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Berufspolitik

E-Health im Zentrum des 1. Landeskongresses Gesundheit

 

Stabile Datenautobahn statt Nebenstraßen

Ausgabe 3, 2016

Der Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist unverzichtbar – diese Einschätzung wird wohl von allen Akteuren auf diesem Feld geteilt. Doch warum geht es nicht voran? Welche Hindernisse stehen der Umsetzung im Weg? Ist die Sorge um Datensicherheit berechtigt? Oder blockieren wir uns damit nur den Weg in die Zukunft? Viele offene Fragen wurden diskutiert beim 1. Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg zum Thema „E-Health – die Digitalisierung im Gesundheitswesen“, der parallel zur Fachmesse „Medizin“ und dem 51. Ärztekongress der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg Ende Januar in Stuttgart stattfand.

Dass sich die Zusammenarbeit im medizinischen Bereich verbessert – dies gehört zu den großen Erwartungen, die die Ärzteschaft in den Digitalisierungstrend setzt, wie Dr. Klaus Baier, Präsident der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg, in seiner Eröffnungsrede vor rund 250 Teilnehmern sagte. Insofern werde die Digitalisierung nicht nur als Herausforderung, sondern auch als „außerordentlich große Chance“ begriffen. Prinzipiell seien die Bemühungen der Bundesregierung zur therapeutisch und medizinisch sinnvollen Vernetzung im Gesundheitswesen lobenswert. Allerdings gebe es einige „Baustellen“ im Hinblick auf Datenschutz, Kosten und grundsätzliche Akzeptanz, wo das E-Health-Gesetz noch nicht den notwendigen Erfordernissen gerecht werde.

Handlungsbedarf. Baier mahnte eindeutige Vorgaben an – eine Forderung an die Adresse der politischen Entscheidungsträger, die im weiteren Verlauf mehrfach zu hören war. Katrin Altpeter, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren des Landes Baden-Württemberg, signalisierte in ihrem Grußwort immerhin Handlungsbereitschaft: Sie sei „gespannt auf die Impulse, die sich aus dem Kongress für einen nachhaltigen Ausbau der Telemedizin in Baden-Württemberg ergeben werden“ und erwarte in nächster Zeit entsprechende „Hausaufgaben“. Altpeter unterstrich die ökonomische Bedeutung der Digitalisierung als „Innovationsmotor des 21. Jahrhunderts“ und ihren Stellenwert bei der Lösung absehbarer Probleme: „Die Telemedizin hat das Potenzial, uns bei den großen Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, der Zunahme chronischer und komplexer Erkrankungen oder der unterschiedlichen Arztdichte zu unterstützen.“

Auch Günther Oettinger, EUKommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, hatte in seiner Keynote die Ökonomie im Blick und betonte die dringende Notwendigkeit einer „klugen digitalen Strategie“. Sie sei die Voraussetzung dafür, dass Europa wirtschaftlich leistungsfähig bleibe. Was die Digitalisierung betreffe, liege Europa hinter den USA und China zurück: „Wir haben eine schlechte Position.“ Vor 2020 werde entschieden sein, wer zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern zähle. „Alle Sektoren sind dran: Es geht hier nicht um Industrie 4.0. Es geht um Wirtschaft 4.0, um Freie Berufe 4.0 und um Krankenhaus 4.0. Wir sind im Strudel mittendrin.“

Verlorene Zeit. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „E-Health und Digitalisierung – Was tut sich in Baden-Württemberg?“ mit Entscheidungsträgern aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens ging es zunächst ebenfalls um Defizite und Versäumnisse. „Wir haben viel Erfahrung mit der Nichtumsetzung der Möglichkeiten der Digitalisierung“, erklärte etwa Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, mit einiger Ironie. „Ein Trauerspiel hat jeder von uns in der Brieftasche: die elektronische Gesundheitskarte.“ Jetzt sei ein Bild drauf; aber mit der Karte könne man nicht mehr anfangen als vor zehn Jahren.

Und auch beim E-Health-Gesetz (s. Kasten) gestalteten sich die Dinge anders als vorgesehen: „Es wird keinen Stammdatenaustausch ab dem 1.7. geben“, glaubt der AOKChef. „Ich wüsste nicht, wie das noch laufen sollte.“ Bis dato seien noch nicht einmal die Modellprojekte gestartet. Auch Landrat Detlef Piepenburg, Vorsitzender der Baden- Württembergischen Krankenhausgesellschaft, hält die fristgerechte Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben für unrealistisch. Außerdem bemängelte er, dass der Gesetzgeber die Interessen der Krankenhäuser nicht berücksichtigt hat: „Wir haben eine richtige Ausgrenzung erlebt.“

Widerstände. Das Bemühen aller Beteiligten, ihre Interessen möglichst vollumfänglich einzubringen, ist für Hermann gerade Teil des Problems: Was die Entwicklung digitaler Lösungen seit mindestens 15 Jahren behindert, ist aus seiner Sicht die Unfähigkeit der Beteiligten, über den Tellerrand hinauszuschauen und die Eigeninteressen ein Stück weit zurückzustellen – und da nahm er die Krankenkassen nicht aus. Dazu komme das gleichzeitige Unvermögen der Politik, die widerstreitenden Interessen der Akteure zusammenzubringen und sie sozusagen in den Erfolg zu zwingen.

Die Ärztekammer werde immer wieder als eine der bremsenden Institutionen benannt, konstatierte Dr. Ulrich Clever, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, – eine Einschätzung, die er selbst nicht teilt. Im Zentrum der Kritik steht § 7 Abs. 4 der ärztlichen Musterberufsordnung, umgangssprachlich als „Fernbehandlungsverbot“ bezeichnet (s. Kasten), in Clevers Augen aber vielmehr ein „Patientenschutzparagraf“. Es sei der falsche Ansatz, einem Patienten, der ein Problem habe, eine Diagnose aufzudrücken und eine Therapie zu verordnen, ohne ihn je gesehen zu haben, führte der Standespolitiker aus. Im Übrigen würden in den Hinweisen und Erläuterungen der Bundesärztekammer zur Fernbehandlung insgesamt sieben Modelle der Patientenversorgung mittels Telemedizin vorgestellt; alle Aufmerksamkeit konzentriere sich jedoch auf das sog. „Fernbehandlungsverbot“.

Strukturdefizite. Dass die Bevölkerung E-Health will, ist für Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der KV Baden-Württemberg, unbestritten: „40 Millionen Deutsche gehen ein- bis mehrmals pro Jahr mit gesundheitlichen Fragen ins Internet. Die Ärzte rechnen 95 Prozent ihrer Abrechnungen, 70 Millionen Behandlungsscheine in Baden-Württemberg IT-gestützt ab. Es findet ungeheuer viel Datenaustausch statt“, resümierte Metke. Was aber fehle, seien Strukturen des Arzt-Arzt-Austauschs und des Arzt- Krankenkassen-Austauschs. „Das Problem ist, dass der Staat seit Jahren versucht, eine stabile Datenautobahn, die Telematik-Infrastruktur, zu etablieren – und es gelingt ihm nicht“, so der KV-Chef. „Mittlerweile benutzen wir Nebenstraßen.“

Auch Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, geschäftsführender ärztlicher Direktor des Robert-Bosch- Krankenhauses in Stuttgart, beklagte das Fehlen der Datenautobahn. „Wir alle nutzen die digitalen Möglichkeiten. Da ist so etwas wie eine Graswurzelrevolution im Gange.“ Aus Sicherheitsgründen sei es aber nicht möglich, sensible Daten etwa über das öffentliche E-Mail-Netz zu verschicken. Wünschenswert wäre, dass die Politik für einen geeigneten Rahmen sorge, in dem innovative Lösungen für die Probleme von morgen entwickelt werden könnten.

Insellösungen. Zukunftsträchtige digitale Projekte, die – notgedrungen – ohne funktionierende Telematik-Infrastruktur (s. Kasten) realisiert wurden, existieren jedoch bereits an vielen Stellen im Gesundheitswesen, wenn auch nur als Insellösungen. Wie Metke vonseiten der KV Baden-Württemberg berichtete, verwalte man gemeinsam über 800.000 DMP-Patienten. Allein im letzten Jahr seien 1,6 Millionen Folge- und Erstdokumentationen ausgewertet, protokolliert und analysiert worden. Aktuell befasse man sich mit der Qualitätskontrolle in der Gastroenterologie. Außerdem wolle die KV das Telemonitoring bei Herzschrittmacher-Synchronisierungssystemen einführen, sehr kurzfristig und über die Bundesvorgaben hinaus, und plane ein weiteres Projekt im Bereich Pulmologie.

Alscher berichtete über sehr gute Erfahrungen mit einem Projekt im Bereich COPD, das auch die Patienten lieben: Hat ein Telemedizin- Patient ein Problem, wird dies dem Arzt vor Ort über das System signalisiert, der daraufhin entsprechende Maßnahmen ergreift. Insofern ist die Telemedizin kein Ersatz für den Arzt, sondern eine Unterstützung, insbesondere in Gegenden mit Fachkräftemangel wie Ostdeutschland oder Norddeutschland. Allerdings biete sich diese Kommunikationsmethode nicht für alle Patienten an, stellte Alscher klar. Sinn mache ihr Einsatz etwa bei chronisch Kranken, die vorher ihren Spezialisten gesehen haben und zuhause längerfristig gut betreut werden sollen. In dieser Konstellation falle das Projekt auch nicht unter das „Fernbehandlungsverbot“.

Visionen. Mit dem Fortschreiten der epidemiologischen Entwicklung werden digitale Lösungen wohl auch in heute noch gut versorgten Bereichen an Bedeutung gewinnen. In der Schweiz verfolgt man schon heute einen noch breiteren Ansatz: Dort hat sich der Telemedizin-Dienstleister „Medgate“ etabliert (s. Kasten).

Wie sich aus der Diskussion herauskristallisierte, ist die Digitalisierung aber nicht nur ein Weg, Versorgungsengpässen zu begegnen. Werden Daten sinnvoll zusammengeführt, eröffnen sich vielversprechende Möglichkeiten für Forschung und Medizin – ein Aspekt, auf den Dr. Matthias Reumann, tätig im Züricher Forschungslabor von IBM Research, mit viel Verve einging. Für ihn ist die elektronische Gesundheitskarte, selbst wenn sie dereinst alle projektierten Funktionen enthalten sollte, nur ein Etappenziel. Stünden die verfügbaren Datenmengen für die Analyse zur Verfügung, könnten daraus wertvolle Schlüsse gezogen werden. Ein Arzt könnte zum Beispiel die erfolgversprechendste Behandlung für seinen Patienten ermitteln, wenn er Zugriff auf die Datensammlung hätte, die andere Ärzte vor ihm bei der Behandlung eines vergleichbaren Patientenkollektivs erhoben haben.

Reumann räumte ein, dass das Thema „Datenschutz“ in diesem Zusammenhang sensibel behandelt werden muss. Selbst bei der elektronischen Gesundheitskarte gehen die Ansichten auseinander, ob, wie und wie weitgehend Datensicherheit gewährleistet werden kann. Für Metke ist klar, dass Datenschutz angesichts der Sensibilität der Daten und des damit verbundenen Missbrauchpotenzials ein zentrales Thema ist. „Das kriegen wir aber in den Griff.“ Wenn man einen Informationsfluss wolle, der dem Patienten diene, dann sei die elektronische Gesundheitskarte das richtige Medium. Denn die Datenspeicherung verhindere Doppeluntersuchungen, einen „medizinischen Blödsinn“, der viel Geld koste. Die Frage sei: „Wollen Sie eine effektive Medizin? Oder einen Datenschutz, wo effektive Medizin nicht mehr möglich ist?“

Alscher stellte den medizinischen Nutzen der klug eingesetzten Datenanalyse in den Vordergrund: Oftmals fehle Ärzten die breite Erfahrungsbasis, was gerade bei seltenen Erkrankungen problematisch sei – da könnten digitale Lösungen durchaus helfen. Für eine qualitativ hochwertige Versorgung müsse man alle Unterstützungsmöglichkeiten nutzen. Oder, wie es in der Diskussion zum Ausdruck kam: Wir sollten uns nicht von der „German Angst“ um den medizinischen Fortschritt bringen lassen.

schildhauer@meduco.de

 

Gemeinsame Gutachtertagung von BZK Stuttgart und KZV BW, BD Stuttgart

 

Gesichtsschmerz – ein multifaktorielles Geschehen

Ausgabe 3, 2016

Zum zweiten Mal fand die gemeinsame Gutachtertagung von BZK Stuttgart und KZV BW, BD Stuttgart in der FILharmonie in Filderstadt statt. Diese gemeinsamen Tagungen stellen eine wichtige Orientierung für die Kollegenschaft dar und dienen dem kollegialen Austausch, der entscheidend zur Qualitätssicherung beiträgt.

Der Gutachterreferent der BZK Stuttgart, Dr. Gerhard Cube, sowie der Gutachterreferent der KZV BW, BD Stuttgart, Peter Hill, hießen ihre Kolleginnen und Kollegen herzlich willkommen. Als Gäste begrüßten sie Dr. Ute Maier, Vorsitzende der KZV BW, Dr. Konrad Bühler, Vorsitzender der BZK Stuttgart, Christine Martin, Geschäftsführerin der BZK Stuttgart, Carmen Basso, Vertreterin der gesetzlichen Krankenkassen, den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Gutachterkommission für Fragen zahnärztlicher Haftung (GKZ) Gunter Gössel und Ulrich Oechsner sowie die Kammerund KZV-Gutachterreferenten aus den anderen Bezirken.

Kritik an Vergabe. Als Tagungs- Intro zeigten Dr. Cube und Peter Hill Auszüge aus einem Brief an die KZV BW, BD Stuttgart, in dem ein Gutachter begründete, weshalb er sein Gutachteramt niederlegt. Er bezog sich auf Änderungen des Gutachtenverfahrens, u. a. der Wegfall der zentralen Gutachtenvergabe durch die KZV BW. Darüber hinaus erhält die KZV BW aus Datenschutzgründen keine Abschrift mehr von erstellten Gutachten. Damit ist ein entscheidender Teil der Qualitätssicherung des Gutachtenwesens durch die KZV BW nicht mehr möglich.

Vonseiten der gesetzlichen Krankenkassen müssen nun wieder (wie bereits vor 17 Jahren) die Gutachten direkt an die Gutachter vergeben werden. Dies kann, wie bereits in der Vergangenheit in Stuttgart geschehen, dahin führen, dass ein Gutachter sehr viele Gutachten im Jahr erhält, ein anderer dagegen nur wenige. Diese ungleichmäßige Verteilung der Gutachten durch die Krankenkassen kann nicht kurzfristig beeinflusst werden, obwohl in der Gutachtervereinbarung zum BMV-Z und EKV-Z die Krankenkassen dazu verpflichtet sind. Eine Abstimmung über die Vergabe zwischen den Krankenkassen ist allerdings nicht vorgesehen und die Möglichkeit einer gleichmäßigen Vergabe besteht nur innerhalb einer Krankenkasse. Dr. Ute Maier sagte aber zu, dies in Vertragsverhandlungen nochmals zu thematisieren.

Peter Hill referierte über die im Vorfeld bei der Anmeldung schriftlich eingereichten Fragen der Kassengutachter, die sich schwerpunktmäßig auf die geänderte Vergabepraxis direkt über die Krankenkassen, die Auflösung der zentralen Gutachterstellen und die damit zusammenhängenden Probleme bezog.

Schmerzmechanismen. Prof. Dr. Ulrich T. Egle aus Gengenbach hielt zwei 60-minütige Vorträge über das Thema „Biopsychosoziale Wechselwirkungen bei chronischem Gesichtsschmerz“. Nach einem interessanten Überblick über die Geschichte des Schmerzverständnisses in der Medizin wurden verschiedene Grundprinzipien erarbeitet und begründet: Grundprinzip 1: Frühe Schmerzerfahrungen führen neurobiologisch zu einer Dysfunktion des Schmerz- und des Stressverarbeitungssystems. Konsequent und für das Auditorium nachvollziehbar führte der Vortrag zum Grundprinzip 2: Emotional deprivierende Entwicklungsbedingungen in der Kindheit führen neurobiologisch ebenfalls zu einer Dysfunktion des Schmerz- und des Stressverarbeitungssystems. Nach weiteren Folien war Grundprinzip 3 erarbeitet: Die Differenzierung nach Schmerzmechanismen ist für eine gezielte Behandlung erforderlich. Hoffnung gab zum Schluss des Vortrages das Grundprinzip 4, wonach bei der stressinduzierten Hyperalgesie (SIH) durch eine differenzierende psychosomatische Schmerztherapie Schmerzfreiheit erreichbar ist.

Die von Dr. Gerhard Cube vorgestellten strittigen Behandlungsfälle und Gutachten boten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gutachtertagung Orientierung ebenso wie Hinweise für Planungsgutachten und vermeidbare Fehler.

Die Langfassung des Beitrags erhalten Sie beim IZZ unter Fax: 0711/222966-21 oder E-Mail: info@ zahnaerzteblatt.de.

Dr. Gerhard Cube

 

Vorlesungsreihe Berufskunde an der Universität Freiburg

 

Optimistisch in die Freiberuflichkeit

Ausgabe 3, 2016

Die BZK Freiburg und die Bezirksdirektion Freiburg der KZV BW gestalten die Vorlesungsreihe Berufskunde an der Universität Freiburg. Die Berufskundevorlesung hat bei den zahnärztlichen Körperschaften einen hohen Stellenwert. Sie ist die erste Schnittstelle zum berufsständischen Nachwuchs.

Im Rahmen der Vorlesungsreihe Berufskunde an der Universität Freiburg können sich die Körperschaften als kompetente und unabhängige Partner für alle Fragen der zahnärztlichen Berufsausübung präsentieren, die sich vom Leitbild des freiberuflich tätigen und wettbewerbsfähigen Zahnarztes leiten lassen.

Herausforderung. Gleichzeitig ist die Berufskundevorlesung eine erste Chance, angehende Zahnärztinnen und Zahnärzte später auch für die Selbstverwaltung des Berufsstandes und das ehrenamtliche Engagement zu gewinnen. Der Weg in die freiberufliche Tätigkeit stellt für junge Kolleginnen und Kollegen eine große Herausforderung dar. Neben den im Studium erworbenen fachlichen Kenntnissen muss der junge Zahnmediziner auch unternehmerische Fähigkeiten haben. Die inzwischen bestehenden vielfältigen Optionen der Berufsausübung und der Wunsch, Berufs- und Privatleben ins Gleichgewicht zu bringen, machen es nicht leichter.

Mit der Berufskundevorlesung werden erste Grundlagen gelegt, damit angehende Zahnärztinnen und Zahnärzte ihren Weg in die Freiberuflichkeit mit Zuversicht und Optimismus beschreiten können.

In der Berufskundevorlesung des vergangenen Wintersemesters vermittelten Referenten aus dem Zahnärztehaus Freiburg die Wesensmerkmale des Freien Berufs Zahnarzt sowie die Aufgaben und Dienstleistungen der zahnärztlichen Selbstverwaltung. Weiterbildungsperspektiven nach dem Examen waren ebenso ein Thema wie die beruflichen Möglichkeiten im Ausland. Über Themen wie Berufs-, Steuer- und Haftungsrecht sowie Betriebswirtschaft berichteten kompetente Referenten, Steuerberater und Juristen. Ein Glanzpunkt war sicher die Vorlesung „Ethik in der Zahnheilkunde“ von Prof. Dr. Giovanni Maio.

Die Abschlussveranstaltung der Vorlesungsreihe Berufskunde findet traditionell im Zahnärztehaus Freiburg statt. Unter dem Motto „Orientierung nach dem Examen“ wurden konkrete Informationen der Körperschaften für die ersten Schritte nach dem Examen ebenso dargestellt wie die Optionen für die fachzahnärztliche Weiterbildung und die berufliche Tätigkeit im Ausland. Mit den ergänzenden Informationen zur Assistenzzeit wird auch die Stellensuche und die Ausgestaltung eines Arbeitsvertrages problemlos gelingen. Die inzwischen auf dem Webportal für Studierende eingestellten Infobriefe aus dem Freiburger Zahnärztehaus bieten hierfür eine ideale Grundlage.

Praktikum. Abgerundet wird dieses Angebot durch ein erstmalig angebotenes Praktikum, in dem Studierende Einblicke in die Arbeitsrealität zahnärztlicher und fachzahnärztlicher Praxen erhalten und auch praktisch zahnärztlich tätig sein können. Entstanden ist diese Orientierungsmöglichkeit als Kooperationsprojekt der BZK Freiburg mit dem Department für Zahn- , Mund- und Kieferheilkunde der Universität Freiburg.

Abschließend wurde der Weg in die Assistenzzeit bis hin zur Anstellung oder Niederlassung anhand exemplarischer Werdegänge anschaulich gemacht.

Die anschließende Diskussion sowie die im geselligen Teil folgenden Einzelgespräche zeigten wieder einmal das hohe Interesse der Studierenden am partnerschaftlichen Know-how von Vorständen und Ehrenamtsträgern, die einen riesigen Erfahrungsschatz für die Beratung auf dem Weg in die Freiberuflichkeit bieten. Mit neutraler und kompetenter Unterstützung durch die zahnärztlichen Körperschaften lässt es sich eben optimistisch in die berufliche Zukunft blicken, diese Botschaft ist wohl angekommen.

Dr. Martin Haas

 

Begegnungen 2016 – Neujahrsempfang im Zahnärztehaus Freiburg

 

„Das Jahr 2015 wird das Gesundheitswesen noch lange prägen“

Ausgabe 3, 2016

Zwei Redner prägten zusammen mit zahlreichen Gästen aus der Berufspolitik diesseits und jenseits des Rheins, aus Wissenschaft und Wirtschaft den Neujahrsempfang der Bezirkszahnärztekammer Freiburg und der Bezirksdirektion Freiburg der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg: Christoph Besters, stv. Vorsitzender der KZV BW, und Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, an diesem Abend Festredner.

„Das Zahnärztehaus Freiburg bietet auch zu Beginn dieses Jahres wieder einen vortrefflichen Rahmen, um sich zu begegnen, auszutauschen und um sich zu motivieren, für den Berufsstand in Kammer und KZV und in der Politik zu engagieren.“ hob Dr. Peter Riedel, Vorsitzender der BZK Freiburg, die Bedeutung der Begegnungen 2016 hervor.

Vor diesem Hintergrund war es mehr als opportun, dass Christoph Besters „einige Anmerkungen zur aktuellen Gesundheitspolitik unseres Landes“ machte, nachdem er im Namen der BZK Freiburg und KZV BW, BD Freiburg, die Gästeschar gebührend begrüßt hatte. So prognostizierte er, dass „das Jahr 2015 das Gesundheitswesen noch lange prägen“ wird: Das Versorgungsstärkungsgesetz, das Krankenhausstrukturgesetz, das Präventionsgesetz, das Hospiz- und Palliativgesetz, das Pflegestärkungsgesetz I und II, das E-Health-Gesetz oder das Gesetz gegen Korruption, das voraussichtlich im März 2016 in Kraft treten soll. Darüber hinaus erinnerte Christoph Besters an das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, das „zwar schon im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist“, aber einige Regelungen werden erst von 2016 an wirksam.

Dabei machte er deutlich, dass „jedes dieser Gesetze der Umsetzung im Detail durch unsere Selbstverwaltungen bedarf“. Kritisch setzte sich Besters mit der von der SPD geforderten Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenkassenbeiträge durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer auseinander. Er sprach sich vehement für mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen aus. „Das einzige Preissignal im System, der Zusatzbeitrag, darf nicht auch noch durch eine paritätische Aufteilung verwässert werden.“

Kaum ein Thema, das Christoph Besters in seinem bemerkenswerten Vortrag nicht angesprochen hätte. Ob Kritik an der GOÄ-Reform (siehe dazu auch Beitrag in der ZBWAusgabe 2/2016, Seite 18), die Pläne von SPD und Bündnis 90/Die Grünen in Sachen Bürgerversicherung, Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen oder das Projekt des Nationalen Normenkontrollrates (NKR).

Bevor die Gäste des Neujahrsempfangs die vielen Impulse, die Christoph Besters zu Beginn des neuen Jahres mit seinem hervorragenden Abriss der Gesundheitspolitik gab, reflektieren und diskutieren konnten, sprach kein geringerer als Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen über den „Glücksatlas Deutschland“ von halb vollen und halb leeren Gläsern. Heiter- ironisch hatte zuvor Christoph Besters Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen und sein Projekt „Glücksatlas“ vorgestellt und dem hat der Chronist nichts hinzuzufügen.

Glücksrechner. „Es gibt wohl wenig, das so schwer objektiv zu messen ist wie das Glück der Menschen.“ Trotzdem ist der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen ein Mann der Zahlen und Statistiken und verantwortlich für den „Glücksatlas“, der verspricht, das Glück der Deutschen nach Regionen sortiert zu erfassen und in farbigen Karten abzubilden. Dass die Schleswig-Holsteiner die glücklichsten Deutschen sind, hat der gebürtige Nordfriese Raffelhüschen dabei schon in den vergangenen Jahren berechnet. Höchster Aufsteiger in Sachen Glück ist in diesem Jahr aber Baden, weiß der Freiburger Professor – der Südwesten Deutschlands liegt jetzt schon auf Platz zwei. „Die Korrelation zwischen Nordseeluft und Glück ist jetzt gebrochen“, sagt Raffelhüschen. Die gute Luft im Schwarzwald reicht dem Ökonomen aber als Erklärung für den badischen Platzierungserfolg auch nicht aus.

Hoch seien in Baden zum Beispiel die Zufriedenheitswerte mit der eigenen Gesundheit, was wohl am bundesweit geringsten Anteil gesundheitlich beeinträchtigter Personen liege. Auch die niedrige Arbeitslosenquote und das hohe verfügbare Einkommen finde seinen Niederschlag. Diese Faktoren finden sich in Württemberg auch, das dennoch erst auf Platz sieben folgt.

50 Jahre Approbation. Zufrieden dürfen sich auf jeden Fall die Jubilare fühlen, die im Rahmen der Begegnungen von Dr. Peter Riedel, Vorsitzender der BZK Freiburg, geehrt wurden. In Anerkennung ihrer Verdienste um den zahnärztlichen Berufsstand und das Wohl ihrer Patienten wurden Dr. Ulrich Meißner und Dr. Klaus Roland Kiefer geehrt. Daran schloss sich der kommunikative Teil der Begegnungen an, zu dem Dr. Peter Riedel „schöne Begegnungen und schöne Gespräche“ wünschte.

johannes.clausen@izz-online.de

 

Neujahrsempfang der BZK Stuttgart

 

„Wir brauchen Luft zum Atmen“

Ausgabe 3, 2016

Beim Neujahrsempfang der Bezirkszahnärztekammer Stuttgart, der am 20. Januar im Zahnärztehaus Stuttgart stattfand, nutzte der Vorsitzende Dr. Konrad Bühler in der letzten Etappe seiner Amtszeit die Gelegenheit, an die Vertreter der Politik zu appellieren, die Freien Berufe bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Die letzten Monate der Legislaturperiode möchte der Vorstand der BZK Stuttgart dazu nutzen, ein gut bestelltes Haus übergeben zu können, damit die Arbeit für die Zahnärztinnen und Zahnärzte im Bezirk Stuttgart kontinuierlich weitergehen kann.

Beim letzten Neujahrsempfang dieser Legislaturperiode ging es dem Vorstand der BZK Stuttgart nicht um leises Abschiednehmen, sondern darum, die berufspolitischen Problemfelder zu benennen und den weiteren Kurs der BZK Stuttgart abzustecken, damit nach den Kammerneuwahlen ein fliegender Stabwechsel stattfinden kann. In seiner prägnanten Rede machte Dr. Bühler deutlich, dass der Erhalt der Freiberuflichkeit im Zentrum der Anstrengungen stehe und sich die Zahnärzteschaft mit vereinten Kräften gegen alle Angriffe (wie z. B. die Transparenzinitiative oder die Deregulierungsbestrebungen aus Brüssel) stemmen müsse. Die Freiberuflichkeit wird als Grundlage für die zahnärztliche Berufsausübung durch die Strukturen der Selbstverwaltung in den Körperschaften gestützt. Nur durch die bestehenden Strukturen könnten Qualität, Diagnose- und Therapiefreiheit sowie freie Arztwahl und flächendeckende Versorgung im Gesundheitswesen weiterhin gewährleistet werden. Dr. Konrad Bühler wandte sich mit seinem eindringlichen Appell direkt an die politischen Gäste Jochen Haußmann, stv. Fraktionsvorsitzender der FDP BW und Karin Maag MdB von der CDU: „Lassen Sie die Freien Berufe nicht im Regen stehen. Nur ‚Staat‘ allein ist zu wenig, zu starr, zu unbeweglich, um flexibel zu reagieren. Innovation kommt immer aus kleinen, beweglichen Einheiten. Aber dazu brauchen wir Luft zum Atmen und dürfen nicht stranguliert werden durch überbordende Gängelung, Vorschriften, Kontrollen aus Argwohn oder fehlendem Vertrauen in unsere Berufsausübung.“

Alltagsaufgaben. Dr. Konrad Bühler betonte, dass die BZK Stuttgart in den nächsten Monaten nicht nachlassen werde. So unterstütze die Kammer weiterhin die Kollegenschaft in Sachen Praxisbegehungen. Der Umgang mit der Novellierung der GOÄ stelle eine weitere Herausforderung dar, da Teile der Gebührenpositionen auch für die Zahnärzte relevant sind und die Ärzteschaft dieser Entwicklung eher gleichgültig gegenüberstehe. Um den Assistenzberufen in der Zahnarztpraxis mehr Attraktivität zu verleihen, wünscht sich Dr. Bühler ein ergänzendes Angebot für Schulabgänger, die eine akademische Ausbildung bzw. ein duales Studium anstreben.

Zum Schluss rief Dr. Konrad Bühler dazu auf, die Körperschaftswahlen 2016 zu nutzen, zur Wahl zu gehen oder sich selbst zur Wahl zu stellen: „Es ist unsere Zukunft, die wir selbst in die Hand nehmen können und müssen, trotz aller Einschränkungen, die die Gesellschaft uns auferlegt. Es bleibt Freiraum offen.“

claudia.richter@izz-online.de