Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Gehen Sie zur Wahl!

Ausgabe 6, 2016

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Wir haben wieder einmal eine Wahl vor uns. Bei dieser Wahl dürfen wir alle mitbestimmen und wir dürfen etwas für unseren Berufsstand entscheiden.

Selbstverständlich haben Sie die Freiheit, auf Ihr Wahlrecht zu verzichten. Ich darf Sie aber daran erinnern: Demokratie, Engagement für die Sache und Entscheidungsprozesse in unserer Profession passieren nicht einfach, sie werden vielmehr gemacht – von uns.

Demokratische Prozesse in unseren Vertreterversammlungen in Bezirkszahnärztekammern und Landeszahnärztekammer resultieren aus gemeinsamem Handeln derer, die sich einbringen wollen. Beileibe kein Zufall wird es sein, wie viel Sachverstand und Einsatz, wie viel Mut und Ehrlichkeit wir in der Standespolitik zukünftig vorfinden und erreichen: Es ist die Folge unserer Entscheidung bei der Wahl. Diejenigen Kolleginnen und Kollegen, denen wir unsere Stimme bei der Wahl geben, werden unseren Berufsstand auch für die nächsten vier Jahre politisch gestalten. Durch Ihre Stimme können Sie beeinflussen, was zum Programm wird.

Gerne möchte ich Sie ermutigen, mitzugestalten: Überlassen Sie unsere parlamentarische Strukturen in unserem Berufsstand bei der Wahl in die Bezirkszahnärztekammern und die Landeszahnärztekammer nicht der Beliebigkeit oder gar dem Verdruss. Unsere Profession lebt davon, dass wir eine Stimme haben und diese Stimme auch bei der Wahl nutzen. Sie lebt davon, dass Zahnärztinnen und Zahnärzte andere Kolleginnen und Kollegen auf Zeit damit beauftragen, die berufspolitischen Dinge zu regeln oder neu zu gestalten. Und sie lebt davon, dass die Gewählten ihren Auftrag ernst nehmen und Sie mit Überzeugung vertreten. Wählen Sie Kolleginnen und Kollegen, die das „Ehrenamt“ ernst nehmen – nicht die „Ehre“, sondern das „Amt“ in den Vordergrund stellen; die Visionen, Ideen und Gestaltungswillen haben, den Berufsstand immer wieder neu auszurichten.

Gleichwohl ist mir klar: Unsere demokratischen Strukturen mit unseren „Parlamenten“ sind nicht perfekt. Ihre Entscheidungen und Ergebnisse überzeugen nicht jeden zu jeder Zeit. Aber sie sind vital und offen für Veränderung, wenn wir die richtigen Kolleginnen und Kollegen wählen. Haben wir den Mut auch jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten die Stimme zu geben, vor allem auch Zahnärztinnen, die in Zukunft die Mehrheit unseres Berufsstandes stellen werden. Sind wir auch in dieser Hinsicht lernfähig und sind wir uns alle bewusst, dass Sie durch Ihre Stimme und Ihre Wahl selbstbestimmt und eigenverantwortlich die Geschicke der Zahnärzteschaft und unsere Zukunft gestalten.

Über 10.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte sind in diesem Jahr wahlberechtigt. Jede und jeder Einzelne in unserer Profession kann gewiss sein: Ihre Stimme hat bei der Wahl Gewicht und zwar genauso viel wie die Stimme anderer Kollegen oder Kolleginnen, des Chefs oder die des Landeszahnärztepräsidenten.

Denken Sie daran, dass wir alle die Wahl haben. Warten wir aber nicht ab oder schauen nur zu, sondern wirken wir mit! Indem Sie wählen, entscheiden Sie sich für einen lebendigen und schlagkräftigen Berufsstand.

Dr. Bernhard Jäger, stv. Präsident der LZK BW

Sie haben die Wahl!

Ausgabe 6, 2016

Der Freiheit entsagen heißt seiner Eigenschaft als Mensch, den Menschenrechten, selbst seiner Pflicht entsagen. J.J. Rousseau

Einem Freien Beruf anzugehören, bedeutet Verpflichtung zum Einsatz für die Freiheit – und auch für die eigene Freiheit.

Bedeutet Einsatz gegen Zwang und Fremdbestimmung. Bedeutet Subsidiarität bzw. Selbstverwaltung vor staatlicher Bevormundung.

Bedeutet sich selbst, Ziele zu setzen und die dazu notwendigen Mittel zu wählen.

Bedeutet aufmerksam, seine Chancen und Verpflichtungen wahrzunehmen in Selbstverantwortung.

In einem liberalen Staat tragen Freiberufler an vorderster Front Verantwortung für die Umsetzung der Bürgertugenden Rechtssinn, Gerechtigkeitssinn und Gemeinsinn.

Freiberufler sind keine egoistischen Monaden, die nur ihr Selbstinteresse verfolgen. Freiberufler stiften ihre Identität durch Engagement im Gemeinnützigen, in Verbänden, im Ehrenamt.

Freiberufler müssen als Verbund freier Menschen ihre hohen Werte nach innen dem eigenen Beruf und nach außen der Gesellschaft vermitteln.

Ganz besonders in Zeiten, in denen im gemeinsamen Europa zunehmend Gesellschaftsentwürfe aufleben, denen die Elemente freier Bürgertugenden immer fremder werden.

Als Mitglied der KZV BW sind Sie, liebe Kollegin, lieber Kollege, einer der Träger unseres Freien Berufes Zahnarzt. Nehmen Sie Ihre Chancen und Ihre Verpflichtung ernst und entwickeln Sie Ihr persönliches bürgerschaftliches Engagement in Europa, in Deutschland und in der Selbstverwaltung.

Eines der vielen Engagements stellt die Wahl der Vertreterversammlung der KZV BW 2016 dar. Wählen ist Bürgerrecht und Bürgerverpflichtung. Wählen Sie diejenigen Kollegen, deren ehrenamtliches Engagement dazu dienen wird, Zwang und Fremdbestimmung soweit als möglich vom Freien Beruf Zahnarzt fernzuhalten. Legitimieren Sie durch Ihre Stimme die Gewählten, steuern Sie durch Ihre Wahl den gemeinsamen Kurs und messen Sie die Gewählten am Erreichten. Demonstrieren Sie durch Ihre aktive Stimmabgabe die Bedeutung der Freien Berufe für eine moderne freie Gesellschaft. Stärken Sie die Bedeutung der Selbstverwaltung in unserer modernen Gesellschaft.

Nehmen Sie nicht billigend in Kauf, dass der Staat die Gestalt des Freien Berufes Zahnarzt bis hin zur völligen Unkenntnis verändert.

Ich bitte Sie deshalb bei Ihrer Berufsausübung immer mit daran zu denken, dass ohne die skizzierte gemeinschaftliche selbstbewusste Gemeinwohlorientierung das freie Berufsbild nicht mit Leben erfüllt und auf Dauer auch nicht am Leben erhalten werden kann.

Dr. Dr. Alexander Raff , Vorsitzender der Vertreterversammlung der KZV BW

Interview mit Dr. Ute Maier zu den Vertragsergebnissen

 

„Hart aber fair“

Ausgabe 6, 2016

Zahlreiche Sitzungen und verschlossene Türen im Zahnärztehaus in diesem Frühjahr: Es war die Zeit der Vertragsverhandlungen. Die Vertragspartner – die in Baden-Württemberg ansässigen Krankenkassen und Krankenkassenverbände sowie die Verhandlungsdelegation der KZV BW mit Vorstandsvorsitzender Dr. Ute Maier, stellv. Vorstandsvorsitzendem Christian Finster, Direktor Knuth Wolf und dem Leiter Referat Recht Tobias Meyer – analysierten das Leistungsgeschehen, leiteten Konsequenzen und Forderungen daraus ab, erzielten Agreements oder gingen zunächst ohne auseinander, um sich wieder zu einer neuen Runde zu treffen. Aktuell sind alle Verhandlungen für 2016 abgeschlossen. Wie also ist es gelaufen? Fragen dazu an Dr. Ute Maier.

ZBW: Frau Dr. Maier, die Vertragsverhandlungen, die Erzielung sehr guter Ergebnisse und somit Vergütungen für die Leistungen der Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzte ist ein Kernbereich der KZV. Was haben Sie 2016 realisieren können?

Dr. Ute Maier: Das Wichtigste zuerst: Wir konnten mit allen Vertragspartnern ein Ergebnis auf dem Verhandlungsweg erzielen. Aufwändige und im Ergebnis nicht immer für alle Seiten zufriedenstellende Schiedsamtverhandlungen konnten somit vermieden und frühzeitig Planungssicherheit für die Kolleginnen und Kollegen erreicht werden. Das war nicht selbstverständlich, standen wir doch bei den Verhandlungen mit dem vdek kurz vor dem Scheitern. Zudem konnten die Punktwerte je nach Leistungsbereich zwischen 2,95 Prozent und 4 Prozent gesteigert und die Ausgabenvolumina erneut an den Leistungsbedarf angepasst werden.

Was war Ihnen wichtig, als Verhandlungspositionen für die Zahnärzte und verbunden auch mit der Notwendigkeit der besseren Honorierung einzubringen?

Wichtig war uns vor allem, die gestiegenen Aufwendungen für Personal- und Sachkosten sowie die Kostensteigerungen für Hygienemaßnahmen und Qualitätsmanagement mit in die Forderungen einzupreisen. Das ist gelungen.

Des Weiteren verfolgten wir das Ziel, die Überschreitungen der Ausgabenvolumina weiter zu minimieren und die Notfalldienstleistungen extrabudgetär zu stellen.

Es war zwischenzeitlich zu vernehmen, dass diese Verhandlungsrunde eine der schwierigeren war. Woran lag das?

Das lag einerseits an der z. T. schwierigen finanziellen Situation einzelner Krankenkassen, dem harten Wettbewerb unter den Krankenkassen um den Beitragssatz, aber auch an Vorgaben der Aufsicht – dem Bundesversicherungsamt (BVA) – für nicht in Baden-Württemberg ansässige Krankenkassen, und insbesondere bei den Ersatzkassen an den Vorgaben von deren Bundesebene. Die Handlungsspielräume der Landesverbände der Ersatzkassen werden durch „Berliner“ Vorgaben immer mehr eingeschränkt. Im Gegensatz zu früher, als die Ersatzkassen in Baden-Württemberg noch Punktwertvorreiter waren, hat sich dies seit 2013 kontinuierlich verändert mit der Folge, dass die niedrigsten Punktwerte nun von den Ersatzkassen – mit Ausnahme der TK – vergütet werden.

Wenn Sie jetzt z. B. mit der Forderung einer 5-Prozent-Steigerung in die Verhandlung gehen und versuchen würden, diese durchzudrücken, eventuell auch vor dem Schiedsamt – wäre das klug, könnte das erfolgreich sein?

Diese Frage stellen wir uns jedes Jahr aufs Neue. Wobei eine Forderung von fünf Prozent viel mit Wunschdenken und wenig mit der Realität zu tun hätte. Ein Blick in andere Bundesländer zeigt, dass der Gang vor das Schiedsamt vielleicht einmal erfolgreich sein kann. Allerdings leiden in der Regel die Ergebnisse in den Folgejahren. Und aus meiner Sicht ist es immer besser, mit den Vertragspartnern gemeinsame Lösungen zu finden als diese mit wechselndem Erfolg vom Schiedsamt zu erhalten. Langfristig zahlt sich m. E. die vertragspartnerschaftliche Lösung auf jeden Fall für die Kollegenschaft aus. Nicht umsonst hat sich der „Baden-Württembergische Weg“ als geflügeltes Wort bis auf Bundesebene durchgesprochen.

Wie erreichen Sie es zusammen mit den Vertragspartnern, bei auseinanderliegenden Positionen wieder auf einen gemeinsamen Weg einzuschwenken und ein Ergebnis auf dem Verhandlungswege zu erreichen?

Letztendlich ist es ein Geben und Nehmen. Und es braucht Verhandlungspartner auf beiden Seiten, die offen miteinander sprechen, an gemeinsamen Lösungen interessiert, pragmatisch und verlässlich sind und jeweils auch Verständnis für die andere Seite aufbringen. Wer immer nur mit dem Kopf durch die Wand will, wird nicht reüssieren. Gute, nachvollziehbare Argumente und mit realistischen Zahlen untermauerte Forderungen sind das A und O. Stammtischparolen dagegen bringen keine Seite weiter.

Der „Baden-Württembergische Weg“ ist als Begriff, als Kennzeichen der Vertragspartnerschaft hier im Land und auch als Auftrag beinahe schon legendär. Was macht ihn aus, wie kommt er konkret zum Tragen?

Der „Baden-Württembergische Weg“ steht für einen fairen Umgang miteinander und dem Interesse auf beiden Seiten, bei Differenzen dennoch vertragspartnerschaftliche Lösungen zu finden. Und er steht auch dafür, dass neue Wege zum Nutzen der Patientinnen und Patienten beschritten und die Spielräume, die das System einräumt, genutzt werden. So sind z. B. AOK BW und LKK dieses Jahr unserer Forderung nach extrabudgetärer Vergütung der Notdienstleistungen gefolgt. Aber auch früher gab es Regelungen, die bundesweit Signale gesetzt und Nachahmung gefunden haben. Bereits seit 2007 haben wir uns gemeinsam mit der AOK BW für die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen mit Behinderungen stark gemacht und die Früherkennungsuntersuchung bei Kleinkindern wurde 2013 zuerst in Baden- Württemberg mit der Barmer GEK vereinbart. Inzwischen wurde diese Früherkennungsuntersuchung sogar gesetzlich verankert.

Wenn Sie Ihre Vertragspolitik und die Zielsetzung auf einen Nenner bringen müssten, welcher wäre das?

„Hart aber fair“ zum Wohle der Patientinnen und Patienten, aber auch der Zahnärztinnen und Zahnärzte.

Welchen konkreten Benefit hat davon die Vertragszahnärztin, der Vertragszahnarzt – auch rückblickend?

Die Zahnärzteschaft hat und hatte sicherlich einen finanziellen Benefit. Die frühzeitigen Abschlüsse bewirken zudem Planungssicherheit und es herrscht aufgrund der einvernehmlichen Lösungen „Ruhe an der Front“.

Welche Versorgungsthemen stehen weiter auf der Agenda?

uns auf Landesebene sicherlich die Sicherstellung der Behandlung von pflegebedürftigen Menschen und Menschen mit Behinderungen sowie die Behandlung von Flüchtlingen fordern. Man darf gespannt sein, wie sich die neue Regierung zur elektronischen Gesundheitskarte für diesen Personenkreis positioniert und wie gerade auch bei Flüchtlingen mit dem Thema Prophylaxe umgegangen wird. In Abhängigkeit davon werden vertragliche Lösungen notwendig werden. Und es gibt im Bereich Parodontologie noch einiges zu tun. Nicht umsonst steht dieses Thema derzeit beim Gemeinsamen Bundesausschuss auf der Agenda. Des Weiteren werden uns der demografische Wandel und die Veränderungen im Berufsstand selbst mit zunehmender Bildung von Mehrbehandlerpraxen sowie der Forderung nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschäftigen.

Wann laufen die nächsten Gespräche an? Welche Erwartungen haben Sie in die weiteren Verhandlungsrunden?

Die nächsten Gespräche werden voraussichtlich erst Ende des Jahres oder sogar erst zu Beginn des nächsten Jahres stattfinden. Dabei wird § 85 SGB V mit Berücksichtigung u. a. der Kosten- und Versorgungsstruktur eine noch stärkere Rolle spielen als bisher. Insbesondere bei den Ersatzkassen wird sich zudem die Frage stellen, inwiefern regionale Spielräume eingeräumt oder aber bundeseinheitliche Vorgaben, die die regionalen Besonderheiten nicht berücksichtigen, als zwingend umzusetzen postuliert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!
guido.reiter@kzvbw.de

 

Die Akademisierung nichtzahnärztlicher Gesundheitsfachberufe

 

Kern bleibt die praktische Kompetenz

Ausgabe 6, 2016

Eigenes Berufsbild und selbstständige Tätigkeit von Dentalhygienikerinnen, Duales Studium DH, Bachelor DH – vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Debatten innerhalb des Berufsstandes ist der LZK-Vorstand in Klausur gegangen, um sich mit den Auswirkungen und Konsequenzen der gegenwärtigen Entwicklungen um die Akademisierung der nichtzahnärztlichen Gesundheitsberufe für die Zukunft der zahnärztlichen Profession zu beschäftigen. „Eruieren und Abwägen“ sollte nach den Worten des stv. Präsidenten, Dr. Bernhard Jäger zunächst an erster Stelle stehen – „Gestalten folgt als nächster Schritt“.

Unbestritten steht die zahnärztliche Profession, was das Praxispersonal betrifft, vor großen Herausforderungen. Qualifizierte zahnmedizinische Mitarbeiterinnen müssen auch zukünftig für die Praxen gewonnen werden, als Mitarbeiterinnen in der Praxis gehalten und weiter qualifiziert werden. Hierzu haben die Zahnärztekammern und insbesondere die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg in der Vergangenheit richtungsweisende Perspektiven mit der Aufstiegsfortbildung eröffnet.

Doch sind diese Maßnahmen im Hinblick auf das Praxispersonal ausreichend, um auch zukünftig eine flächendeckende und qualitativ hochwertige zahnärztliche Versorgung zu gewährleisten? Oder bedarf es einer Akademisierung der nicht zahnärztlichen Gesundheitsberufe? Wie kann die Attraktivität des Berufsbildes der ZFA generell erhöht werden? Wie soll der Berufsstand dem Anspruch vonseiten der Dentalhygienikerinnen nach einem selbstständigen Berufsbild begegnen und welche Probleme hinsichtlich der Haftung sind hiermit für Zahnärzte ebenso wie für Patienten verbunden? Und was würde passieren, wenn das Zahnheilkundegesetz zur Ausweitung der Delegationsmöglichkeiten aufgrund von europäischen Vorgaben tatsächlich geändert werden müsste?

Um diese offenen Fragen zu beantworten, machte sich der Vorstand zunächst mit einigen Daten und Fakten der komplexen Materie durch drei kompetente Fachvorträge vertraut.

Akademisierungswahn. Schon der Buchtitel „Der Akademisierungswahn – zur Krise der beruflichen und akademischen Bildung“ lässt keinen Zweifel, dass Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Philosophieprofessor und Kulturstaatssekretär a. D., der Ansicht ist, dass die deutsche Bildungspolitik auf dem Holzweg ist: Zu viele Akademiker – gelockt mit höheren Verdiensten und mehr gesellschaftlicher Anerkennung, finden keinen adäquaten Job und sind unterwertig beschäftigt. Wie 20 Prozent der Architekten, die nun als Technische Zeichner arbeiten. Inzwischen spricht die BIBB-Studie von einem Überhang von 1,6 Millionen Akademikern. Wobei diese hohe Quote nur deshalb erreicht wird, weil Standards an den Hochschulen abgesenkt werden, so Nida- Rümelin. Und die Hochschullehrer werden nur deshalb genötigt, die Standards abzusenken, um die hohe Abbrecherquote zu verschleiern, die eigentlich als deutliches Warnsignal der bildungspolitischen Fehlsteuerung zu werten wären.

Auf der anderen Seite werde das einstige Aushängeschild „Duales Ausbildungssystem“, um das Deutschland in der ganzen Welt beneidet wird und das zahlreiche Nachahmer weltweit gefunden hat, vernachlässigt und noch viel schlimmer, das Duale System gilt letztlich nur noch als Auffangbecken für gescheiterte Akademiker.

Mit transparentem Zahlenwerk untermauerte Prof. Nida-Rümelin seine These, wonach der ökonomische Erfolg eines Landes weder im Zusammenhang steht noch bedingt wird durch eine hohe Akademisierungsquote. Im Gegenteil: In jenen Ländern, die wie beispielsweise Großbritannien eine hohe Akademikerquote aufweisen, ist die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch.

Dem nicht genug, spricht Prof. Nida-Rümelin von einer weiteren Krise, einer Doppelkrise: Die sich als humboldtsches Bildungsideal bewährte Idee der Einheit von Forschung und Lehre an den Universitäten werde mehr und mehr abgewertet. Man imitiere unreflektiert das wissenschaftsferne US-Ausbildungssystem. In den USA studieren 83 Prozent der Studierenden an Hochschulstandorten, an denen keine Forschung betrieben wird. „Noch ist es nicht zu spät“, Prof. Nida- Rümelin zeigte Perspektiven für eine Korrektur des eingeschlagenen Weges auf. Es gebe effektive Stellschrauben, über die nicht allein der Staat, sondern auch die Wirtschaft, die Gewerkschaften und vor allem diejenigen verfügten, die die Bildung durch eigene Berufspraxis und Lebensentscheidungen tragen: Die Lehrenden und die Lernenden!

Bollwerk Zahnheilkundegesetz. Dem Leiter der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention der BZÄK, Dr. Sebastian Ziller fiel die Aufgabe zu, die gegenwärtigen bildungspolitischen Entwicklungen im Kontext des Berufsstandes zu verorten bzw. konkret in Bezug zur Dentalhygienikerin zu setzen. Und er begann mit statistischen Kennzahlen: Im Jahr 2014 waren 70.740 Zahnärzte behandelnd tätig, darunter 53.176 in eigener Praxis. Im Durchschnitt waren pro Praxis 3,9 ZFAs ohne und mit Zusatzqualifikationen tätig, insgesamt etwa 211.000 ZFAs und Azubis. 2014 wurden 716 Prüfungen zur ZMV, 767 zur ZMP, 280 zur ZMF und 82 zur DH vor den Kammern abgelegt.

Was die nichtzahnärztlichen Gesundheitsfachberufe betrifft, gibt es derzeit auf EU-Ebene drei Entwicklungen, die den Weg in Richtung einer Akademisierung bzw. zu einem selbstständigen Berufsbild ebnen könnten. Dies sind zum einen Bestrebungen nach einem „Gemeinsamen Ausbildungsrahmen“ und einer „Gemeinsamen Ausbildungsprüfung“, wobei für das Pilotprojekt nun Ingenieure gewählt wurden. Im Rahmen des sogenannten EU-Transparenzprozesses wurde die DH zudem als ein Referenzberuf aus dem Gesundheitssektor für die vertiefte gegenseitige Evaluation nationaler Regulierungsvorgaben ausgewählt. Und schließlich hat die praxisHochschule Köln eine Online-Petition für eine geschützte Berufsbezeichnung der DH eingebracht, die das geforderte Quorum allerdings deutlich verfehlt hat. Die Gefahr auf europäischer Ebene scheint demnach überschaubar. Bislang wird ein Bachelor DH mit einem dreijährigen universitären Grundstudium nur im österreichischen Krems angeboten, was umso beachtlicher ist, da es in Österreich überhaupt keine Dentalhygieniker gibt.

Eher auf nationaler Ebene deuten sich Entwicklungen an, die einer Verselbständigung des Berufsbildes Vorschub leisten: Die praxisHochschule Köln bietet bereits ein duales Studienangebot für Dentalhygiene an, an den Universitäten Witten- Herdecke, Marburg und Würzburg werden derzeit Überlegungen angestellt. Die Akademisierung der nichtärztlichen Gesundheitsfachberufe wird insbesondere in der Pflege gefördert sowie allgemein arztentlastende Strukturen, Stichwort AGnES, von der Politik aus Kostengründen befördert werden. Insgesamt nimmt der Einfluss des Staates durch die Sozialgesetzgebung zu.

Als Worst-Case-Szenario entwarf Ziller die „Assoziationskette DH 2020“: Eigenes Berufsbild, Kammerverantwortung geht verloren und die DH arbeitet selbständig und mit eigener Liquidationsmöglichkeit in Konkurrenz zum Zahnarzt.

Akademische Wissensbasis. Im letzten Fachvortrag beleuchtete Prof. Dr. Michael Dick, Professor für Betriebspädagogik an der Otto-von- Guericke-Universität Magdeburg, die Hintergründe der Professionsentwicklung in den Gesundheitsberufen. Es gibt drei berufliche Leistungssysteme: die Marktbeziehung, die Machtbeziehung und die Hilfebeziehung, dem die zahnärztliche Profession zuzurechnen ist, weil die Hilfebeziehung im Vordergrund der beruflichen Tätigkeit steht. Basis des beruflichen Handelns ist Vertrauen. Vertrauen werde in die Profession gesetzt, so Dick, weil sie nicht dem Eigeninteresse, sondern dem Gemeinwohl verpflichtet sei. Neben der helfenden Beziehung und dem Gemeinwohlbezug kristallisierte Dick als wesentliche Merkmale einer Profession eine eigene akademische Wissensbasis, die Fähigkeit zu Krisenbewältigung und ein Fallverstehen heraus. Diese fünf Merkmale einer Profession überprüfte Prof. Dick für die ‚Profession DH‘ und vermerkte nur ein eindeutiges Häkchen beim Merkmal helfende Beziehung. Mit Einschränkung könne man noch Tendenzen für die Fähigkeit zur Krisenbewältigung und zum Fallverstehen erkennen. Der Gemeinwohlbezug sowie die eigene akademische Wissensbasis fehle dem Beruf Dentalhygieniker jedoch gänzlich.

Verschiedene Perspektiven. Auf der Basis der drei Fachvorträge von Prof. Nida-Rümelin, Dr. Ziller und Prof. Dick beschäftigte sich der LZK-Vorstand aus der Perspektive der niedergelassenen Zahnärzte, aus der Sicht der Patienten und der Beschäftigten sowie des Gesundheitssystems mit den Chancen und Risiken der Akademisierung der derzeitigen Aufstiegsfortbildung zur DH.

Die Risiken der Entwicklung liegen vor allem in der Perspektive einer selbstständigen Tätigkeit der DH, die den Zahnarzt substituiert. Risiken für die Patientensicherheit ergeben sich aus der Teilung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten sowie der Abkoppelung einfacher Behandlungen von komplexen. Der Blick auf den Patienten würde fragmentiert. Getrennte Zuständigkeiten und divergierende Botschaften an den Patienten sind denkbar und würden zu einem schwer wiederherstellbaren Vertrauensverlust in das System führen. Wenn zusätzliche Praxen als kleine Unternehmen entstehen, ergeben sich neue Kosten und unternehmerische Risiken. Die Abfederung dieser Risiken durch neue Geschäftsmodelle könnte die Ökonomisierung der Zahnmedizin verstärken.

Die akademisierte DH als Teil der zahnärztlichen Praxis hingegen bietet auch Chancen. Der Patient hätte nach wie vor eine Anlaufstelle, an der er als ganze Person bekannt ist und betreut wird. Es wäre einfacher, einheitliche Behandlungskonzepte anzubieten. Jede Behandlungsoption, gerade die einfachen, würde mit Blick auf die Gesamtsituation und mögliche Folgen bewertet. Die Zahnärzteschaft gewänne mit der akademisierten DH ein attraktives Berufsbild, interessante Laufbahnstufen und neue Impulse für die Praxisorganisation. Der Berufsstand bietet diese Laufbahnen und Fortbildungen bereits heute durch die Kammern an. Die formale Anerkennung der kammereigenen Fortbildung auf Bachelor-Niveau im europäischen Qualifikationsrahmen wäre eine Option. Wichtig ist, dass eine Akademisierung nicht zwingend eine Verwissenschaftlichung darstellt. Viele Bachelor- Studiengänge, gerade auch in der dualen Variante, orientieren sich an neuen Berufsbildern und praktischen Kompetenzen und nicht an einem umfassenden akademischen Bildungsbegriff. Egal, an welcher Institution angeboten, der Kern der zahnmedizinischen Assistenzberufe bleibt die praktische Kompetenz.

mader@lzk-bw.de
mit Auszügen aus dem Ergebnisprotokoll des Moderators Prof. Dr. Michael Dick

Kommentar

Hochschulstudium top, Berufsausbildung ein Flop?

Der frühere Staatsminister Nida- Rümelin warnt schon länger vor einem „Akademisierungswahn“. Im Streit über die Wertschätzung für ein Hochschulstudium und die berufliche Ausbildung in Deutschland legte er jetzt in der Klausurtagung nach. „Man darf den Leuten nicht den Kopf verdrehen mit völlig absurden Botschaften wie ‚Wer studiert, verdient im Lauf seines Lebens eine Million Euro mehr‘. Junge Menschen denken dann, sie bräuchten nur ein Studium aufzunehmen und hätten schon eine Art Lottogewinn“. Man kann sich ja viele Szenarien in der beruflichen Fortbildungslandschaft und in der Aufstiegsfortbildung vorstellen. Denken ist ja nicht verboten und Denkmodelle sind wichtig. Können sie doch in der Schublade liegen und je Bedarf hervorgeholt werden. Die Bachelor DH ist Fakt. Ebenso wie die DH Professional! Beide sind eine Tatsache, die nicht wegdiskutiert werden kann. Aber brauchen wir in unserer Profession bei unseren Mitarbeitern eine akademische Weiterbildung, sprich ein Hochschulstudium? Wir wissen, dass nach der ersten Euphorie an der „Hochschule in Köln“ die Zahlen drastisch zurückgehen.

Der LZK-Vorstand ging im April in eine Klausurtagung, um sich mit der „Akademisierung nichtzahnärztlicher Gesundheitsfachberufe“ und deren Auswirkungen und Konsequenzen für die Zukunft der zahnärztlichen Profession zu beschäftigen. Wir wollten einen ersten Schritt unternehmen, wobei Eruieren und Abwägen an erster Stelle stand, Gestalten als nächster Schritt folgen sollte. Gerade was Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betrifft, steht die zahnärztliche Profession zukünftig vor großen Herausforderungen: An erster Stelle steht qualifiziertes Personal, das sind immerhin 98 % aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch zukünftig für die Praxis zu finden, in der Praxis zu halten und weiter zu qualifizieren. Das Letztere ist uns eindrücklich durch unsere Fortbildungsinitiative in BW gelungen. Die Herausforderungen der Zukunft haben wir angenommen. Richtungsweisende Perspektiven im Umgang mit der Gestaltung der Aufstiegsfortbildung wurden vor über 20 Jahren von der ZFA über die ZMP/ ZMF bis zur DH aus der Taufe gehoben. Als einen weiteren Schritt in die richtige Richtung beschloss die LZK VV letztes Jahr die „DH Professional“, als Gegengewicht zur Bachelor DH. Der Markt regelt Angebot und Nachfrage, aber auch das Gehalt! Mit ihrer Fortbildung von Mitarbeitern und ihren Möglichkeiten zur Aufstiegsfortbildung hat die LZK mit ihren Gremien und den Entscheidungen in der VV in den letzten Jahrzehnten Geschichte geschrieben. Hier sind und waren wir für viele andere Kammern Vorbild. Dadurch stärkten und stärken wir sowohl die Duale Ausbildung als auch die Duale Aufstiegsfortbildung. In Baden-Württemberg gibt es zum Beispiel über 2.000 ZMPs.

Brauchen wir vor diesem Hintergrund wirklich eine Akademisierung der Heilhilfsberufe, um zukünftig eine flächendeckende und qualitativ hochwertige zahnärztliche Versorgung zu gewährleisten? Eine viel wichtigere Frage ist für mich: Welche Rahmenbedingungen sind zu schaffen, um die Attraktivität des ZFABerufs zu erhöhen? Der Nutzwert einer akademischen Qualifizierung à la Bachelor DH für den Praxisalltag ist relativ gering! Doch bleiben noch einige Fragen offen: Wie ist dem Anspruch von Seiten der DHs nach einem selbstständigen Berufsbild und der Substitution zahnärztlicher Tätigkeiten zu begegnen? Welche Probleme hinsichtlich Haftungsund Qualitätsfragen sind damit für Patienten wie Zahnärzte verbunden? In seinem Buch „Der Akademisierungswahn: Zur Krise beruflicher und akademischer Bildung“ hatte Nida- Rümelin unter anderem scharf kritisiert, deutsche Bildungspolitik vernachlässige die berufliche Bildung. „Laut Studien sei hierzulande bis 2030 mit einer Lücke von über vier Millionen nichtakademischen Fachkräften zu rechnen.“ Dem ehemaligen Kulturstaatsminister stimmen zahlreiche Bildungspolitiker, Arbeitsmarktexperten sowie ein Großteil der Wirtschaft und der Wissenschaft zu. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Dr. Bernhard Jäger

 

Vertreterversammlung der BZK Freiburg in Rust

 

Erfolgreich im Dienste der Kollegenschaft

Ausgabe 6, 2016

Zum Ende der vierjährigen Amtsperiode der Vertreterversammlung und des Vorstandes der BZK Freiburg ließ Dr. Peter Riedel, Vorsitzender des Vorstandes, in seiner Rede in Rust wichtige berufsrelevante Entscheidungen, Fakten, Herausforderungen und viele Themen mehr Revue passieren.

GOZ – drei Buchstaben, die für den Berufsstand ebenso wie der BEMA der gesetzlichen Krankenversicherung existenziell sind. 2012 wurde nach über zwanzig Jahren die neue GOZ in Kraft gesetzt. Das war der Startschuss, um in „neun Großveranstaltungen der BZK Freiburg 1400 Kolleginnen und Kollegen und über 2500 Mitarbeiterinnen über die wichtigsten Neuerungen zu informieren“, führte Dr. Peter Riedel aus. Weitere Themen, die die BZK Freiburg und die Kollegenschaft engagiert behandelten und mit Politikern diskutierten, drehten sich um das Patientenrechtegesetz. Dr. Peter Riedel: „Ein Gesetz, das letztendlich bestimmt nicht dazu geführt hat, das individuelle Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient zu stärken.“ Darüber hinaus sprach er das von Bündnis 90/Die Grünen propagierte Projekt Bürgerversicherung an. Zur Erinnerung: KZV BW und LZK BW, vertreten durch die Vorsitzende Dr. Ute Maier und den Präsidenten, Dr. Udo Lenke, hatten im Vorfeld der Bundestagswahl in einer Landespressekonferenz in Stuttgart im September 2013 zusammen mit dem Vorsitzenden des Beamtenbundes Baden-Württemberg, Volker Stich, vor den Konsequenzen der Einführung einer Bürgerversicherung gewarnt (ZBW 12/2013). Weitere Themen der Amtsperiode: Altersgrenze beim Notdienst. „Hier konnten sich die südbadischen Delegierten im Land leider nicht durchsetzen – die Grenze ist in der Vertreterversammlung von Kammer und KZV gefallen“, erinnerte Dr. Peter Riedel an die Entscheidung.

Freiberuflichkeit. Ein Thema, das Dr. Peter Riedel besonders am Herzen liegt: die Freiberuflichkeit. Dabei sieht er die Produktion von unsinnigen Reglementierungen und die nach wie vor nicht angemessene Honorierung der Leistungen als eine weitere Gefährdung der Freiberuflichkeit an. Die gesamte Rede mit seinen bemerkenswerten Statements u. a. zum LZK-Strategiepapier, zur neuen Aufstiegsfortbildung, die auf der Fortbildung zur Zahnmedizinischen Verwaltungsassistentin (ZMV) aufbaut, die GOÄ-Reformbestrebungen usw. hier im ZBW abzubilden, ließe den Rahmen sprengen.

Dr. Norbert Struß, stv. Vorsitzender des Vorstandes der BZK Freiburg, informierte über die große Resonanz bei der Kollegenschaft, die die Informationsvorträge „Praxisbegehung – was nun?“ besuchten. Wer Dr. Norbert Struß kennt, weiß, dass er mit größter Akribie und Sachkenntnis den Vertreterinnen und Vertretern einen umfassenden Bericht zum Thema Hygiene, Medizin-Produkte-Aufbereitung, QM-Richtlinien und anderen Themen vorstellte. Weiter stellte Dr. Georg Bach, Gutachterreferent, in bewährter Weise eloquent und transparent Fakten und Daten zum Gutachterwesen vor. Vorstandsmitglied Dr. Martin Haas berichtete über die sehr gut angenommenen Angebote der Berufskundevorlesung, die Infoabende für Studierende und über das gemeinsame Projekt zwischen BZK Freiburg und Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Freiburg.

Diskussion. Rust – das neue Synonym für außergewöhnliche Fortbildung. Außergewöhnlich waren auch die Teilnehmerzahlen, die der Fortbildungsreferent, Prof. Dr. Elmar Hellwig, der Kollegenschaft mitteilen konnte. Über 800 Zahnärztinnen und Zahnärzte und über 800 Zahnmedizinische Fachangestellte besuchten das breit gefächerte Fortbildungsangebot mit Precongress und Spezialpodium Kieferorthopädie. Ein Erfolg, den auch zahlreiche Referentinnen und Referenten während ihrer Vorträge staunend anmerkten: Prof. Dr. Wahl: „Ich habe noch nie vor über 800 ZFAs im Rahmen einer Bezirks-Fortbildungstagung referiert.“ Das Thema „Finden und binden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Zahnarztpraxis“ stellt die Kammerfortbildungseinrichtung vor große Herausforderungen. Dr. Peter Riedel: „Unsere Aufstiegsfortbildungen sind zwar gut, aber zu viele eines Schuljahrgangs wollen studieren.“ Weiter betonte er: „Deswegen müssen wir auch diejenigen erreichen, die Abitur haben und studieren wollen.“ Dr. Klaus Sebastian: „Die Kammer muss auch in ihrem Portfolio etwas haben, gerade weil andere Mitbewerber auf dem Markt sind.“ Dr. Peter Riedel plädierte daher dafür, dass den Mitarbeiterinnen, die studieren wollen, ein Abschluss ermöglicht werden sollte. Dafür böte sich ein duales Studium an. Er erinnerte daran, dass das duale Studium „ursprünglich aus Baden-Württemberg kommt“ und „mittlerweile zu einer Erfolgsgeschichte“ geworden sei. „Insbesondere auch, weil die meisten Studieninteressenten – und was ich mir für unsere Mitarbeiterinnen ebenfalls vorstellen kann – zeitgleich zum Bachelor-Studium an der Hochschule eine Ausbildung in der Zahnarztpraxis absolvieren.“ Die Ausbildung sei dabei in das Studium integriert. „Somit hätten wir den jungen und ehrgeizigen Abiturientinnen und Abiturienten eine Perspektive geboten, Studium und Praxis miteinander zu verbinden und damit für uns die Chance eröffnet, diese zu binden.“ Insofern war es nur konsequent, dass der Vorstand der Vertreterversammlung einen Antrag vorlegte, der den Vorstand der LZK auffordert „Modelle für ein ausbildungsintegrierendes Studium DH zu entwickeln.“ Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Am 21. September tritt zum letzten Male die „alte“ Vertreterversammlung zusammen. Gleichzeitig konstituiert sich die neue Vertreterversammlung, die dann den neuen Vorstand der BZK Freiburg für die neue vierjährige Amtsperiode ab dem 1. Januar 2017 wählt. Das ZBW wird darüber berichten.

johannes.clausen@izz-online.de