Informationszentrum Zahngesundheit

Eine Einrichtung der Zahnärzteschaft Baden-Württemberg

Zahnversorgung von Flüchtlingen in Baden-Württemberg

G e m e i n s a m e   P r e s s e m i t t e i l u n g
von 
Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KZVBW)
und AOK Baden-Württemberg (AOK BW) 


„Weder Sozialromantik noch Rationierung“ - Spitzen von KZV und AOK fordern mehr Vertrauen in den zahnärztlichen Sachverstand

Stuttgart, 25.01.2016. Die KZV und die AOK im Land sprechen sich dagegen aus, das Thema Zahnversorgung von Flüchtlingen lediglich von der Kostenseite zu beleuchten, wie dies durch Medienberichte in den letzten Tagen einseitig gegenüber der Öffentlichkeit kommuniziert worden ist. In den Berichten wurden auf der Grundlage von spekulativen Schätzungen angebliche Milliardenkosten für den Zahnersatz für Flüchtlinge prognostiziert. „Es geht zu allererst um die zahnmedizinische Begutachtung und Entscheidung, ob und welche Behandlung gegebenenfalls notwendig ist. Der Zahnarzt, und nur er, ist in der Lage, dies verantwortlich zu beurteilen“, so die Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung im Land,
  Dr. Ute Maier, am Montag (25.01.2016) in Stuttgart.
In den ersten 15 Monaten seines Aufenthaltes müsse der Geflüchtete die notwendige Zahnversorgung bekommen, die er gemessen an seinem persönlichen Zahnstatus auch wirklich braucht. Maier: „Es geht doch hier nicht um Zahnsanierung unter optischen Aspekten. Der Zahnarzt kann sehr schnell feststellen, ob ein akuter Behandlungsbedarf besteht, weil der Betroffene beispielweise seine Nahrung nicht ausreichend zerkleinern kann oder sein Kiefer von Verletzungsfolgen geplagt ist.“ Dabei seien die behaupteten reihenweisen Komplettbehandlungen von 10.000 Euro und mehr ausgeschlossen: „Solche Behauptungen sind bar jeder Wirklichkeit und führen in die falsche Richtung“, so Maier.

Nach den 15 Monaten, wenn ein Geflüchteter anerkannt und eine belastbare Aufenthaltsberechtigung in Deutschland besitzt, ändert sich mit der Arbeitserlaubnis auch seine Krankenversorgung. Nach den rechtlichen Grundlagen wird er aufgrund eines eventuellen Arbeitsverhältnisses oder als Arbeitslosenhilfebezieher (ALG II) in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert.

„Weder Sozialromantik noch Rationierung von Gesundheitsleistungen bringen uns hier weiter. Wer gesetzlich versichert ist, hat einen einheitlichen Leistungsanspruch, unabhängig davon, ob er schon lange in Deutschland lebt, aus einem EU-Staat kommt oder aus einem Kriegsgebiet flüchten musste. Wer diesen Grundsatz aufgibt, verlässt die soziale Basis unseres Landes und führt über Leistungsverweigerungen Patientenklassen ein. Das gefährdet die soziale Grundlage unseres Landes“, warnt AOK-Chef Hermann. Es brauche gerade in der Flüchtlingsthematik mehr Vertrauen in den ärztlichen und zahnärztlichen Sachverstand. Nur Ärzte und Zahnärzte können über Diagnostik und Therapie richtig entscheiden, was sie millionenfach jeden Tag in Deutschland unter Beweis stellen.

Pressekontakte:
KZV Baden-Württemberg
Guido Reiter
Pressesprecher
Tel. 0711/7877220

AOK Baden-Württemberg
Kurt Wesselsky
Pressesprecher
Mobil: 01520 156 87 20  

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