Zahnaerzteblatt.de

 

Namen und Nachrichten

Berufshaftpflicht für Hebammen

 

Geburten und andere Krankheiten

Ausgabe 2, 2016

Es gibt in Deutschland immer weniger freiberufliche Hebammen, und das ist gut so. Gerne macht man dafür die Versicherungen verantwortlich, die 6843 Euro für eine Berufshaftpflicht verlangen, weil eine Hausgeburt ein unkalkulierbares Risiko darstellt. Eine Frau kann nicht einfach entbinden wann und wo sie will, wie ein Hund oder eine Katze, sie gehört in ein Krankenhaus, wo ihr eine Versorgung mit multiresistenten Keimen geboten werden kann. Gegner dieser Lösung argumentieren, dass der überwiegende Teil der Menschheit nicht im Krankenhaus zur Welt gekommen ist. Wenn wir uns diesen überwiegenden Teil mal näher anschauen, wäre es vielleicht doch besser gewesen, er hätte zuerst das grelle Licht eines gut geführten Krankenhauses erblickt, wo man ihm gleich die richtige Leitkultur per Injektion verpasst hätte. Eine Geburt ist nichts weiter als eine normale Krankheit, deren Nebenwirkungen man mindestens 20 Jahre auch auf dem Konto verspürt. Doch man sollte nicht nur die Entbindung im Krankenhaus vorschreiben. Auch die Zeugung muss medizinisch überwacht werden. Es ist ja ein verantwortungsloser Irrsinn, dass heutzutage jeder Laie glaubt, einfach so zu Hause neues Leben erschaffen zu können. Nicht nur die Hausgeburt, auch die Hauszeugung muss bekämpft werden, notfalls mit Versicherungsprämien.

Zippert zappt aus der „Welt am Sonntag“

 

Sozialpolitik

 

SPD nutzt GOÄ-Novelle für die Bürgerversicherung

Ausgabe 2, 2016

Der zuständige stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. Dr. Karl W. Lauterbach war gnadenlos: Der Mediziner nutzte auf der jüngsten Klausurtagung der Fraktion Anfang Januar die aktuelle Schwäche der Ärzteschaft und blies zum Halali auf das wichtigste politische Ziel der schwächelnden Bundesärztekammer. Wenn es nach dem Willen der Sozialdemokratie geht, dann stimmt der Bundesrat der von der BÄK seit langem angestrebten Novelle der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) nicht zu. Da für die SPD drei wichtige Landtagswahlen anstehen – neben Baden-Württemberg auch Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, machte die Partei gegenüber den Grünen deutlich, das gemeinsame Ziel der Einführung einer „Bürgerversicherung“ weiterzuverfolgen. Diese Drohung, schreibt „Ambulant + Stationär Aktuell“, richte sich naturgemäß auch gegen die von der SPD mittlerweile ungeliebte PKV, die zusammen mit den BÄK-Akteuren die Details der GOÄ-Novelle aushandelte und sich gleichzeitig für die Rückkehr der paritätischen Zahlung der Krankenkassenbeiträge durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer einsetzt. Der Beschluss der SPD-Bundestagsfraktion im Wortlaut: www.spdfraktion.de sites/default/files/beschluss_gesundheit. pdf.

IZZ/A+S aktuell

 

Wahlkampf

 

Mattheis fordert Rückkehr zur Parität

Ausgabe 2, 2016

Einige Politiker im sozial- und gesundheitspolitischen Bereich der Sozialdemokraten nähern sich in ihren Punkten derzeit verstärkt den Standpunkten der Linken an. Schließlich liebäugelt dieser Flügel mit rot-rotgrünen Regierungsalternativen. Die Gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, hat die Wiederherstellung der Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung hälftig durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber gefordert. Das sagte sie Mitte Januar bei einer Bundestagsdebatte über zwei Anträge der Oppositionsfraktionen zur Wiederherstellung der Parität in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Mattheis forderte, die Anträge im Parlament sollten ein Anlass für den Koalitionspartner sein, nun ernsthaft über diese Forderung zu diskutieren und Schritte zur Parität zu gehen. Erfreulich fand sie indes, dass der Arbeitnehmerflügel der CDU sich den Forderungen der SPD anschließe. Es bliebe zu hoffen, sagte die Ulmer Politikerin Mattheis, dass sich auch die Unionsführung dieser Sichtweise anschließe. Deutschland sei schließlich ein leistungsstarkes Land. Vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Lage habe die jetzige zusätzliche Belastung der Arbeitnehmer ihre Grundlage verloren, sagte sie und verschwieg dabei allerdings die Tatsache, dass der Koalitionsvertrag einst etwas anderes vorsah.

IZZ/A+S aktuell

 

Indien

 

Weltrekord für saubere Zähne

Ausgabe 2, 2016

Ein Auszug aus der Stuttgarter Kinderzeitung, mit freundlicher Genehmigung der Stuttgarter Zeitung: Karies entsteht, wenn Essensreste und Zucker lange im Mund bleiben, weil man sie nicht mit der Zahnbürste entfernt. Deshalb sollten alle, die mindestens einen Zahn haben, morgens und abends die Zähne putzen. Es ist auch sinnvoll, dass regelmäßig ein Zahnarzt nachschaut, ob die Zähne alle gesund sind. Das ist in jedem Fall angenehmer, als erst dann zum Zahnarzt zu gehen, wenn Du schon Zahnschmerzen hast. In vielen Ländern der Welt werden in der Schule die Zähne von Kindern untersucht, und die Schüler lernen dort gemeinsam, wie man die Zähne am besten sauber hält. In Indien hat sich nun eine Firma, die ansonsten Zahnreinigungen anbietet, etwas Besonderes ausgedacht: Sie hat Schüler von 20 Schulen zusammengetrommelt. Die Veranstalter haben genau nachgezählt: Es waren 17.505 Schüler – und sie haben dann alle gleichzeitig zwei Minuten lang ihre Zähne geputzt. Damit kommen sie nun ins Guinnessbuch der Rekorde, denn sie übertreffen einen zehn Jahre alten Rekord: Im November 2005 hatten im kleinen lateinamerikanischen Staat El Salvador 13.380 Schüler gemeinsam Zähne geputzt. Veranstalter war damals die Firma Colgate Palmolive, die eine bekannte Zahnpasta produziert.

IZZ/StZ

 

Präventionsgelder

 

GKV muss zahlen

Ausgabe 2, 2016

Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-SV) teilt das Leid der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Anfang Januar ging in der Berliner Reinhardtstraße ein siebenseitiger „Ersatzvornahmebescheid“ des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) ein, der der Redaktion des Dienstes für Gesellschaftspolitik (dfg) vorliegt. Mit diesem Bescheid, schreibt der dfg, habe das Haus von CDURessortchef Hermann Gröhe einen Beschluss des Verwaltungsrats des Kassenverbands vom 2. Dezember 2015 kassiert. Bei den Haushaltsberatungen für den Etat 2016 des GKV-Spitzenverband hatten die Selbstverwalter unter TOP 6 ihrer Beratungen einen „Sperrvermerk“ unter den Haushaltsansatz für „Beiträge für Organisationen“ angebracht und damit verhindern wollen, dass Kassengelder für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Rahmen ihrer Aufgabenwahrnehmung zur Gesundheitsförderung und Prävention in den nicht-betrieblichen Lebenswelten verwendet werden“, schreibt der dfg. Diesen Geldstrom sieht eigentlich der neu gefasste Paragraf 20 a Abs. 3 Satz 1 SGB V vor, den man in Kreisen der Kassen als „ordnungspolitisch problematisch“ empfinde. Außerdem halte man die Gesetzesvorgabe für „verfassungswidrig“. Pro Versicherten soll der GKVSpitzenverband an die Kölner Behörde 45 Cent abliefern. Bei fast 70 Millionen Versicherten in der Gesetzlichen Krankenversicherung summiert sich das. Mit der „sofort vollziehbaren“ Ersatzvornahme griff das BMG wie bei der KBV zu einer der schärfsten Formen eines aufsichtsrechtlichen Mittels. Man kann davon ausgehen, dass der Kassenverband sich durch eine entsprechende Klage vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg gegen diese politische Maßnahme wehren wird. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung dürfte die BZgA-Causa letztendlich vor dem Kasseler Bundessozialgericht oder gar in Karlsruhe landen. Nur die Klage einer Körperschaft gegen eine staatliche Maßnahme kann dort zur Entscheidung angenommen werden. Für den juristischen Weg hat man sich schon gut munitioniert, schreibt der dfg weiter. Dessen Redaktion liege eine gutachterliche Stellungnahme der Frankfurter Sozialrechtlerin Prof. Dr. jur. Astrid Wallrabenstein vor, mit der dem Bund die Gesetzgebungskompetenz zur „konzeptionellen Regelung der Primärprävention abgesprochen wird. Die vorgenommene „gesetzliche Beauftragung“ der BZgA weise darüber hinaus den Kassen eine Präventions- Aufgabe nur für eine juristische Sekunde“ zu und zwar nur für den kurzen Moment, bevor sie die abzuzweigenden Gelder an die Behörde überweisen. Nicht nur das erscheine fragwürdig, stellte die streitbare ehemalige Darmstädter Rechtsanwältin fest. Damit sei das Gebot eigenverantwortlicher Aufgabenwahrnehmung verletzt.

dfg

 

Wahlkampf

 

Koalitionsklima wird kälter

Ausgabe 2, 2016

Es dauert zwar noch gut 18 Monate, bis das deutsche Wahlvolk zur nächsten Bundestagswahl schreitet, aber in der Hauptstadt zeichnet sich ab, dass die Gemeinsamkeiten in der Großen Koalition auf vielen Politik-Feldern aufgebraucht sind. Das Klima wird nicht durch die Alleingänge der bayerischen CSU rauer, auch auf der politischen Gegenseite, dem linken SPD-Flügel, sammeln sich die Truppen. Das dürfte Auswirkungen auf die gesundheitsund sozialpolitischen Weichenstellungen im Jahr 2016 haben. Einige der jüngsten Wort-Spenden und Beschlüsse der Akteure deuten darauf hin. Man versucht gerade in der Sozialdemokratie durch kleine Kniffe und Tricks, sich für die kommenden Urnengänge politisch besser zu positionieren und das eigene Profil zu schärfen.

A+S aktuell