutachter ihren Schlusspunkt.

Dr. Georg Bach

 

Vertreterversammlung der BZK Stuttgart

 

Kein Nachlassen auf der letzten Etappe

Ausgabe 1, 2016

Die Vertreterversammlung der Bezirkszahnärztekammer (BZK) Stuttgart tagte am 19. November 2015 im Zahnärztehaus Stuttgart, um das Haushaltsjahr 2014 abzuschließen, das Jahr 2015 thematisch Revue passieren zu lassen und sich auf die letzte Etappe der laufenden Legislaturperiode vorzubereiten.

Dr. Konrad Bühler machte die Delegierten der BZK Stuttgart darauf aufmerksam, dass dies sein letztes Jahr als Vorsitzender der BZK Stuttgart sein werde, weil er bei den nächsten Wahlen nicht mehr kandidieren werde. Trotzdem gelte es, im kommenden Jahr berufspolitisch nicht nachzulassen und wichtige Themen weiter zu verfolgen, wie z. B. die Behandlung von Flüchtlingen, die EU-Transparenz- Initiative oder die Bindung von berufspolitischem Nachwuchs.

Handlungsfelder. Gerade der Strom an Flüchtlingen stellt die Zahnärztinnen und Zahnärzte tagtäglich vor neue Herausforderungen, weil viele Dinge im Rahmen der Notfallbehandlung bislang nur unzureichend geklärt sind, wie viele Wortbeiträge bei der VV zeigten: u. a. das Infektionsrisiko, die Einhaltung der Patientenrechte, die sprachliche Barriere, die Übernahme der Kosten usw. Hier sind dringend gesetzliche Neuregelungen vonnöten, um für die Zahnärzteschaft und Patienten einen sicheren Behandlungsrahmen zu schaffen. Dr. Bühler stellte in seinem Bericht die wichtigsten Themen zur Diskussion, die aus seiner Sicht für die Zahnärzteschaft einen besonderen Handlungsbedarf ergeben, so z. B. die EU-Transparenz-Initiative, die durch Liberalisierung und Deregulierung des Marktes massiv die Vorteile der Freiberuflichkeit angreift, um letztendlich merkantilen Interessen den Vorzug zu geben.

Weiterer Handlungsbedarf ergibt sich auch bei den Heil-Hilfsberufen, die zunehmend akademisiert werden sollen oder beim Masterplan Medizinstudium 2020, der von der Politik (trotz abgestimmter neuer Approbationsordnung) initiiert wurde, aber ohne die Zahnärzteschaft dabei einzubinden. Und es wird weiterhin schwierig bleiben, junge Zahnärztinnen und Zahnärzte für die Standespolitik zu gewinnen. Zahlreiche Bemühungen der Kammer u. a. vom Arbeitskreis „Future Now“ sowie die Angebote der KZV BW führen insgesamt nur zu mäßigem Erfolg. Die Zahnärzteschaft darf aber nicht nachlassen, um die „Jungen“ von der Notwendigkeit der Arbeit in den Körperschaften zu überzeugen. Hier ist immer wieder der persönliche Kontakt gefragt.

Patientenberatung. Dr. Bernd Krämer vom Vorstand der BZK Stuttgart berichtete den Delegierten, dass die Unabhängige Patientenberatung (UPD) derzeit einen internen Anbieterwechsel vollziehe und mit ihrer Umstrukturierung beschäftigt sei. Die Zahnärzteschaft Baden-Württemberg sollte dieses „Vakuum“ zum Anlass nehmen, die Öffentlichkeit auf die Qualität ihrer eigenen zahnmedizinischen Patientenberatung aufmerksam und der UPD auf diesem Gebiet Konkurrenz zu machen. Es gilt, den Zahnärztinnen und Zahnärzten zu vermitteln, dass die zahnmedizinische Patientenberatung ein Instrument zur Qualitätssicherung ist, bei dem es letztendlich auch um die Patientenzufriedenheit geht. Die Praxen können durch diese Form der Transparenz davon nur profitieren.

Schlussspurt. Dr. Konrad Bühler möchte auf seiner letzten Etappe als Vorsitzender der BZK Stuttgart in seiner berufspolitischen Arbeit nicht nachlassen, denn sein Ziel ist es, im nächsten Jahr ein gut aufgestelltes Haus zu übergeben und den Weg vorbereitet zu haben, auf dem der neue Vorstand in die Zukunft gehen kann. Die finanzielle Lage ist durch die zuverlässige Haushaltsführung in den vergangenen Jahren von Geschäftsführerin Christine Martin auch im Jahr 2016 gut abgesichert, somit gilt es vor allem die genannten Themen weiterzuverfolgen, um im Sinne der Kollegenvertretung zukunftsfähig zu bleiben. Dr. Bühlers eindringlicher Appell richtet sich zum Schluss an seine Delegierten. Sie sollen ihre Kollegenschaft ermuntern, im nächsten Sommer zahlreich zur Wahl zu gehen, um aktiv die Geschicke der Körperschaften zu bestimmen.

claudia.richter@izz-online.de

 

Vorlesungsreihe Berufskunde an der Universität Heidelberg

 

Fit für den Beruf

Ausgabe 1, 2016

In der dritten Auflage veranstalten die Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg die Vorlesungsreihe „Berufskunde“ an der Universität Heidelberg. Bei der Einführungsveranstaltung im Oktober gab es einen ersten Überblick für die Studenten, die sich im Lauf des Semesters in mehreren Veranstaltungen über die Strukturen der zahnärztlichen Selbstverwaltung informieren. 

 

Der Vorsitzende der Bezirkszahnärztekammer (BZK) Karlsruhe, Dr. Norbert Engel, und der Vorsitzende der Bezirksgruppe Karlsruhe der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KZV BW), Dr. Uwe Lückgen, führten wie schon zuvor sach- und fachorientiert in die Themen der Veranstaltungsreihe ein. Die angehenden Zahnärztinnen und Zahnärzte erfahren im Lauf des neunten und des zehnten Fachsemesters aus erster Hand von den erfahrenen Standespolitikern, die Aufgaben und Pflichten der Selbstverwaltung ihres Berufsstands. „Das liegt uns am Herzen, weil es oft hieß, dass dieser wichtige Stoff nicht vermittelt wird“, sagte Dr. Norbert Engel, der betonte, dass er die Kammer auch als Serviceleister für den Nachwuchs sieht. Die Kammer steht immer mit Rat und Tat zur Seite, wenn es z. B. um rechtliche Fragen oder um Praxisfragen geht. Diese Einstellung hat Dr. Norbert Engel und den anderen Dozenten in den vergangenen beiden Jahren großes Lob der Studentinnen und Studenten eingebracht. Für die Universität bestand deshalb kein Zweifel daran, die Vorlesungsreihe auch in der dritten Auflage fortzuführen.

Einführung. Dr. Norbert Engel erläuterte den Studentinnen und Studenten auf anschauliche Art und Weise, was eine freie Berufsausübung mit sich bringt: „Freie Berufsausübung bedeutet, dass ich eine Person bin, die sich eigenständig entwickelt, ethische Grundsätze beachtet und Verhaltensregeln hat, wie man sich in der Öffentlichkeit präsentiert und die Achtung der Öffentlichkeit wahrt“, sagte er. „Wir sind von unserem Wissen und unsere Qualifikation abhängig. Die Patienten vertrauen drauf, dass sie ihr Wissen persönlich stellen.“ 

In den weiteren Veranstaltungen informieren ausgewählte Dozenten über Themen wie rechtliche Grundlagen für die zahnärztliche Berufsausübung, die zahnärztlichen Gebührenordnungen BEMA und GOZ, Gesundheitsökonomie, die Assistenzzeit und Zulassung zur vertragszahnärztlichen Versorgung oder Perspektiven nach dem Examen aus Sicht der Berufsvertretung anhand von Erfahrungsberichten von Jungzahnärztinnen und Jungzahnärzten. 

Wichtige Kenntnisse. Im Lauf des Winter- und Sommersemesters sind die einzelnen Themen der Vorlesungsreihe in Blöcke aufgeteilt. Für die anstehende Assistenzzeit gibt es einen großen Block über rechtliche Aspekte. Dinge, die im Berufsleben ganz konkrete Auswirkungen haben werden. „Nach dem Examen wird das hochrelevant“, versprach Dr. Engel. 

Die ersten Blöcke der Vorlesungsreihe bilden die umfassende Vorstellung der Körperschaften. Zum Schluss der Einführungsveranstaltung gaben Dr. Lückgen und Dr. Engel den Studenten eines mit auf den Weg: „Das Wichtige ist, dass Sie uns als Partner empfinden. Sowohl die KZV als auch die Kammer.“ 

christian.ignatzi@izz-online.de