Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Vertreterversammlung der KZV BW

 

Bekenntnis zur freiberuflichen Selbstverwaltung

Ausgabe 8-9, 2016

Die Vertreterversammlung der KZV BW hat den Gesetzgeber aufgefordert, die „bestehenden Aufsichtsbefugnisse in der Sozialversicherung gegenüber den Selbstverwaltungskörperschaften auf Bundesebene nicht zu verschärfen“. Hintergrund ist die von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) geplante deutliche Ausweitung der Kontrollmöglichkeiten per Gesetz. Die VV-Delegierten positionierten sich mit insgesamt vier Resolutionen – darunter ein klares Bekenntnis zur Freiberuflichkeit. Große Aufmerksamkeit erzielte Prof. Dr. Paul Kirchhof, der in der VV als Verfassungsrechtler, aber auch politisch über die Freiberuflichkeit, deren Bedeutung und Notwendigkeit sprach (s. dazu Kommentar Seite 11).

In Bezug auf die (zahn-)ärztliche Selbstverwaltung versucht die Politik gerade, ihren Einfluss durch Ausweitung ihrer Kontrollbefugnisse stringent zu erhöhen. Mit Sorge sehen die zahnärztlichen Standespolitiker auch die (De-) Regulierungsbestrebungen auf europäischer Ebene gegenüber den Freien Berufen. „Zu Recht wird die rein ökonomisierte Betrachtung berufsrechtlicher Regulierungen kritisiert“, betonte Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier in ihrem standespolitischen Statement. Manche sähen hier den „Sündenfall des Markteingriffs“ gegeben. Zuspruch kam vom Rechtsexperten: Würde man sich als Arzt und Zahnarzt in die Fänge des Großkapitals begeben, „haben Sie die Freiberuflichkeit verwirkt“, so Prof. Dr. Paul Kirchhof. Und weiter in aller Deutlichkeit: Die Ökonomisierungstendenzen in der EU müsse man zurückdrehen.

Die Vorstandsvorsitzende forderte die Politik auf, bei Reformen betreffend die Selbstverwaltung auch die Interessen der Patienten und Verbraucher im Blick zu behalten. Gerade die berufsrechtlichen Regelungen würden „zum Schutz von Patienten und Verbrauchern“ beitragen. „Gewachsene Systeme sollten und dürfen nicht zerschlagen werden, das bewährte System der Freien Berufe in Deutschland muss erhalten bleiben.“ Um der Deregulierungsinitiative der EU entgegenzuwirken, hat die KZV BW zwischenzeitlich einiges unternommen: Die offenen Reformfragen sind gestellt und analysiert, eine Strategie ist aufgestellt, konkrete Handlungskonzepte folgen. Dr. Maier gerade auch in Richtung KZBV und BZÄK: „Wir müssen uns da deutlich besser aufstellen“ – vergleichbar mit den Rechtsanwälten und deren einheitlicher Vorgehensweise sowie konzertierter Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess.

Die Resolution mit dem Titel „Den Wert der Freiberuflichkeit sichern“ verabschiedeten die Delegierten einstimmig. Ausdrücklich wird darin gefordert, dass KZBV und BZÄK die Öffentlichkeit und die Politik „intensiver als bisher“ über die besonderen Charakteristika freiberuflicher Berufsausübung – besonders auch der Heilberufe – und deren Vorteile für das Wohl aller Menschen im Land informieren. Den Ideen und dem Ansinnen der Europäischen Kommission, die verkammerten Berufe mit ihrer Gemeinwohlorientierung der vereinfachten wettbewerbsorientierten Dienstleistung zu opfern, müsse entgegengewirkt werden.

Landespolitik. Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg sei man mit den Positionen der Zahnärztinnen und Zahnärzte „früh unterwegs“ gewesen. Auch hier das ausdrückliche Bekenntnis, die Grundwerte des Freien Berufs Zahnarzt zu erhalten, also beispielsweise Vertrauen, Verantwortung, Zuverlässigkeit, Innovationskraft und Qualität. Weiterer Schwerpunkt: „Die wohnortnahe Versorgung in gewohnter Umgebung und bei einem vertrauten Praxisteam ist wichtig“, betonte Dr. Maier. Die neue grün-schwarze Landesregierung hält in ihrem Koalitionsvertrag in eigenen Worten fest: Gute, bedarfsgerechte ambulante ärztliche Versorgung sei „wichtig“, die Kassen(zahn-)ärztlichen Vereinigungen hätten den Sicherstellungsauftrag flächendeckend zu erfüllen, die Gesundheitsversorgung solle den Anspruch „qualitativ hochwertig, zuverlässig, sektorenübergreifend“ erfüllen. Allerdings müsse man jetzt inhaltlich konkreter werden, empfahl Dr. Maier, auch seien die Anliegen der Zahnärzte „zu wenig berücksichtigt“ bzw. die Zahnärzte kämen im Koalitionsvertrag überhaupt nicht vor. Dem neuen Sozialminister Manfred Lucha stünde sie offen und positiv gegenüber. Dieser sei im Gesundheitswesen erfahren, überdies „ein Typ mit Ecken und Kanten“ und klarer Ansage. Darauf könne man aufbauen.

Compliance. Ausgehend vom „Gesetz zur Bekämpfung von Korruption im Gesundheitswesen“ können sich für die Zahnarztpraxis konkrete Fragen zur Strafbarkeit in speziellen Fallkonstellationen ergeben. „Um Fragen abzuklären, hat die KZV BW hierfür das KZVCompliance- Beratungsmodell entwickelt“, erläuterte die Vorstandsvorsitzende. Bei Sicherstellung absoluter Vertraulichkeit durch Berufsgeheimnisträger, die nicht der KZV BW angehören, werde den Mitgliedern Hilfe und Beratung in Zweifelsfällen angeboten.

Kostenstruktur. En detail ist das Thema „Kostenstrukturerhebung“ angegangen worden: Strategisches Hauptziel ist die wissenschaftlich fundierte Analyse der Struktur der Praxiskosten, beispielsweise der Nachweis spezieller Ausgaben und deren Steigerung, mit entsprechender Ableitung von Handlungsoptionen für die Vergütungsverhandlungen. Eine hohe Akzeptanz der Erhebung bei Verhandlungspartnern ist dafür unerlässlich. Die Delegierten erteilten dem Vorstand einen entsprechenden Auftrag.

Verträge. Die Vergütungsverträge für 2016 sind fast vollständig – bis auf eine Unterschrift – unter Dach und Fach, die Ergebnisse sind sehr gut angesichts der teilweise schwierigen finanziellen Situation und des harten Wettbewerbs unter den Krankenkassen um den Beitragssatz (s. auch Interview „Hart aber fair“ in ZBW 6/2016). Die KZV BW baut indessen weiterhin auf die Vertragspartnerschaft. Dies gelte für die Regelungen zum Budgetausgleich 2014 mit Rückzahlungsminderungen sowie auch für die extrabudgetäre Vergütung des Notdienstes, die mit AOK BW und SVLFG-LKK fest vereinbart worden sei. Auf Bundesebene sei dies sehr beachtet worden und in der VV in Donaueschingen gab es Lob der Delegierten dafür und den Dank an das Verhandlungsteam der KZV BW.

Honorarverteilung. Neuland betrat die VV beim Honorarverteilungsmaßstab: Erstmals wurde ein Nachtrag verabschiedet zu einem bereits beschlossenen HVM. „Es galt auch beim HVM zu berücksichtigen, dass bei einigen Krankenkassen die im Notdienst anfallenden Leistungen budgetfrei gestellt wurden“, so der Vorsitzende der HVM-Kommission, Dr. Georg Bach. Gerne wolle man „den anderen Krankenkassen ein Signal und eine Motivationshilfe geben, sich künftig dieser Regelung anzuschließen“. Auf den HVM 2017 ging Dr. Bach schließlich in einem kurzen Ausblick ein.

Termine. Die letzte Vertreterversammlung der Legislaturperiode 2010 bis 2016 findet am 25. und 26. November 2016 in Donaueschingen statt.

Die neue Vertreterversammlung (2017 bis 2022) konstituiert sich am 5. Oktober 2016 in Stuttgart.

guido.reiter@kzvbw.de

Kommentar

Freiberuflichkeit – gestalten, vermitteln, leben

Wie erwartet, bot der Vortrag von Prof. Dr. Paul Kirchhof das Feuerwerk an Argumenten, die wir als Berufsstand brauchen, um uns in der Auseinandersetzung um den Erhalt der Freiberuflichkeit zu behaupten. Die wichtigsten Parameter, die den Freien Beruf ausmachen, sind: die Bedeutung einer eigenen Honorarordnung zur Qualitätssicherung, der Anspruch der ständigen Wissensvermehrung durch Fortbildung, die Verantwortung für das Gemeinwohl, die Vertrauensbasis im Arzt-Patienten-Verhältnis, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen handeln und nicht zuletzt die Unabhängigkeit in der Therapieentscheidung von ökonomischen Vorgaben Anderer.

Kirchhof warnte ausdrücklich davor, dass sich Ärzte oder Zahnärzte in Abhängigkeit von Kapitalgebern begeben und damit die Freiberuflichkeit leichtfertig aufgeben. Er forderte auf zum Kampf um die Freiberuflichkeit, sich des Vertrauensvorschusses der Politik und der Gesellschaft in die Freien Berufe bewusst zu sein und diesen anzunehmen.

Aber wissen wir das auch zu schätzen oder sind es am Ende nur leere Worthülsen? Erreichen wir damit gerade die jungen Kolleginnen und Kollegen? Sind sie sich darüber im Klaren, welche Werte mit der Freiberuflichkeit verbunden sind?

Wissen die Patienten und damit die Gesellschaft, was die Freien Berufe für das Gemeinwohl leisten und welche Vorteile für sie damit verbunden sind?

Es nützt nichts, wenn wir in standespolitischen Kreisen über Freiberuflichkeit hinter verschlossenen Türen diskutieren. Wir müssen unsere Kolleginnen und Kollegen, also Sie, liebe Leserinnen und Leser, erreichen und Ihnen verdeutlichen, was Sie in der Praxis von der Freiberuflichkeit haben.

Um in der Politik Gehör für den Erhalt der Freiberuflichkeit zu finden, brauchen wir zusätzlich die Unterstützung der gesamten Wählerschaft. Deshalb müssen wir raus aus dem Elfenbeinturm der Standespolitik. Es müssen Konzepte körperschaftsübergreifend auf Bundesebene erarbeitet werden, mit denen man plakativ, leicht verständlich und offensiv den Vorteil der Tätigkeit der Freien Berufe für die Allgemeinheit rüberbringen kann. Auch den Bundesverband der Freien Berufe müssen wir dabei mit einbeziehen.

Nur mit dem Einsatz aller freiberuflich Tätigen und deren Mitarbeiter sind wir in der Lage, Einfluss auf die Politik in Deutschland und dadurch auch auf die EU-Kommission zu nehmen. Das Erfolgsmodell der Freiberuflichkeit kann ein Exportschlager für die anderen EU-Mitgliedsländer werden, wenn wir es richtig gestalten und vermitteln. Warten wir nicht ab, bis die Zulassungskriterien zu den Freien Berufen auch bei Ärzten und Zahnärzten in Frage gestellt werden, um sie einer europäischen vereinfachten Gleichmacherei zu opfern.

Vielleicht hat die EUKommission im Moment andere Prioritäten, als Deutschland wegen der Honorarbindung und den Berufszugangskriterien bei den Freien Berufen auf Einhaltung des freien Wettbewerbs zu verklagen, aber wir müssen weiterhin gewappnet sein. Der exzellente Vortrag von Prof. Kirchhof hat Mut gemacht.

Sein Credo müssen wir uns zu eigen machen: „Wir sind zusammengekommen um zu kämpfen, nicht um zu weinen!“

Dr. Hans Hugo Wilms

 

KZBV-VV am 1. und 2. Juli in Köln

 

Handlungsrahmen der Selbstverwaltung stärken

Ausgabe 8-9, 2016

Zwei zentrale Themen beherrschten neben vielen anderen berufspolitisch relevanten die Vertreterversammlung der KZBV in Köln Anfang Juli. Zum einen das von Minister Gröhe geplante „Gesetz zur Stärkung der Handlungsfähigkeit und Aufsicht über die Selbstverwaltung der Spitzenorganisationen in der GKV“ und zum anderen das von KZBV, BZÄK und DG PARO getragene PAR-Konzept, das aufgrund seiner Komplexität aus fachlicher wie auch berufspolitischer Perspektive vorgestellt wurde.

„Eine Selbstverwaltung, die der Rechts- und Fachaufsicht unterliegt, ist keine Selbstverwaltung mehr, dann können die das alles alleine machen“, ging Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit den Plänen der Politiker und des BMG hart ins Gericht während seines Gastvortrages auf der VV der KZBV.

Prof. Hecken führte weiter aus, dass das geplante Gesetz den G-BA ebenso wie die Spitzenverbände im Gesundheitswesen auf Bundes- wie auf Landesebene treffe. Sein Appell: „Wir müssen nach außen den Wert der Selbstverwaltung öffentlich machen.“ Dazu gehöre es, dass das Patientenwohl und die Gemeinwohlinteressen dokumentiert werden.

Darüber hinaus hob Prof. Josef Hecken unmissverständlich hervor, dass „die Möglichkeiten der Kontrolle von Angelegenheiten der Selbstverwaltung bereits heute weitgehend sind, wenn sie konsequent umgesetzt werden“. Er appellierte an alle Verantwortlichen in der Politik, wegen möglicher Verfehlungen Einzelner, die Selbstverwaltung nicht insgesamt zu diskreditieren. Das wäre ein Irrweg, denn „seit 1913 haben sich Selbstverwaltung und gemeinsame Selbstverwaltung bei der Regelung von Versorgungsinhalten und vielen anderen wichtigen Aufgabenstellungen immer wieder bewährt“. Seiner Meinung nach lebe die Selbstverwaltung „von Staatsferne und eigenverantwortlicher Aufgabenverwaltung“. Dieser Rubikon dürfe nicht überschritten werden. Dabei gelte es, „das Haushaltsrecht, das Wesenselement der Körperschaften“, unangetastet zu lassen.

Selbstverwaltung stärken. „Die Freiberuflichkeit wird durch solche Gesetzesvorhaben in Frage gestellt“, kritisierte Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV, die Pläne der Bundesregierung für ein so genanntes GKVSelbstverwaltungsstärkungsgesetz. Nach den Plänen sollen Körperschaften mehr denn je den Weisungen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) unterliegen. Dr. Wolfgang Eßer: „Damit mutiert die Rechts- zur Fachaufsicht“. In der einstimmig verabschiedeten Resolution fordert die KZBV „die bislang in Form von Eckpunkten bekannt gewordenen Maßnahmen zu einem geplanten Gesetz zur ‚Stärkung der Handlungsfähigkeit und Aufsicht über die Selbstverwaltung der Spitzenorganisationen in der GKV‘ nicht umzusetzen.“ (Hier ist der gesamte Wortlaut der Resolution.)

PAR-Konzept. PAR – drei Buchstaben, eine Chiffre, mit denen seit vielen Jahren die Zahnärztinnen und Zahnärzte, Wissenschaftler ebenso wie Patientenverbände sowie die zahnärztlichen Selbstverwaltungen und nicht zuletzt die Kostenträger unterschiedliche Vorstellungen über Diagnose, Therapie und Honorierung verbinden.

Im Rahmen der Vertreterversammlung der KZBV galt es, in trauter Einigkeit von KZBV, Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Deutscher Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO), Interessengemeinschaft Zahnärztlicher Verbände Deutschlands e. V. (IGZ) und Freiem Verband (FVDZ) die „Neubeschreibung der PAR-Richtlinien“ auf den gesundheitspolitischen Parcours zu senden.

In seinem Statement beschrieb Dr. Wolfgang Eßer das Ziel, nämlich Einigkeit im Berufsstand zu schaffen, d. h. „mit einer Stimme sprechen“. Das würde die Position der KZBV im G-BA stärken, damit sie dort die Interessen des gesamten Berufsstandes vertreten kann.

Dr. Ute Maier, Vorsitzende des Vorstandes der KZV BW, stellte die wesentlichen Punkte des neuen PAR-Konzepts vor. Zuvor beschrieb sie dezidiert anhand von zahlreichen Fakten, veranschaulicht durch Charts, die Historie der PAR-Initiativen, insbesondere die von 2004 im Zusammenhang mit der BEMA-Umrelationierung. Ihr Fazit: „Aufgrund finanzieller Rahmenbedingungen wurde das damals im G-BA vorliegende, dem Stand der Wissenschaft entsprechende moderne präventionsorientierte PAR-Konzept nicht umgesetzt. Die alte Systematik bei gleichzeitiger Abwertung der einzelnen Leistungen (gesamter PAR-Bereich ca. 32 Prozent) wurde nahezu unverändert übernommen. Dabei wurden wesentliche zahnmedizinische Erkenntnisse nicht berücksichtigt.“

Vor drei Jahren (22. Juli 2013) stellten Patientenvertreter im G-BA einen Antrag zur Überprüfung der Behandlungsrichtlinie „Systematische Behandlung von Parodontopathien“ (PAR-Behandlung). Damit wurde die AG „PAR-Strategie“ zur „Erarbeitung von Lösungsvorschlägen zur Behandlung von Parodontalerkrankungen neu gegründet“, erläuterte Dr. Ute Maier. Damit verbunden war der Antrag an die AG „PAR-Strategie“, „ein abgestimmtes PAR-Konzept zwischen KZBV, BZÄK und DGZMK aus 2009 zu überarbeiten und zu aktualisieren“. Die Komplexität der Neubeschreibung der PAR-Richtlinien, die Dr. Ute Maier der Vertreterversammlung vorstellte, zeigt die notwendigen PAR-Behandlungsschritte in vorbildlicher und nachhaltiger Systematik auf.

Ausgehend vom 1. Therapieschritt, der eine Antiinfektiöse Therapie (AIT) umfassen sollte und ggf. auch eine chirurgische Intervention, ist nach Dr. Ute Maier „anschließend wesentlich und unverzichtbar: die regelmäßige strukturierte Unterstützende Parodontitistherapie (UPT)“. Das Konzept „Systematische PAR-Therapie“ – State of the art“ gliedert sich in

1. Erstkontakt (PSI-Befund, 01-Befund, Akutbefund)

2. ausführlicher PAR-Basisbefund, Diagnose, Prognose, Therapieplan

3. Ärztliches Gespräch (ÄG)

4. Antiinfektiöse Therapie (AIT)

5. Ärztliches Gespräch inkl. Reevaluation 1

6. evtl. weiterführende chirurgische Parodontal-Therapie (CPT) und

7. anschl. Ärztliches Gespräch inkl. Reevaluation 2

8. strukturierte Unterstützende Parodontitistherapie (UPT) inkl. weiterer Reevaluationen

Die einzelnen Schritte, die Dr. Ute Maier ausführlich vor der Vertreterversammlung vorstellte, hier im Zahnärzteblatt Baden-Württemberg abzubilden, würde den Rahmen der Berichterstattung über die Vertreterversammlung sprengen. In einer der nächsten Ausgaben wird das Thema PAR aus berufspolitischer Sicht, aus Sicht des G-BA, aus Sicht der Wissenschaft und weiterer Verbände aus dem Gesundheitsbereich beleuchtet werden.

Zurzeit läuft beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen eine Studie über die „Bewertung der systematischen Behandlung von Parodontopathien“, betonte Dr. Wolfgang Eßer.

Im Hinblick auf die weiteren Statements von Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Prof. Dr. Peter Eickholz von der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie, Dr./ RO Eric Banthien, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Zahnärztlicher Verbände IGZ) sowie ZA Harald Schrader, Vorsitzender des Vorstandes des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ), wurde deutlich, dass das PAR-Konzept konsentiert zu sein scheint.

Ausblick. Manche Delegierte hinterfragten, inwieweit die Professionelle Zahnreinigung (PZR) sich von der UPT unterscheidet. Dabei betonten manche, dass die PZR die „Sockelleistung“ sein könne, auf die die UPT dann aufsetze. Allerdings wird die Finanzierungsfrage ausgeklammert. Im Hinblick auf die bisher von der Zahnärzteschaft mit großem Erfolg verfolgte „präventionsorientierte Zahnheilkunde“ ist das neue überarbeitete und aktualisierte PAR-Konzept nur folgerichtig für das Gesamtkonzept einer präventionsorientierten Zahnheilkunde. Dabei wird die Compliance des Patienten nach wie vor ein bedeutender Faktor sein, um auch einer UPT zum Erfolg zu verhelfen.

johannes.clausen@izz-online.de

Kommentar

Strangulierung verhindern

Das „Selbstverwaltungsstärkungsgesetz“, wie es euphemistisch benannt worden ist, treibt seine Blüten. Nun hat sich auch Josef Hecken, der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), in seiner ureigenen Art zu Wort gemeldet. In Köln sprach er auf Einladung des Vorstandes der KZBV zu den Delegierten der Vertreterversammlung. Auch der G-BA ist in höchstem Maße davon betroffen, dass Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Kontrollmechanismen gegenüber der Selbstverwaltung massiv ausdehnen will.

Hecken hat einiges an einschlägiger Erfahrung vorzuweisen: ehemaliger Sozialminister im Saarland, Staatssekretär in verschiedenen Bundesministerien, ehemaliger Präsident des Bundesversicherungsamtes und auch Parteipolitiker waren Stationen seiner Karriere. Dass er kein gutes Haar an den Absichten des BMG ließ, kam nicht unerwartet.

In seiner launigen Rede arbeitete Hecken heraus, dass sich die Selbstverwaltung in einer Legitimationskrise befindet. Der G-BA würde in seiner Funktion und Besetzung verfassungsrechtlich hinterfragt, das BMG erweitere seine Rechtsaufsicht in eine kleinliche Fachaufsicht, womit die Versorgungsqualität auf dem Spiel stünde und der Weg in einen National Health Service beschritten würde. Vehement geißelte er den beabsichtigten Entzug des Haushaltsrechts und die Möglichkeit der Abwahl des Vorsitzenden der Vertreterversammlung mit nur einer einfachen Mehrheit in bestimmten Fällen. Ganz der routinierte Politiker, der seine Position mehrheitsfähig machen will, rief er dazu auf, Geschlossenheit gegenüber dem BMG zu zeigen, kompromissfähig zu bleiben und sich nicht auf Schiedsstellenentscheidungen zu verlassen.

Als unparteiischer Vorsitzender des G-BA bemängelte er fast nebenbei auch die zeitaufwändige Verfahrensweise wegen der Evidenzabsicherung und forderte eine zügigere Entscheidungsfindung.

Man hätte ihm noch lange zuhören können, wie er als geschickter Redner die Dinge auf den Punkt brachte, wie er kleine Geschichten einbaute und somit dafür zustimmenden Beifall erhielt. Nüchtern betrachtet sprach er pro domo. Wie die KZBV und damit unser Berufsstand braucht auch er Verbündete, um die Strangulierung der Selbstverwaltung durch die Politik zu verhindern. Teilweise scheint dies schon gelungen, da in den gerade bekannt gewordenen überarbeiteten Eckpunkten zum geplanten Gesetz das Haushaltsrecht und damit das Königsrecht einer jeden Vertreterversammlung unangetastet bleiben soll.

Aufschlussreich war in der Diskussion die Bemerkung des gewieften Politikers, dass er an viele Eckpunkte ein „ein Häkchen dran machen könnte“, was also Zustimmung signalisierte. Mit dem Erhalt des Haushaltsrechts ist wohl für ihn das schlimmste abgewehrt.

Es bleibt aber immer noch genug übrig, um weiter entschieden gegen die Absicht der Politik zu kämpfen, die Selbstverwaltung entscheidend zu schwächen. Denn was auf dem Berliner Parkett für die Bundesorganisationen festgelegt wird, werden die Aufsichtsbehörden der Länder selbstverständlich auch übernehmen, d. h. jede KZV in den Ländern und jede Landeszahnärztekammer wird gleichfalls betroffen sein. Gerade deshalb müssen sich die Selbstverwaltungen in Bund und Land gleich zu Anfang gemeinsam und lautstark gegen dieses geplante Gesetz wehren.

Die Politik ist auf einem gefährlichen Weg der schleichenden Entmachtung der Selbstverwaltung und damit der Freiberuflichkeit, wie Wolfgang Eßer als Vorstandsvorsitzender der KZBV anschließend betonte. Die Gesundheitspolitiker müssen sich die Frage gefallen lassen, ob gemäß des Koalitionsvertrages und den Worten von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe die Selbstverwaltung in Autonomie erhalten bleiben soll oder der Weg in die reine Staatsmedizin führt.

Dr. Hans Hugo Wilms

 

Vertreterversammlung der LZK BW

 

Qualität sichern und zukunftsfähig weiterentwickeln

Ausgabe 8-9, 2016

Am 23. Juli 2016 sind alle Interessengruppen unter den Delegierten der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg „glücklich nach Hause gefahren“. Das hatte sich der Vorsitzende des LZK-Satzungsausschusses, Dr. Torsten Tomppert gewünscht. Glücklich nach Hause gefahren ist jene Gruppe, die nach fast 8-jähriger Vorlaufzeit „einen Knopf unter die Weiterbildungsordnung“ machen wollte. Und glücklich sind auch diejenigen Delegierten nach Hause gefahren, die noch Entwicklungspotenzial bei der Weiterbildungsordnung sahen. Die Vertreterversammlung verabschiedete zwei entsprechende Anträge.

Es war eine kontroverse und zum Teil heftig geführte Diskussion. Bevor diese geführt werden konnte, galt es für den Versammlungsleiter Dr. Conrad Gast zunächst zwei zu diesem Tagesordnungspunkt verspätet eingegangene Anträge zuzulassen. Dr. Gabriele Güde zog ihren verspäteten Antrag, die Weiterbildungsordnung in der vom Vorstand vorliegenden Form nicht zu beschließen, zurück. Der zweite verspätete Antrag der überwiegend von Freiburger Delegierten und dem Ausschussvorsitzenden Oralchirurgie, Dr. Friedleif Bachner, gestellt worden war, wurde von der Vertreterversammlung zugelassen.

Für die Antragsteller begründete das Mitglied im Ausschuss für Oralchirurgie, Dr. Georg Bach, den eingebrachten Antrag: „Wir vermissen eine Form der Involvierung, insbesondere bezüglich des Logbuches und empfehlen ein Zurückverweisen an die betroffenen Weiterbildungsausschüsse zur abschließenden fachlichen Beratung“. Als Vorsitzender des Satzungsausschusses fiel Dr. Tomppert die Aufgabe zu, die wesentlichen Punkte der anstehenden Satzungsänderungen zu skizzieren: Bei der Weiterbildungsordnung geht es um die nach dem Heilberufe- Kammergesetz notwendige Drittstaatenanerkennung, die jetzt in die Weiterbildungsordnung aufgenommen werden muss. Es geht des Weiteren um die Einführung eines Berichtshefts/Logbuchs aus Gründen der Qualitätssicherung, das die theoretischen fachspezifischen Inhalte abbildet. Außerdem geht es um die Integration des OP-Kataloges im Fachbereich Oralchirurgie und darum, dass im Rahmen der Weiterbildung analog der Ärzte ein jährliches Gespräch zwischen Weiterbilder und Weiterbildungsassistent stattfinden muss über die Beurteilung des Standes der Weiterbildungsordnung. Schließlich entfällt noch die Ermächtigung für das allgemein-zahnärztliche Jahr durch die Bezirkszahnärztekammern.

Lange Genese. Dr. Bernhard Jäger resümierte die langjährige Genese der Novellierung der Weiterbildungsordnung der LZK BW, deren Hintergrund auf Bundesebene in Form der Novellierung der Muster- Weiterbildungsordnung liegt, die seit 2012 vorliegt und im unmittelbaren Zusammenhang mit der Einführung der Bachelor- und Masterstrukturen an der Donauuniversität Krems stand.

Dr. Jäger betonte „die Kooperation zwischen dem LZK-Vorstand und den Weiterbildungsausschüssen im Zeitraum von 2012 bis heute“ und appellierte an die Delegierten, der vorliegenden Ordnung gemäß dem alten Sprichwort „Was lange währt, wird endlich gut“, zuzustimmen. Die von Dr. Jäger hervorgehobene Kooperation zwischen Vorstand und den Fachausschüssen in Form einer „Information und Diskussion“ hat nach den Worten der Ausschussvorsitzenden für Kieferorthopädie, Dr. Gabriele Güde, „nicht stattgefunden“. Sie beklagte eine „unzureichende Kommunikation“ und „fehlende Information auf Augenhöhe“. Das Logbuch sei in der Praxis nicht umzusetzen und müsse zur Überarbeitung in die Fachausschüsse zurückverwiesen werden, so Dr. Güde.

Für Dr. Jäger dokumentiert das Logbuch hingegen „in transparenter und nachvollziehbarer Weise Qualitätssicherung“. Zudem bilde das Logbuch die theoretischen und fachspezifischen Weiterbildungsinhalte ab und „ist deckungsgleich mit den fachspezifischen Anlagen der BZÄK-Musterweiterbildungsordnung“.

Für Dr. Bach stellte die vorgelegte Satzung durch den Vorstand ein „Dokument des Scheiterns“ dar. Das Dogma des Vorstandes, dass beide Fachgebiete gleichlaufend sein mussten, hat uns gehemmt“. Für Dr. Friedleif Bachner, den Vorsitzenden des Ausschusses für Oralchirurgie geht „es nicht um eine fachspezifische Entscheidung“. Er warnte vor einer schwachen Weiterbildungsordnung, „das hat Konsequenzen“.

Ein Ende der hitzigen Debatte zeichnete sich erst mit den Wortmeldungen des BZK-Vorsitzenden aus Stuttgart, Dr. Konrad Bühler, und Dr. Wolfgang Grüner, Mitglied im Ausschuss für Kieferorthopädie ab. Dr. Grüner kündigte an, dass die Delegierten aus Karlsruhe dem Vorstandsantrag wegen der EU-Regelungen zustimmen werden, aber einen weiteren Antrag stellen werden, in dem Vorstand und Weiterbildungsausschüsse beauftragt werden, die Weiterbildungsordnung „in Zukunft kontinuierlich zu evaluieren und bei Bedarf weiterzuentwickeln“. „Das Logbuch ist ein erster Schritt in Richtung Qualitätssicherung“, argumentierte Dr. Bühler. Nach acht Jahren habe man zum ersten Mal die Struktur einer Qualitätssicherung, „diese können Sie gestalten und füllen“. Nun konnte Versammlungsleiter Dr. Gast die Abstimmungen zu den Anträgen des Vorstandes und der Karlsruher Delegierten herbeiführen: Beide Anträge wurden mit großer Mehrheit befürwortet. Die Weiterbildungsordnung wurde in der von LZK-Vorstand und Satzungsausschuss vorgelegten Form beschlossen.

Weitere Satzungsänderungen. Für die beiden weiteren Satzungsänderungen war die Flatrate des Satzungsausschussvorsitzenden nicht so beansprucht worden wie für den Dialog im Hinblick auf die Weiterbildungsordnung: Mit der Änderung der Bekanntmachungsvorschrift in der LZK-Satzung wird die Bekanntmachung von Satzungen in der Zukunft vereinfacht, weil auch eine Veröffentlichung auf der LZK-Webseite möglich wird. Zusätzlich wird die Satzung in den Geschäftsstellen von LZK und Bezirkszahnärztekammern zur Einsicht ausgelegt.

Mit der Änderung der Wahlordnung ist es Angestellten der Kammer, ihren Untergliederungen und Einrichtungen künftig zwar möglich, sich in ein Organ der LZK wählen zu lassen, sie müssen sich aber, wenn sie gewählt werden, zwischen der Ausübung des Wahlamtes und des Hauptamtes entscheiden.

Landesberufsgericht. In einem der Organe der Landeszahnärztekammer, dem Landesberufsgericht, enden zum 29.07.2016 die Amtszeiten von sechs Beisitzern. Die Vertreterversammlung hat nach der Satzung das Recht, dem Ministerium für Soziales und Integration Baden- Württemberg Personen vorzuschlagen. Diesem Recht sind die Delegierten nachgekommen und haben für eine 5-jährige Amtszeit des Landesberufsgerichts die folgenden Personen als Beisitzer vorgeschlagen: Als juristischen Beisitzer Reiner Frey (Tübingen), als 1. zahnärztlichen Beisitzer Dr. Frank Eisele (Freiburg), als stv. zahnärztlichen Beisitzer Dr. Roland Henne (Villingen-Schwenningen), als 2. zahnärztlichen Beisitzer Dr. Gerald Fuchs (Rastatt) und als stv. 2. zahnärztlichen Beisitzer Dr. Frank Rühle (Dettenhausen). Die Amtszeit der Beisitzer beginnt am 30.07.2016.

Benchmarking. Die Idee des Benchmarking wurde während der Klausurtagung im Vorfeld der LZK-Vertreterversammlung vom 21.07.2012 geboren. Seit Anfang 2013 wurde daraufhin das Erstattungsverhalten der Privaten Krankenversicherungen fortlaufend erfasst. Zum einen wurden Beanstandungsgründe bei der Erstattung, zum anderen die Beanstandungshäufigkeit katalogisiert. Mit dem nun ergangenen Beschluss der Vertreterversammlung werden diese bereits erhobenen sowie die zukünftig erhobenen Daten bei Schulungs-, Fortbildungs- und Seminarveranstaltungen zur GOZ-Abrechnung, bei Sondierungsgesprächen mit Kostenerstattern und bei Publikationen der Kammer verwendet und publiziert. Insbesondere als Argumentationshilfe bei Verhandlungen verspricht sich GOZ-Referent Dr. Jan Wilz viel von den erhobenen Daten.

Vorbereitet sein. „Wenn die Politik die nächste GOZ-Novelle ansteuert, sollte der Berufsstand vorbereitet sein und Alternativen zur Hand haben“. Das ist die Auffassung des GOZ-Referenten, Dr. Jan Wilz.

Der gleichen Auffassung waren die Delegierten aus Karlsruhe und brachten einen Antrag ein, der die Bundeszahnärztekammer auffordert, an einer Weiterentwicklung der Gebührenordnung zu arbeiten und neben fachlichen auch betriebswirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Nach langer Diskussion fand der Antrag eine Mehrheit.

mader@lzk-bw.de

Kommentar

Vorausschauend, souverän und weitsichtig …

… hat die Vertreterversammlung für den Berufsstand bei der neuen Weiterbildungsordnung für Kieferorthopäden und Oralchirurgen entschieden: Denn eine Weiterbildungsordnung kann nie statisch sein, sondern sie ist ein dynamischer Prozess, der kontinuierlich fortgesetzt wird.

Diese Weiterbildungsordnung wurde endlich, nach langer, heftiger Diskussion im Vorstand der LZK und in den Weiterbildungsausschüssen mit großer Mehrheit in der Vertreterversammlung verabschiedet. Eigenartig war die Diskussion schon. Es ging nicht um Inhalte, sondern nur um scheinbare Versäumnisse. Und das über Stunden! Seit ca. acht Jahren gab es Diskussionen auf Bundes- und Länderebene. Diese fanden ihren Niederschlag in der Muster- Weiterbildungsordnung. Ab 2012 fanden – nach dem Vorliegen der Muster-Weiterbildungsordnung – viele kontroverse Diskussionen, Beratungen, aber auch Streitgespräche im Vorstand, mit den Fachjuristen und den Weiterbildungsausschüssen statt. Dabei hat der Vorstand

der LZK immer wieder versucht, die verschiedenen Auffassungen der Weiterbildungsausschüsse zu berücksichtigen. Es war und blieb ein schwieriges Unterfangen! Deshalb beschloss der Vorstand im Jahr 2015 einstimmig Eckpunkte und ein Grundsatzpapier zur Weiterbildungsordnung. Diese umfassen nun die Einführung eines Logbuches, das die theoretischen und fachspezifischen Weiterbildungsinhalte abbildet. Zudem muss einmal im Jahr ein Gespräch zwischen Weiterbilder und Assistenten stattfinden, das dokumentiert werden muss. Mehr und nicht weniger! Was in der Fachprüfung abgefragt wird, bestimmen die Weiterbildungsausschüsse in eigener Verantwortung. Ich halte diesen Kompromiss für vorausschauend und liberal! Diese Weiterbildungsordnung kann wie jede „Ordnung“ jederzeit weiterentwickelt und mit neuem Leben erfüllt werden!

Völlig überflüssig war die langatmige und unnötige Diskussion um die Weiterentwicklung einer Gebührenordnung. Jede Profession ist verpflichtet vorzudenken, um überhaupt dem Auftrag der Kollegenschaft gerecht zu werden. Den Antrag zu stellen, dass man der BZÄK verbieten sollte, in diese Richtung zu agieren, wäre politischer Selbstmord. Wenn von Seiten des Gesetzgebers neue Verhandlungen anberaumt werden sollten, muss die Zahnärzteschaft doch belastbare Daten vorweisen können. Trotz aller berechtigter Kritik an der GOZ sollten wir immer bedenken und die politische Weitsicht besitzen, dass wir Zahnärzte eine „ordentliche“ GOZ besitzen, mit der Möglichkeit § 2 und § 6 anzuwenden. Zudem haben wir das Instrument der Mehrkostenvereinbarung zur Verfügung. Welche Fachgruppe hat das noch im Gesundheitswesen?

Dr. Bernhard Jäger

 

Wahl der Vertreterversammlung der KZV BW

 

310 Bewerber um 50 Mandate

Ausgabe 8-9, 2016

Die 50 Delegierten der dritten Vertreterversammlung der KZV BW sind gewählt. Wie im Zeitplan vorgesehen, gab Landeswahlleiter Dr. Manfred König das Ergebnis am 8. Juli bekannt. Mit 310 Kandidatinnen und Kandidaten gab es annähernd gleich viele Bewerber um die Delegiertensitze wie 2010 bei der Wahl zur 2. Vertreterversammlung (323 Kandidaten). Unterschiede zu 2010 gibt es beim Blick auf die Regierungsbezirke, hier die Mandatsverteilung: Freiburg 11 (2010: 15), Karlsruhe 12 (11), Stuttgart 19 (17) und Tübingen 8 (7). Die VV (Legislaturperiode 2017 bis 2022) konstituiert sich am 5. Oktober im Zahnärztehaus Baden-Württemberg in Stuttgart.

Mehr Wahlberechtigte hatten in diesem Jahr die Möglichkeit, ihre Repräsentanten in die Vertreterversammlung der KZV BW zu wählen: 7.695. Im Jahre 2010 waren es 7.275. Abgegeben wurden 113.213 Stimmen, 2010 waren es 131.373 Stimmen. Die Zahl der gültigen Stimmzettel betrug 3.593 (2010: 4.070). Die Wahlbeteiligung ist mit 47,32 Prozent rückläufig im Vergleich zu 2010 (56,77 Prozent). Gewählt wurden Kandidatinnen und Kandidaten, die auf den arrivierten großen Listen angetreten waren.

Gewählt wurden folgende Zahnärztinnen und Zahnärzte: Von der „Offenen Liste Nordwürttemberg“ Dr. Axel Altvater, Dr. Robert Barho, Dr. Silke Bokelmann, Dr. Konrad Bühler, Dr. Sarah Verena Bühler, Dr. Florentine Carow, Dr. Jürgen Carow, Dr. Gerhard Cube, Dr. Michael von der Heide, Dr. Ulrich Jeggle, Dr. Gudrun Kaps-Richter, Dr. Till Merkle, Dr. Patricia Miersch, Dr. Eberhard Montigel, Dr. Hendrik Putze, Dr. Dr. Alexander Raff, Dr. Uwe Rieger, Dr. Rainer-Udo Steck und Dr. Torsten Tomppert; von der Liste „Kandidatinnen und Kandidaten für Nordbaden“ Dr. Bert Bauder, Dr. Dr. Konrad Dümler, Dr. Christian Engel, Dr. Norbert Engel, Dr. Wolfgang Grüner, Dr. Patrick Hartenstein, Dr. Eva Hemberger, Dr. Uwe Lückgen, Dr. Christof Metz, Prof. Dr. Dr. Hannes Peter Schierle, Dr. Carsten Ullrich und Dr. Jan Wilz; von der Liste „Unabhängige Zahnärzte für B-W“ Dr. Wilfried Forschner, Dr. Ursula Glasauer, Dr. Christian Haase, Dr. Manfred Jooß, Dr. Johanna Kutz, Dr. Gisela Leisin-Hillebrand, Dr. Dr. Heinrich Schneider und Dr. Bernd Stoll; von der Liste „Zahnärztinnen & Zahnärzte Südbaden“ Dr. Georg Bach, Dr. Fritz Düker, Dr. Conrad Gast, Dr. Martin Haas, Dr. Iris Knoblauch, Dr. Burkhard Maager, Dr. Peter Riedel, Dr. Antoinette Röttele, Dr. Norbert Struß und Dr. Hans Hugo Wilms.

Konstituierung. Zur konstituierenden Vertreterversammlung kommen die Delegierten am 5. Oktober 2016 in Stuttgart zusammen; im Mittelpunkt steht auch die Wahl des Vorstandes der KZV Baden-Wüttemberg für die Legislatur 2017 bis 2022. Die Amtszeit der Delegierten beginnt am 1. Januar 2017.

guido.reiter@kzvbw.de

 

Auszählung der 16. Kammerwahl

 

Striche im Akkord

Ausgabe 8-9, 2016

Sobald die Frist für die Stimmabgabe für die 16. Wahl zur Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg abgelaufen war, ging es mit vereinten Kräften ans Auszählen. In den Bezirkszahnärztekammern traten die Bezirkswahlausschüsse zusammen. Ein Einblick in den Zähl-Marathon der BZK Stuttgart.

Bezirkswahlleiter Rainer Christ hat ziemlich viel Post bekommen. Zwei große Urnen sind gefüllt mit Wahlbriefen, adressiert an den Bezirkswahlleiter der Bezirkszahnärztekammer Stuttgart. Sie werden jetzt mit vereinten Kräften von zwei Wahlhelferinnen nach oben gehievt und über dem großen Sitzungstisch des Beiratszimmers ausgeschüttet. Eigentlich müssten jetzt 1.959 Wahlbriefe auf dem Tisch liegen, denn jeder bis zur Frist für die Stimmabgabe am 18. Juli eingegangene Wahlbrief wurde gezählt und in der Wählerliste vermerkt. Das muss jetzt erst einmal überprüft werden. Zehn Wahlbriefe liegen schon einmal abseits, sie sind am 19. Juli eingegangen – und können nicht mehr berücksichtigt werden, weil die Frist zur Stimmabgabe abgelaufen ist.

Wahlgeheimnis gewahrt? Bewaffnet mit Brieföffnern, kleinen Küchenmessern und zwei Brieföffnermaschinen machen sich die Mitglieder des Bezirkswahlausschusses und ihre Wahlhelfer ans Öffnen der Wahlbriefe. Sie entnehmen den Wahlbriefen die gelben Stimmbriefumschläge. „Wenn Sie mehr als den Stimmbriefumschlag im Wahlbrief finden, legen Sie alles zur Seite“, weist der Bezirkswahlleiter seine Wahlhelfer ein, „oder wenn der Stimmbrief nicht geschlossen ist“. Eigentlich wurde mit dem Versand der Wahlunterlagen auch eine Anleitung verschickt, wie die korrekte Stimmabgabe zu erfolgen hat, dennoch häufen sich bei Rainer Christ die problematischen Umschläge. Der Bezirkswahlleiter zeigt einen Stimmbriefumschlag, der mit der Bemerkung versehen wurde, dass er erneut geöffnet wurde, weil der Stimmzettel vergessen wurde. „Das Wahlgeheimnis ist nicht mehr gewahrt“, da muss Rainer Christ nicht lange überlegen, „die Stimme ist ungültig“. Aber selbstverständlich führt der Bezirkswahlleiter noch eine offizielle Abstimmung seines Wahlausschusses über die ungültigen Stimmzettel herbei. Vermerkt werden schließlich die gültigen Stimmbriefe. „So viele ungültige Wahlbriefe hatten wir lange nicht mehr“, stellt Rainer Christ kopfschüttelnd fest.

Viele Farben und hohe Stapel. Nun werden die Stimmbriefumschläge geöffnet und es wird bunt – zwölf Farben, jeder Kreiswahlvorschlag hat im Stuttgarter Bezirk eine andere Farbe. Der Bezirkswahlvorschlag ist weiß. Es werden Stapel gebildet. Jeder hat eine andere Technik – ein Mitglied des Wahlausschusses öffnet erst alle Umschläge und verteilt die Stimmzettel dann auf die farbigen Stapel. Eine Wahlhelferin entnimmt gleich jedem Umschlag die farbigen Stimmzettel und verteilt sie auf die bunten Stapel. Ab und zu fährt Margit Hartmann mit einem Wagen vorbei, auf dem die Wahlurnen kurzerhand umfunktioniert wurden und als Sammelbehältnis für die leeren Umschläge dienen. Vereinzelt kommen Gespräche zwischen den Wahlhelfern in Gang, meist geht es um die Stimmzettel, die sie aus den Umschlägen holen, „sieh mal, hier wurde kein Bezirkswahlvorschlag abgegeben“. Die meisten sind jedoch mit einer gewissen Anspannung in die doch recht monotone Arbeit versunken, die dennoch höchste Konzentration erfordert.

Der Bezirkswahlleiter zeigt erneut einen interessanten Stimmzettel: Für diesen Kreisvorschlag konnten nur sechs Stimmen abgegeben werden, das hat der Wähler aber erst bemerkt, als er den 7. Bewerber angekreuzt hat – aber sogleich mit dem Zusatz „Der nicht“ korrigiert. „Damit es auch der letzte in unserem Wahlausschuss versteht“, lacht Rainer Christ, „aber die Stimmabgabe ist gültig“.

Ein Sonderfall. Neben dem Bezirkswahlleiter sitzt Geschäftsführerin Christine Martin, sie hat die Wahlordnung zur Hand, um sich bei Unklarheiten zu vergewissern und über die Auslegung mit Rainer Christ zu beraten. Nebenbei korrigiert sie die Zahlen für das Protokoll und die Wahlbekanntmachung.

Dann werden die sortierten farbigen Stapel der Wahlausschussmitglieder und der Wahlhelfer zu zwölf großen farbigen Stapeln und einem weißen Stapel zusammengeführt. Erneut führt Rainer Christ eine Abstimmung über die ungültigen Stimmen unter seinen Ausschussmitgliedern herbei. Ein geschilderter „Sonderfall“ löst Erheiterung aus: Hier war ein Wähler offenbar durch die Wahlen beider Körperschaften, Kammer und KZV, restlos überfordert und hat die Stimmzettel der Kammerwahl in den KZV-Umschlag gepackt und anders herum. „Nicht gültig“, resümiert Rainer Christ mit einem Schmunzeln. Inzwischen sind bereits über zwei Stunden vergangen – endlich kann jetzt auch ausgezählt werden. Geschäftsführerin Christine Martin erläutert das Prozedere: Es werden fünf Zählgruppen – bestehend jeweils aus zwei Wahlausschussmitgliedern und zwei Wahlhelfern – gebildet, die sich mit den vorbereiteten Auszähllisten und ihren Stapeln an Kreis- und Bezirkswahlvorschlägen in verschiedene Räume zurückziehen. „Zählen Sie in Ruhe und lassen Sie sich alle Zeit der Welt“, gibt Christine Martin den Zählgruppen noch mit auf den Weg bevor sie sich in die bereits vorbereiteten Räume zurückziehen.

Synchron wie ein Uhrwerk. Im Büro der Geschäftsführerin hat sich die Zählgruppe mit Bettina Riedel und Ariane Weibel sowie den beiden Wahlausschussmitgliedern Reiner Skujat und Stefanie Müller- Leidenberger zusammengefunden. Die Gruppe tauscht sich kurz aus. „Das ist meine erste Wahl“, berichtet Ariane Weibel, die im Finanzwesen der BZK-Geschäftsstelle arbeitet. Reiner Skujat ist zum zweiten Mal dabei. Bettina Riedel hat die Gruppe mit Kaffee, Sprudel, Butterbrezeln und Kuchen versorgt, es steht noch ein langer Tag bevor. Zunächst wird kontrolliert, ob die Anzahl an zu vergebenen Stimmen nicht überschritten wurde, der Stimmzettel wäre dann ungültig. Reiner Skujat hat den Kreisvorschlag aus Göppingen vor sich und liest die Namen vor, die mit einem Kreuz versehen sind, ein Stimmzettel nach dem anderen. Stefanie Müller-Leidenberger schaut ihm über die Schulter und kontrolliert, dass er die richtigen Namen vorliest. Gegenüber sitzen Bettina Riedel und Ariane Weibel vor ihren großen Zähllisten und machen Striche im Akkord. „Voll“, ertönt es alle paar Minuten im Chor. Der Bewerber hat ein Fünferpaket an Stimmen voll. Die Zählgruppe im Büro der Geschäftsführerin hat sich erstmal mit zwei farbigen Stapeln zum Zählen versorgt, „ist einfacher“ und erfordert weniger Konzentration als die Auszählung der Bezirkswahlvorschläge.

Die hat sich die Zählgruppe im Beiratszimmer vorgenommen. Dr. Matthias Fezer liest vor und Elvira Raich und Rosa Moreno platzieren synchron wie ein Uhrwerk einen Strich nach dem nächsten in ihrer Zählliste. Die Nennung der Nummer vor dem Namen hilft den Damen, sich auf ihrer großen Zählliste zurechtzufinden, denn der Bezirkswahlvorschlag ist umfangreich. Ob ein Bewerber sich über den Bezirkswahlvorschlag oder den Kreiswahlvorschlag bewirbt, bleibt ihm überlassen. Viele Bewerber finden sich auf beiden Wahlvorschlägen. In jedem Fall hat der Bezirkswahlvorschlag Vorrang vor dem Kreiswahlvorschlag. Ob ein Bewerber über die Bezirks- oder die Kreiswahlliste als Bezirksvertreter in die Vertreterversammlung rückt, entscheidet sich erst, wenn alle Stimmzettel ausgezählt sind. Die Wahlordnung gibt vor, wie viele Bezirksvertreter über die Kreiswahllisten und wie viele über die Bezirkswahlliste in die Vertreterversammlung rücken. Die Vertreterversammlung der BZK Stuttgart wird am Ende 50 Bezirksvertreter haben – davon wurden 30 über den Kreisvorschlag und die restlichen 20 über die Bezirkswahlliste bestimmt.

Besuch. 17.30 Uhr, Halbzeit beim Zähl-Marathon. Die Kreiswahlvorschläge sind alle ausgezählt. „Von den Bezirkswahlvorschlägen haben wir etwa die Hälfte“, berichtet Rainer Christ, „wir haben aber auch bestimmt 300 Wahlbriefe mehr als vor vier Jahren erhalten“. Dies wird sich in der Wahlbeteiligung niederschlagen und ist als positiver Trend für mehr wahrgenommene Verantwortung der Kammermitglieder für ihren Berufsstand und die Selbstverwaltung zu werten.

„Ein erster Trend ist erkennbar“, verrät Rainer Christ. Just in time erfassen Christine Martin und ihre Assistentin Dagmar Strinz über ihre Excel-Liste die bereits ausgezählten Stimmen, die nach und nach von den Wahlhelfern in Form der fertigen Zähllisten gebracht werden. „So viel Besuch wie in diesem Jahr hatten wir noch nie“, erzählt Christine Martin. Die Auszählung ist für Kammermitglieder öffentlich. So ein Auszählungstag ist lang und einige Bewerber können es wohl kaum erwarten! Immerhin besser als vor vier Jahren, als sich „viele bissige und ironische Bemerkungen auf den Stimmzetteln fanden“, erinnert sich Rainer Christ.

Es wird noch ein langer Abend in der Geschäftsstelle der BZK Stuttgart bis das endgültige Wahlergebnis feststeht … das Sie für alle Bezirkszahnärztekammern in den Wahlbekanntmachungen unter den Amtlichen Mitteilungen in dieser Ausgabe des ZBW lesen können!

mader@lzk-bw.de

 

dentEvent „Beruf & Familie“ von KZV BW und LZK BW

 

Mit Anlauf in die eigene Praxis

Ausgabe 8-9, 2016

Am 15. Oktober 2016 lädt dentEvent „Beruf & Familie“ herzlich alle interessierten Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Studentinnen und Studenten zum gemeinsamen Austausch und Netzwerken ein. Die Fort- und Weiterbildungsveranstaltung, die regelmäßig gemeinsam von der KZV BW und der LZK BW veranstaltet wird, dreht sich rund um Themen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Eine eigene Praxis zu eröffnen ist eine große Herausforderung mit vielen Risiken und Selbstverantwortung. Es müssen wichtige Entscheidungen getroffen und allerlei organisiert werden, bevor man die eigene „Praxisluft“ schnuppern kann. Hier bietet das diesjährige dentEvent „Beruf & Familie“ eine Orientierungshilfe. Im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung wird das Arbeiten in der eigenen Praxis stehen: von günstigen steuerlichen und wirtschaftlichen Aspekten bei der Niederlassung über die erfolgreiche Karriere vom Assistenten zum Chef bis hin zur elementaren Mitarbeitermotivation. Außerdem erfahren Sie, wie man sich in Bewerbungsgesprächen und bei Gehaltsverhandlungen in ein positives Licht rückt.

Programm. Das dentEvent „Beruf & Familie“ steht für fachkundige Informationen mit hilfreichen Praxistipps und freiem Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Auf dem Podium werden herausragende Gäste begrüßt: Prof. Dr. jur. Vlado Bicanski, Rechtsanwalt und Steuerberater, mit dem relevanten Thema „Wirtschaftliche und steuerliche Chancen der Niederlassung“; Dr. Daniel Jäger, Zahnarzt, der die Erfolgsleiter „From Zero to Hero: Der Weg vom Assistenten zum eigenen Chef!“ hinaufsteigt; Birgit Dohlus, Fachjournalistin, die genau weiß, „Wie verkaufe ich mich am besten? Bewerbung und Gehaltsverhandlungen für junge Zahnärzte/innen von Assistenz bis Anstellung“ und Dr. Susanne Woitzik, Diplom-Kauffrau, die in Sachen „Teamführung und Personal – wie motiviere und führe ich meine Mitarbeiter/innen?“ berät.

Durch die Veranstaltung führen die beiden Gastgeberinnen Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW und Dr. Renate Lüllwitz- Hoch, Beauftragte für Beruf/Familie der LZK BW. Für das leibliche Wohl wird ebenso gesorgt sein, wie für anregende Diskussionen und ein entspanntes Miteinander. Die Veranstalter freuen sich, viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Stuttgart begrüßen zu dürfen.

katja.silberzahn@kzvbw.de

 

BZÄK-Koordinierungskonferenz

 

Baden-Württemberg gut aufgestellt

Ausgabe 8-9, 2016

Bei der kombinierten Koordinierungskonferenz der Referenten für Alters- und Behindertenzahnheilkunde und der Referenten für Präventive Zahnheilkunde am 15. Juni 2016 in Berlin wurde wieder ein weiter Bogen gespannt.

Neben aktuellen Informationen zum Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) haben die Bundesländer eine erste Zwischenbilanz zu den Kooperationsverträgen im Rahmen des Pflege-Neuausrichtungs- Gesetzes (PNG) gezogen. Kooperationsverträge bieten mehr Chancen als Risiken und ihre Zahl steigt stetig. Aktuell haben bereits etwa ein Drittel aller Pflegeeinrichtungen einen Kooperationszahnarzt. Der Referent für Alterszahnheilkunde der LZK BW, Dr. Elmar Ludwig, stellte bei der Koordinierungskonferenz die umfangreichen Informa t ions angebote zur praktischen Umsetzung der Kooperationsvertragsinhalte der Zahnärzteschaft in Baden-Württemberg auf der Homepage der LZK BW sowie der KZV BW vor.

Ein weiterer wichtiger Schritt in diesem Zusammenhang ist die Novellierung der Altenpflegeausbildung mit dem Pflegeberufsgesetz. Hier bietet sich die Chance, die relevanten Aspekte zur Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege am Beispiel des preisgekrönten Pilotmodells in Baden-Württemberg einzupflegen und damit zu einer nachhaltigen Verbesserung der Pflegesituation in Deutschland beizutragen.

Nicht allein ins Pflegeheim. Fast einstimmig unterstützten die Referenten der Bundesländer die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für AlterszahnMedizin zur Delegation. Der Zahnarzt muss immer und vor allem bei Hochrisikopatienten in der Lage sein, unmittelbar vor Ort selbst eingreifen zu können, auch wenn Mitarbeiterinnen delegierbare Leistungen in Pflegeeinrichtungen oder zu Hause bei pflegebedürftigen Menschen im Hochrisikogebiet der Mundhöhle ausführen. Für die strukturierte Umsetzung im Praxisalltag ist es daher wichtig, die bisher entwickelten Konzepte zur aufsuchenden Betreuung besser bekannt zu machen.

Neue Kurzfilme. Die Bundeszahnärztekammer hat in Kooperation mit dem Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) neue Kurzfilme als Hilfestellung für pflegende Angehörige entwickelt. Die Filme verdeutlichen laienverständlich und anschaulich die Zusammenhänge zwischen Mundgesundheit und allgemeiner Gesundheit. Sie geben wichtige Tipps zur Zahn-, Mund- und Zahnersatzpflege. Die Filme können unter www.youtube. com/channel/UCwmGBPNN- 7xOxFbtrnzN86aw angesehen werden.

Präventionsgesetz ist da. Das zum 1. Januar 2016 in Kraft getretene Präventionsgesetz sieht sechs rechtsverbindliche Verweise vom Kinderarzt zum Zahnarzt vor für Kinder vom 6. bis 64. Lebensmonat. Endlich hat es die Zahnärzteschaft erreicht, dass das (gelbe) ärztliche Kinderuntersuchungsheft von der U5 bis zur U9-Untersuchung jeweils um den Punkt „ Untersuchung beim Zahnarzt“ erweitert wird.

Auch die Teilnehmer der Koordinierungskonferenz begrüßten am 15. Juni in Berlin dieses neue Gesetz, das der G-BA bereits umgesetzt und den Neudruck der Kinderuntersuchungshefte in Auftrag gegeben hat. Bis dann die neuen Hefte in Umlauf kommen und die dazu gehörenden neuen Abrechnungspositionen eingeführt werden, wird es noch einige Monate dauern.

Um die Kollegenschaft mit diesen sechs neuen Vorsorgeuntersuchungen vertraut zu machen und auch über die Inhalte der Untersuchungen zu informieren, haben BZÄK und KZBV gemeinsam den „Praktischen Ratgeber für die zahnärztliche Praxis – frühkindliche Karies vermeiden“ herausgebracht. Auf 60 Seiten informiert diese Broschüre mit Text und Bildern umfangreich über die psychosoziale Entwicklung des Kindes zu den jeweiligen Untersuchungsterminen und gibt Tipps für die Vorgehensweise bei der zahnärztlichen Untersuchung. Diesen nur online und nicht in Papierform erschienenen Ratgeber kann man nur allen in der Kinderzahnheilkunde Tätigen sehr ans Herz legen. Er kann kostenlos heruntergeladen werden über www. bzaek.de/ratgeber-ecc. Die Teilnehmer der Koordinierungskonferenz waren sich einig, dass nun auch Fortbildungen in den einzelnen Bundesländern anlaufen müssen, um die Zahnärzteschaft über diese neuen Vorsorgeuntersuchungen zu informieren und zu schulen.

Kinderpässe bald passé? Viel diskutiert wurde die Frage, ob mit Einführung dieser neuen FUUntersuchungen die Kinderpässe unnötig werden. Man war sich einig, dass sie doch sehr wichtige Informationen für die Eltern zu Zahnpflege und Ernährung ihrer Kinder liefern und durchaus auch noch weiterhin ihre Berechtigung haben. Allerdings sollte bei Neuauflagen darauf geachtet werden, dass sie einen Hinweis auf die neuen FU-Untersuchungen beinhalten.

Die Prophylaxereferentin der LZK BW, Dr. Renate Lüllwitz- Hoch, stellte dem Auditorium die Arbeitsrichtlinien des Sozialministeriums für die Jugendzahnpflege in Baden-Württemberg vor und löste große Verwunderung aus. Der Unmut in den Arbeitsgemeinschaften in Baden-Württemberg konnte leicht nachempfunden werden. Zehn Jahre Aufbewahrungsfrist für die Einwilligungserklärungen der Eltern zu zahnärztlichen Untersuchungen und Fluoridierungsmaßnahmen gibt es in keinem anderen Bundesland. Ebenso wurde die Forderung nach mündlicher Aufklärung der Eltern zum Auftragen von Fluoridlack als nicht praktikabel von allen Konferenzteilnehmern kritisiert. Auch die Übersetzung der Elterninfoblätter in „einfache Sprache“ in Baden-Württemberg führte bei den Teilnehmern fast schon zu Erheiterung und der Frage, ob das Bundesland keine anderen Sorgen habe.

Öffentlicher Gesundheitsdienst. Die Teilnehmer der Koordinierungskonferenz stimmten einstimmig einem Antrag an die Bundesversammlung der BZÄK am 18.11.2016 zu, in dem aufgrund der verstärkten Anforderungen an die ÖGD-Zahnärzte eine ausreichend große Personaldecke gefordert wird: „Die BZÄK fordert die Landesregierungen und Kommunen auf, die Zahnärztestellen im ÖGD nicht weiter zu reduzieren, sondern wieder zu besetzen und auszubauen.“

Behindertenzahnheilkunde. Die Teilnehmer der Koordinierungskonferenz wurden über die Neugründung der Arbeitsgemeinschaft Zahnmedizin für Menschen mit Behinderung oder besonderen medizinischen Unterstützungsbedarf (AG ZMB) in der DGZMK informiert. Die erste Jahrestagung wird am 12. November 2016 beim Deutschen Zahnärztetag in Frankfurt stattfinden. Der Referent für Behindertenzahnheilkunde der LZK BW, Dr. Guido Elsäßer wurde in den Vorstand der AGZMB gewählt. Er ist auch in den wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Gesellschaft für Medizin für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung (DGMGB) berufen worden und versteht sich als Bindeglied zwischen den beiden Fachgesellschaften, die eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit anstreben.

Weiterer Kurzfilm. In Ergänzung zu den bereits erwähnten Kurzfilmen hat die BZÄK auch einen Kurzfilm für die Zahnpflege bei Menschen mit mehrfacher Behinderung entwickelt. Sie folgte weitestgehend den inhaltlichen Vorschlägen von Dr. Elsäßer, der als Mitglied des Ausschusses zahnärztliche Betreuung von Menschen mit Behinderung der BZÄK bei der Konzeption des Films beteiligt war.

Der im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes neu in das SGB V aufgenommene § 22a soll die individualprophylaktische Betreuung von Pflegebedürftigen, aber auch Menschen mit Behinderung verbessern. Die Teilnehmer der Koordinierungskonferenz wurden informiert, dass die Verhandlungen im G-BA begonnen haben, mit einer Umsetzung aber erst frühestens 2018 zu rechnen ist.

Dr. Renate Lüllwitz-Hoch, Dr. Elmar Ludwig & Dr. Guido Elsäßer

 

Landesversammlung des FVDZ in Ispringen am 9. Juli 2016

 

Stärkung statt Schwächung der Freien Berufe

Ausgabe 8-9, 2016

Berufspolitik pur – im Spannungsfeld zwischen gesetzlichen An- und Herausforderungen sowie zahnärztliche Expertise – so könnte die Landesversammlung des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte in Ispringen im Juli überschrieben werden. Nicht zu vergessen: Der Wille als Freier Beruf zum Wohle von Gesellschaft, Patienten und Kollegenschaft verantwortlich zu handeln.

Die Landesversammlung in Ispringen, zum 19. Male bei der Firma Dentaurum, zeigte dieses Spannungsfeld in einzigartiger Weise auf. Zwei Referenten und Themenkreise bürgten ebenso wie der Vorsitzende für eine höchst interessante Versammlung an diesem Samstagmorgen. Prof. Dr. jur. Thomas Ratajczak und Thomas Hochstein, Erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft in Stuttgart, fesselten mit ihrem Vortrag „Und führe mich nicht in Versuchung – Korruption im Gesundheitswesen“ das Auditorium. Der Blickwinkel, das Wissen, die Erfahrung und das Hintergrundwissen des Juristen, Fallbeispiele und die Kompetenzen der Ermittlungsbehörde waren einfach zu frappierend.

Zuvor hatten Jochen Haußmann MdL, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, und Dr. Gudrun Kaps-Richter, stv. Bundesvorsitzende des FVDZ, die Landesversammlung mit ihren Redebeiträgen bereichert. Sowohl Jochen Haußmann als auch Dr. Kaps-Richter betonten wie wichtig es ist, immer wieder für den Freien Beruf des Zahnarztes in Gesellschaft und Politik einzutreten. Jochen Haußmann freut sich darüber hinaus auf den weiteren Dialog mit der Zahnärzteschaft. Dr. Kaps-Richter wies darauf hin, dass der Freie Beruf zwar unter dem Schutz des Grundgesetzes stehe, angesichts der Bestrebungen des Europäischen Parlaments aber unter Druck gerate. Denn in Europa stünden die Gebührenordnungen auf dem Prüfstand. Auch die Frage der Verkammerung werde zur Zeit in Europa kontrovers diskutiert. Darüber hinaus sprach sie das Thema Medizinisches Versorgungszentrum an. „Die Frage ist, ob das MVZ für die Selbstorganisation der Zahnärzteschaft das geeignete Instrumentarium ist“. Das MVZ führe zu Wettbewerbsverzerrungen, insbesondere in Ballungszentren. Es müsse Chancengleichheit zwischen klassischen Niederlassungsformen und dem MVZ geben.

Vorsitzender. Der Vorsitzende des FVDZ Baden-Württemberg, Dr. Joachim Härer, ließ das vergangene Jahr Revue passieren und insbesondere die Wahl des neuen Vorsitzenden aus Schleswig-Holstein, Harald Schrader, der sich mit 80 zu 71 Stimmen im Oktober letzten Jahres gegen Dr. Michael Betz, Karlsruhe, durchzusetzen wusste. Mit Kollegin Dr. Kaps-Richter, Heilbronn, ist Baden- Württemberg weiter im geschäftsführenden Vorstand vertreten.

Zum Antikorruptionsgesetz, das bereits Prof. Dr. jur. Thomas Ratajczak und Thomas Hochstein ausführlich darstellten, merkte Dr. Härer deutlich an: „Das Antikorruptionsgesetz ist überflüssig. Die Heilberufe werden diskriminiert und es besteht weiterhin ein Generalverdacht gegen alle freiberuflich arbeitenden Ärzte und Zahnärzte“. Der FVDZ als Interessenvertretung freiberuflich und selbstständig arbeitender Zahnärzte ist davon überzeugt, dass jeder zahnärztliche Kollege das Berufsrecht kennt, das klare und ausreichende rechtliche Regelungen enthalte. „Der FVDZ vertritt nach wie vor die Ansicht, dass es darüber hinaus keinen weiteren gesetzlichen Regelungsbedarf gibt.“ Ebenso wie Dr. Kaps- Richter bezeichnete er das Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung, welches die Gründung arztgruppengleicher also auch rein zahnärztlicher Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) erlaubt als „Ärgernis“. Entschieden ist Dr. Härer ebenso wie die KZBV und die BZÄK in der Ablehnung des GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetzes, dessen Eckpunkte im Mai veröffentlicht worden waren. „Die Mittel der staatlichen Aufsicht werden drastisch verschärft.“ Die Autonomie der Selbstverwaltung müsse erhalten und gestärkt werden. „Ich möchte keine Kassen- oder Staatsmedizin, sondern eine starke Selbstverwaltung“, betonte Dr. Härer.

Zukunftsweg. Ein Thema, das beim FVDZ seit vielen Jahren auf der Agenda steht, wird auch von Dr. Härer weiter verfolgt: Zur Zahnheilkunde gehöre die Implementierung eines Zukunftswegs Zahnheilkunde in der GKV. Der vom FVDZ vorgeschlagene Weg kann zu einer Neuordnung der Versicherungslandschaft im Rahmen des dualen Versicherungssystems mit einer eigenständigen Versicherung für Zahnheilkunde führen – analog der Pflegeversicherung“, führte Dr. Härer aus. Die Kostenstruktur in der Zahnmedizin sei völlig anders als in anderen medizinischen Bereichen, in denen umso höhere Kosten anfielen je älter die Patienten werden. In dem berufspolitischen Manifest des Landesverbandes Baden- Württemberg, der „Plattform“, wird im Kapitel „Weiterentwicklung des Gesundheitswesens – GKV-System in Deutschland“ auch auf dieses seit vielen Jahren vom FVDZ verfolgte Konzept ausführlich eingegangen. Die Plattform wurde in leicht geänderter Form von den Delegierten der Landesversammlung einstimmig verabschiedet.

Hier finden Sie die Plattform des FVDZ BW sowie die Anträge der VV und die Website von Thomas Hochstein, erster Staatsanwalt.

johannes.clausen@izz-online.de

 

Jubiläum des Freien Verbands

 

60 Jahre FVDZ in Baden-Württemberg

Ausgabe 8-9, 2016

Im Rahmen der FVDZ-Bezirksversammlung in Nordwürttemberg wurde auch das 60-jährige Jubiläum der Bezirksgruppe im Waldhotel in Stuttgart gefeiert. Bei diesem kollegialen Zusammentreffen haben sich die Anwesenden sehr gut und angeregt unterhalten. Dabei wurde nicht nur in alten Zeiten geschwelgt, sondern auch die derzeitige Situation der Zahnärzteschaft kritisch beleuchtet.

Im vorausgegangenen offiziellen Teil der Veranstaltung wurde Dr. Gerd Hase zum neuen Bezirksvorsitzenden gewählt. Dies war nötig, da die bisherige Bezirksvorsitzende Dr. Gudrun Kaps-Richter in den Bundesvorstand gewählt wurde und somit nicht mehr für dieses Amt zur Verfügung stand. Als neuer stellvertretender Bezirksvorsitzender wurde Dr. Dominik Hauk aus Ludwigsburg gewählt. Damit rückt endlich aus der jungen Garde ein Kollege in den Vorstand auf, worüber sich alle Anwesenden sehr freuten.

In seinem einführenden Vortrag berichtete Dr. Hase von der Sitzung der Bezirksvorsitzenden in Frankfurt. Dort stellte sich der neue Bundesvorstand des FVDZ mit seinem anspruchsvollen Programm für die nächsten Jahre vor.

Hygiene. Dr. Kaps-Richter erläuterte die wichtigsten Punkte später in ihrem Gastvortrag. Sehr gespannt verfolgten die Zuhörer den Bericht über die vorläufigen Ergebnisse der Umfrage zum Thema Kosten und Aufwand für die Hygiene in der Zahnarztpraxis. Diese Umfrage wurde im Juni 2016 vom Bezirksvorstand durchgeführt. Die sicherlich nicht repräsentative Umfrage zeigte doch einige Trends auf. In den Praxen werden erhebliche Investitionen nicht nur, aber zur Zeit wohl vor allem, im Hygienebereich getätigt. Die Investitionen ziehen massive Folgekosten wie z. B. Wartungsund Validierungskosten nach sich. Im Durchschnitt aller Praxen ist eine zusätzliche Vollzeit- ZFA nötig, um den Hygieneaufwand zu bewältigen. Dabei stellen die Dokumentationspflichten einen erheblichen Posten im Zeitmanagement und damit auch Kostenmanagement dar. Großpraxen liegen mit dreimal so hohen Kosten gegenüber Kleinpraxen deutlich im sechsstelligen Eurobereich. Die laufenden Kosten steigen im Jahr 2016 weiter massiv an.

Die ursprünglich mit 50 TEURO von früheren Untersuchungen kolportierten Kosten werden im Durchschnitt aller Praxen mit Sicherheit deutlich übertroffen. Angesichts dieser, wenn auch nur Trend- Umfrageergebnisse, kann eine „Einpreisung“ in die Kassenhonorare im erforderlichen Umfang bisher nicht erfolgt sein. Auch gerade oder wegen der bevorstehenden Begehung der Praxen wird dies ein wichtiges Thema des FVDZ sein.

In ihrem Gastvortrag berichtete Dr. Kaps-Richter Neues aus dem Bundesvorstand.

Freiberuflichkeit. Dauerthema ist die Freiberuflichkeit der Zahnärzte, die es weiter zu wahren gilt. In einem Generationenvertrag sollte das Bündnis Freiberuflichkeit weiter behandelt werden. Der Jugend soll wieder die Lust auf Niederlassung gegeben werden, wobei die Alten den Jungen mit ihrer Erfahrung die nötige Unterstützung angedeihen lassen sollen. Dabei ist auch an einen Praxispool zur Praxisübergabe gedacht. Im Zusammenhang mit der Freiberuflichkeit spielt auch das Thema MVZ eine große Rolle, da im Moment keine „Waffengleichheit“ mit den klassischen Kooperationsformen besteht. Der FVDZ fordert, dass beide Praxisformen bei der Anstellung von Zahnärzten gleichgestellt werden und lehnt eine Fremdkapitalbeteiligung entschieden ab. Der FVDZ-Bundesvorstand reflektiert über einen Zukunftsweg Zahnheilkunde, der auch durchaus eine Abkoppelung von der Ärzteschaft in Betracht zieht. Zur Unterstützung der Kollegenschaft bei den Begehungen soll ein Leitfaden Praxisbegehung erstellt werden. Dazu ist allerdings zuerst eine Erhebung von belastbarem Datenmaterial nötig. Ein erster Schritt ist eine Rahmenvereinbarung für FVDZ-Mitglieder mit der Firma Valitech.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Diskussionen um eine GOÄ-Novellierung war die 60-Jahr-Feier ein gelungener langer Abend. Für den FVDZ gibt es viel zu tun.

Dr. Gerd Hase