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Fortbildung

Gemeinsames Symposium bei der Bezirksärztekammer Nordbaden

 

Fachübergreifendes zum Thema Parodontopathien

Ausgabe 6, 2016

Im neuen Gebäude der Bezirksärztekammer Nordbaden, Ende Februar bezogen, fand am 30. April 2016 ein gemeinsames Symposium der Bezirksärztekammer Nordbaden und der BZK Karlsruhe statt. Rund 150 Teilnehmer wohnten der Premiere in Karlsruhe bei, die mit namhaften Referenten aus dem ärztlichen und zahnärztlichen Bereich aufwarten konnte.

Die Begrüßung im vollen Saal des hochmodernen Hauses an der Karlsruher Zimmerstraße nahmen Dr. Herbert Zeuner, Präsident der Bezirksärztekammer Nordbaden, und Dr. Bernhard Jäger vor. Der Vizepräsident der LZK BW vertrat den aus Krankheitsgründen abwesenden Dr. Norbert Engel, den er als spiritus rector des fachübergreifenden Symposiums bezeichnete. Prof. Dr. Dr. Christof Hofele, Vizepräsident der Bezirksärztekammer Nordbaden, hatte die wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung inne.

Erfahrung zählt. Dr. Jäger wies auf die Unterschiede zwischen Ärzte- und Zahnärzteschaft hin: Nur knapp 40 Prozent der Ärztinnen und Ärzte sind niedergelassen, dagegen 93 Prozent der Zahnärzte. Das erklärt manch unterschiedliche Sichtweise in der Standespolitik. Die gemeinsame Schnittmenge im praktischen Alltag wird durch die Fürsorge für den Patienten gebildet, zum Beispiel bei der Versorgung Multimorbider, bei der Ärzte und Zahnärzte in regem Austausch stehen müssen. Dabei stellt sich auch die Frage nach dem Stellenwert des auf ärztlicher Erfahrung beruhenden individuellen Urteils.

Somatische Folgen. Um Wissenschaft und Erfahrung in der fachübergreifenden Behandlung in Einklang zu bringen, war diese Fortbildungsveranstaltung gedacht, bei der neben der Zahnheilkunde die Kardiologie, die HNO-Heilkunde und die Gynäkologie eine Hauptrolle spielten. Alle Disziplinen waren sich einig darin, dass die Zahngesundheit immens wichtig für die gesamtgesundheitliche Situation ist. Von zahnärztlicher Seite vertrat dies der Kieler Direktor der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Prof. Dr. Christof Dörfer. Er zeigte zuerst die Risikofaktoren für Parodontitis auf, erklärte dann die Studienlage und die „Fernwirkung der Parodontitis“, die sich u. a. in erhöhten Gesamt-Cholesterol- und LDL-Cholesterol-Werten, einer erhöhten Leukozytenzahl nach supragingivaler Kürettage sowie weiteren auffallenden Laborparametern zeigt. Darüber hinaus machte er aber auch klar, dass Parodontitis eine eigenständige und behandelbare Erkrankung ist, potenzielle Verbindungen zu anderen Erkrankungen sollen für die Indikation zur Behandlung nur von untergeordneter Bedeutung sein.

Herzinfarkt-Risiko erhöht. Den Wechselwirkungen zwischen Kardiologie und Parodontopathien wandte sich der Ärztliche Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Universität Heidelberg zu. Prof. Dr. med. Hugo A. Katus stellte u. a. die große schwedische Studie Parokrank vor, nach der das Herzinfarkt-Risiko bei Parodontitis um 28 Prozent erhöht ist. Auch die Beobachtung, dass man im oralen Biofilm und im Ballonkatheter, der zur Dilatation oder im Rahmen einer Koronarangiografie eingesetzt wird, übereinstimmende Bakterienarten findet, sollte zum verstärkten Nachdenken anregen.

Immunlage entscheidend. Ein intensives Erforschen der Zusammenhänge forderte auch Prof. Dr. Dr. Peter K. Plinkert, Direktor der HNOKlinik der Uni Heidelberg. Dass aufgrund der anatomischen Nähe Parodontopathien starken Einfluss auf Erkrankungen der Kieferhöhle und der Speicheldrüse haben, machte er deutlich. Welche Auswirkungen eine dentogene nekrotisierende Fasciitis im Halsbereich haben kann, zeigten seine eindrucksvollen Bilder. Mit imponierenden Zahlen wartete Dr. Bettina Schlehe auf, Oberärztin der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg. Sie bestätigte, dass das Risiko einer Frühgeburt und ein niedrigeres Geburtsgewicht eng mit dem oralen Keimspektrum korreliert sind. Das liegt u. a. daran, dass die Immunabwehr der Mutter wegen der zirkulierenden fetalen Antigene unterdrückt ist. Damit lässt sich auch eine größere Häufigkeit von Präeklampsien bei Parodontitis erklären

D. Kallenberg