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Staatliche Kunsthalle Karlsruhe zeigt Begegnung zweier Künstler

 

Doppelte Sinneserfahrung

Ausgabe 8-9, 2016

Ausstellungen ermöglichen in besonderem Maße sinnliche Erfahrung. Eine Rolle spielt die Art und Weise, wie Kunstwerke im Raum präsentiert sind. „Double Vision“ möchte dies anhand ausgewählter druckgrafischer Arbeiten von Albrecht Dürer (1471-1528) und William Kentridge (geb. 1955 in Johannesburg) verdeutlichen.

Über die epochalen und kulturellen Unterschiede hinweg, die beide Künstler trennen, entstehen zwei Visionen druckgrafischer Kunst, die in der Ausstellung in einen dynamischen Dialog gebracht werden. Dabei geht es auch um das Aufgreifen von Bildideen und Motiven des berühmten deutschen Renaissancekünstlers durch William Kentridge, einen der renommiertesten Künstler unserer Zeit.

Berliner Kupferstichkabinett. Im Fokus der Präsentation steht jedoch der ganz eigene Blick beider Künstler auf das Medium der schwarz-weißen Druckgrafik, das sie auf vielfältige Weise ausloten. Eine wesentliche Grundlage bildet dabei der exzellente Bestand an Druckgrafik von Albrecht Dürer im Berliner Kupferstichkabinett.

Die Präsentation der etwa 110 Werke von Dürer und Kentridge gliedert sich in sieben Themenräume, in denen die inhaltlichen, ästhetischen und technisch medialen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der vorgestellten Arbeiten – darunter die monumentale „Ehrenpforte“ von Albrecht Dürer und stereoskopische Werke von William Kentridge – anschaulich gemacht werden. Die besondere Ausdruckskraft schwarz-weißer Bilder wird im Vergleich unterschiedlicher Druckverfahren wie Holz- und Linolschnitt, Lithografie und Radierung sichtbar.

Bildwelten. Beim Gang durch die Ausstellung zeigt sich, wie beide Künstler gezielt das spannungsreiche Zusammenspiel von schwarzen Linien und weißem Papier für die Ausformulierung ihrer Bildwelten nutzen. Ausgehend von William Kentridges kritischem Rückblick auf die Moderne, deren Selbstverständnis als rationale und zivilisierte Epoche er in Frage stellt, verändert sich der Blick auf die Kunst Albrecht Dürers, der in seiner Druckgrafik die tiefgreifenden politischen, religiösen, gesellschaftlichen und medialen Umbrüche zu Beginn der Neuzeit reflektierte.

Mit unterschiedlichen Formen des Displays erprobt die Ausstellung wechselnde Konstellationen zwischen Betrachtern und Werken und geht damit der Frage nach, wie die Aufmerksamkeit der Besucher für die vielfältigen inhaltlichen und ästhetischen Dimensionen der Werke aktiviert werden kann. Ergänzend gezeigt werden ausgewählte Vergleichswerke weiterer Künstler und filmische Ausschnitte aus William Kentridges Animationsfilmen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin mit der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz der Freien Universität Berlin und der Kunsthalle.

SMB/IZZ