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Leitartikel

Erfolgskonzept Komposite

Ausgabe 7, 2016

Kompositmaterialien gehören in der modernen konservierend-restaurativen Zahnheilkunde seit Jahrzehnten zur Standardversorgung in der täglichen Praxis. Es ist wohl der meistangewandte Werkstoff in der täglichen Praxis. Die Materialien werden als Füllungen, Inlays, Veneers und als adhäsive Befestigungsmaterialien angewandt. Für viele Patienten ist eine Zahnfüllung nicht nur ein Defektersatz, sondern die Füllungen sollen auch ästhetisch aussehen.

2003 waren 40 Prozent der befragten Patienten mit dem Aussehen ihrer Frontzähne unzufrieden. Immer mehr Patienten verlangen heute nach zahnfarbenen Füllungen, nicht nur im Frontzahn-, sondern auch im Seitenzahnbereich. Manche Firmen versuchten die Weiterentwicklung der Komposite zu umgehen und durch Werbemaßnahmen zu beschleunigen.

Ich erinnere mich noch an die Kampagne einer Firma, die den „weißen Amalgamersatz“ bei der Präsentation unter Mitwirkung vieler Professoren medienwirksam vorstellte. Es war ein Werbegag, der aber an der Wirklichkeit und an den Erfordernissen in der Praxis schnell verpuffte. Schnell verschwand dieses Produkt wieder vom Markt. Leider gab es damit zu viele Misserfolge.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es jedoch eine kontinuierliche Verbesserung der Kompositmaterialien. Noch im Jahre 1987 wurden okklusionstragende Kompositrestaurationen im Seitenzahnbereich als kontraindiziert angesehen.

Die Gründe dafür waren unzureichende Verschleiß- und Bruchfestigkeit, starke Dimensionsänderung unter mechanischer und thermischer Belastung. Die Schrumpfung während der Polymerisation war ein großes Problem. Zudem war es schwierig, einen adhäsiven Verbund zum Dentin herzustellen.

Das gehört heute zum Glück der Vergangenheit an. Seit Anfang der Neunzigerjahre gibt es jedoch deutlich verbesserte Materialien (Hybridkomposite) auf dem Markt, die durch höhere Verschleißfestigkeit und bessere physikalische und chemische Eigenschaften gekennzeichnet sind.

Die meisten Patienten lehnen heute Amalgam ab und lassen ihre alten und insuffizienten Amalgam-Füllungen aufgrund der silbrigen Farbe und folglich der mangelnden Ästhetik gegen schönere, helle Füllungen austauschen.

Viele Kolleginnen und Kollegen besuchen heute aufbauende und weiterführende Kurse, um ihre Technik und Arbeitsweise noch weiter zu verbessern. Standardisierte Vorgehensweise und verbesserte Adhäsive haben die Indikationen für Füllungen immer weiter erweitert. Sehr viele Praxen machen sehr erfolgreich minimalinvasive Versorgungen und vermeiden dadurch eine Teil- oder eine Vollkrone. Die Aufklärung darüber muss aber gut dokumentiert werden. Die korrekte Arbeitsweise und Anwendung erfordert einen großen Zeitaufwand. Deshalb muss der zeitliche Aufwand vergütet und vom Patienten dementsprechend bezahlt werden. Durch die Mehrkostenregelung haben wir dazu die Möglichkeit bekommen.

Der GKV-Patient hat Anspruch auf eine Füllung, wenn der Zahn kariös erkrankt oder die alte Füllung insuffizient ist. Er hat darüber hinaus Anspruch auf plastische Füllungsmaterialien, die den gesetzlich geregelten Gewährleistungsansprüchen genügen (§ 136 b Abs. 2 SGB V) und die eine Kavität „lege artis“ versorgen. Wünscht der Patient außervertragliche Füllungen, so hat er die entstehenden Mehrkosten selbst zu tragen. Es ist mit ihm eine Vereinbarung gemäß § 28 Abs. 2 SGB V zu treffen.

Die Honorierung von Kompositfüllungen in der GOZ ist völlig unzureichend. Eine minimalinvasive Versorgung, die sowohl Zeit als auch Können voraussetzt, wird in der jetzigen GOZ Verordnung leider nicht ausreichend honoriert und sollte über den § 2 der GOZ mit dem Patienten vereinbart werden. Um Überraschungen zu vermeiden, sollten auch Privatversicherte, bei denen über dem 3,5 fachen Satz abgerechnet wird, nicht nur ausführlich informiert und aufgeklärt, sondern sie sollen den Heil- und Kostenplan ihres Zahnarztes bei der Versicherung oder Beihilfe einreichen und die Erstattungsleistung abklären. Das heißt, dass darüber hinausgehende Gebühren privat bezahlt werden müssen. Besser als die beste Versorgung der kariösen Zähne mit Kompositen ist eine sorgfältige Mundhygiene, gesunde Ernährung und die regelmäßige Kontrolle durch den Zahnarzt. Durch richtige Prophylaxe kann heute jeder die Kariesanfälligkeit seiner Zähne lebenslang vermindern.

Dr. Bernhard Jäger, stv. Präsident der LZK Baden-Württemberg