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Titelthema

Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V)

 

„Die Mundgesundheit ist so gut wie nie“

Ausgabe 10, 2016

Das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ), die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) haben im Rahmen einer Pressekonferenz im Haus der Bundespressekonferenz Mitte August die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) vorgestellt. Die Zahlen bestätigen, dass die Prophylaxebemühungen der deutschen Zahnärzte immer mehr Früchte tragen. Vor allem der DMF-T-Wert der zwölfjährigen Kinder ist ein voller Erfolg. Es gibt aber auch Handlungsbedarf.

Die DMS V beschreibt repräsentativ die Mundgesundheit der gesamten Bevölkerung in Deutschland, erstmals auch die der sehr alten Menschen. Es handelt sich um eine bevölkerungsrepräsentative, sozialepidemiologische Querschnittstudie, die in vier Alterskohorten die wichtigsten Erkrankungen der Mundhöhle und der Zähne sowie den zahnmedizinischen Versorgungszustand dokumentiert. Die Analyse liefert eine Fülle von Daten zu fast allen zahnmedizinischen Aspekten. Neben Karies, Parodontalerkrankungen, Pflegebedürftigkeit, Alter und sozialen Einflussfaktoren erfasst sie sämtliche Altersgruppen und soziale Schichten. Die wichtigsten Erkenntnisse:

- Acht von zehn der 12-jährigen Kinder (81,3 Prozent) sind heute völlig kariesfrei.

- Die Zahl kariesfreier Gebisse hat sich in den Jahren 1997 bis 2014 praktisch verdoppelt.

- Jeder achte ältere Mensch ist völlig zahnlos. Im Jahr 1997 war es noch jeder vierte.

- Pflegebedürftige ältere Menschen haben jedoch eine höhere Karieserfahrung und weniger eigene Zähne.

- Die Zahl der Parodontalerkrankungen nimmt ab. Durch die demografische Entwicklung und die Altersabhängigkeit der Erkrankung ist in der Prognose aber mit einem steigenden Behandlungsbedarf zu rechnen.

„Als bedeutende Wiederholungsuntersuchung gibt die DMS V einen langfristigen Überblick über die Entwicklung oraler Erkrankungen. Sie liefert wissenschaftliche Fundamentaldaten für die Gesundheitsberichterstattung und die evidenzbasierte Versorgungsforschung. Auf Grundlage der Ergebnisse kann die zahnärztliche Versorgung in den kommenden Jahren gezielt weiterentwickelt werden“, sagte Priv.-Doz. Dr. A. Rainer Jordan, Wissenschaftlicher Direktor des IDZ.

„Prävention erreicht noch nicht alle Bevölkerungsgruppen in derselben Weise – Menschen mit Pflegebedarf oder in sozial schwierigen Lebenslagen profitieren nicht im gleichen Maße davon wie die Breite der Bevölkerung. Das ist ein Handlungsauftrag für die Zahnärzteschaft. Auch müssen neue Ansätze in der Prävention genutzt werden, um künftig bei allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen Fortschritte in der Mundgesundheit zu erreichen“, erklärte Dr. Peter Engel, Präsident der BZÄK.

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV fügte hinzu: „Die Mundgesundheit ist so gut wie nie. Für den Berufsstand gilt es diese Spitzenposition im Interesse unserer Patienten weiter auszubauen. So muss aufgrund des demografischen Wandels die Versorgung noch stärker auf Ältere und Menschen mit Pflegebedarf fokussiert werden. Zugleich sagen wir der Parodontitis mit neuen Konzepten entschlossen den Kampf an.“ Das sei besonders wichtig, denn den Daten zufolge steige der Behandlungsbedarf dieser stillen Volkskrankheit prognostisch an. Die GKV bilde notwendige Präventionsmaßnahmen aber noch nicht ausreichend ab, sagte Dr. Eßer: „Änderungen sind zwingend erforderlich. An dem übergeordneten Ziel, die Mundgesundheit aller Menschen über den gesamten Lebensbogen zu fördern und zu verbessern, halten wir fest. Die DMS V zeigt auf, wie wir dieser Selbstverpflichtung versorgungspolitisch gerecht werden können.“

Insgesamt stellt die Studie fest, dass sich das Inanspruchnahmeverhalten von zahnärztlichen Diensten, besonders der Kinder und der jüngeren Senioren sowie die Angaben zur häuslichen Mundhygiene positiv entwickelt haben, und dass ein Großteil der Bevölkerung davon überzeugt ist, selbst viel zur Gesunderhaltung der eigenen Zähne beitragen zu können.

Die DMS V zeigt zusammenfassend durchgängig teilweise erhebliche Verbesserungen bei der Mundgesundheit der Bevölkerung in Deutschland: in allen Altersgruppen und in allen sozialen Schichten. Was schon seit Längerem für die Karies bei Kindern und Jugendlichen gilt, erreicht nun auch die Erwachsenen und – bedingt durch weniger Zahnverluste – ebenso die Senioren. Besonders bemerkenswert ist die Dynamik bei den Parodontalerkrankungen, so dass sich alles in allem sagen lässt: Die Menschen in Deutschland bleiben länger gesund im Mund und die Krankheitslasten verschieben sich ins höhere Lebensalter. Die heute älteren Senioren haben einen vergleichbaren Mundgesundheitszustand wie ihn die jüngeren Senioren vor zehn Jahren aufwiesen. Man nennt dieses Phänomen Morbiditätskompression.

Weiteres Informationsmaterial kann auf den Websites von BZÄK (www.bzaek.de/DMS) und KZBV (www.kzbv.de/DMS) abgerufen werden, darunter eine Zusammenfassung der Studie als Broschüre, Grafiken, ein Video-Trailer sowie Film-Interviews mit Dr. Peter Engel, Dr. Wolfgang Eßer, Dr. A. Rainer Jordan und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Eine Reportage über die Untersuchungsphase der DMS V veröffentlichte das ZBW in der Ausgabe 7/2014 mit dem Titel: „Deutschland macht den Mund auf“.

prd/HC/CI

Vorgehensweise

Damit die Studienergebnisse stellvertretend für die Bevölkerung gelten, wurde ein mehrstufiges Zufallsauswahlverfahren durchgeführt. Über die Einwohnermeldeämter von 90 zufällig ausgewählten Städten wurden fast 10.000 Zielpersonen zur Teilnahme angeschrieben. Speziell für diese Studie geschulte Zahnärzte untersuchten insgesamt 4609 Probanden. Bei den untersuchten Altersgruppen hat sich das IDZ an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation orientiert, um international vergleichbar zu sein.

Stellvertretend für Kinder wurden 12-Jährige, als jüngere Erwachsene wurden 35- bis 44-Jährige und als jüngere Senioren 65- bis 74-jährige Personen befragt und untersucht. Erstmals waren ältere Senioren im Alter von 75 bis 100 Jahren dabei. Bei ihnen sind anteilsmäßig zur deutschen Bevölkerung auch Menschen mit Pflegebedarf in die Untersuchungen eingeschlossen. Die klinischen Untersuchungen umfassten vor allem die Haupterkrankungen Karies und Parodontitis und das Ausmaß der Zahnverluste. Während die epidemiologische Messung der Zahnkaries seit fast hundert Jahren im Wesentlichen unverändert erfolgt, unterliegt die Messung parodontaler Erkrankungen einer regelmäßigen methodischen Entwicklung.

In der DMS V wurde ein neues Verfahren eingesetzt, das aktuellen Empfehlungen der europäischen Föderation für Parodontologie folgt, um die Krankheitslasten in der Bevölkerung besser abzuschätzen. Neben Erkrankungen der Mundhöhle, wie Mundschleimhauterkrankungen oder Zahnerosionen, wurden auch die zahnärztlichen Versorgungsgrade dokumentiert.

Die sozialwissenschaftliche Befragung umfasste soziodemografische Parameter, um die Studienpopulation nach Merkmalen ihrer sozialen Schichtzugehörigkeit zu gliedern und das Gefüge sozialer Ungleichheiten in der Gesellschaft zu erfassen. Zudem wurden verhaltens- und gesundheitsbezogene Parameter abgefragt, die als bekannte Risikofaktoren für Zahn- und Mundkrankheiten gelten.

 

Tag der Zahngesundheit 2016 in Freiburg

 

Mundgesundheit auf dem Münsterplatz

Ausgabe 10, 2016

Freiburg zeigte sich am 21. September rekordverdächtig: Mit der 25. landeszentralen Auftaktveranstaltung zum Tag der Zahngesundheit wurde das Silberjubiläum gefeiert und gleichzeitig auf die hervorragende Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen aufmerksam gemacht. Bei Kaiserwetter präsentierte sich das ErlebnisForum Zahngesundheit mitten im bunten Marktgeschehen auf dem Münsterplatz. Hier machte es allen Beteiligten besonders große Freude, für die Zahnprophylaxe zu werben, denn besser konnte das diesjährige Motto nicht umgesetzt werden als inmitten des Marktes: „Gesund beginnt im Mund. Mit Obst und Gemüse geht’s rund“.

Es hatte einige Anläufe gebraucht, um von der Stadt Freiburg die Genehmigung zu erhalten, den Tag der Zahngesundheit auf dem prominenten Münsterplatz in der Nähe des Münsters, des Historischen Kaufhauses und der Alten Wache ausrichten zu dürfen. Bereits 1992 war das ErlebnisForum Zahngesundheit in Freiburg zu Gast, damals auf dem Augustinerplatz. In diesem Jahr wollte man sich noch öffentlichkeitswirksamer präsentieren. Mit dem erweiterten Motto „Mit Obst und Gemüse geht’s rund“ appellierten die Veranstalter schließlich an die Entscheidungsfreudigkeit der Verantwortlichen. So konnte passend zur Zahngesundheitsvorsorge die (zahn)gesunde Ernährung hervorgehoben und dabei gleichzeitig für den Münstermarkt mit seiner Vielzahl an regionalen Obst- und Gemüseanbietern geworben werden. Die gesunden Produkte der Marktbeschicker sollten dabei nicht nur optisch eine Augenweide sein, sondern auch in das Veranstaltungskonzept mit einfließen. Die Tage der Zahngesundheit wurden vom Informationszentrum Zahngesundheit Baden-Württemberg (IZZ) und der regionalen Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit Stadtkreis Freiburg und Landkreis Breisgau- Hochschwarzwald im Namen der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg e. V. (LAGZ) organisiert und durchgeführt.

Erfolgsmeldungen. Vor der Eröffnungsveranstaltung auf dem Münsterplatz konnten sich die Medienvertreter bei der Pressekonferenz in der Alten Wache ausführlich über den aktuellen Zahngesundheitsstatus der Kinder informieren. Da gab es nur Gutes zu vermelden: Die Zähne der 12-jährigen Kinder in Baden- Württemberg sind spitze. So teilen sich heute zwei Zwölfjährige nur noch einen kariösen Zahn. Zum Vergleich: 1989 gab es bei der gleichen Altersgruppe im Bundesdurchschnitt pro 12-jährigem Kind noch 4,1 kariöse, gefüllte oder fehlende Zähne. Eine Erfolgsmeldung, die Dr. Udo Lenke, Vorsitzender des Vorstands der LAGZ und Präsident der Landeszahnärztekammer BW (LZK), gerne verkündete. Er hat die Verbesserung der Zahngesundheit von Kindern und Jugendlichen in seiner 16-jährigen LAGZ-Amtszeit entscheidend mitgeprägt. „Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“ war stets Dr. Lenkes Credo, und diese Umsetzung ist in Baden-Württemberg bestens gelungen.

Fissurenversiegelung. Die aktuellen Ergebnisse der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V), die sich auf ganz Deutschland beziehen, untermauern diesen Erfolg. So ergänzte Dr. Ute Maier, Vorsitzende des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) BW die Erfolgsmeldung zur Zahngesundheit mit dem Zusatz: Acht von zehn 12-Jährigen sind heute vollkommen kariesfrei. Dies liegt u. a. daran, dass „70,3 Prozent der 12-jährigen Kinder Fissurenversiegelungen aufweisen. Kinder ohne Fissurenversiegelung haben eine dreifach erhöhte Karieserfahrung“. Dr. Maier lobte auch die Erwachsenen, die laut DMS V ebenfalls von den positiven Effekten der Prävention profitieren. Die Zahl der Menschen mit Parodontalerkrankungen nimmt in Deutschland ebenfalls deutlich ab, was Dr. Maier nicht zuletzt der Professionellen Zahnreinigung zuschrieb. Dr. Hans Hugo Wilms, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der KZV BW, spannte in der Pressekonferenz den Bogen zur zahngesunden Ernährung. Hier gibt es noch enormen Verbesserungsbedarf, gerade was die Essensversorgung in Kitas und Schulen betrifft. Aber auch die neuen Bildungspläne der Schulen sollen das Thema Ernährung stärker betonen.

Als Schirmherrin des Tags der Zahngesundheit meldete sich auch Bärbl Mielich MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, zu Wort. Sie lobte die gruppenprophylaktischen Maßnahmen und die entsprechenden Erfolge der Zahnärzteschaft und stellte in Aussicht, dass geflüchtete Kinder und Jugendliche in Erstaufnahmeeinrichtungen in Zukunft auch von den Prophylaxeleistungen profitieren sollen.

Weitere Mitwirkende in Sachen Zahngesundheit standen bei der Pressekonferenz ebenfalls Rede und Antwort: Dr. Elisabeth Hellekes von der regionalen Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit Stadtkreis Freiburg und Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Eberhard Brenner, AOK Baden-Württemberg, Vertreter des Mitglieds im LAGZ-Vorstand und stellvertretend für die gesetzlichen Krankenkassen zugegen, die jährlich einen beachtlichen finanziellen Beitrag zur Gruppenprophylaxe leisten, Dr. Anne Würz vom Ministerium für Soziales und Integration sowie Dr. Günter Pfaff, Referatsleiter für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg.

Zusammenspiel. Rang und Namen der Teilnehmer der Pressekonferenz zeigen deutlich: Die Gruppenprophylaxe in Baden-Württemberg hat viele Mitwirkende, die zum Wohle der Kinder und Jugendlichen an einem Strang ziehen. Während sich bei der LAGZ das Ministerium für Soziales und Integration, der Landkreistag Baden-Württemberg, der Städtetag Baden-Württemberg, die KZV BW, die LZK BW, die gesetzlichen Krankenkassen sowie weitere fördernde Mitglieder für die Grundlagen zur Erhaltung und Förderung der Zahngesundheit verantwortlich zeigen, setzen rund 170 Prophylaxe-Fachkräfte und über 1400 Patenzahnärzte in 37 regionalen Arbeitsgemeinschaften für Zahngesundheit die Gruppenprophylaxe breitenwirksam und flächendeckend in Kindergärten, Kitas, Grund- und Hauptschulen sowie in Förderschulen und weiterführenden Schulen um.

Bühnen-Show. Malerischer konnte sich die landeszentrale Auftaktveranstaltung nicht präsentieren als beim Tag der Zahngesundheit in Freiburg. Bei strahlendem Sonnenschein, im Herzen der Stadt in der Nachbarschaft des beeindruckenden Münsters, umgeben von bunten Marktständen, leuchtete das weiße Pagodenzelt des ErlebnisForums Zahngesundheit von weitem und weckte zusammen mit der großen Live-Bühne die Neugier der Münstermarktbesucher. Die regionale Arbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit in Freiburg hatte zum Auftakt ein buntes Programm zusammengestellt. So eröffneten der Schulchor und das Panpan-Grundschulorchester der Pestalozzi-Grundschule Freiburg und des Kindergartens Sonnenschein aus Staufen musikalisch die Veranstaltung. Wie in den Jahren zuvor führte die beliebte Moderatorin Martina Meisenberg durchs Eröffnungsprogramm, bei dem sich sowohl die Gastgeber der Veranstaltung, Dr. Ute Maier und Dr. Udo Lenke sowie Dr. Elisabeth Hellekes, auf der Bühne präsentierten, als auch die politischen Gäste, Staatssekretärin Bärbl Mielich MdL, Wahlkreis Breisgau, Jürgen Keck MdL, Wahlkreis Konstanz, und die Freiburger Stadträtin Carolin Jenkner Rede und Antwort standen. Mit ihrer herzlichen Art entlockte Martina Meisenberg ihren Bühnenpartnern jede Menge Wissenswertes zur Zahngesundheitsvorsorge und zur persönlichen Mundhygiene.

Kindermund. Richtig lustig wurde es, als die eigentliche Zielgruppe des Tags der Zahngesundheit, die Kinder, den Erwachsenen auf der Bühne ihre persönlichen „Zahnfragen“ stellen durften. Dazu waren Kinder einer 3. Klasse der Pestalozzi-Grundschule in Freiburg ausgewählt worden. Die SWR-Volontärin Cordelia Marsch moderierte die lockere Fragerunde, die einige private „Geständnisse“ und sehr humorvolle Antworten hervorbrachte.

Auf die Frage „Wurde Ihnen schon mal ein Zahn gezogen?“ gab Dr. Ute Maier zu, dass sie mit zwölf Jahren einen Zahn verlor, weil sie als Kind keine Lust hatte, ihre Zähne gründlich zu putzen. Erst der sinnlose Zahnverlust motivierte sie dann zu besserer Zahnhygiene. Jürgen Keck zog sogar ein Gipsmodell seines Gebisses aus der Jackentasche, das vor einer Zahnspangenbehandlung in seiner Jugend gemacht wurde. Und Bärbl Mielich gab als „Zahnsünde“ zu, dass sie sich nach einer Radtour ab und zu mit Spaghettieis belohne, aber meist keine Zahnbürste dabei habe. Die Kinder merkten schnell: Man darf manchmal sündigen, also auch ungesunde Sachen essen, wenn man es nicht zur Regel werden lässt und trotzdem auf eine gewissenhafte Mund- und Zahnpflege achtet.

Bunte Aktionen. Die Tage der Zahngesundheit richten sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit dem Ziel, die vier Säulen der Zahngesundheit näher kennenzulernen. Im ErlebnisForum Zahngesundheit werden den Besuchern alle Grundpfeiler zur Gesunderhaltung der Zähne spielerisch nähergebracht. Die Plaque-Neon-Schau dient zur Überprüfung der eigenen Mundhygiene, während man am Zahnputzbrunnen die richtige Zahnputztechnik einüben kann. Dank der Unterstützung der Firma Kavo Dental GmbH, Biberach a. d. Riß, die seit Jahren eine Behandlungseinheit und Geräte für das Forum Zahngesundheit stellt, und der Firma Carl Zeiss Microscopy GmbH, Göttingen, deren Mikroskop die Bakterien sichtbar macht, ist der zahnärztliche Bereich anschaulich vertreten.

Außerdem wird auf die Fluoridierung aufmerksam gemacht und es gibt viele anschauliche Beispiele für gesunde Lebensmittel im Zelt und außen auf den Markttischen, die aufzeigen, dass die Ernährung für die Zahngesundheit eine entscheidende Rolle spielt. Diesmal konnten die Kinder diese Aktionsbereiche in Form eines Erlebnisparcours durchlaufen und an einem Zahnquiz teilnehmen. Als Belohnung durften sie eine Tüte Obst und Gemüse mit nach Hause nehmen.

Da sich die Zahnärzteschaft Baden- Württemberg auch für Menschen einsetzt, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, wurde zusätzlich eine Benefiz-Aktion durchgeführt für die Kinderhilfsaktion Herzenssache e. V. von SWR, SR und Sparda-Bank, um humanitäre Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche in Deutschland tatkräftig zu unterstützen. Jede Spende für die Herzenssache wurde mit einem Los belohnt, und jedes Los gewann einen (zahngesunden) Preis.

Vertrauen. Die Tage der Zahngesundheit sind als vertrauensbildende Maßnahme zu verstehen. Der Öffentlichkeit soll in einer angstfreien Umgebung vermittelt werden, wie wichtig eine gute Prophylaxe von Kindesbeinen an ist. Je früher man mit der richtigen Mundhygiene anfängt und je selbstverständlicher sie ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, ein Leben lang gesunde Zähne und intakte Mundverhältnisse zu haben.

Die Ergebnisse der vergangenen Jahrzehnte sprechen für sich, denn in keinem anderen Gesundheitsbereich weist die Prävention größere Erfolge auf als bei der Zahngesundheitsvorsorge. Nur weil sich alle beteiligten Akteure beim IZZ, bei allen Institutionen, die in der LAGZ mitwirken, die Prophylaxe-Fachkräfte in den regionalen Arbeitsgemeinschaften, die Mitarbeiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie alle Zahnärztinnen und Zahnärzte in Baden- Württemberg mit unermüdlichem Engagement für die Gesunderhaltung der Kinderzähne einsetzen und auch die Medien die Maßnahmen zur Verbesserung der Zahngesundheit an die Öffentlichkeit weiter tragen, kommt dieser großartige Erfolg zustande.

claudia.richter@izz-online.de

 

25 Auftaktveranstaltungen zum Tag der Zahngesundheit in Baden-Württemberg

 

Jubiläum im Zeichen der Mundgesundheit

Ausgabe 10, 2016

Auf dem Freiburger Münsterplatz gab es am 21. September ein Silberjubiläum, das nicht an die große Glocke gehängt wurde: Zum 25. Mal warb die Auftaktveranstaltung zum Tag der Zahngesundheit medien- und öffentlichkeitswirksam für die Belange der Mundgesundheit. Dabei hätte nicht nur diese Jubiläumsveranstaltung ein festliches Geläut vom nahen Münsterturm verdient, jede einzelne Veranstaltung in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten war ein Highlight für sich.

Wer einmal erlebt hat, wieviel Energie, Ideenreichtum, Überzeugungsarbeit und Fleiß in einer solchen Veranstaltung steckt, hat große Hochachtung vor den Verantwortlichen, die seit über 25 Jahren für das Gelingen der landeszentralen Auftaktveranstaltung sorgen. Das Team des IZZ unter der Leitung von Johannes Clausen hat dies heuer zum 25. Mal mit Bravour bewältigt. Doch vor dem Höhepunkt, für den sich jede Anstrengung lohnt, kommt die Mühe der Planung: Oft müssen Ministerien, Verwaltungen, Landräte, Bürgermeister und Marktbeschicker durch den Leiter des IZZ, Johannes Clausen, überzeugt werden, um genau zum richtigen Termin in der guten Stube einer Stadt Zelt und Bühne aufschlagen zu können.

Platzbedarf. Die Auftaktveranstaltungen und die sich anschließenden Aktivitäten im Forum Zahngesundheit fanden meist vor historischer Kulisse statt: dem Ulmer Münsterplatz, dem Universitätsplatz in Heidelberg, dem Spitalhof in Reutlingen, dem Holzmarkt in Ravensburg, dem Alten Markt in Lörrach, dem Schillerplatz in Göppingen. Auch Orte wie der Emmendinger Marktplatz oder der in Karlsruhe sind heiß umkämpft – und der Schloßplatz in Stuttgart muss möglichst Jahre im Voraus gebucht werden, auch wenn es sich um eine von allen Seiten anerkannte Veranstaltung handelt wie den Tag der Zahngesundheit.

Organisationstalent. Auch die Detailarbeit, die nötig ist, bis sich die Prominenz zusammen mit den großen und kleinen Besuchern vor und auf der Livebühne versammeln kann, ist für Außenstehende nicht zu erahnen. Zumal sie auch das Geschehen im Erlebnisforum Zahngesundheit umfasst, das am Eröffnungstag selbst und an weiteren drei Tagen das Zentrum der Aufmerksamkeit ist. Daher will die Wahl des Blumenschmucks ebenso bedacht sein wie zahngesunde Gewinne für Tombola, Quizshow oder Glücksrad. Auch die Live-Acts müssen exakt getaktet werden: Die Auftritte von Jugendorchestern, Bigbands, Schülerchören, Cheerleaders, Hiphoppern oder Clowns sind ebenso zu organisieren wie Kindertheater, Luftballonstarts und Zaubershows.

Lokalkolorit. Von Beginn an gehören auch die Autogrammstunden von Sportgrößen als feste Bestandteile zu den Aktivitäten rund um den Tag der Zahngesundheit. Zu planen sind außerdem die Pressekonferenz und das seit Jahren gut etablierte Dialog-Essen, bei dem alle an der Auftaktveranstaltung beteiligten Partner sowie Medienvertreter, Standespolitiker und die Akteure der Krankenkassen miteinander ins Gespräch kommen. Und natürlich gilt es auch, Einladungen, Plakate, Flyer zu konzipieren, zu drucken und zu verbreiten. Die gastgebende Arbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit, die die Gegebenheiten und die Ansprechpartner vor Ort kennt, leistet bei allem wertvolle Hilfe.

Wetterfest. Ein Faktor allerdings verweigert sich der Planung: das Wetter. Es ist bei allem Organisationstalent nicht zu beeinflussen. Und dennoch hatte man bei fast allen Auftaktveranstaltungen den Wettergott auf seiner Seite, sodass sich Schirmherrinnen, Oberbürgermeister, Landräte, Parlamentsabgeordnete, Zahnärzte und Berufspolitiker meist bei strahlendem Herbstwetter auf der Live-Bühne einfinden konnten. Die malerische Kulisse bildeten mittelalterliche Kopfsteinpflaster, geraniengeschmückte Rathäuser, historische Gebäude, leise plätschernde Brunnen, Glockenspiele, ein lebhafter Markt oder das Treiben in den nahen Straßencafés.

Tour de Ländle. Um solch idyllische Standorte bespielen zu können, führte die „Tour de Ländle“ nicht nur nach Stuttgart, Ulm, Ravensburg und Biberach, sondern auch nach Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg. „Sei es in Baden oder Schwaben – Karies soll keine Chance haben“ reimte Dr. Michael Kalb, Vorsitzender der 1985 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit im Landkreis Ravensburg im Jahr 2003. Und damit kein Landstrich zu kurz kommt, wurden auch Emmendingen, Gengenbach und Lörrach einbezogen, außerdem Reutlingen, Ludwigsburg, Heilbronn, Pforzheim, Aalen, Göppingen und Bad Mergentheim. Die letztgenannte größte Kurstadt des Landes war 2011 Gastgeber und Oberbürgermeister Udo Glatthaar lobte die „hervorragend vorbereitete und organisierte Veranstaltung, die ausgezeichnet zum Profil von Bad Mergentheim als Gesundheitsstadt passt“.

Lob und Dank. Lob gab es vielfach und immer aus berufenem Munde. Schon 1996, als die bundesweite Auftaktveranstaltung in Stuttgart stattfand und im Weißen Saal des Neuen Schlosses 400 geladene Gäste aus ganz Deutschland versammelt waren, rühmte Sozialminister Erwin Vetter das beispielhafte Engagement der Arbeitsgemeinschaften und der Zahnärzteschaft des Landes. Damals gab es erstmals zum allgemeinen Motto „Gesund beginnt im Mund“ einen Zusatz, der die Zahngesundheit in der Schule betraf. Seither hat man viele Themen durch dieses Zusatzmotto abgedeckt und das Spektrum wesentlich erweitert. So wurde 1999 in Reutlingen erstmals der zahnärztliche Kinderpass vorgestellt, 2000 waren „Gesunde Zähne – ein Leben lang“ im Blickpunkt, 2009 hieß das Motto „Gesund beginnt im Mund, krank sein oftmals auch“. Auch der Speichel und seine biologischen Funktionen wurden thematisiert, ebenso die Alterszahnheilkunde.

Medieninteresse. Profunde Informationen zum Thema Mundgesundheit lockte natürlich auch Kamerateams, schreibende Journalisten und Hörfunkreporter zu den Eröffnungsveranstaltungen und in die vorgeschalteten Pressekonferenzen, sodass das Medien-Echo vielfältig und die Bildausbeute sympathisch war: Es gab Interviews mit Fachkräften des ÖGD und mit Beki-Fachfrauen, die sich für bewusste Kinderernährung einsetzen, Fotos mit lokaler Prominenz, die sich – wie Aalens OB Martin Gerlach mit einer riesigen Zahnbürste und großem Vergnügen am Zahnputzbrunnen ablichten ließen – oder hübsche Schnappschüsse der sechsjährigen Greta Sophie, die zusammen mit Dr. Udo Lenke 2004 in Ludwigsburg den Tag der Zahngesundheit eröffnete.

Pionierleistung. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aber standen stets die 37 regionalen Arbeitsgemeinschaften unter dem Dach der LAGZ, deren Geschichte länger zurückreicht als der bundesweite Tag der Zahngesundheit, den es seit 1991 gibt. So war die Auftaktveranstaltung im Jahr 2000 in Heilbronn eine Reverenz an die örtliche Arge, die schon 20 Jahre zuvor ein Programm zur Gruppenprophylaxe entwickelt hatte, das erste in Deutschland. Sie kann daher mit Fug und Recht als „Keimzelle der Gruppenprophylaxe“ bezeichnet werden.

Zahnstatus. Heilbronn war daher auch der richtige Ort, um erstmals in der Öffentlichkeit konkrete Zahlen zum Zahnstatus der Kinder in Baden-Württemberg zu nennen: Die Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe lieferten folgendes Bild: Bei den untersuchten 12-Jährigen wurden im Jahr 2000 1,03 kariöse, fehlende oder gefüllte Zähne registriert, 1997 waren es 1,43, im Jahr 1994 noch 2,4. Und die baden-württembergische Erfolgsgeschichte ging weiter: 2005 konnte man mit einem DMFT-Index von 0,7 einen Spitzenplatz in Europa für sich reklamieren. 2014 schließlich prägte Dr. Udo Lenke den von den Medien oft aufgegriffenen Satz: „Zwei Zwölfjährige teilen sich eine Füllung“.

Doch bei allem Lob für diese hervorragenden Resultate gab es auch Schattenseiten zu entdecken. 2000 sprach der damalige Vorsitzende der LAGZ und Kammerpräsident Dr. Rüdiger Engel die Kariesrisiko- Gruppen an mit dem bis heute gültigen Satz: „Je gesicherter das soziale Umfeld, desto sicherer ist die Versorgung der Zähne“.

Prominenz. Schirmherrinnen und Schirmherren gab es viele in den vergangenen 25 Jahren, oft waren es die für Gesundheit und Soziales zuständigen Ministerinnen und Minister, die sich auch am Ort des Geschehens einfanden. So waren u. a. Barbara Schäfer, Marianne Schulz- Hector, Willi Stächele und Monika Stolz bei den Auftaktveranstaltungen anwesend. Die Namen der zahnärztlichen Prominenz zu nennen, würde den Rahmen sprengen, ebenso die der Oberbürgermeister und Bürgermeister, die gastlich ihre Plätze und Rathäuser öffneten. Nur pauschal danken kann man auch Landräten, Parlamentariern aus Land und Bund und den Vertretern der jeweiligen Ministerien, die den Auftaktveranstaltungen oft jahrelang die Treue hielten. Das gilt auch für die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen, die von Anfang an mit im Boot waren und mit steigender Tendenz große Summen für die Gruppenprophylaxe bereitstellen. 2015 waren es 7,66 Millionen Euro.

Sponsoren. Ausdrücklich und namentlich zu danken ist den Sponsoren, ohne deren Unterstützung das stets umlagerte Forum Zahngesundheit lange nicht so attraktiv wäre. Es sind die Firma Kavo Dental, Biberach a. d. Riß, die seit Jahren eine Behandlungseinheit und Geräte stellt, und die Carl Zeiss Microscopy GmbH, Göttingen, deren Mikroskop die Mundbakterien so publikumswirksam sichtbar macht.

D. Kallenberg info@zahnaerzteblatt.de

 

51. Bodenseetagung der BZK Tübingen in Konstanz

 

Kinderzahnheilkunde – ein schöner Schwan

Ausgabe 10, 2016

Dem Bodensee war man treu geblieben mit der Wahl des historischen Konstanzer Konzils als Tagungsort. Und auch bei den Metaphern blieb man in Seenähe: Prof. Haller, wissenschaftlicher Leiter des gutbesuchten Kongresses, nannte die diesjährige Thematik, die Kinderzahnheilkunde, einen „schönen Schwan“. Und das aus gutem Grund: Nicht nur kann man vielen Kindern mit zahnärztlichen Mitteln aus dem Hässlichen-Entlein-Stadium heraushelfen. Auch das Fach selbst und der Berufsstand haben Anlass, die Flügel zu spreizen, denn mit Herz und Fachwissen für das Wohl von Kindern zu arbeiten, ist eine wunderbare Sache.

Dr. Wilfried Forschner, Vorsitzender der Bezirkszahnärztekammer Tübingen, erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass im Konzilgebäude vor 600 Jahren der größte Kongress des Mittelalters stattfand. Die geschätzten 70.000 Konzilbesucher verschafften der Stadt während der vier Jahre von 1414 bis 1418 nicht nur einen beträchtlichen Aufschwung, sondern brachten die rund 6.000 Einwohner auch an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Das war beim traditionellen Kongress der BZK Tübingen nicht zu befürchten, obwohl die 500 Stühle im Saal mit seinen 14 mächtigen Holzpfeilern immer gut belegt waren. Kein Wunder, denn Prof. Dr. Bernd Haller hatte auch in diesem Jahr wieder ein überaus interessantes Programm zusammengestellt, das von namhaften Referenten anspruchsvoll und dennoch praxisnah umgesetzt wurde.

Gastliche Stadt. Konstanz zeigte sich von seiner gastlichen Seite und die Begrüßung durch OB Uli Burchardt unterstrich diesen sympathischen Eindruck. Das seit vier Jahren amtierende Stadtoberhaupt versicherte den Anwesenden, dass sie im größten mittelalterlichen Profanbau Süddeutschlands und zudem auf der badischen Seite gut untergebracht seien. Er warb für weitere Tagungen in seiner mit rund 85.000 Einwohnern dynamisch wachsenden Stadt und hielt – nicht nur angesichts der Flüchtlingsfrage, die auch Konstanz betrifft – ein flammendes Plädoyer für Europa. Es gelte, vermehrt in „europäischen Kategorien“ zu denken und sich für ein friedliches Europa einzusetzen – eine Aufgabe vor allem für die Jugend.

Schöne Erfolge. An das Stichwort Jugend konnte Prof. Haller mühelos anknüpfen. Ebenso wie Dr. Forschner verwies er auf die Mundgesundheitsstudie V und auf die ausgezeichneten Ergebnisse bei Kindern und Jugendlichen. Der DMFT-Wert bei Kindern hat sich seit Beginn der Studie 1989 von 4,9 auf rund 0,5 reduziert – ein Rückgang um fast 90 Prozent wie Dr. Forschner vorrechnete. Die Kariesreduzierung macht die Zahnärzte zur erfolgreichsten Gruppe in der Medizin. Dennoch muss man sich intensiv gerade um die restlichen 10 Prozent kümmern, zumal man ja weiß, dass Allgemein- und Mundgesundheit eng zusammenhängen.

Lebensqualität im Mund. Den engen Zusammenhang zwischen Allgemein- und Mundgesundheit zeigte gleich der erste Vortrag von Prof. Dr. Katrin Bekes, Wien. Die Expertin für Kinderzahnheilkunde mit dem Schwerpunkt Lebensqualitätsforschung arbeitet u. a. an der Entwicklung von deutschsprachigen Instrumenten zur Erfassung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Kindern. Dies nicht nur aus gesundheitsökonomischer Sicht, sondern auch um die psychosozialen Folgen von negativen Befunden bei jugendlichen Patienten auszuloten und auch zu bekämpfen. Zu den die Lebensqualität empfindlich einschränkenden Faktoren gehört die Karies bei Kleinkindern – und das bei steigender Tendenz und zunehmender Polarisation.

Frühe Karieserfahrung. Prof. Dr. Jan Kühnisch, München, beleuchtete Ursachen, Prävention und praxisbezogene Therapieansätze der frühkindlichen Karies und machte deutlich, dass Kinderzahnheilkunde ein Querschnittsfach ist, in dem es ein breites Spektrum abzudecken gilt. So stellt zum Beispiel die Milchzahnkaries für den Allgemeinzahnarzt eine Herausforderung dar, zumal bei einem Kind mit Zahnschmerzen und fehlender Kooperationsbereitschaft. Er wies darauf hin, dass seit 1. September im gelben Untersuchungsheft ab der U5 (6. bis 7. Lebensmonat) Verweise zum Zahnarzt enthalten sind, was dazu führen kann, dass auch in der Allgemeinpraxis vermehrt Kleinkinder mit Nuckelflaschenkaries gesehen werden. Dann muss der Zahnarzt dafür sorgen, dass durch eine sofortige und dauerhafte Ernährungsumstellung (Verzicht auf kariogene und erosive Getränke und Lebensmittel), durch Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Mundhygiene durch die Eltern (Nachputzen!) sowie eine altersgerechte Fluoridzufuhr die Reduktion des Kariesrisikos gewährleistet ist. Die konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen muss kontrolliert werden, denn sie entscheiden maßgeblich über eine zukünftige Kariesfreiheit oder das Auftreten eines Rezidivs. Neben den präventiven Aspekten bedürfen diese Kinder in der Regel einer invasiven und umfangreichen Therapie, unkooperative Kinder in Sedierung oder Allgemeinanästhesie.

Schmerzausschaltung. Wann eine Inhalationssedierung (Lachgas) angezeigt ist und was man vor einer Intubationsnarkose zu beachten hat, machte eindrucksvoll die niedergelassene Zahnärztin Dr. Uta Salomon, Friedrichshafen, klar. Sie appellierte an die Behandler, sich bewusst zu machen, dass insbesondere bei Kindern Schmerz nicht nur eine organische Ursache hat, sondern auch ein subjektives Gefühl darstellt. Daher ist eine „konsequente Schmerzausschaltung bei allen zahnärztlichen Manipulationen grundlegende Voraussetzung in der Kinderzahnheilkunde“. Ihr Vortrag, in dem sie auch Alternativen zur herkömmlichen Spritze aufzeigte, lieferte wertvolle Entscheidungshilfen für die tägliche Praxis, ebenso die Hinweise auf pharmakologische Substanzen, die verhaltenstherapeutische Techniken ergänzen können. Eine optimale Schmerzausschaltung ist gerade bei Kindern mit hypersensiblen MIHZähnen (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation) nötig, daher riet die Referentin zu einer Prämedikation und zur engen Zusammenarbeit mit dem Kinderarzt.

MIH-Zähne. Auch andere Herausforderungen sind bei dieser Erkrankung zu meistern, wie Prof. Dr. Katrin Bekes bei ihrem zweiten Vortrag anschaulich schilderte. Das Krankheitsbild MIH , das sich meist an den ersten bleibenden Molaren und bleibenden Frontzähnen manifestiert, spielt eine zunehmend größere Rolle (Prävalenz in Deutschland: 10 bis 14 Prozent). Die Defekte zeichnen sich klinisch durch eine Veränderung in der Transluzenz des Schmelzes aus und durch Farbveränderungen. Je dunkler die Farbe, umso poröser ist der Zahnschmelz und umso höher ist die Gefahr des posteruptiven Substanzverlustes. Die Therapie der MIH richtet sich nach der Ausprägung und der vorhandenen Schmerzsymptomatik. Wichtig ist, Patienten mit MIH frühzeitig zu erfassen und einer umfassenden Betreuung zuzuführen. Die Ätiologie des Krankheitsbildes ist immer noch nicht völlig geklärt, diskutiert wird ein multifaktorielles Geschehen. Bekannt ist, dass die Störung der Zahnentwicklung zwischen dem 8. Schwangerschaftsmonat und dem 4. Lebensjahr eintritt, da in dieser Zeit die Amelogenese der ersten Molaren und der Inzisivi stattfindet.

Komposite. Dass man auch bei MIH-Zähnen mittels Kompositrestaurationen gute Ergebnisse erzielen kann, zeigte Prof. Dr. Diana Wolff, Heidelberg im Rahmen ihres viel beachteten Vortrags „Die ausgedehnte Kompositrestauration – Wo sind die Grenzen?“. Komposite haben auch bei hypomineralisierten Zähnen bei adäquater Verarbeitung eine gute Überlebensrate. Da die Füllungsränder komplett im gesunden Schmelz liegen sollten, muss der gesamte defekte Schmelz entfernt werden, damit es wegen des eingeschränkten adhäsiven Verbundes nicht zu weiteren Zahnsubstanzverlusten rund um die Füllungen kommt.

Restaurative Versorgung. Bei solch komplizierten Verhältnissen ist es nicht weiter verwunderlich, wenn Zahnärzte „Angst“ vor der Behandlung von Milchzähnen zu haben scheinen, wie Prof. Dr. Christian H. Splieth, Greifswald, bemerkte. In seinem Vortrag „Restaurative Versorgung von Milchzähnen – Von der Füllung bis zur konfektionierten Krone“ wies er nach, dass in Deutschland nur 50 Prozent der kariösen Milchzähne gefüllt werden. Das mag daran liegen, dass sie andere Konzepte und Techniken erfordern als die permanente Dentition. Er beleuchtete daher die morphologischen Unterschiede zwischen Milch- und permanenten Zähnen und leitete daraus die verschiedenen Therapiekonzepte ab. Neben Hinweisen auf die aussichtsreichsten Füllungswerkstoffe (bei mangelnder Compliance und hoher Kariesaktivität: provisorischer Verschluss oder GIZ) zeigte er Alternativen auf wie vorgefertigte Stahlkronen, die bei Langzeitstudien deutlich besser abschneiden als mehrflächige Füllungen.

Verhaltensführung. Nach einem dem Vernehmen nach mehr als gelungenen Gesellschaftsabend in den historischen Räumen des Konzils ging es am Samstagmorgen mit einem mitreißenden Vortrag von ZÄ Barbara Beckers-Lingener, Sankt Augustin, weiter. Die niedergelassene Zahnärztin mit Tätigkeitsschwerpunkte Kinderzahnheilkunde und zahnärztliche Hypnose/Kinderhypnose brachte dem Auditorium in ihrem Vortrag „Keine Angst vor der Behandlung von Kindern“ die „Ritualisierte Verhaltensführung“ näher. Sie bot einen überaus lebendigen Einblick in ein bewährtes Behandlungskonzept, das sich schnell in bestehende Arbeitsabläufe integrieren lässt. Unterstützt durch hypnotische Kommunikation lassen sich schwierige Behandlungssituationen vermeiden bzw. auflösen, sodass unkooperative Kinder und Behandlungsabbrüche sowie störende Helikopter- Eltern kaum noch ein Thema sind.

Erziehung. Zum Thema Eltern äußerte sich um so vehementer der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus, Ergolding, der Redner des traditionellen Festvortrages. Er schaffte den Übergang von der Restauration in der Zahnheilkunde zur „Renaissance der Erziehung“. Sein Thema „Erziehung heute – Sind wir am Ende des Selbstverständlichen angelangt?“. Unter dem Beifall der verbliebenen Zuhörer, betonte er, dass zum Erziehen Intuition, Bodenständigkeit, Spontaneität und ein gehöriger Schuss Humor gehören. Seine Kritik an der „Abitur-Vollkasko-Mentalität“ und an einem „hysterischen Kontroll-, Verwöhnungs- und Förderwahn“ der Eltern rundete den Freitag ab und leitete sicher auch manche kollegialen Gespräche an diesem Abend ein. Verabredungen zur nächsten Bodenseetagung der BZK Tübingen in Konstanz wurden dabei auch schon getroffen und das Datum 15. und 16.9.2017 festgehalten.

D. Kallenberg info@zahnaerzteblatt.de

Lesen Sie hier den Beitrag zum zweiten Tag der 51. Bodenseetagung zum Thema Zahntrauma.

 

2. Tag der Bodensee-Tagung der BZK Tübingen am 17.9.2016 in Konstanz zum Thema Zahntrauma

Ein zweiter Schwerpunkt der Fortbildungstagung  der BZK Tübingen war das Zahntrauma. Rund ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen erleiden bis zum 16. Lebensjahr einen Unfall, von dem auch die Zähne betroffen sind. Bei bleibenden Zähnen sind medizinische, psychische und auch finanzielle Folgen oft so gravierend, dass eine sofortige Intervention nötig ist. Daher kommen viele Kinder und Jugendliche mit Zahntraumata notfallmäßig in die Praxis des Allgemeinzahnarztes. Avulsion. Einen echten zahnmedizinischen Notfall stellt die Avulsion dar, bei der Minuten bis zur Ergreifung einer adäquaten Maßnahmen über den Erhalt eines Zahnes entscheiden, sofern er zur Replantation mitgebracht wird. Prof. Dr. Kurt A. Ebeleseder, Graz  gab in seinem Vortrag „Zahntrauma - Problemzone Avulsion“ einen Überblick über geeignete Aufbewahrungsmedien, die Hoffnung auf eine physiologische Heilung erlauben. Die Zahnrettungsbox war mit 72 Stunden Überleben allen anderen Medien überlegen, bei Milch und rohem Ei  kann man mit je 60 Minuten Überleben rechnen, beim Transport in einer (gekühlte) luftdichten Plastikfolie mit 30 Minuten. Prof. Ebeleseder wies außerdem darauf hin, dass bei der Schilderung der Extraoralperiode meist geschönt wird, weil die Betroffenen befürchten, dass eine Replantation sonst nicht versucht wird. Er rät daher genau nachzufragen, wo der Zahn lag, wie lange er  außerhalb der Mundhöhle war und in welchem Medium er transportiert wurde.

Nekrosen. Schon ab der fünften Minute unphysiologischer extraoraler Lagerung erleiden Zement und parodontales Ligament Nekrosen, dennoch kann man auch wurzelhautnekrotische Zähne replantieren, man muss dann mit Resorptionserscheinungen der Wurzel rechnen. Eine regelmäßige röntgenologische Kontrolle ist daher unerlässlich. Das Ziel der Behandlung liegt bei jungen Patienten oftmals vor allem darin, den Zahn mindestens so lange zu erhalten, bis eine implantologische Versorgung erfolgen kann.

Endodontie. Das Endodont ist nach einem Zahnunfall mit Avulsion in jedem Fall ischämisch-nekrotisch und ein potentieller Nährboden für Bakterien. Die Wiederbesiedlung durch dentale Stammzellen ist mit der Breite des Foramen apikale verknüpft, erfolgt jedoch auch beim offenen Apex nur in 30 Prozent der Fälle spontan. In 70 Prozent bei offenem und in 100 Prozent bei geschlossenen Apex infiziert sich die Pulpa und führt bei gleichzeitiger Nekrose des Zements zu einer aggressiven, rasch fortschreitenden Wurzelresorption, die allein durch endodontische Behandlung zur Ausheilung gebracht werden kann. Nach erfolgreicher Wurzelfüllung stellen Verfärbungen der Krone und Spontanfrakturen im zervikalen Wurzeldrittel weitere Herausforderungen dar

Praxistipps. Prof. Ebeleseder versorgte das Auditorium mit vielen hilfreichen Tipps zur extraoralen Vorbehandlung  des Zahns wie einem chemischen „Heilbad“, das aus einem Antibiotikum (bei avitaler Wurzelhaut) und einem die Ankylose reduzierenden Glukokortikoid bestehen kann, sowie bei vitaler  Wurzelhaut auch aus Schmelz-Matrix -Proteinen. Auch zur Vorbereitung der Alveole und für die häuslichen Maßnahmen des Patienten gab er wertvolle Ratschläge. Starre Schienung konnte er nicht empfehlen, er verordnet Mobilität. Kleine Ankylosen können seiner Ansicht nach durch Mobilität verhindert werden, großen Ankylosen entstehen trotz verordneter Mobilität. Zu den noch offenen Fragen bei der Ankylogenese zählte Prof. Ebeleseder neben Fragen nach Zellmediatoren auch die Rolle der Malassez’schen Epithelreste

Zum Weitersurfen

Eine von allen Fachgesellschaften in Deutschland anerkannte Leitlinie zur Behandlung des dentalen Traumas  gibt es derzeit nicht. Hilfestellung bei der Erst- und Weiterversorgung dentaler Traumata nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand bietet diese S2k-Leitlinie, federführend durch DGZMK und  DGMKG herausgegeben


Ein hilfreicher Leitfaden sind auch die Richtlinien der „International Association of Dental Traumatology“, die 2012 aktualisiert wurden.

Amüsant der
Vortrag „Zahnreplantation“ von Prof. Dr. Kurt A. Ebeleseder beim Science Slam in Graz 2014.


Dislokation.
 Prof. Dr. Roland Weiger, Basel gab Antwort auf die Fragen „Was tun bei Dislokationsverletzungen und Wurzelfrakturen?“. Das Spektrum dieser Verletzungen reicht von der Konkussion über die laterale Dislokation bis zur Intrusion als schwerste Form. Wurzelfrakturen treten seltener auf. Unterbleibt eine sachgerechte Behandlung, ist je nach Schweregrad und Patientenalter mit Spätfolgen zu rechnen, die dann den Zahnerhalt in Frage stellen können. Unerlässlich für Diagnosestellung, Therapieplanung und prognostische Einschätzung sind eine sorgfältige klinische und röntgenologische Diagnostik sowie eine adäquate Verlaufskontrolle.

Therapie. Die Behandlung bei Dislokationsverletzungen, die in einer Schienung als physiologischer Stimulus für die Regeneration/Reparation von paropdontalen Strukturen besteht, muss in Art und Dauer auf die Verletzung abgestimmt sein, von einer starren Schienung rät der Referenten jedoch ab. Wie bei einem Knochenbruch, wo heute auch rasche  Mobilisierung verordnet wird, ist auch bei Dislokationen eine TTS-Schiene ausreichend. Bei einer Extrusion rät er nach der Repositionierung zu einer zweiwöchigen Schienung und einer engmaschigen Kontrolle, jedoch keine WKB. Die ist bei einer lateralen Dislokation, die mehr als 2 mm beträgt, angebracht, außerdem Schienung für ca. 4 Wochen und ebenfalls engmaschige Kontrollen. Wertvolle Hinweise gab er zu Antibiose, denn durch das Trauma ergeben sich zahlreiche Eintrittspforten (Cracks, exponierte Dentinkanälchen etc.) für Mikroorganismen und Toxine.

Wurzelfraktur. Bei der Primärtherapie von Wurzelfrakturen riet er dazu, nicht zu rasch aufzugeben.  So kann zum Beispiel eine schonende Repositionierung des koronalen Fragments und eine Schienentherapie, die bis zu 12 Wochen, abhängig vom Grad der Lockerung, durchgeführt werden kann, eine wirksame erste Maßnahme sein. Keine primäre WKB, sondern Erhalt der regenerationsfähigen pulpalen Strukturen sind außerdem das Gebot der Stunde. Kontrollen im Abstand von zunächst 3, 6 und 12 Wochen entscheiden über weitere Therapieschritte.

Strahlenschutz. Wichtig war dem Referenten, darauf hinzuweisen, dass bei Kindern bei den Verlaufskontrollen keine Röntgenverfahren mit hoher Strahlenbelastung eingesetzt werden sollen, denn bei einem 8-Jährigen ist die Strahlenbelastung um ein Sechsfaches höher als beim 40-Jährigen. Das schnell wachsende kindliche Gewebe reagiert empfindlicher auf ionisierende Strahlung als das Gewebe erwachsener Menschen.

Prof. Weiger wies auch auf AcciDent hin, eine App des Zahnunfallzentrums der Universitätskliniken für Zahnmedizin Basel, die alle Informationen zum Thema Zahntrauma inzwischen auch zweisprachig (deutsch/englisch)  bereithält.
Bestellung bei: 
http://www.zahnunfallzentrum.ch/cms/index.php/fuer-zahnaerzte/accident

Endo mittels Schablone. Einen interessanten Aspekt zum Thema WKB trug Priv.-Doz. Dr. Sebastian Kühl, Basel bei. In seinem Vortrag „Guided Endo obliterierter Zähne – Eine Alternative zum Implantat nach Trauma“ schilderte er die Möglichkeit, in Anlehnung an die schablonengeführte Implantologie auch einen schablonengeführten Zugang zum obliterierten Wurzelkanal herzustellen. Dies kann mit Hilfe einer speziellen Software realisiert werden. Dazu wird ein Oberflächenscan mit einer dreidimensionalen Radiographie (DVT oder CT) überlagert. Nach virtueller Planung einer Bohrung im Kanal kann analog einer Implantatplanung eine virtuelle Hülse über den zu behandelnden Wurzelkanal geplant werden. Durch die virtuelle Gestaltung einer Bohrschablone, die dann mit einem 3D-Drucker erstellt wird, kann die Schablone im Mund des Patienten zur geführten Wurzelkanalerschliessung benutzt werden.

Dorothea Kallenberg

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