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Praxis

Der GOZ-Ausschuss der LZK informiert

 

Weiterhin dauerhafter Streitpunkt GOZ-Nr. 6190?

Ausgabe 2, 2016

Das beratende und belehrende Gespräch mit Anweisungen zur Beseitigung von schädlichen Gewohnheiten und Dysfunktionen nach der GOZ-Nr. 6190 war in der Vergangenheit häufig ein Streitpunkt. Von Seiten der PKV wurde immer wieder die Ansicht vertreten, dass diese Behandlungs- bzw. Beratungsmaßnahme nur dann berechnungsfähig sei, wenn dies im Zusammenhang mit einer kieferorthopädischen Behandlung stehe.

In der Kieferorthopädie. Schädliche Gewohnheiten werden dabei mit dem in der KFO üblichen Begriff der „Habits“, also schlechte Angewohnheiten, die zur Entwicklung von Zahn- oder Kieferfehlstellungen führen können, gleichgesetzt. Insofern sollen nach dieser Lesart nur Fingernägelkauen, Lippenbeißen und Daumenlutschen o. ä. unter den „schädlichen Gewohnheiten“ zu verstehen sein.

Es ist sicher nachvollziehbar, dass gerade in der Kieferorthopädie eine Vielzahl derartiger Habits den Behandlungserfolg gefährden oder unmöglich machen und von daher in der KFO großes Augenmerk auf solche schlechten Angewohnheiten gelegt werden muss. Insofern ist auch eine Zuordnung dieses Leistungsinhalts zum Kapitel der KFO nicht ohne Sinn erfolgt.

Betont werden muss allerdings, dass eben nicht nur in der KFO schädliche Gewohnheiten von Patienten den Behandlungserfolg gefährden.

Außerhalb der Kieferorthopädie. Gerade z. B. bei der Eingliederung von festsitzendem, ggf. implantatgetragenem Zahnersatz ist darauf zu achten, dass schädliche „Pflege“-Gewohnheiten nicht den Zahnersatz oder das Restgebiss gefährden. Dies kann einerseits durch die bereits durch die KFO bekannten, als Habits bezeichneten schlechten Angewohnheiten erfolgen. Darüber hinaus können aber auch z. B. mechanisch problematische Gewohnheiten wie z. B. das Kauen auf Pfeifenmundstücken, das Mitarbeiten des Mundes als „dritte Hand“ z. B. durch Speicherung/Bereitstellung von Nähnadeln oder Tapeziernägeln o. ä. als schädliche Gewohnheiten auftreten. Derartige „Zweckentfremdungen“ des Kauorgans bis hin zum Öffnen von Verschluss- oder Verpackungsmaterial sind nicht unüblich. Weitere schädliche Gewohnheiten oder Dysfunktionen werden darüber hinaus durch berufliche Sondersituationen (z. B. Bläser, Violinisten etc.) oder Lifestyle-Produkte (orale Piercings etc.) hervorgerufen. Auch heftiges Zähnepressen oder Knirschen (Bruxismus) gehört eindeutig zu den schädlichen Gewohnheiten und Dysfunktionen. Neurologische oder psychiatrische Krankheitsbilder führen zu Dysfunktionen im Bereich des stomatognathen Systems, die dann nur im therapeutischen Verbund zu therapieren sind. Und auch gegen schlechte Gewohnheiten, die zu Hygienemängeln bzw. einem erhöhtem Karies- oder Parodontitisrisiko oder Risiken für die Mundschleimhaut führen, sollte der Zahnarzt beratend und belehrend vorgehen. Hierunter fällt dann schließlich auch eine Raucherentwöhnungsberatung. Diese Beispiele zeigen alle, das die Indikation zu Beratungen zur Beseitigung schädlicher Gewohnheiten/ Dysfunktionen in praktisch allen Bereichen der Zahnheilkunde gegeben sein kann.

Gebührenrechtliches. Dementsprechend findet sich in der GOZ auch nirgendwo eine Leistungsbegrenzung auf die KFO oder ein Leistungsausschluss der GOZ-Nr. 6190 bei irgendwelchen Behandlungszusammenhängen. Zwei Ausnahmen hierzu stellen lediglich die Berechnung der GOZ-Nummern 6030 bis 6080 aus kieferorthopädisch systematischen Gründen und die Berechnung der GOZ-Nr. 0010 (eingehende Untersuchung auf ZMKKrankheiten) neben der GOZ-Nr. 6190 dar. Diese Kombination ist – wiewohl fachlich nicht nachvollziehbar – explizit in der Leistungslegende der GOZ-Nr. 6190 ausgeschlossen.

Es entspricht grundsätzlich auch nicht der Systematik der GOZ, dass bestimmte Leistungen nur im Zusammenhang mit anderen Leistungen aus demselben Kapitel erbracht werden dürften. So fallen ganz selbstverständlich und nicht infrage gestellt Gebührennummern aus dem Kapitel E der GOZ (Erkrankungen des Parodontiums) wie z. B. das Beseitigen von scharfen Kanten (GOZ-Nr. 4030), das Entfernen von groben Fehlkontakten (GOZNr. 4040), die Zahnbelagsentfernung (GOZ-Nrn. 4050, 4055) oder die Lokalbehandlung von Mundschleimhauterkrankungen sehr häufig im Zusammenhang mit konservierenden oder prothetischen Behandlungsmaßnahmen an.

Ausblick. Dem Vernehmen nach scheint sich diese Sichtweise nunmehr auch unter den Kostenerstattern durchzusetzen, sodass in Zukunft davon ausgegangen werden kann, dass bei gegebener medizinischer Notwendigkeit der Erstattung der GOZ-Nr. 6190 auch im Zusammenhang mit anderen zahnärztlichen Behandlungsmaßnahmen nichts mehr entgegensteht.

Autorenteam des GOZ-Ausschuss der LZK BW

 

Aktuelles aus der Normung!

 

Revision der Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001

Ausgabe 2, 2016

ISO-Normen werden alle fünf Jahre überarbeitet, um sie an neue und wichtige Anforderungen anzupassen. Der ISO 9001-Standard wurde im Jahre 1987 zum ersten Mal als QM-Norm publiziert. Seitdem fand alle sechs bis acht Jahre eine Revision statt. Die turnusgemäße Überprüfung der ISO-QM-Normen ergab bei der weltweit angelegten Nutzerumfrage eine Mehrheit für die Überarbeitung der Norm. Im Jahre 2012 wurde im ISO/ TC 176/SC 2 mit der anstehenden Revision begonnen.

Im September des Jahres 2015 wurde der Überarbeitungsprozess mit der Veröffentlichung der revidierten 9001er-Norm abgeschlossen.

Wesentliche Punkte der Änderungen (ISO 9001:2015):

1) Anwendung der „High Level Structure“-Neugliederung der Norm. Diese soll in Zukunft auch bei anderen Managementnormen (z. B. ISO 14001) verwendet werden. Ziel: Integration verschiedener Normen und Funktion als integriertes Managementsystem.

2) Die Anforderungen an die Führung nehmen durch die Verpflichtung zur Mitwirkung beim QM zu (Zahnarzt ist verpflichtet beim QM mitzuwirken!).

3) Betonung eines „risikobasierten“ Denkens. Bei der Planung (Prozesse) müssen Risiken adressiert werden. Vorbeugemaßnahmen sind keine eigenständigen Anforderungen mehr, sondern sind im „risikobasierten Ansatz“ enthalten.

4) Es wird Verständnis für den gesamten Kontext der Organisation sowie der Bedürfnisse und Erwartungen interessierter Parteien gefordert.

5) Die Dokumentationsanforderungen in Bezug auf das QM werden flexibler. Der Begriff „Dokumente und Aufzeichnungen“ wird ersetzt durch „dokumentierte Information“ (Dokumentationstiefe kann z. B. entsprechend des Risikos des Prozesses angepasst werden).

6) Ausdrückliche Forderung eines prozessorientierten Ansatzes (Produkt-/Dienstleistungsrealisierung/ Kundenzufriedenheit werden stärker gewichtet/ Forderung nach Prozesskennzahlen).

7) Keine Forderung nach einem Beauftragten der obersten Leitung (Kein QMB mehr!).

8) Wissen der Organisation ist eine Ressource. Sie ist zu bestimmen und zu vermitteln. (Hohe Bedeutung des Wissensmanagements).

9) Ein QM-Handbuch ist nicht mehr explizit gefordert.

10) Norm apostrophiert nunmehr auch die Dienstleistungen.

11) Zulässigkeit von Ausschlüssen im QM entfällt.

Zusammengefasst gibt es deutliche Erleichterungen im Bereich der Dokumentationsanforderungen, QMB entfällt, risikobasiertes Denken schon bei der Gestaltung und Einführung von Prozessen, das bislang geforderte umfassende Handbuch entfällt. Damit kommt diese Revision den Anforderungen kleinerer und mittlerer Unternehmen deutlich entgegen und kann so flexibel gehandhabt werden.

Für den Praxisführungsausschuss Dr. Norbert Engel, Mühlacker