Zahnaerzteblatt.de

 

Titelthema

Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete e. V. (HDZ)

 

Von dem guten Gefühl, etwas zum Besseren zu verändern

Ausgabe 12, 2016

Das HDZ ebnet armen und kranken Kindern und Jugendlichen Wege aus der Perspektivlosigkeit. Sie werden durch eine ganzheitliche Erziehung und Bildung gefördert, um sich eines Tages wieder selbst helfen zu können. Dr. Klaus Winter, Vorsteher der Stiftung HDZ, berichtet von der Arbeit der Hilfsorganisation.

Es ist früh am Morgen im Hafengebiet von Tema bei Accra, der Hauptstadt von Ghana an der Westküste Afrikas. Hunderte von zerlumpten Kindern und Jugendlichen, die die Nacht im Freien verbracht haben, sind auf der Suche nach einer Waschgelegenheit oder nach einem heißen Getränk. Ein Salesianerpater taucht auf. Es dauert keine Minute und er ist umringt von einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die ihn fröhlich begrüßen, ihm die Hand drücken, aber auch ihre Nöte vorbringen. Der eine hat Zahnschmerzen, der andere braucht dringend eine neue Hose und fast alle fragen, ob er ihnen eine Arbeit beschaffen kann.

Mittendrin. An einem dieser Tage bin ich, sonst ganztägig in Bad Lauterberg im Harz zusammen mit meiner Frau als Zahnarzt tätig, mittendrin in Schwarzafrika. Ich interessiere mich für die Situation vor Ort, denn ich bin zugleich Vorsitzender des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete. In diesem Moment trägt mir Pater Ivan, ein Salesianer, sein Anliegen vor. Hier in Tema leben 100.000 Menschen in unwürdigen Verhältnissen. Sie stammen meist aus dem Norden des Landes, wo die Trockenheit in den Savannen und in der Folge auch die Armut der von der Landwirtschaft lebenden Menschen zunimmt.

Jugendzentren. Die Salesianer Don Boscos, bei denen ich zu Gast bin und denen Pater Ivan angehört, sind in der Nähe des Hafengebietes zu Hause. Sie nehmen sich besonders der Straßenkinder an. Aber sie spüren: Es reicht nicht, sie ab und zu karitativ zu betreuen oder mit ihnen zu spielen und Sport zu treiben. Es entstand der Plan, ein Jugendzentrum zu bauen, in dem täglich Kinder und Jugendliche zusammenkommen können, um Hausaufgaben zu machen und ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Auch berufliche Ausbildungskurse sollten dort angeboten werden, damit die Jugendlichen bessere Chancen bei der Arbeitssuche bekommen. Solche Einrichtungen der Salesianer Don Boscos haben sich in aller Welt bewährt. Deshalb stimme ich dem Plan zu, das Zentrum zu bauen, für das die Stadt Tema schon ein Grundstück angeboten hat. Dies alles geschah vor 20 Jahren, inzwischen steht das Jugendzentrum Ashaiman und wird von Hunderten Jugendlichen aus der Umgebung mit Erfolg genutzt. Die Kosten lagen bei insgesamt 500.000 Euro.

Wie alles begann. Ende der 70er-Jahre habe ich den Gründer des Hilfswerkes, den Kollegen Carl Heinz Bartels aus Göttingen, kennengelernt. C. H. Bartels, der 2001 im Alter von 80 Jahren verstorben ist, war der damalige „berufspolitische Statthalter“ Göttingens. Ich war fasziniert von seinem berufspolitischen Selbstverständnis, aber vor allem von seinem karitativen Engagement. Ich suchte den Kontakt zu ihm und es dauerte nicht lange, da entwickelte sich ein herzliches Verhältnis. Als Mitglied des Lions Club Südharz hatte ich mich seit 1979 bereits an vielen humanitären und karitativen Aufgaben im In- und Ausland beteiligt, sodass ich mich von C. H. Bartels Idee, Leprakranken und in Not geratenen Menschen zu helfen, schnell anstecken ließ. Seitdem arbeiteten wir gemeinsam in freundschaftlicher Verbundenheit an diesem großen Ziel.

Hilfe zur Selbsthilfe. Das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete (kurz HDZ genannt) ging 1987 aus der Initiative „Patenschaft niedersächsischer Zahnärzte für Lepragebiete“ (1981 gegründet) hervor und ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts. Während seines inzwischen fast 30-jährigen Bestehens förderte das Hilfswerk über die bisher bekannten Schwerpunkte der Stiftungsarbeit hinaus Maßnahmen der Ausbildung von Kindern und der medizinischen Versorgung der Bevölkerung überall in der Welt – besonders in Osteuropa, Südamerika, Indien, Pakistan, Südostasien und Afrika. Der Gesamtwert der Hilfen erreichte ein Volumen von über 33 Mio. Euro, inbegriffen sind die „von Hand“ verpackten 210 Zahnstationen mit allem Drum und Dran, die ihren Weg von Göttingen aus in die Entwicklungsländer machten. Dabei wurde stets darauf geachtet, dass diese Hilfe immer eine Hilfe zur Selbsthilfe sein sollte, für Menschen, die sich selbst (noch) nicht helfen können.

Altgoldsammlung. Die Größenordnung weltweiter Hilfsmaßnahmen konnte jedoch erst durch die nun seit 27 Jahren durchgeführte Altgoldsammelaktion erreicht werden. Das praxisgerechte Sammeln von Zahnaltgold in verteilten, an das Hilfswerk adressierten Umschlägen (nicht anonym in Sammeldosen) wurde schnell bundesweit mit tatkräftiger Unterstützung durch die Bundeszahnärztekammer umgesetzt. Tausende mit ausgedientem Edelmetall (und manchem extrahierten Zahn daran) bestückter Tüten erreichten fortan jährlich das Hilfswerk. Diese Sendungen müssen nicht nur mit Handschuhen und Mundschutz ausgepackt, gewogen und auch mit Informationen und Spendenquittungen beantwortet, sondern auch unter möglichst hygienischen Kautelen bis zur Einschmelzung verwahrt werden. Mit sicherem, verständnisvollem Blick erkannte meine Frau meine Notlage, die durch diesen zusätzlichen Zeitaufwand auf mich zukam, und sorgte deshalb sofort für eine gute Lösung: Als Ehefrau und Kollegin stand sie seit 1989 zwanzig Jahre lang für diesen Aufgabenbereich als sogenannte „Sonderbeauftragte für Altgoldsendungen“ dem HDZ zur Seite und wurde danach – ebenfalls ehrenamtlich – von einem zahnärztlichen Ruheständler abgelöst.

Schirmherrschaft. Heute können wir jährlich aus den Altgold- Erlösen (die uns ohne die üblichen Scheidekosten von der Firma Heraeus- Kulzer vergütet werden) ungefähr sechs bis acht Kindersiedlungen oder Waisenhäuser für je 100 Kinder in Lepragebieten oder am Rande der Slums – weg von den Müllbergen – vor den Großstädten der Entwicklungsländer bauen. Die Schirmherrschaft übernahm unsere ehemalige Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth und ab 2010 die Bundeszahnärztekammer.

Zum Helfen berufen. Als Vorsitzender unserer Stiftung und Berufstätiger musste ich mich oft fragen lassen, ob diese Arbeit in der Freizeit zu schaffen sei. Für die Arbeit im Hilfswerk blieben zwar nur das Wochenende und die Ferien sowie jede freie Minute, die Beruf und Familie ließ. Aber so geht es allen, die an dieser Aufgabe mitarbeiten, denn wirkliches Helfen ist nicht nur Beruf, sondern auch Berufung, die mich seit unserer Praxisabgabe vor sechs Jahren nun ganz erfüllt. Wenn man diese humanitäre, karitative Tätigkeit als Bereicherung der eigenen Lebensanschauung und Lebenswerte und als notwendiges soziales Engagement besonders als Mitglied unseres Berufsstandes ansieht, dann kann diese Arbeit nicht zur Last werden.

Aufbruchstimmung. Wer einmal das unendliche Leid in den Vororten einer südamerikanischen Großstadt, die überfüllten Etagen eines Armenkrankenhauses, das Dahinvegetieren in den Hütten der Leprakranken, die nach wie vor als Aussätzige geächtet werden, miterlebt hat, der weiß, dass jede Hilfe ein Stück Hoffnung bringt auf ein Leben, das lebenswerter ist. Es ist interessant, dass in vielen Entwicklungsländern auch eine Aufbruchstimmung zu spüren ist, wenn Hilfe kommt – auch wenn sie noch so gering ist. Wenn jemand beginnt, die Verhältnisse zu verbessern, dann strahlt das aus und viele werden durch die Tatkraft und das Beispiel der Initiatoren angesteckt.

Dr. Klaus Winter, Vorsteher der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete e. V.

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Herzenssache e. V. – die Kinderhilfsaktion von SWR, SR und Sparda-Bank

 

Seit 2000 die Kinderhilfsaktion in Ihrer Region

Ausgabe 12, 2016

Herzenssache hilft Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Sie zu schützen, zu unterstützen und stark zu machen – das ist die Aufgabe von Herzenssache. Südwestrundfunk, Saarländischer Rundfunk, Sparda-Bank Baden-Württemberg und Sparda-Bank Südwest haben im Jahr 2000 den gemeinnützigen Verein gegründet und finanzieren Personal und Verwaltung. So kommen Ihre Spenden Kindern und Jugendlichen in Ihrer Region zugute.

Seit Vereinsgründung hat Herzenssache 800 Hilfsprojekte für Kinder und Jugendliche im Südwesten gefördert – mit insgesamt rund 29 Millionen Euro. Mehr als 3.500 Ehrenamtliche aus Baden- Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben uns durch ihre kleinen und großen Initiativen und Aktionen beim Spendensammeln unterstützt. So tun wir im Südwesten gemeinsam viel Gutes für Kinder in unserer Nachbarschaft.

Neonatalbegleitung. Auf eine Geburt zwölf Wochen vor dem Termin ist niemand vorbereitet. Der Verein Das Frühchen hilft den Eltern im Rhein-Neckar-Kreis, diese schwierigen Zeiten in der Klinik aber auch in den Wochen danach zu Hause durchzustehen, doch die Kosten sind nicht gedeckt.

Frida und Clara mussten in der 28. Schwangerschaftswoche geholt werden. Die ersten fünf Monate verbrachten sie im Krankenhaus, dann durften sie mit Magensonde und Überwachungsmonitor nach Hause. Die ausgebildete Neonatalbegleiterin und selbst Mutter von zwei Frühchen Simone Engelhardt begleitete die Familie in dieser schwierigen Zeit. „Das war für uns ein Segen“ erinnert sich Zwillingsmama Karena. Da die Zahl der extrem früh geborenen Kinder steigt, braucht der Verein dringend eine zweite Neonatalbegleiterin und ein Fahrzeug, um die Familien zu Hause besuchen zu können. Herzenssache möchte mit Ihren Spenden die Kosten für das Fahrzeug und für die Ausbildungskosten der Neonalalbegleiterin decken.

Kinderhospiz. Anna und Marie wirkten wie gesunde Zwillinge doch seit dem siebten Lebensjahr fangen sie an zu erblinden. Die 11-jährigen Mädchen leider an einer unheilbaren Erbkrankheit, vereinfacht „Kinderdemenz“ genannt. „Der Befund hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen“ erinnert sich Mutter Andrea, selbst Kinderärztin. „Wir sind sehr froh, dass es hier bald ein Kinderhospiz gibt, wo wir auftanken können und die ganze Familie Unterstützung findet“.

In Stuttgart entsteht derzeit das erste stationäre Kinderhospiz in Baden-Württemberg, eine Oase, in der Familien mit schwerstkranken Kindern bis zu 28 Tage pro Jahr immer wieder Kraft schöpfen können. Herzenssache beteiligt sich an den Kosten für den Umund Neubau des Kinder- und Jugendhospizes.

Gitta Haucke, Geschäftsführerin von Herzenssache e. V.

Zur Website der Herzenssache e. V. 

 

Kommentar

 

Die Zahnärzteschaft lebt nicht allein…

Ausgabe 12, 2016

Die Zahnärzteschaft lebt nicht allein ... für sich, sondern auch für viele andere Menschen. So wie der Patient im Mittelpunkt der Praxis steht, so steht der Mensch im Mittelpunkt des sozialen Engagements vieler Zahnärztinnen und Zahnärzte, nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Unverzichtbar ist ihr Wirken für die Gesellschaft, ob hier in Deutschland, in der näheren Umgebung oder aber für Menschen in der Dritten Welt. Einzelne oder Gruppen herauszustellen, wäre wie das Blättern in einem vollen Tagebuch, wobei immer wieder Kolleginnen und Kollegen dazukommen, um die noch unbeschriebenen Seiten des Tagebuchs zu füllen. Anstelle der Gleichgültigkeit – die sich leider in unserer satten Wohlstandsgesellschaft breitgemacht hat – zeigen sie der Welt ein freundlicheres Gesicht. Entscheidend ist, was jeder mit seinen Möglichkeiten tun kann, um Geschichten von Leid, Armut, Krankheit und Not in Zuversicht und Hoffnung zu verwandeln. Die sozial aktiven Kolleginnen und Kollegen tun etwas großartiges und dulden nicht einfach. Sie lesen nicht nur darüber, sondern sie sind aktiv geworden: gegen menschliches Versagen, gegen Nöte und Elend. Dafür können wir den Kolleginnen und Kollegen nur dankbar sein, weil wir uns auf ihre Tatkraft und ihren Idealismus stützen können. Überall gibt es Probleme in unserer globalen Gesellschaft. Die Kollegen sind dort tätig, wo es vielfache Defizite gibt. Neben der Dankbarkeit für unseren Beruf und unser Leben in Deutschland haben sie die Größe und die äußere und innere Freiheit gefunden, sozial zu handeln. Diejenigen, die sich in vielfältigen Projekten engagieren, haben begriffen, dass Freiheit nicht heißt, alles tun zu dürfen, sondern vor allem heißt: Ich bin zuständig, zuständig für unsere Mitmenschen. Die vielfältigen Hilfsorganisationen, Vereine und Initiativen verfolgen dabei ein wichtiges und richtiges Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Ob es sich um finanzielle, (zahn)medizinische oder menschliche Unterstützung handelt, spielt dabei eine völlig untergeordnete Rolle. Was zählt ist das aktive Engagement. Noch deutlicher wird das im persönlichen Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen, die schon seit Jahren regelmäßig in der Dritten Welt tätig sind, zum Teil ihren Urlaub dort verbringen, um Menschen medizinisch oder zahnmedizinisch zu versorgen. Und das oft mit finanzieller Eigenbeteiligung. Sehr viele setzen ihr Engagement auch im wohlverdienten Ruhestand fort. Andere finden erst nach der Aufgabe ihrer Praxis Zeit für humanitäre Projekte.

Unsere Profession braucht diese Vorbilder, die nicht nur um Punktwerte jammern, wie viele es in unserem Berufsstand tun, sondern durch ihren Einsatz zeigen, dass sie sich für etwas Sinnvolles zuständig erklären. Deshalb können wir alle dankbar sein für ihre Tatkraft und ihren Idealismus. Hier sehen wir – wie auch immer das soziale Engagement im Einzelnen aussieht –, dass Strukturen und Missstände mit Geduld und Tatkraft veränderbar sind, wenn es auch manchmal nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist! Danke dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Dr. Bernhard Jäger

 

Don Bosco Mondo e. V.

 

Einsatz für benachteiligte Kinder und Jugendliche

Ausgabe 12, 2016

Eine schöne Erfolgsgeschichte: 1980 wurde Don Bosco Mondo e. V. unter dem Namen „Jugend Dritte Welt. Freunde und Förderer der Missionsprokur der Salesianer Don Boscos in Bonn“ im ehemaligen Regierungsviertel in Bonn gegründet. Aus diesem kleinen Freundeskreis ist zwischenzeitlich eine weltweit tätige Nichtregierungsorganisation geworden: Im vergangenen Jahr hat der 2012 in „Don Bosco Mondo e. V. – Jugend. Hilfe. Weltweit“ umbenannte Verein 217 Projekte mit 9,75 Millionen Euro gefördert.

Heute konzentriert sich keine andere deutsche Organisation der Entwicklungszusammenarbeit in dieser Entschlossenheit auf Kinder und Jugendliche, die am Rand der Gesellschaft stehen: Straßenkinder, missbrauchte und prostituierende Jugendliche, bettelnde und stehlende junge Menschen, Kindersoldaten, Behinderte. In enger Partnerschaft mit den Salesianern Don Boscos und den Don Bosco Schwestern werden sie liebevoll aufgefangen, betreut und gefördert.

Förderung. Schwerpunkt der Arbeit von Don Bosco Mondo ist die berufliche Ausbildung. Die Spannbreite reicht dabei von einfachen non-formalen Kurzkursen über staatlich anerkannte Berufsausbildungen bis hin zur Fachhochschule und Universität. Grundsatz ist die Ausrichtung am regionalen Arbeitsmarkt und die Verbindung zur lokalen Wirtschaft. Mit einer abgeschlossenen beruflichen Bildung eröffnet Don Bosco jungen Menschen die Perspektive auf ein selbstbestimmtes Leben mit einem gesicherten materiellen Auskommen. Don Bosco Mondo zeichnet der enge Schulterschluss mit deutschen wie lokalen Unternehmen aus: In gemeinsam organisierten Ausbildungsprojekten können benachteiligte Kinder und Jugendliche stark für ihre Zukunft werden. So bildet Don Bosco Mondo in den Berufsbildungszentren der Salesianer Don Boscos die Fachleute von morgen aus, unterstützt die CSR-Aktivitäten von deutschen Unternehmen und leistet einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie. Von den Unternehmenskooperationen profitieren die Jugendlichen, die Unternehmen und auch die Salesianer Don Boscos gleichermaßen.

Vielfältige Hilfe. Neben der beruflichen Ausbildung fördert Don Bosco Mondo auch die schulische Bildung, organisiert Projekte zur Gesundheitsförderung, unterstützt Kinder und Jugendliche in der Wahrnehmung ihrer Rechte, engagiert sich in der Flüchtlingshilfe, hilft mit Projekten der ländlichen Entwicklung und leistet in akuten Notsituationen humanitäre Hilfe.

Dafür bedarf es Unterstützer, Spender, Partner und Kooperationspartner. Gemeinsam mit Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Verbänden und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat Don Bosco Mondo bislang weltweit Programme und Projekte mit 177 Millionen Euro gefördert. Ein langjähriger und für den Gesundheitssektor der bedeutendste Partner dabei war über viele Jahre die Aktion Z. Dazu zählte beispielsweise die Förderung der Gesundheitsvorsorge und -bildung im ländlichen Indien. In 30 Dörfern in Westindien wurden Gesundheitshelferinnen ausgebildet, die die Basisversorgung verbesserten und vor allem als Multiplikatorinnen das Wissen weitergeben. Mit 26.500 Euro finanzierte die Aktion Z die Gesamtkosten des Projektes. Oder die Nahrungsmittelhilfe für 50 Jugendliche in Bogotá 2012/2013: Die 50 Auszubildenden, die oft aus schwierigsten familiären Verhältnissen stammten, absolvierten bei den Don Bosco Schwestern parallel zur Schulbildung eine Schneiderausbildung. Da viele von ihnen unter Hunger litten und sich so nicht auf den Unterricht konzentrieren konnten, halfen eine warme Mahlzeit mittags und ein Imbiss am Abend dabei, dass die Jugendlichen ihre Ausbildung beendeten. Knapp 30.000 Euro betrug die Unterstützung durch die Aktion Z. Auch in Afrika half die Aktion Z: Flüchtlingen im Sudan durch Medikamente im Wert von über 15.000 Euro, in Uganda durch Stipendien für Mädchen in der Ausbildung mit über 11.000 Euro oder durch Unterstützung von langfristigen Programmen zur HIV-/AIDS-Prävention und Ausbildung von Jugendlichen im südafrikanischen Kapstadt von über 83.000 Euro.

Annette Debusmann, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit Don Bosco Mondo e. V.

Zu Website von Don Bosco Mondo e. V. 

 

Hilfe zur Selbsthilfe – Dritte Welt e. V.

 

Den Armen die Hand reichen

Ausgabe 12, 2016

Im Jahr 1979 gründeten 18 Frauen und Männer im Rathaus von Dossenheim (Baden-Württemberg) den Verein Hilfe zur Selbsthilfe – Dritte Welt e. V. (HzS). Er hat heute etwa 900 Mitglieder, Spender und Freunde, die vor allem in der Metropolregion Rhein-Neckar wohnen. Der Verein fördert insbesondere die berufliche Ausbildung von bedürftigen Jugendlichen und Gesundheitsprojekte in Ländern der Dritten Welt. Er ist gemeinnützig, politisch und konfessionell unabhängig und arbeitet nur mit ehrenamtlichen Helfern. Jährlich unterstützt HzS mehrere Projekte mit Geld- und Sachspenden und arbeitet hierbei eng mit dem Orden der Salesianer Don Boscos zusammen.

Schwerpunkt im gesundheitlichen Bereich ist die HzS-Charity-Clinic auf der Insel Cebu/Philippinen. Wir haben sie im Jahr 1987 im Don-Bosco-Zentrum im Slumgebiet des Stadtteils Pasil gegründet. Um mehr kranke, arme Menschen zu erreichen, haben wir die Station Ende des Jahres 2004 in einen anderen Teil der Millionenstadt Cebu City verlegt. In der Escario Street stellte uns der Erzbischof von Cebu, Ricardo Kardinal Vidal, ein ganzes Haus kostenlos zur Verfügung.

In der Krankenstation arbeiten an zwei Tagen in der Woche zwei Ärztinnen und vier Krankenschwestern. Inzwischen ist die Einrichtung, die wir in alleiniger Regie und Verantwortung betreiben, zu einem wichtigen sozialen Zentrum geworden. Viele Kranke kommen auch von anderen Inseln, nehmen stundenlange Fahrten in Kauf und geben dafür oft ihr letztes Geld aus.

In der Station werden sie kostenlos ärztlich betreut und mit Medikamenten versorgt. Viele kommen verzweifelt und finden bei uns die dringend notwendige Hilfe. Durch dieses Gesundheitsprogramm hat der Verein bereits vielen Kranken das Leben gerettet, Mütter und Kinder ärztlich betreut und mit Medizin versorgt sowie zahlreichen schwer kranken Jugendlichen nach der Genesung den Schulbesuch ermöglicht.

Der Verein finanziert im Wesentlichen alle Gesundheitsprojekte durch die Aktion Z – Altgold für die Dritte Welt. Unser Dank gilt daher der Landeszahnärztekammer und den vielen Patienten, die sich an der Aktion beteiligen.

Krankenstationen. Wir versorgen aber auch zahlreiche Krankenstationen, die bei den Bürgermeisterämtern auf den Philippinen eingerichtet sind mit Medikamenten. Aber auch viele Don-Bosco- Schulen stehen auf unserem Verteiler. Die Medikamente beziehen wir hauptsächlich über das Hilfswerk action medeor, das uns immer wieder auch durch Spenden unterstützt.

Bei unseren gesundheitlichen Aktivitäten vergessen wir nicht die ums Überleben kämpfenden Yanomami-Indianer im Regenwald von Venezuela. Seit über drei Jahrzehnten versorgen wir die drei Stationen der Salesianer am oberen Orinoco mit wertvollen Medikamenten. Hierzu haben wir vom Gesundheitsamt in Caracas eine Einfuhrerlaubnis erhalten und helfende Flugbegleiter der Lufthansa sorgen für einen schnellen Transport.

Bildungssystem. Neben den gesundheitlichen Projekten haben wir in den letzten drei Jahren einen Schwerpunkt auf den Ausbau des Bildungssystems im nördlichsten Bundesstaat Indiens, in Arunachal Pradesh, gelegt. Dort leben im Grenzgebiet zu Indien und Burma die Ureinwohner Indiens in großer Not.

Der größte Stamm, die Wanchos, leben mit anderen Minderheiten in einer total abgelegenen Waldregion mit hohen Bergen und tiefen Flusstälern. Die Menschen betreiben vor allem unter schwersten Bedingungen eine primitive Landwirtschaft. Ihre Häuser liegen weit auseinander. Lesen und schreiben können die meisten nicht. Die Zentralregierung ist an ihrem Wohlergehen nicht interessiert, weil sie wirtschaftlich ohne Bedeutung sind.

Die Siedlung Mintong wurde zu einem Mittelpunkt, weil es dort eine Salesianer-Schule gibt. Hier haben wir unter anderem ein Wohnheim für Mädchen gebaut und ein Schulhaus-Neubau wird in wenigen Wochen fertig.

Neues Projekt. Im Hinblick auf die laufende Umorganisation der Aktion Z haben wir nun schon ein neues gemeinsames Projekt im Auge: Ganz im Norden des Staates Arunachal Pradesh, in der Diözese Miao, des sehr geschätzten Bischofs Dr. George Pallipparambil, hat eine koreanische Organisation ein Krankenhaus gebaut und der Diözese übergeben. Das nächste Krankenaus ist über 100 km entfernt. Das Haus soll künftig 25 Betten haben und muss teils noch ausgerüstet werden. Der Bischof hat inzwischen einige Ordensschwestern und zwei pensionierte Ärzte für die Mitarbeit gewinnen können.

Aber dem Haus fehlt es noch am ärztlichen Management und dem unbedingt notwendigen Standard. Hier drängt sich geradezu eine neue Aufgabe für unser künftiges gemeinsames Wirken auf.

Helmut Merkel, Vorsitzender des Vorstandes Hilfe zur Selbsthilfe – Dritte Welt e. V.

Zur Website Hilfe zur Selbsthilfe - Dritte Welt e. V. 

 

German Doctors e. V.

 

Unermüdlich im Einsatz für Bedürftige

Ausgabe 12, 2016

Jeder Mensch hat das Recht auf medizinische Versorgung – unabhängig von seiner Herkunft, seiner Religion, politischen Meinung oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen. Das ist die Überzeugung der Nichtregierungsorganisation German Doctors, und dafür setzt sie sich ein. Seit rund 33 Jahren entsendet der Verein ehrenamtlich tätige Einsatzärzte in Slums sowie in ländliche Regionen vieler Entwicklungsund Schwellenländer. Mehr als zwölf Millionen Behandlungen an den Ärmsten der Armen haben sie vorgenommen, darunter auch viele zahnärztliche. Die Geschichte der Philippinerin Criselda Zialcita (37) ist beispielhaft für die erfolgreiche Hilfsarbeit der German Doctors.

Criselda erinnert sich noch sehr genau, obwohl sie damals erst sechs Jahre alt war. Mit den Nachbarskindern hatte sie im Schatten der Bananenstauden gespielt, als sich ihnen plötzlich ein fremdes Bild bot: Ein leuchtend roter Jeep hielt mitten auf dem zentralen Platz ihres kleinen Dorfes. Mit einer Mischung aus kindlicher Neugier und Angst beobachtete Criselda gemeinsam mit den anderen Kindern das Treiben der hellhäutigen Menschen, die aus dem Jeep gestiegen waren. Auf einem Klapptisch breiteten sie merkwürdige Gerätschaften aus. Dinge, die sie und die anderen Dorfbewohner noch nie gesehen hatten: Kleine Fläschchen, Spritzen und Verbandszeug.

Zahnärzte von Anfang an dabei. Was folgte, war nicht schön für Criselda. Und doch war das kleine Mädchen im Nachhinein dankbar für das Wirken der Ärzte, die bald unter dem Namen „German Doctors“ in der Region bekannt waren. Einer der Männer sorgte für einen stechenden Schmerz in Criseldas Mund. Nach einem Moment des Wartens zog er die braun verfärbten Zahnruinen heraus, die ihr seit vielen Monaten schlimme Schmerzen verursacht hatten.

Die junge Philippinerin war Patientin auf der ersten „Rolling Clinic“-Tour, die die German Doctors im Jahr 1985 ins wilde Hinterland Mindanaos – das ist die zweitgrößte Insel der Philippinen – unternahmen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bergbauern lag zu jener Zeit bei gerade mal 35 Jahren; geschätzte 75 Prozent von ihnen starben, ohne jemals einem Arzt begegnet zu sein.

In den Folgejahren konsultierte Criselda immer wieder die Ärzte aus dem fernen Deutschland, wenn sie mit schöner Regelmäßigkeit die Klapptische in ihrem abgelegenen Dorf aufgebaut hatten. Heute ist sie besonders dankbar für die basismedizinische Versorgung ihrer vier Kinder. Impfungen, Entwurmungen, antibiotische Behandlung von Lungenentzündungen und die Heilung von hartnäckigen Hautpilzen – sind nur möglich weil die German Doctors regelmäßig in ihr abgelegenes Dorf kommen. Auch den einen oder anderen Zahn haben die Zahnärzte ziehen müssen, aber dank der anschaulichen Vorträge des „Rolling Clinic“-Teams während der Wartezeiten, wissen Criselda und ihre Kinder heute, wie sie ihre Zähne pflegen können. Zahnbürsten haben sie von den Doctors geschenkt bekommen.

Recht auf Gesundheit. Wie Criselda leben weltweit mehr als eine Milliarde Menschen in extremer Armut. Ihnen fehlt es an Dingen, die uns selbstverständlich erscheinen – angefangen bei einer warmen Dusche und einem Dach über dem Kopf über sättigende Mahlzeiten, Schulbildung und einen angemessen bezahlten Job bis hin zum selbstverständlichen Arztbesuch. Wer aber von rund einem Euro am Tag oder noch weniger leben muss, kann sich kaum die tägliche Nahrung leisten, geschweige denn im Krankheitsfall einen Arztbesuch oder Medikamente – wenn überhaupt ein Arzt in der Nähe praktiziert.

Die Vereinten Nationen (UN) schreiben in ihrer Menschenrechtscharta unter anderem: „Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der sich und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung (…)“. Diesem Gedanken fühlen sich die German Doctors verpflichtet. Seit nunmehr 33 Jahren behandeln, beraten und schulen sie Menschen in Not im Schatten weltbewegender Ereignisse und medialer Berichterstattung.

Vereinsgeschichte. Ihren Anfang nahm die Vereinsgeschichte im Jahr 1983 in den Slums Kalkuttas. Dort stellten in einer winzigen, improvisierten Ambulanz die ersten Einsatzärzte im Namen der „Ärzte für die Dritte Welt“, so der damalige Name des Vereins, die Weichen für ein medizinisches Hilfsangebot, das sich in zwei wesentlichen Punkten von anderen unterscheidet:

- Zum einen ermöglicht die Organisation Ärzten sechswöchige Kurzzeiteinsätze. Somit brauchen sich die Mediziner nicht von ihrem regulären Job freistellen zu lassen oder für einen längeren Zeitraum einen Vertreter in die eigene Praxis holen. Sie können ihren Jahresurlaub in die humanitären Hilfseinsätze investieren oder auch Zeiten des Ruhestandes. Langzeitärzte in den Projekten – diese bleiben für Zeiträume zwischen einem halben und mehreren Jahren – gewährleisten Kontinuität in der täglichen Arbeit vor Ort.

- Zum anderen werden die German Doctors nicht erst in einer Region aktiv, wenn sich dort eine Katastrophe ereignet hat, wie zum Beispiel ein Erdbeben, eine kriegerische Auseinandersetzung oder die Ausbreitung einer Epidemie. Sie sind dort tätig, wo permanent katastrophale Verhältnisse herrschen. In elf Ländern haben sie im Laufe der vergangenen 33 Jahre Projekte unterhalten; acht Arztprojekte sind es aktuell, in Indien, Bangladesch, Kenia, Sierra Leone und auf den Philippinen.

Hilfe, die bleibt. In ihren Projektregionen arbeiten die German Doctors eng mit lokalen Organisationen zusammen und haben dort ein ausgezeichnet funktionierendes Netzwerk sich gegenseitig unterstützender Einrichtungen geflochten. Um die Gesundheit der Bedürftigen langfristig zu verbessern, geht ihre Hilfe längst über das rein Medizinische hinaus. Ärzte und Kooperationspartner schulen die Einheimischen zu Themen wie Hygiene, Ernährung und Familienplanung. Zudem unterstützen sie Programme renommierter Partnerorganisationen, zum Beispiel zur Gemeindeentwicklung, Bildung und Kleinkreditvergabe. Eine weitere wichtige Säule ihrer Arbeit ist die medizinische Ausbildung einheimischer Fachkräfte. Indem die German Doctors am Aufbau sich selbsttragender Strukturen mitwirken, befähigen sie die Menschen vor Ort, nach und nach die Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen selbst zu übernehmen. Ein wichtiges strategisches Ziel, das auch im Namenszusatz des Logos deutlich zum Ausdruck kommt: „Hilfe, die bleibt“.

Gesundheitsarbeiter. Wie das praktisch funktioniert ist derzeit auf Mindanao eindrucksvoll zu beobachten: Ende September nahmen die ersten 56 durch German Doctors geschulten philippinischen Gesundheitsarbeiter ihre Zertifikate entgegen, sowie ein sogenanntes „Health Kit“ mit Stethoskop, Blutdruckmessgerät, Fieberthermometer, Verbandszeug und Medikamenten. Sie wurden dazu ausgebildet Versorgungslücken zwischen den Besuchen der German Doctors zu schließen und im Notfall Erste Hilfe leisten zu können. Allein auf Mindanao will der Verein insgesamt 410 Gesundheitsarbeiter ausbilden. Nach erfolgreicher Schulung sollen sie rund 6100 Familien in 28 Dörfern medizinisch (erst) versorgen – ein wichtiger Schritt in Richtung Autonomie. Das Projekt setzen German Doctors gemeinsam mit einer lokalen Partnerorganisation um. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kofinanziert es. Besonders schön: Criselda zählt zum Kreise der zukünftigen Gesundheitsarbeiter. Sie hat nicht lange überlegt, als sie von dem „Primary Health Care“-Programm (PHC) hörte. Etwas von der Zuwendung und Hilfe, die sie selbst über die Jahre von den deutschen Ärzten erfahren hat, an ihre Mitmenschen weiterzugeben – das ist ihre Motivation.

Dr. Harald Kischlat, Vorstand German Doctors e. V


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Corporate Social Responsibility (CSR) in der Unternehmensführung

 

Nachhaltigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Ausgabe 12, 2016

Viele Unternehmen oder Institutionen, die sich sozial engagieren, sind auch darüber hinaus aktiv und legen bei ihrer Unternehmensführung großen Wert auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. In den vergangenen Jahren ist in Deutschland die Bedeutung von Corporate Social Responsibility (CSR), also das verantwortliche unternehmerische Handeln, kontinuierlich angestiegen. Viele Firmen verfolgen inzwischen nachhaltige Ziele, deren Erreichen sie jährlich in Nachhaltigkeitsberichten transparent darstellen. Aber was genau versteht man unter CSR? Was haben die Unternehmen davon? Würde sich CSR auch für Zahnarztpraxen lohnen?

Mitte November 2016 veröffentlichte der Fußballverein VfL Wolfsburg seinen aktuellen Nachhaltigkeitsbericht. Es ist bereits der dritte Bericht dieser Art, den der Bundesligist der Öffentlichkeit vorstellte. Was veranlasst einen Fußballverein, sich in Sachen CSR zu engagieren und dabei sehr ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele, wie z. B. Verwendung von Recyclingtrikots, Senkung des Energieverbrauchs oder Verbesserung der Stadionsicherheit zu formulieren? Der VfL Wolfsburg schießt damit kein Eigentor, im Gegenteil: Die nachhaltig ausgelegte Unternehmensführung verschafft dem Verein in der Öffentlichkeit viel Renommee, in Europa nimmt der VfL sogar eine Führungsposition unter den nachhaltigen Profifußballvereinen ein. Dies ist ein eindeutiger Wettbewerbsvorteil, der sich laut Sport-Geschäftsführer Klaus Allofs zukünftig auszahlen wird: „Vorausschauendes Planen ist für dauerhaften sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg von hoher Bedeutung“.

Definition. Um die Bedeutung von Corporate Social Responsibility nachvollziehen zu können, muss man den Begriff genauer erläutern. CSR steht für die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens und fußt auf den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Konkret geht es z. B. um sparsamen Einsatz von natürlichen Ressourcen, Schutz von Klima und Umwelt, faire Geschäftspraktiken, mitarbeiterorientierte Personalpolitik, Engagement vor Ort und Verantwortung in der Lieferkette. Durch die Wahrnehmung sozialer, gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung soll sich langfristig die Unternehmenskultur verbessern und zu einem gesteigerten wirtschaftlichen Erfolg beitragen. Dabei gilt das Prinzip der Freiwilligkeit. Gerade weil es eine freie Entscheidung der Unternehmen ist, in welchen Bereichen sie sich engagieren möchten, werden innovative Kräfte freigesetzt mit dem Ziel, die ökologischen und sozialen Aktivitäten optimal nach den Firmenbedürfnissen auszurichten.

Handlungsfelder. Die Umsetzung der CSR ist sehr komplex und erfolgt in den vier Handlungsfeldern Markt, Arbeitsplatz, Umwelt und Gemeinwesen. Die konkrete Ausführung sieht beim Handlungsfeld Markt z. B. die sozialverträgliche Produktion bzw. Einkauf, Einrichtung von Sozialstandards, Verbraucherschutz oder eine faire Preisgestaltung vor. Im Umweltbereich kann z. B. die betriebliche Energie- und Ressourceneffizienz, der Klimaschutz oder die Einführung und Bewertung von Umweltstandards konkret umgesetzt werden. Beim Arbeitsplatz gibt es Handlungsmöglichkeiten im Bereich Arbeits- und Gesundheitsschutz, Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Vielfaltsmanagement im Personalwesen oder Einführung von Motivationssystemen. Und im Bereich Gemeinwesen gibt es die Möglichkeiten, Sozialkooperationen mit Non-Profit-Organisationen einzugehen, Sponsoring zu betreiben, Stiftungen zu gründen oder das ehrenamtliche Engagement von Mitarbeitern zu fördern.

Fahrplan. Für Unternehmen, die sich an CSR versuchen wollen, gibt es nicht den goldenen Weg. Wichtig ist, einfach mal zu beginnen, auch wenn die ersten Schritte vielleicht nur klein sind. In der Anfangsphase sollte man sich zuerst auf die eigenen Stärken konzentrieren und daraus erste Projekte erarbeiten. Langfristig ist unternehmerische CSR aber nur dann sinnvoll und glaubwürdig, wenn sie als Teil der Gesamtstrategie eines Unternehmens verankert wird und alle Unternehmensbereiche erfasst. Am Anfang einer langfristig angelegten CSR sollte somit die Analyse der Unternehmenssituation und der vorhandenen Ressourcen und Faktoren stehen. Auf dieser Basis werden dann Ziele und Prioritäten für alle Handlungsfelder festgelegt. Um diese Ziele erreichen zu können, benötigt man eine entsprechende CSR-Strategie, die nicht losgelöst von der Unternehmensstrategie definiert werden sollte. Die unternehmerische Verantwortung ist kein isolierter Geschäftsbereich, sondern sollte in allen Unternehmensbereichen Niederschlag finden.

Prozesse. CSR funktioniert nicht als einmaliges Projekt eines einzelnen Teams, sondern braucht gewisse Regeln und Prozessabläufe, damit sich nachhaltiges Handeln zur selbstverständlichen Gewohnheit entwickeln kann. CSR ist nur dann erfolgreich, wenn sie nicht von einem einzigen Verantwortlichen auf die Gemeinschaft übertragen wird, sondern alle Führungskräfte und Mitarbeiter sich als Teil des Ganzen verstehen. Bei der Umsetzung aller Maßnahmen sollten die gesteckten strategischen Ziele aber nie aus den Augen verloren werden. Eine regelmäßige Kontrolle der erreichten Ziele ist ein Teil des Prozesses. Sogenannte Key Performance Indicators (KPIs) sind ein wertvolles Werkzeug zur Spezifizierung der allgemeinen Zielvorgaben und Messung der Zielerreichung. Eine wichtige Orientierung, welche sozialen und ökologischen Faktoren Unternehmen in ihrer Geschäftstätigkeit berücksichtigen sollen, bieten Rahmenwerke wie die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, die Sozialstandards der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) oder die globalen Nachhaltigkeitsziele (Agenda 2030).

Kommunikation. Politik und Gesellschaft setzen Unternehmen immer mehr unter Druck, die Auswirkungen ihres unternehmerischen Handelns auf Mensch und Umwelt offenzulegen. Ein wichtiger Bestandteil der CSR ist somit die Unternehmenskommunikation über die individuellen Fortschritte im Bereich CSR. Aber auch die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens sowie die Einhaltung der festgelegten Ziele können von öffentlichem Interesse sein. Eine transparente und ehrliche Kommunikation über die erfolgten Maßnahmen schafft mehr Glaubwürdigkeit. CSR kann dann, wenn im Unternehmen gelebt, in der Geschäftsstrategie verankert und nach außen transparent kommuniziert, ein echter Wettbewerbsvorteil sein und die Reputation eines Unternehmens und somit auch die Profitabilität steigern. Viele Unternehmen oder Institutionen sehen es inzwischen als selbstverständlich an, einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht zu veröffentlichen und sich dabei transparent darzustellen.

Unterstützung. Die Bundesregierung fördert bereits seit vielen Jahren durch eine entsprechende CSR-Politik die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat dabei die Federführung übernommen. Es gründete das „Nationale CSR-Forum“ als Gremium, in dem sich verschiedenste gesellschaftliche Akteure gemeinsam dem Thema Unternehmensverantwortung widmen. Das Forum hat die Bundesregierung bei der Entwicklung einer Nationalen CSR-Strategie maßgeblich unterstützt. Im Jahr 2010 hat die Bundesregierung den Aktionsplan CSR verabschiedet, der in den Folgejahren umgesetzt wurde und CSR in Deutschland weiter verbreitet hat.

Regulierung. Noch gilt in Deutschland das Prinzip der Freiwilligkeit, aber gesetzliche Vorgaben zur Regelung der CSR werden immer wahrscheinlicher. So hat die Bundesregierung am 21. September 2016 einen Gesetzentwurf zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten vorgelegt. Dieser Entwurf sieht vor, dass Unternehmen neben finanziellen Kennzahlen auch ökologische und soziale Informationen offenlegen. Die Gesetzgebung trägt damit den wachsenden öffentlichen Transparenzanforderungen an Unternehmen Rechnung. Von der Regelung sind große, insbesondere am Kapitalmarkt tätige Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungen mit mehr als 500 Arbeitnehmern betroffen. Der Gesetzentwurf ist zwar noch im parlamentarischen Verfahren zu beschließen, aber die Neuregelungen sollen bereits im Jahr 2017 wirksam werden.

Praxis. Würde sich CSR nun auch für eine Zahnarztpraxis lohnen? Wenn man sich am Beispiel des VfL Wolfsburg orientiert, der im Sportbereich in Sachen Nachhaltigkeit eine eindeutige Vorreiterrolle einnimmt, kann man diese Frage eindeutig mit „Ja“ beantworten. Viele Praxen befinden sich bereits mitten im Prozess der CSR, denn sie engagieren sich schon seit langem in sozialen Projekten oder beteiligen sich an der Altgoldsammelaktion, bieten ihren Mitarbeitern ein familienfreundliches und soziales Arbeitsklima an und profitieren von einem Patientenschutz, den ihnen die Zahnärzteschaft Baden-Württemberg in Form der Zahnmedizinischen Patientenberatung und Zweitmeinung anbietet. Darauf lässt sich aufbauen. Der Vorteil der Zahnarztpraxen ist, dass sie ihre CSR-Maßnahmen gemäß ihrer Möglichkeiten individuell gestalten können, bei den übergeordneten CSR-Themen wie z. B. Patientenzufriedenheit oder Fortbildung der Mitarbeiter gleichzeitig von den Stärken ihrer Körperschaften profitieren. Hier liegt auch die große Chance der Zahnärzteschaft, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen eine CSR-Strategie auszuarbeiten, der sich die Zahnarztpraxen dann freiwillig anschließen könnten. Somit könnte die Zahnärzteschaft Baden- Württemberg in Sachen CSR eine echte Vorreiterrolle einnehmen.

Fazit. Einen idealen Weg in Sachen CSR gibt es nicht, denn in jedem Unternehmen sind die Einsatzmöglichkeiten individuell. Eines ist aber sicher: CSR wird in Zukunft ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen und Institutionen werden, denn sie werden in der Öffentlichkeit immer stärker daran gemessen werden, wie stark und glaubwürdig sie sich dem Prinzip der Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung verschrieben haben. Gesellschaftliches Engagement lohnt sich auch für eine Zahnarztpraxis. Neben der Lösung konkreter gesellschaftlicher Problemstellungen ist für die Praxis ein erkennbarer Nutzen gegeben. Wird das Handeln nach außen kommuniziert (z. B. über das Praxisleitbild auf der eigenen Website), nehmen sowohl die Patienten als auch die eigenen Mitarbeiter die Praxis positiver wahr. Hierdurch werden ökonomische Effekte begünstigt und eine Win-win-Situation geschaffen, die langfristige Vorteile für alle Beteiligten bringt. Nicht zuletzt werden auch andere Praxen zu gesellschaftlichem Handeln motiviert und ein „Zeichen der Solidarität“ gesetzt.

claudia.richter@izz-online.de

Weiterführende Links:

CSR in Deutschland (Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales)
CSR Baden-Württemberg


 

Dental International Aid Networking Organisation (DIANO)

 

Hilfsorganisation mit Schwerpunkt Karibik

Ausgabe 12, 2016

Bei den karibischen Inseln denkt man an Urlaubsfeeling und unbeschwertes Leben. Dass es genau dort, wo man die schönsten Momente im Jahr verbringen kann, auch Schattenseiten gibt, wird gern verdrängt. Dabei ist erst Anfang Oktober einer der schwersten Wirbelstürme der letzten Zeit über Haiti und Kuba hinweggefegt und hat zehntausende von Menschen obdachlos gemacht. Das zahnärztliche Hilfswerk DIANO mit Schwerpunkt Karibik versucht das Leid bei den Ärmsten der Armen zu lindern.

Diano, ein Zusammenschluss von Zahnärzten, die sich der Freiwilligenarbeit verbunden fühlen, wurde 2009 gegründet und befasste sich von Anfang an mit Haiti und der Dominikanischen Republik. In Santiago de los Caballeros, in der Mitte der Insel Hispaniola gelegen, verfügt man mit dem Institute of Latin American Concern, kurz ILAC, über einen verlässlichen US-amerikanischen Partner. Die von Jesuiten getragene Einrichtung, die zur Creighton University in Omaha, Nebraska, gehört, kümmert sich um rund 200 Dörfer im Hochland und betreut diese auch medizinisch. Über diesen Teil der Insel sind mehrere Ambulatorien verstreut, die von Zeit zu Zeit angefahren werden, um die Menschen in den schwer zugänglichen Dörfern zu versorgen.

Strukturen geben Halt. Die Zusammenarbeit mit den Partnern in der Dominikanischen Republik begann genau zur Zeit des schweren Erdbebens auf Haiti im Jahr 2010, bei dem über 200.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Viele Flüchtlinge aus dem benachbarten Inselstaat kamen über die Grenze und mussten betreut werden. Während sich die Teilnehmer bei den ersten Einsätzen vom Arbeitsaufkommen noch regelrecht erschlagen fühlten und die Arbeit eher unstrukturiert aufgenommen hatten, konnten nach und nach Strukturen aufgebaut werden und so entwickelte sich eine erprobte Zusammenarbeit, die bis heute weiterbesteht.

Gruppenarbeit. Mittlerweile gehen regelmäßig einzelne Zahnärzte, aber auch kleine Gruppen, nach Santiago, um in den abgelegenen Gebieten die Menschen zu behandeln. Bei der Zusammenstellung der Gruppen hat es sich bewährt, dass Berufsanfänger und erfahrene Gruppen zusammenkommen, genauso wie die Unterstützung von ZMFs und Zahntechniker außerordentlich wertvoll ist.

Eine der Erfahrungen aus der Arbeit von Diano ist es, sich den „Einsteigern“ anzunehmen. Schätzungen besagen, dass sich gut 80 Prozent der Kolleginnen und Kollegen zumindest einmal in ihrem beruflichen Leben mit der Frage beschäftigen, ob sie nicht an einem ehrenamtlichen Hilfseinsatz teilnehmen sollten. Doch bei den meisten bleibt es beim Vorsatz, wobei es sich herausgestellt hatte, dass es gar nicht so wenige sind, denen es schlicht an Informationen darüber fehlt, wie man eine solche Mission anpackt.

Camps. Um dieses Informationsdefizit abzubauen und Freiwilligen zu ersten Erfahrungen zu verhelfen, eignen sich Camps von freiwilligen Helfern beziehungsweise Gruppeneinsätze am besten. Weitere Vorteile ergeben sich durch die Zusammenstellung der Gruppen: Hier können verschiedene Berufszweige in ein Team integriert werden. Zahnmedizinische Assistenzberufe sind genauso willkommen wie Zahntechniker oder einfach „nur“ Freiwillige, denn Arbeit gibt es bei einem mobilen Einsatz wahrlich genug.

Wissen weitergeben. Besonders positiv wird das Zusammenspiel von Alt und Jung empfunden. Für ältere, zum Teil schon pensionierte Kollegen ist es eine besondere Anerkennung, wenn ihr Wissen von der jungen Generation eine hohe Wertschätzung erfährt. Für die Jüngeren ist es besonders hilfreich, wenn sich jemand die Zeit nimmt, in kniffligen Situationen durch Rat und Tat Lösungswege aufzuzeigen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der gute Kontakt zu den Leuten vor Ort, den Verantwortlichen der Partnerorganisation, die mit der Mentalität vertraut sind und die dazu beitragen, dass sich die Freiwilligen besser auf die Umgebung und ihre Aufgaben einstellen können. Im Rahmen zahlreicher Gespräche lernen die Helfer Probleme kennen und sehen, wo Hilfe dringend gebraucht wird. Als Vorteil erwies sich auch, dass es in der Dominikanischen Republik eine ganze Reihe bereits bestehender Einrichtungen gibt, die mit deutscher Entwicklungshilfe – staatlicher genauso wie kirchlicher – aufgebaut wurden und für unsere Mission genutzt werden können.

Hilfe für Waisen. Da weiterhin ein großer Hilfsbedarf besteht, kamen zahlreiche weitere Einsatzgebiete hinzu. So wurde zum Beispiel im Süden von Haiti eine komplette Zahnstation in einem Gesundheitsposten eingerichtet und gerade in letzter Zeit kamen vermehrt Kooperationen mit Waisenhäusern und Schulen in Haiti dazu. Hier besteht noch erheblicher Bedarf, anderseits hat die Arbeit mit Kindern allen Kolleginnen und Kollegen, die sich an dieser Aktion beteiligt haben, sehr viel Freude gemacht. Dabei ist der Behandlungsbedarf enorm und leider muss man als Helfer auch einiges erleben, das man so leicht nicht wieder vergisst. Denn die medizinische Versorgung haitianischer Waisenkinder hat keinerlei Priorität und die zumeist privaten Hilfseinrichtungen sind völlig auf sich allein gestellt. Gerade in den aktuell von Hurrikan Matthew schwer getroffenen Gebieten stehen wir mit mehreren Waisenhäusern in Kontakt, die fast wieder bei null anfangen müssen.

Jamaika und Kuba. Ganz anders sind die Erfahrungen auf den Nachbarinseln Jamaika und Kuba. Auf Jamaika gibt es gerade mal 150 Zahnärzte, da es dort lange Zeit überhaupt keine zahnmedizinische Ausbildungsstätte gab. Dafür klappt die Zusammenarbeit umso besser. Auf Jamaika ist vor allem technische Hilfe und wissenschaftlicher Input gefragt. So bekam die Dental School ein Cerec-Gerät und den dazugehörigen Einführungskurs gestellt. Insgesamt gingen bisher fünf Cerec-Einheiten an Universitäten in jenen Ländern – allesamt Spenden aus Praxen aus dem Südwesten. An sich ist dies nichts Spektakuläres, aber für die Studenten vor Ort ist es ungemein wichtig, dass sie auch mit diesen Techniken vertraut gemacht werden.

Internationale Aufmerksamkeit. Fast noch wichtiger ist es, dass solche Aktionen den Zahnärzten vor Ort zeigen, dass sie von der westlichen Welt nicht vergessen werden. Es ist meist die große Politik, die zwar gern das Wort von den „global inequalities“, den Ungleichheiten, die auch die zahnmedizinische Welt betreffen, in den Mund nimmt, die Ergebnisse aber sind, im Gegensatz zu den Spesen für große internationale Kongresse, recht überschaubar. Vielmehr sind es die kleinen Dinge, der persönliche Kontakt, der direkte Austausch von Zahnarzt zu Zahnarzt, die von den Menschen in den bereisten Ländern als besonders wohltuend empfunden werden, denn es zeigt ihnen, dass sie ernst genommen werden und ihre Anliegen gehört werden.

Nochmal eine ganz andere Situation erlebt man als Helfer in Kuba: Der Kontakt zu kubanischen Zahnärzten entwickelte sich von Anfang an hervorragend, die Aufnahme und der gegenseitige Austausch ist sehr herzlich und der Wissensdurst der Kolleginnen und Kollegen vor Ort enorm. Eine Besonderheit in Kuba ist, dass von Anfang an ein Kontakt ins Gesundheitsministerium bestand und seitdem ein regelmäßiger Dialog stattfindet. Mittlerweile sind mehrere Tonnen an zahnärztlichen Geräten und Gütern nach Kuba transportiert worden und die Liste der gemeinsamen Aktivitäten ist lang.

Tobias Bauer

Hier finden Sie die Langfassung des Beitrags.

Zur Website der Dental International Aid Networking Organisation (DIANO)

 

Ein nachhaltiges zahnmedizinisches Hilfsprojekt für Afrika

 

„Meine zweite zahnmedizinische Heimat ist Eritrea“

Ausgabe 12, 2016

Das große Banner hinter dem Empfangstresen ist nicht zu übersehen. Auf zwei mal drei Metern lachen Kinder mit strahlend weißen Zähnen den Patienten und Besuchern der Praxis entgegen. „EHD – Eritrea Hilfswerk Deutschland” steht in großen Lettern über dem Banner. Schön, dass das Thema des ZBW-Redaktionsbesuchs gleich ins Auge sticht. Wir sind zu Gast bei Dr. Jens-Peter Würfel. Der Fellbacher Zahnarzt ist Initiator, treibende Kraft und Seele eines langjährigen Hilfsprojektes für Eritrea. Wenn das Land am Horn von Afrika heute als einziges afrikanisches Land die UN-Millennium-Ziele im Bereich Gesundheit erreicht, ist das auch sein Verdienst.

„Mir fielen die eritreischen Patienten als besonders freundliche und bescheidene Menschen auf“, erinnert sich Dr. Würfel. Er hat daraufhin gegoogelt, wo Eritrea eigentlich liegt. Neben der Lage im nordöstlichen Afrika am Roten Meer stieß er außerdem auf das Eritrea Hilfswerk Deutschland. 1976 als Verein mit Sitz in Plochingen von Eritreern gegründet, um Hilfe für das kriegsgeschüttelte Land zu leisten. An das EHD hat Dr. Würfel dann sein Hilfsangebot gerichtet und prompt Antwort erhalten: Eine eritreische Zahnärztin bittet um Hilfe beim Aufbau einer Zahnklinik. „Sie kam dann nach Deutschland, wir haben uns getroffen, die Grundrisse angesehen und geplant“. 1999 reiste Dr. Würfel zum ersten Mal nach Eritrea, in die Hauptstadt Asmara, und nahm den Rohbau der Zahnklinik unter die Lupe. Wieder in Deutschland plante er weiter – die Zahnklinik sollte mit drei Behandlungsstühlen, Absaugung, Kompressor, Röntgengerät … ausgestattet sein. Im August 1999 ist die erste Zahnklinik des Landes dann feierlich eingeweiht worden – zum überwiegenden Anteil finanziert durch das Gesundheitsministerium von Eritrea. „Aber schon damals gab es zahlreiche Sachspenden von deutschen Zahnärztinnen und Zahnärzten und von Dentalfirmen“.

Mit seinem Einwand gegen die sofortigen Planungen der Eritreer für den Bau weiterer Zahnkliniken, hob Dr. Würfel das Hilfsprojekt dann auf eine neue Ebene. „Ich war mir sicher, dass wir langfristig mit Prävention mehr erreichen würden“.

Prävention. Der Zuckerkonsum in Eritrea ist extrem hoch. Schokolade, Cola … die süßen Errungenschaften aus dem Westen sind nicht nur bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland beliebt. Die Reinigungshölzer, die in Afrika zur Zahnreinigung verwendet werden, haben aber nur einen unzureichenden Putzeffekt. Zahnbürste und Zahnpasta sind nur Wenigen bekannt.

Erste Untersuchungen von 600 12-jährigen Schulkindern in der Hauptstadt Asmara im Jahre 2001 bestätigten das bereits befürchtete Ergebnis: Die Kariesrate ist extrem hoch, bei jedem vierten 12-Jährigen ist mindestens einer der ersten Molaren komplett zerstört. 2003 initiierte Dr. Würfel deshalb das für die Gesundheitsvorsorge und Prävention, nicht nur der Zahngesundheit, nachhaltigste Projekt des Landes: Die Kariesprävention in Grundschulen. 80.000 Schüler und Lehrer in Asmara von der 1. bis zur 5. Klasse erhielten Zahnbürsten und Zahnpasta aus Deutschland. Biologielehrer übernahmen den Zahnputzunterricht in den Schulklassen. In den Folgejahren wird die Mundhygiene in die Lehrbücher aufgenommen, in den Schulen werden Zahnputzposter zur Anleitung der Zahnpflegemaßnahmen aufgehängt. Und ein Zahnmobil, das in Fellbach gebaut wurde, fährt von Grundschule zu Grundschule und einheimische Dental Therapists untersuchen die Kinder. „Heute wird an den Autobussen Werbung für Zahnpflege gemacht“, freut sich Dr. Würfel. „Und seit 2011 hat unser Zahnmobil sogar einen kleinen Bruder: das Hörmobil“. In diesen beiden Fahrzeugen sind mittlerweile Zahn-, HNO- und Augenärzte täglich unterwegs und untersuchen jährlich ca. 20.000 Schulkinder. 2018 feiert das Zahnmobil seinen 15. Geburtstag. Beeindruckend: Ein Zahnmobil aus Fellbach legt den Grundstein für Prävention und Gesundheitsvorsorge eines ganzen Landes!

Pilotprojekt. Das 2003 initiierte Pilotprojekt „Kariesprävention in Grundschulen“ wurde ab 2006 zum Dauerprojekt. „Danach beobachteten wir bei unseren Besuchen, dass das Gesundheitsministerium den präventiven Gedanken ausgeweitet hat“, erzählt Dr. Würfel. Reihenund Vorsorgeuntersuchungen fanden jetzt auch für Infektions-, Augenund Hautkrankheiten statt. Und aus eigenem Antrieb steuerte das eritreische Gesundheitsministerium mit dem Zahnmobil auch die Kindergärten an. „Wir haben ein Umdenken bewirkt und das macht mich sehr stolz“, sagt Dr. Würfel, der Eritrea inzwischen als seine „zweite zahnmedizinische Heimat“ bezeichnet. Bei der ersten Mundgesundheitskonferenz für Afrika, die 2004 in Nairobi stattfand, stritt man noch über den Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und Allgemeingesundheit. Eritrea nimmt eine Vorreiterrolle auf dem afrikanischen Kontinent ein und erreicht heute als einziges afrikanisches Land die Millennium- Ziele der Vereinten Nationen im Bereich Gesundheit. Der Besuch der eritreischen Gesundheitsministerin im April 2015 in Fellbach würdigt den Beitrag, den Fellbacher Zahnärzte dafür geleistet haben.

Kollegen, keine Besserwisser. Dr. Würfel ist kein „Einzelkämpfer“. Seit Beginn seines Engagements weiß er um die Unterstützung seiner Fellbacher Kollegen – die Freien Zahnärzte Fellbach. 1999 haben sich 28 Zahnärztinnen und Zahnärzte als eingetragener Verein zusammengeschlossen – eine rechtliche Form als Rahmen für fachliche Fortbildungen und das soziale Engagement wie z. B. die Unterstützung des EHD. Alle zwei Monate lädt der Vorsitzende Dr. Harald Jäckle zur Arbeitssitzung.

Die Zahnärzte des Vereins bemühen sich um Sachspenden für das Projekt, aus der jährlichen Altgoldaktion erhält das Eritrea Hilfswerk Deutschland immer einen Teil des Erlöses, der andere Teil kommt sozialen Projekten in Fellbach zugute. Mit dem Altgolderlös wird nicht nur der Container mitfinanziert, der mindestens ein- bis zweimal im Jahr nach Eritrea geschickt wird, sondern auch die Zahnbürsten, Zahnpasta und all die anderen Materialien, mit denen die Zahnkliniken ausgestattet werden.

Den größten Beitrag, den die Zahnärzte des Fellbacher Vereins für das Eritrea-Projekt leisten, ist jedoch die Aus- und Fortbildung der zahnärztlichen Kollegen vor Ort. „Wir helfen nicht nur beim Aufbau der Zahnkliniken, sondern behandeln mit den Kollegen vor Ort – wir wollen nicht anstelle der eritreischen Kollegen tätig sein, sondern mit ihnen“, unterstreicht Dr. Jäckle, den ein besonderes Verhältnis mit der zweiten 2010 in Massawa fertiggestellten Zahnklinik und den eritreischen Kollegen dort verbindet. „Wir sind nicht die Besserwisser, sondern Kollegen“, betont er. KFO-Fachmann in Eritrea ist Dr. Karl-Erich Stieven: Er war schon mehrmals vor Ort und hielt Workshops in Theorie und Praxis.

Heute gibt es in Eritrea mit seinen 6,3 Millionen Einwohnern 16 approbierte Zahnärzte – sie haben ein 5-jähriges Studium im eigenen Land abgeschlossen. Sie werden unterstützt von 30 Dental Therapists, die eine 2-jährige Ausbildung absolviert haben. Mindestens einmal im Jahr halten die Fellbacher Zahnärzte Vorlesungen und Workshops an der Dental School in Eritrea, der Ausbildungsstätte für den zahnärztlichen Nachwuchs: Füllungstherapie, einfache KFO … „Unser Wunsch ist es, dass die Kollegen ihren Beruf so ausüben können, wie sie es gelernt haben, nicht nur Extraktionen vornehmen und Notfälle behandeln“, sagt Dr. Würfel. Das Interesse, der Wissensdurst und die Dankbarkeit der eritreischen Kollegen entschädigen die Deutschen mehr als alles andere für ihren Einsatz.

mader@lzk-bw.de

Hier finden Sie den ausführlichen Bericht über das Projekt.

Zur Website Eritrea-Hilfswerk in Deutschland (EHD) e. V.

 

Apollonia-Preis der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe

 

Auszeichnung für Myanmar-Projekt

Ausgabe 12, 2016

Die Apollonia-Stiftung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe hat Mitte September in Münster das Myanmar-Hilfsprojekt von Studierenden der Universität Witten/Herdecke (UW/H) mit dem Apollonia-Preis ausgezeichnet. Seit 2008 engagieren sich Studierende für bessere zahnärztliche Versorgung in dem von Armut geprägten Land zwischen Thailand und Bangladesch. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

Seit 2008 haben immer wieder Studierende das Land bereist und in entlegenen Gebieten in Schulen und Waisenhäusern über Zahnpflege aufgeklärt. „Wir treffen auch heute noch immer wieder auf Kinder, die zum ersten Mal eine Zahnbürste in der Hand halten“, berichtet Dr. Mathias Benedix, der mit anderen Projektbeteiligten den Preis entgegennahm.

Beginn. Angefangen hatten 2008 Constanze Sauer und Georg Kirchner: „Mittlerweile sind 25 Studierende ihrem Vorbild gefolgt. Es ist schon etwas Besonderes, dass wir immer wieder Studierende finden, die neben ihrem sicher anstrengenden, forderndem und aufwendigen Studium dieses Engagement übernehmen“, freut sich Departmentsleiter Prof. Dr. Stefan Zimmer. Denn die gesamte Organisation, Durchführung und die Einwerbung von Spenden liegen in den Händen der Studierenden.

Myanmar. Das südostasiatische Land Myanmar ist vielen vor allem aufgrund der Menschenrechtsverletzungen durch die mehr als 50 Jahre andauernde Militärherrschaft und die schwere Flutkatastrophe von 2008 mit extrem hohen Opferzahlen bekannt. Die Studierenden treffen auf unvorstellbare Armut. Der Gesundheitszustand der Menschen ist allgemein nicht gut, bei den Zähnen aber oft katastrophal. In vielen Fällen sind nur noch Extraktionen möglich. Bei den Kindern jedoch können die Studierenden erste Prophylaxemaßnahmen erfolgreich anwenden. Die Krokodilpuppe Joe hat unzählige Male geholfen vorzumachen, wie man Zähne richtig putzt. Neben der richtigen Zahnputztechnik erklären die Studenten auch die besondere Bedeutung zahngesunder Ernährung. Zudem versorgen sie hunderte Kinder und deren Betreuer regelmäßig mit Zahnbürsten und fluoridhaltiger Zahnpasta. Ausgestattet mit mobilen dentalen Behandlungseinheiten und nötigen Materialien behandeln die Studenten auch und unterstützen die heimischen Zahnärzte.

Prophylaxemaßnahmen. Die regelmäßigen Einsätze und Prophylaxemaßnahmen zeigen große Wirkung: So haben die Studierenden des Myanmar-Projektes nachweisbare Erfolge bei der Mundhygiene und in der zahnmedizinischen Versorgung von Kindern erzielt. Sie haben das Bewusstsein für Zahngesundheit geschaffen und dazu beigetragen, eine solide Basis für eine zahnmedizinische Versorgung aufzubauen. Das Projekt wird von der Fördergemeinschaft Zahnmedizin der Universität Witten/Herdecke e. V., der Straumann GmbH, der Apobank-Stiftung, der Wittener Universitätsgesellschaft e. V., der Aktion Z – Altgold für die Dritte Welt der Kammern und KZVs in Baden-Württemberg sowie in Nordrhein sowie weiteren Spendern unterstützt.

Ralf Wagner, KZV Nordrhein, berichtete von der Preisverleihung dass Gesundheitsministerin Barbara Steffens sehr gut vorbereitet war und insbesondere auf die Initiative Aktion Z – Altgold für die Dritte Welt eingegangen sei, die in Baden- Württemberg und Nordrhein in den letzten Jahren viel Segensreiches für Menschen in den ärmsten Regionen der Welt leisten konnte.

UWH/IZZ

 

Behandlung von Menschen mit Behinderung

 

Das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun

Ausgabe 12, 2016

„Der zahnärztliche Alltag besteht nicht darin, täglich zwölf Implantate zu setzen, sondern wird in erster Linie durch die menschliche Begegnung geprägt. Die menschliche Begegnung kann wichtiger und erfüllender sein als jedes fachliche Highlight“. Das sagt Dr. Klaus Georg Haag an einem Abend im Wartezimmer seiner Praxis in Heilbronn. Er sagt es ruhig und bestimmt und blickt der Redakteurin dabei direkt ins Gesicht. Als kürzlich ein Artikel in der Heilbronner Stimme über Dr. Haag und seine Behandlung von schwerbehinderten Menschen erschien, stand sein Telefon nicht mehr still, so viele Anrufe von Patienten mit Terminwünschen erhielt er. Ein Grund für die ZBW-Redaktion, den Heilbronner Zahnarzt einmal in seiner Praxis zu besuchen.

Die Praxis von Dr. Haag liegt im Heilbronner Stadtteil Böckingen. Der Stadtteil ist, was die zahnmedizinische Versorgung anbelangt, ein eher kritischer Stadtteil. Im Bezirk Kreuzgrund ist Dr. Haag der einzige Zahnarzt. Er bezeichnet sich selbst als „Einzelkämpfer“ und ist sich bewusst, dass eine Einzelpraxis, wie er sie betreibt, zu den „aussterbenden“ Praxisformen gehört. Aber Dr. Haag ist in Böckingen verwurzelt. Er war Schüler in Böckingen, wie seine Kinder. Er ist zur Kirche gegangen, war Ministrant in der katholischen Kirchengemeinde, wie seine Kinder. Er hat sich in Jugendheimen engagiert, ebenso bei der Stadtranderholung. Während des Studiums arbeitete er im Hospiz- und Palliativdienst. Als er sich 1987 in Böckingen als Zahnarzt niedergelassen hat, war er im Stadtteil fest verankert und für die Bewohner Ansprechpartner und Vertrauensperson zugleich. Er kennt die Familien mit behinderten Kindern, hat sie über viele Jahre begleitet und ein Vertrauensverhältnis zu ihnen aufgebaut. „Es ist eine Arzt- Patienten-Beziehung, wie ich sie als Kind kennengelernt habe“, erinnert sich Dr. Haag, „als der Arzt noch alles wusste von seinen Patienten. Mit manchen Patienten verbindet ihn eine „Fast-Familienzugehörigkeit“.

Vertrauen. „Behindertenarbeit ist Vertrauensarbeit“, sagt Dr. Haag. Ist das Vertrauen zwischen Behandler und Patient erst einmal hergestellt, verläuft die Behandlung wie jede andere Behandlung. Entscheidend ist die Ruhe, die der Behandler ausstrahlt – viel sprechen, ruhig sprechen, mit Blickkontakt, auch zu den Bezugspersonen. Das benötigt Zeit. Zeit, die sich eigentlich nicht rechnet heutzutage. „Wir sind eine ganz normale Zahnarztpraxis, auch ich muss rechnen“, räumt Dr. Haag ein, „aber es gibt Patienten, da fällt dieses Denken unter den Tisch, es spielt keine Rolle mehr“. Und er berichtet von einer autistischen Patientin, die ihn zur Begrüßung herzlich umarmt, obwohl Autisten sonst keine Körperberührungen zulassen. Oder einem anderen Patienten, der nicht spricht, bei dem er aber kürzlich zwei Kronen präpariert hat, ohne Sedierung. Seine Patienten mit Behinderung bestellt Dr. Haag meistens über die Mittagszeit ein, „wir haben ein funktionierendes Recall-System“. Der Praxisablauf ist so organisiert, dass die Patienten immer die gleiche erste Bezugsperson vorfinden – die empfängt, den Behandlungsraum vorbereitet, die Vorlaufzeit überbrückt bis Dr. Haag ins Behandlungszimmer kommt. „Oftmals findet dann auch nur ein Gespräch statt“. Früher hat Dr. Haag auch in stationären Behinderteneinrichtungen behandelt, inzwischen schätzt er den Vorteil für die Patienten, wenn sie in seiner Praxis die gleiche Umgebung und die gleichen Personen vorfinden und er lässt die Patienten per Transportschein in seine Praxis zur Behandlung transportieren.

Christ sein und danach handeln. „Die Zuwendung zum Menschen ist mir wichtig und abends das Gefühl zu haben, etwas Sinnvolles getan zu haben“, mit diesen Worten beschreibt Dr. Haag die Motive seines Handelns. Sie gründen auf seinem tiefverwurzelten Glauben, seiner Zugehörigkeit zum Deutschen Orden und seinem Gelübde als geweihter Familiar.

Ende des Jahres steigt seine Tochter Viktoria in die Praxis ein. Die Praxis hat Dr. Haag in den vergangenen Monaten rollstuhlgerecht umgebaut. Er möchte mehr Patienten mit Behinderung behandeln – und weiß mit seiner Tochter die geeignete Behandlerin für diese Patientenklientel an seiner Seite.

mader@lzk-bw.de

 

Engagement für Flüchtlinge in Dornstadt

 

Krocki bei den Flüchtlingskindern

Ausgabe 12, 2016

Auf dem weitläufigen Gelände des Betreuungs- und Pflegezentrums in Dornstadt bei Ulm gibt es eine Gemeinschaftsunterkunft, in der auch viele Kinder unterschiedlichen Alters leben. Sie gehen zur Schule oder in die Dornstadter Kindergärten, wo die Prophylaxe- Fachfrauen der Arbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Stadtkreis Ulm und Alb-Donau-Kreis sie betreuen. Nun gibt es aber 20 bis 30 Kleinkinder, die noch gar nichts über Mundhygiene erfahren haben. Jeden Tag werden sie in einem Spielzimmer von Ehrenamtlichen betreut, aber das Thema Mundgesundheit steht bei den Geflüchteten verständlicherweise nicht im Vordergrund.

Auf Initiative des Kreisvorsitzenden der Zahnärzteschaft Alb-Donau- Kreis entstand gemeinsam mit der Koordinatorin der Dornstadter Flüchtlingsbetreuung die Idee, für diese Kleinkinder eine kindgemäße Anleitung zum Zähneputzen zu versuchen. Schnell konnte mit Silvia Laur von der Arbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Stadtkreis Ulm und Alb-Donau-Kreis eine kundige und engagierte Fachfrau gefunden werden, die sich sofort für diese Idee begeisterte und zusagte, diese Aktion auch ohne Honorar durchzuführen. Es gab keine Mittel der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit e. V. (LAGZ) dafür, allerdings stellte uns das Forum Zahngesundheit dankenswerterweise viel Material zur Verfügung: kleine Stofftaschen mit Zahnbürsten, Zahnpasta und Becher. Schließlich konnte mit der Koordinatorin ein Termin vereinbart werden: Am 11. August konnte es losgehen. Wir hatten keine Ahnung, wie viele Kinder kommen würden und ließen uns überraschen.

Zahnfee. Als wir auftauchten, waren ein paar Kinder samt Müttern und auch Väter da, die uns kritisch musterten. Die bunte Tasche mit den Utensilien zur Demonstration samt „Zahni und Krocki“ war den größeren Kindern aus der Schule bekannt. „Die Zahnfee kommt heute“ riefen sie begeistert und schnell kam eine bunt gemischte Gruppe von etwa 20 (gefühlt 50) Kindern zusammen. Die älteren Kinder übersetzten unaufgefordert, was ihnen am meisten gefallen hatte – Sprachschwierigkeiten konnten so schnell überwunden werden. Alles, was den Kindern erzählt wurde, konnte gleichzeitig durch Gegenstände oder Bilder veranschaulicht werden. Krocki war der große Renner und wurde heiß und innig geliebt. Jedes Kind durfte ihm die Zähne putzen, und da war gut zu erkennen, wer sich arg abmühen musste und wer schon mal eine Zahnbürste in der Hand hatte.

Reimen. Den Reim zum Zähneputzen nach der KAI-Methode wollten sie alle immer wieder hersagen, und sie lernten erstaunlich schnell: „Kauflächen: hin und her das ist nicht schwer – Außenflächen: rundherum das ist nicht dumm – Innenflächen: raus, raus, raus aus meinem Haus“. Zahni reimte, was das Zeug hielt.

Die ganze Aktion hat allen großen Spaß gemacht und wir freuten uns über die motivierten Kinder. Witzig war, dass die erst sehr kritischen Väter sich wie Kinder die Nase an den Fensterscheiben platt gedrückt und genauso gefreut haben. Das war eine ganz neue Erfahrung und das positive Feedback in den „Dornstadter Nachrichten“ hat uns gutgetan.

Dr. Horst Gebhardt, Silvia Laur

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