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Kultur

Picasso in der Kunsthalle Würth

 

Deutsche Spuren

Ausgabe 5, 2016

An Picasso kommt niemand vorbei. Auch 43 Jahre nach dem Tod des Künstlers ist die Faszination, die allein schon sein Name ausstrahlt, ungebrochen. Schon zu Lebzeiten ein Mythos, prägte er das 20. Jahrhundert wie kein Zweiter. Die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall zeigt, was den Künstler mit Deutschland verbindet.

Wer sich in Deutschland einen Überblick über das Können des jungen Picasso verschaffen wollte, fand dafür schon vor dem ersten Weltkrieg beste Bedingungen vor. Engagierten wie weitblickenden Kunsthändlern, Sammlern, Kritikern und Museumsdirektoren ist es zu verdanken, dass Picassos Werke landauf, landab nicht nur ausgestellt, sondern auch angekauft wurden und so Künstlern und interessiertem Publikum Anregungen, Debatten und entscheidende Anstöße vermittelten. Nirgendwo wurden seine aufregend neuen Formlösungen von einem derart vielstimmigen Echo begleitet wie im wilhelminischen Kaiserreich und der Weimarer Republik

Tief in den Herzen. Während sich Picasso jedoch nur für die Kunst der deutschen Renaissance interessierte, rieb sich die junge deutsche Avantgarde von Marc und Macke über Kirchner, Heckel, Nolde, Dix und Grosz bis hin zu Beckmann, Max Ernst und anderen mehr beständig an ihm. Nur der Erste Weltkrieg konnte der deutschen Euphorie vorübergehend Einhalt gebieten, nach dem Krieg entfachte die Begeisterung erneut. Selbst die Jahre des Naziterrors, in denen die deutschen Museen im Zuge der Aktion „entartete Kunst“ flächendeckend von allen Picasso-Werken „gesäubert“ worden waren, konnten nichts daran ändern, dass sich Picasso tief in das Herz der Deutschen eingeschrieben hatte. Die für das Nachkriegs-Deutschland zeichensetzende documenta 1, 1955 in Kassel wurde mit ihrer Bilanz der gerade noch verfemten klassischen Moderne, darunter zahlreichen Werken Picassos zu einem gesamtdeutschen Publikumserfolg.

Im Dialog. Über 160 kostbare Leihgaben und bedeutende Werke der Sammlung Würth, erschließen die vom Museo Picasso, Málaga konzipierte Ausstellung nun einem deutschen Publikum. Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen Picassos aus den Jahren 1901-1969 treten dabei in Dialog mit solchen führender deutscher Künstler der klassischen Moderne. In Themen wie Primitivismus, Zirkus, Krieg und Frieden, Mythos, oder Maler und Modell und anderen mehr, lassen sie Anverwandlung ebenso deutlich hervortreten wie Unterschiede.

Kunsthalle Würth/IZZ