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Leitartikel

Wählen – Verantwortung wahrnehmen

Ausgabe 2, 2016

Das Jahr 2016 ist in Baden-Württemberg geprägt von Wahlen. Am 13. März sind Landtagswahlen und wenige Monate später stehen die Wahlen zu den Vertreterversammlungen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung und der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg an. Wichtige Termine, um seine Verantwortung als Bürger und als KZV- und Kammermitglied wahrzunehmen.

Seit vielen Jahren gibt es auf allen Ebenen einen lebendigen Dialog zwischen Zahnärzteschaft und Politik. So sind die Vorstandsvorsitzende der KZV BW, der Präsident und der stv. Präsident der LZK BW, die Vorsitzenden der Bezirkszahnärztekammern, und die Mitglieder des Landesbeirats nicht nur bei den Landesparteitagen regelmäßig im Gespräch mit Abgeordneten und Ministern, Staatssekretären und Delegierten. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Regierungs- oder Oppositionspolitiker handelt. Für die Belange der Zahnärzte und ihrer Patienten haben sie immer ein offenes Ohr. Der Dialog ist vertrauensvoll und die Argumente zum Beispiel für die Weiterentwicklung von PKV und GKV, gegen eine Bürgerversicherung oder der Appell, endlich die Approbationsordnung zu verabschieden, werden gehört. Der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann MdL war dankbar, dass die Repräsentanten von Kammer und KZV die Verabschiedung der Approbationsordnung anmahnten und ihn über den Stillstand informierten.

Gibt es eine Alternative zum politischen Meinungsaustausch? Ein Freier Beruf sollte seine gesellschaftlich wichtige Bedeutung für das Allgemeinwohl und seine Mitwirkung auf politischer Ebene in den Selbstverwaltungen im Interesse des Berufsstandes wahrnehmen. Vielleicht kann man in diesem politisch höchst turbulenten Jahr eine Trendwende im Hinblick auf die Wahlbeteiligung bei den Kammer- und KZV-Wahlen erreichen, bei denen die Mitwirkung der Kollegenschaft weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Wie immer im Leben sind auch bei der Stimmabgabe Kompromisse hilfreich. Kompetenz, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit sind Attribute, die Kandidatinnen und Kandidaten verkörpern sollten. Sicherlich spielen die Wahlprogramme der Parteien oder ihre sozial- und gesundheitspolitischen Positionen bei der Wahlentscheidung eine Rolle. Das Gesamtpaket ist letztlich entscheidend. Und so manchen politischen Wahlversprechen, die z. B. die Komplexität der Flüchtlingspolitik oder die medizinische Versorgung zum Anlass nehmen, sich als Problemlöser zu profilieren, sollten Freie Berufe mit ihrem Anspruch an Ethos und Intellekt nicht auf den Leim gehen.

Die zahnärztliche Selbstverwaltung ist ein hohes Gut und genießt bei allen im Landtag vertretenen Parteien großes Ansehen. Das resultiert daraus, dass die Zahnärzteschaft Baden-Württembergs auf vielen Gebieten Pionierarbeit geleistet hat: bei der Flüchtlingsversorgung, bei der seit über 25 Jahren etablierten kostenfreien Zahnmedizinischen Patientenberatung, bei der vorbildlichen zahnärztlichen Betreuung von Pflegebedürftigen – und mit der höchst erfolgreichen präventionsorientierten Zahnheilkunde. Honoriert wird das starke Engagement auch durch berufspolitische Erfolge auf Bundesebene. Der wichtigste Aspekt dabei ist aber, dass alle diese Anstrengungen den Patienten und dem Gemeinwohl dienen.

Machen Sie mit, ob in den demokratischen Parteien oder in den Selbstverwaltungen Ihres Berufsstandes! Zum Tätigkeitsspektrum einer Zahnärztin oder eines Zahnarztes gehört das Eintreten für den Berufsstand. Wo kann dieses Engagement besser als in Kammer und KZV eingebracht werden? Dr. Ulrich Noll zum Beispiel, der leider allzu früh verstorben ist, brachte sich sowohl in der Kreisvereinigung Leinfelden-Echterdingen als auch später in seiner Partei, der FDP, ein. Diese erhielt unter seiner Ägide als Fraktionsvorsitzender bei den Wahlen zum Landtag von Baden-Württemberg im Jahr 2006 10,7 Prozent der Wählerstimmen.

Unser Gemeinwesen lebt vom Engagement des Einzelnen. Die Politiker in Baden-Württemberg wissen den Einsatz des Berufsstandes zu schätzen. Dank des kontinuierlichen Dialogs sind sie informiert. Dieser vertrauensvolle Dialog muss jenseits der digitalen Medienwelt wie Facebook, Twitter persönlich weitergeführt werden. Das kann jeder leisten, ob in der Gemeinde, in der Kreisvereinigung oder in der Begegnung mit Politikern. Wer sich einsetzt, findet offene Ohren.

Johannes Clausen, Chefredakteur Zahnärzteblatt Baden-Württemberg