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Kultur

Ein Renaissancefürst im Zeitalter der Reformation

 

Herzog Christoph von Württemberg

Ausgabe 1, 2016

Anlässlich des 500. Geburtstags von Herzog Christoph von Württemberg im Jahr 2015 zeigt das Landesmuseum im Alten Schloss eine Ausstellung, die den Renaissanceherrscher, sein Wirken und seinen Nachruhm zum Thema hat. Herzog Christoph lenkte die Geschicke Württembergs von 1550 bis 1568. Während seiner Regierungszeit etablierte er die Reformation endgültig, förderte die Bildung und entfaltete eine rege Bautätigkeit.

Christoph von Württemberg wurde am 12. Mai 1515 in Urach geboren. Seine Eltern waren Herzog Ulrich von Württemberg und Sabine, eine bayerische Prinzessin. Nur wenige Monate nach seiner Geburt floh Christophs Mutter vor ihrem cholerischen Ehemann zu ihren Angehörigen nach München. Im Jahr 1519 griff Herzog Ulrich widerrechtlich die Reichsstadt Reutlingen an und wurde daraufhin verbannt; das Herzogtum wurde die folgenden 15 Jahre von den Habsburgern verwaltet. Deshalb wuchs Christoph auch nicht in Württemberg, sondern am Hof Ferdinands I. in Innsbruck auf. Erst 1534 erlangte sein Vater die Herrschaft in Württemberg wieder. Unmittelbar nach seiner Rückkehr führte er die Reformation ein.

Christoph wurde 1542 Statthalter in der linksrheinischen Grafschaft Mömpelgard, die seit etwa 1400 zu Württemberg gehörte. In Mömpelgard (Montbéliard) setzte Christoph die Reformation durch. Nach dem Tod Herzog Ulrichs 1550 übernahm er die Herrschaft in Württemberg.

Reformation. Herzog Christoph war einer der wichtigsten deutschen Reformationsfürsten der zweiten Generation, der weit über das Herzogtum hinaus wirkte. Die Große Württembergische Kirchenordnung, die er im Jahre 1559 erließ, entwickelte sich zu einem Musterbeispiel für zahlreiche ähnliche Erlasse. Ihre Inhalte wurden nicht nur in deutschen evangelischen Territorien übernommen, sondern hatten europa weit Einfluss: Die württembergische Kirchenordnung hatte von Skandinavien bis Slowenien eine Vorbildfunktion inne. Mit seinen religionspolitischen Maßnahmen und durch seine kluge Politik im Reich wurde Christoph zur Führungsfigur und zum Vorbild für die evangelischen deutschen Reichsstände.

Bildung. Christophs Reformen im Lande erstreckten sich nicht nur auf religiöse Aspekte, sondern auch auf die Bildung, die Verwaltung und die Wirtschaft. Er wandelte Klöster in Schulen um, in denen der theologische Nachwuchs unterrichtet wurde, förderte die Universität in Tübingen, führte Regelwerke für diverse Belange des Lebens ein und verstärkte den Bergbau im Schwarzwald.

Repräsentativ. Für Herzog Christoph war ein repräsentativer Hof von großer Bedeutung. Deshalb investierte er viel Geld in die Anlage und den Ausbau von Burgen, Schlössern und Festungen im Lande, die noch heute von seinem Baueifer zeugen, allen voran das Alte Schloss in Stuttgart. Christoph ließ es von einer mittelalterlichen Wasserburg zu einem prachtvollen Renaissancebau umgestalten: Der Rittersaal in der Dürnitz, die Reitertreppe und die Schlosskirche, der erste protestantische Kirchenbau Württembergs, wurden errichtet.

Wegen seiner Verdienste blieb Christoph auch lange nach seinem Tod hoch geachtet. In den Auseinandersetzungen um die Verfassung des Königreichs Württemberg im frühen 19. Jahrhundert wurde Christoph zur Symbolfigur für das gute alte Recht, das es zu verteidigen galt.

Landesmuseum/IZZ

 

Kunstmuseum Basel zeigt Fotografien

 

Entnommenes zu Neuem

Ausgabe 1, 2016

In der Ausstellung „Von Bildern – Strategien der Aneignung“ sind Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern zu sehen, die sich etwas von anderen Bildern nehmen – sei es aus dem Bereich der Kunst oder der Populärkultur, dem Museum oder den Massenmedien – und das Entnommene zu etwas Neuem weiterverarbeiten.

Die Künstler erzählen etwas von den Bildern, derer sie sich bedient haben. Sie schildern aber auch die gesellschaftlichen oder institutionellen Kontexte, aus denen die appropriierten Bilder stammen, und die Bedingungen, unter denen sie produziert, gezeigt und gehandelt werden.

Realität. Aneignung ist also eine Form der Auseinandersetzung nicht nur mit Bildern, sondern mit Realität überhaupt, weil Realität schon lange, und heute mehr denn je, durch massenmedial verbreitete Bilder vermittelt wird. Technisch gesehen gibt es zahlreiche Möglichkeiten und Verfahren des Aneignens. Dazu gehört zum Beispiel das Abfotografieren bestehender Aufnahmen, wie es bei den frühen Wieder-Fotografien von Zeitschriftenwerbungen durch Richard Prince oder von Kunstkatalogbildern durch Sherrie Levine der Fall ist. Dabei geht es nicht um das Kopieren der Vorlagen, sondern um die künstlerische Differenz zum Original.

Effekte. Prince experimentiert zum Beispiel mit Effekten der Verfärbung oder dem Vergrößern spezifischer Bildausschnitte seines Ausgangsmaterials; Levine arbeitet vorrangig mit der Reproduktion oder der Vervielfältigung von Bildern und schafft mit Druck, Rahmung oder der Wahl der Papiersorte zusätzliche Differenzen. Oft gehen Aneignungsprozesse in der zeitgenössischen Kunst auch mit der Übertragung von Bildern von einem Medium auf ein anderes einher: Nina Könnemann filmt ein Filmplakat, das auf diese Weise zum Filmmotiv wird; Marcel Broodthaers fotografiert ein Gemälde ausschnittweise aus wechselnder Distanz und präsentiert die Fotos anschließend in einer Diaschau; Cindy Sherman inszeniert auf Basis verschiedener filmischer Genres der 1950er- und 1960er- Jahre eine Reihe fiktiver Filmstills. Die Übertragung von Bildern zwischen unterschiedlichen Medien findet im weiteren Sinne auch statt, wenn Harun Farocki die Herstellung eines Centerfold-Fotos für die Zeitschrift Playboy filmisch dokumentiert; wenn sich Michaela Meise dabei filmt, wie sie nach einer fotografischen Vorlage die Körperhaltungen diverser Skulpturen des französischen Bildhauers Jean-Baptiste Carpeaux mimt; oder wenn John Baldessari Pressefotos aus Zeitungen ausschneidet und Bekannte über den Bedeutungsgehalt der auf diese Weise dekontextualisierten Fotografien spekulieren lässt. Die Ausstellung führt sowohl Werke aus der eigenen Sammlung als auch Leihgaben der Künstlerinnen und Künstler sowie aus Privatbesitz zusammen.

IZZ/Kunstmuseum Basel