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Zahnärzteblatt Baden Württemberg Ausgabe 05/2016

Editorial

Ausgabe 5, 2016

» Fortbildung aktiv. Fortbildung – das ist in Baden-Württemberg mehr als nur ein faktenorientiertes Präsentieren von wissenschaftlichen Möglichkeiten und Erkenntnissen. Fortbildung wird in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten kollegial und praxisorientiert gelebt und erlebt und in persönlichen Gesprächen vertieft. Fortbildung heißt hier aber auch, dass Kammer, KZV BW und Fortbildungseinrichtungen mit Kompetenz, Freude und Kreativität Tagungen konzipieren, organisieren und durchführen. Dazu gehört, zukunftsorientierte Entscheidungen rechtzeitig zu treffen und mit Mut und Weitsicht zu managen. Die Vertreterversammlung der Bezirkszahnärztekammer Freiburg hat 2013 in Titisee einen bereits heute als legendär und mutig zu bezeichnenden Beschluss gefasst, nämlich nach fast 40 Jahren das beschauliche Titisee und die in die Jahre gekommene Veranstaltungshalle, Kurhaus genannt, zu verlassen. Die Rahmenbedingungen, z. B. in Hotel und Gastronomie, wurden immer mehr von allen Seiten beklagt. Die mutige Entscheidung, die Tagung nach Rust zu verlegen, in den Europapark mit seiner einzigartigen Logistik, einzigartigen Hotelkapazitäten und attraktiven Rahmenbedingungen für Jung und Alt, zahlte sich aus. Ob das Get-together oder der Gesellschaftsabend – ein Highlight nach dem anderen. Im Mittelpunkt der vortreffliche Fortbildungskongress, den der Festvortrag der Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner ideal abrundete, zeichnete sie doch das Tagungsmotto „Risiko erkennen – Risiko vermeiden“ durch ihre anschauliche Reportage in exzellenter Weise nach. Zudem waren viele Aussteller aus dem zahnärztlichen Fachhandel vertreten, manche sprachen von einer kleinen Fachdental-Messe, die letztlich dazu beiträgt, dass Kosten im Rahmen bleiben.

» Glücksfall. Rust ist ein Glücksfall, aber Entscheidungsfreudigkeit, Mut und Zuversicht haben zum Erfolg beigetragen. Beispiele anderer Veranstaltungen in zahlreichen Bundesländern, einst erfolgreich, heute sang- und klanglos verschwunden, zeigen, dass die Entwicklung auch anders verlaufen kann. Insofern kann den Mannschaften in Baden-Württemberg, ob in Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart und Tübingen weiterhin viel Erfolg und Glück gewünscht werden, damit auch morgen die Kollegenschaft weiß, was sie an ihren Fortbildungsveranstaltungen hat. Dieses Heft widmet sich in seinem Titelthema den Fortbildungsveranstaltungen in Karlsruhe und Rust.

» Karlsruher Konferenz. Zu Beginn des Kongresses, der sich auf „Innovationen aus dem zahnmedizinischen Kernfach“ konzentrierte, ging es intensiv in die Grundlagenforschung: „Schmelzregeneration – was geht und was geht nicht?“ hieß das Thema, dessen sich Professor Dr. Matthias Hannig, Homburg/ Saar, annahm. Er gab einen Überblick über die in den letzten Jahren entwickelten Strategien, die basierend auf azellulären biomimetischen und bioinspirierten Verfahren, den natürlichen Zahnschmelz nachzubilden versuchen. Lesen Sie den Beitrag auf Seite 8 ff „Zähne mit hohem Sachverstand erhalten“.

» Jahrestagung in Rust. Der wissenschaftliche Leiter des Kongresses, Prof. Dr. Elmar Hellwig, Freiburg, hatte neun renommierte Referenten aus dem Inund Ausland eingeladen, die mit ihren Vorträgen dazu beitrugen, Risiken vor der Behandlung zu erkennen und bei der Behandlung zu vermeiden. Prof. Hellwig definierte den Begriff Risiko und grenzte ihn gegen Wagnis und Gefahr ab: „Risiko ist unser ständiger Begleiter“, gab er zu bedenken – und „eine vollständige Risikobegrenzung in der Praxis kann man nur dann erzielen, wenn man dort nicht mehr arbeitet“. Mehr lesen Sie auf Seite 14 ff „Risiken sind allgegenwärtig“.

» „Autonomie bewahren“ appelliert Dr. Bernhard Jäger in seinem Leitartikel auf Seite 7. Die Handlungsorientierung ist klar: Fortbildung ist immer mit guter Wissensvermittlung verbunden. Gleichzeitig aber mit einem Wertebezug, der auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist. Und die Autonomie müssen wir uns bewahren, nicht nur zur Wahrung der Interessen des Berufsstandes, sondern als Aufgabe jeder einzelnen Zahnärztin und jedes einzelnen Zahnarztes.

johannes.clausen@izz-online.de