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Praxis

Die individuelle Abformung nach GOZ-Nr. 5170

 

Ein Dauerbrenner lodert wieder auf

Ausgabe 8-9, 2016

Obwohl bei der Novelle der GOZ 2012 eigentlich keine inhaltliche Änderung an der GOZ-Nr. 5170 vorgenommen wurde, gibt es doch laufend Erstattungsschwierigkeiten mit der Erstattung von Abformungen mit individuellen und individualisierten Löffeln. Dies betrifft z. B. die Indikation für diese Leistung als auch die Löffelindividualisierung oder die Häufigkeit dieser Leistung. Hierzu sind offenbar wieder einmal klärende Ausführungen nötig.

Bei Leistungen nach der GOZ-Nr. 5170 handelt es sich um die anatomische Abformung des Kiefers mit individuellem Löffel bei ungünstigen Zahnbogen- und Kieferformen bzw. bei tief ansetzenden Bändern oder um eine spezielle Abformung zur Remontage.

Leistungsinhalt. Als „ungünstig“ erweist sich eine Zahnbogen- oder Kieferform dann, wenn sie beispielsweise asymmetrisch, überlang, verschmälert, partiell zahnlos und/oder stark atrophiert ist, oder wenn die vorhandenen Zähne oder Zahnersatz eine besondere Form oder Stellung einnehmen. Infolgedessen weichen Zähne oder Kiefer so weit von der Norm ab, dass die marktüblichen konfektionierten Löffelformen nicht mit der notwendigen Präzision eingesetzt werden können. „Tief“ ansetzende Bänder mit ungewöhnlichem Abstand vom Gingivalrand bzw. Kieferkamm erfordern einen individuellen Löffelrand, damit diese Bänderstrukturen mit abgeformt werden können, um bei der Herstellung von Zahnersatz deren Verlauf berücksichtigen zu können.

Sowohl im voll- als auch im teilbezahnten Kiefer kann eine anatomische Abformung mit individuellem Löffel notwendig sein, wenn eine besonders präzise Wiedergabe der Mundsituation erforderlich ist, z. B. zur Anfertigung von Zahnersatz (auch im Rahmen von Abformungen für Einzelkronen), im Rahmen von Implantatabformungen, im Rahmen von Wiederherstellungsmaßnahmen, zur Herstellung von Schienen und Aufbissbehelfen oder zur Planung und Beurteilung funktionsanalytischer und funktionstherapeutischer Maßnahmen.

Individuelle Löffel. Sollten konfektionierte (Metall-)Löffel wegen besonderer Kieferformen oder tief ansetzenden Bändern nicht ausreichen, so muss ein konfektionierter Löffel durch Maßnahmen wie z. B. Verlängerung, Beschleifen o. ä. an die Kieferverhältnisse angepasst (individualisiert) werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, einen individuell hergestellten Abformlöffel zu verwenden. Individuelle Löffel werden in der Regel aus Kunststoff (Autopolymerisat) im zahntechnischen Labor auf einem Vormodell hergestellt, was eine Vorabformung mittels konfektionierten Löffeln voraussetzt.

Abrechnungswege. Während für eine Abformung mit einem unveränderten konfektionierten Löffel kein gesondertes zahnärztliches Honorar berechnet werden kann, erfolgt die Vergütung des höheren zahnärztlichen Aufwands für eine Abformung mit individuellem oder individualisiertem Löffel nach der GOZ-Nr. 5170. Mit der Gebühr nach der GOZ-Nr. 5170 ist die individuelle anatomische Abformung eines Kiefers, auch einer Teilabformung, abgegolten. Die laborseitige Herstellung des individuellen Löffels oder die laborseitige Individualisierung eines konfektionierten Löffels ist gemäß § 9 GOZ separat berechnungsfähig. Führen anatomische Besonderheiten dazu, dass ein für den „Durchschnittspatienten“ konzipierter konfektionierter Löffel für die Abformung nicht zweckmäßig ist, sind im Labor individuelle Anpassungen des konfektionierten Löffels (z. B. Verlängerung, Abdämmung, Heraustrennen von Segmenten) durchzuführen. Für diese (extraoral durchgeführten) Leistungen fallen zahntechnische Fremd- oder Eigenlaborkosten gemäß § 9 GOZ an, die ebenso wie die komplette Herstellung eines individuellen Löffels nicht Leistungsbestandteil der GOZ-Nr. 5170 sind. Das Resultat der Individualisierung des konfektionierten Löffels ist im Effekt ebenso wie bei der kompletten Herstellung ein individueller Löffel. Wird mit diesem abgeformt, ist der Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 5170 erfüllt. Grundsätzlich lässt der Leistungstext der GOZ-Nr. 5170 offen, auf welchem Weg der Zahnarzt zur individuellen Abformung des Kiefers kommt, da es völlig unerheblich ist, wie das Ziel der Leistung, nämlich die Abformung bei individuellen anatomischen Besonderheiten, erreicht wird.

Abrechnungsbestimmungen. Die Leistungslegende der GOZNr. 5170 sieht anders als der BEMA (BEMA-Nrn. 98a, 100) keine Einschränkungen individueller Abformungen im Zusammenhang mit Wiederherstellungsmaßnahmen von Kronen und Zahnersatz bzw. einer Einzelkrone vor.

Die GOZ 2012 sieht keine Einschränkung der Häufigkeit der Berechnung der GOZ-Nr. 5170 vor. Die Berechnung erfolgt entsprechend der Anzahl der notwendigen Abformungen.

Die Berechnung der GOZ-Nr. 5170 erfolgt immer orientiert am Einzelfall und nach der tatsächlich erforderlichen Zahl der individuellen Abdruckmaßnahmen.

Wird bei der Herstellung von kombiniert festsitzendem und herausnehmbarem Zahnersatz (Kombinationszahnersatz), der eine funktionelle Randgestaltung erfordert, die mehrmalige Abformung des Kiefers mit einem individuellen Abdrucklöffel erforderlich, um zuerst den festsitzenden Teil (z. B. Primärteleskope, Wurzelstiftkappen) und danach den herausnehmbaren Teil (abnehmbare Prothese) herstellen zu können, ist die Berechnung der GOZ-Nr. 5170 neben der GOZ-Nr. 5180 bzw. 5190 für die Funktionsabformung möglich.

Besonderheiten. Bei der GOZReform 2012 wurde nicht berücksichtigt, dass bei Implantatabformungen sehr häufig individuelle Löffel unabdingbar sind. Dies betrifft zum einen die besonders hohen Anforderungen an die Präzision bei der Abformung (also ein ähnlicher Grund wie der bei der in der Leistungslegende enthaltenen Remontageabformung). Zum anderen sind nur bei den sogenannten Abformungen mit einem „offenen“ individuellen Löffel die entsprechenden Implantatabformpfosten durch die ausgehärtete Abformung hindurch vom Implantat lösbar. Diese Abformmethode mit einem offenen individuellen Löffel entspricht in ihrer Art und Weise genau der anatomischen Abformung nach der GOZ-Nr. 5170.

Es stellt sich die Frage, inwiefern derartige klinische Situationen mit Implantaten unter den Begriff der für eine gewöhnliche Abformung ungünstigen Kieferform fallen oder nicht. Falls dies bejaht wird, kann die GOZ-Nr. 5170 berechnet werden. Falls dies verneint wird, ist auf die Möglichkeit der analogen Berechnung nach § 6 Abs. 1 GOZ zurückzugreifen (so die Positionierung der BZÄK). Für besondere Abformverfahren, wie z. B. Einphasen- oder Zweiphasenabformung, Hydrokolloidabformung, sieht die GOZ 2012 keine besonderen Gebührennummern vor. Besonders aufwendigen Abformverfahren ist daher durch Anpassung der Gebührenhöhe (Steigerungsfaktor) Rechnung zu tragen.

Autorenteam des GOZ Ausschusses

 

Der Kammer-Ratgeber im Überblick – Teil 6

 

PRAXIS-Handbuch – Schaltfläche „6. BuS-Kammermodell“

Ausgabe 8-9, 2016

Der folgende Teil schließt die Informationsreihe über das PRAXIS-Handbuch der Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg mit der Vorstellung der Schaltfläche „6. BuS-Kammermodell“ ab. Die Schaltfläche „6. BuS-Kammermodell“ des PRAXIS-Handbuchs stellt die zentrale Arbeitsgrundlage für die Teilnehmer am BuS-Dienst „Kammermodell“ dar. Mehr Informationen über die Möglichkeiten der Betriebsärztlichen und Sicherheitstechnischen Betreuung einer Zahnarztpraxis und über das BuS-Dienst „Kammermodell“ im Speziellen, erhalten Sie über die Homepage der LZK BW (www.lzkbw.de).

Wo finde/erhalte ich das PRAXIS-Handbuch?

- Online über www.lzkbw.de

- Als CD-ROM per Post bzw. als Download-Link über die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg.

Die Schaltfläche „6. BuS-Kammermodell“ im Überblick:

Über die Schaltfläche „6. BuS-Kammermodell“ werden für die am BuS-Dienst „Kammermodell“ teilnehmenden Zahnarztpraxen folgende Informationen und Dokumente zur Verfügung gestellt:

6.1 Gefährdungsbeurteilungen

Hier finden Sie den Direktlink auf die themenspezifischen Muster-Gefährdungsbeurteilungen, die im Rahmen der Teilnahme am BuS-Dienst „Kammermodell“ durch die Zahnarztpraxis zu erstellen bzw. zu aktualisieren sind.

6.2 Gesetze & Vorschriften

Hier finden Sie den Direktlink u. a. auch auf die für den Arbeitsschutz bzw. die Arbeitsmedizin in der Zahnarztpraxis relevanten Regelwerke.

6.3 Praxis-Ratgeber

Hier finden Sie den Direktlink auf eine Vielzahl an themensortierten Fachratgebern (z. B. Arbeitsmedizinische Vorsorge, Arbeitsschutz, Leitfaden „Arbeitsschutz“, Biologische Arbeitsstoffe, Gefahrstoffe, Laser, Medizinprodukte und Arzneimittel).

6.4 Weitere BuS-Muster-Dokumente

Hier finden Sie über Direktlinks eine Vielzahl an BuSDienst- relevanten Muster-Qualitätssicherungsdokumenten für die Zahnarztpraxis (z. B. Adressen, Muster- Standardarbeitsanweisungen, Muster-Dokumente zum Aushang bzw. zur Einsichtnahme, Muster-Betriebsanweisungen, Muster-Formulare, Merkblätter, Muster- Unterweisungserklärung bzw. Muster-Unterweisungsmodule und Muster-Verfahrensanweisungen).

6.5 Personenbezogener betriebsärztlicher Fragebogen

Hier finden Sie den Direktlink auf den für die Mitarbeiter einer am BuS-Dienst „Kammermodell“ teilnehmenden Zahnarztpraxis angebotenen „Personenbezogenen betriebsärztlichen Fragebogen“.

Für den Praxisführungsausschuss Dr. Christian Hoch, Reutlingen

 

Fortbildung für Fachlehrerinnen in der Altenpflegeausbildung

 

Neue Ausbildungsmodule

Ausgabe 8-9, 2016

„Stiefmütterlich“ war das am häufigsten verwendete Wort, das die Fachlehrerinnen für Altenpflegeausbildung gebrauchten, als sie von Dr. Elmar Ludwig gebeten wurden, Gründe für ihre Teilnahme an der Fortbildungsveranstaltung „Mund-, Zahn- und Zahnersatzpflege in der Altenpflegeausbildung“ zu nennen. Stiefmütterlich werde die Mund- und Zahnpflege in den Altenpflegeeinrichtungen behandelt und brauche dringend „mehr Beachtung“, so der einhellige Tenor der Fachlehrerinnen. Das Rüstzeug, um dies zu ändern, in Form eines erprobten und inzwischen auch preisgekrönten Unterrichtskonzeptes zur Mund-, Zahn- und Zahnersatzpflege erhielten die Fachlehrerinnen im Juni 2016 bei der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg.

Die Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg setzt sich seit vielen Jahren für die Verbesserung der zahnärztlichen Betreuungssituation von älteren Menschen und von Menschen mit Behinderungen ein. Einer von vielen Bausteinen innerhalb dieses Engagements ist die enge Zusammenarbeit mit den privaten Altenpflegeschulen des Landes, um eine nachhaltige Sensibilisierung der Pflegekräfte für die Mundgesundheit der Bewohner zu erreichen. Im Rahmen dieser Bemühungen wurden seit 2009 zahlreiche Lehr- und Lernmittel für die verschiedenen Schulungsformate für die Ausbildung und für die Fortbildung entwickelt, die mit der Verleihung des Wrigley Prophylaxe Preises 2012 auch ihre Anerkennung und Honorierung gefunden haben.

Vernetzung und Kooperation. Darüber hinaus hat die Landeszahnärztekammer die Vernetzung der Zahnärzteschaft mit den Kooperationspartnern in der Pflege im Land vorangetrieben. Im Zuge dieser Bemühungen ist auch die Zusammenarbeit mit dem Beratungsteam Altenpflegeausbildung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben für die Region Baden-Württemberg (BAFzA) zustande gekommen, unter dessen Schirmherrschaft die Veranstaltung am 25. Juni stattgefunden hat. Andreas Boecker vom 4-köpfigen BAFzA-Team Baden- Württemberg fand dann auch nur lobende Worte für die einmalige Kooperationsveranstaltung zwischen der LZK BW und der BAFzA: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Fortbildungsveranstaltung und hoffen, dass wir diese Veranstaltung möglichst bald für die Kolleginnen und Kollegen der anderen baden-württembergischen Altenpflegeschulen wiederholen können.“

Komplettes Unterrichtspaket. Am Ende des fast 8-stündigen Fortbildungstages nahmen die elf anwesenden Fachlehrerinnen ein komplettes Paket mit drei Modulen für die Altenpflegeausbildung und ein eintägiges Programm für die Altenpflegefortbildung mit nach Hause. Die dazugehörigen Lehrund Lernmittel von Powerpoint- Vorträgen über Lehrfilme bis zu Handouts und Unterrichtskontrollen erhalten die Altenpflegeschulen, an denen die Fachlehrerinnen unterrichten auf CD-ROM bzw. DVD. Das neue Unterrichtspaket stellte der Referent für Alterszahnheilkunde der LZK BW, Dr. Elmar Ludwig, vor. Die Modulbausteine wurden von Dr. Ludwig komplett überarbeitet, dies wurde erforderlich aufgrund der neuen Pflegeausbildung, bei der die drei bislang unterschiedlichen Ausbildungsgänge zum Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger zu einer einheitlichen Ausbildung zusammengelegt werden. „Damit war der bisher vorgesehene Zeitrahmen für die Mund-, Zahn- und Zahnersatzpflege illusorisch und musste deutlich reduziert werden“, sagte Dr. Ludwig, „die Zweiteilung in Ausbildung und Fortbildung bleibt jedoch bestehen“.

mader@lzk-bw.de