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Zu guter Letzt

Schrulliges Naturfoto

 

Der Waldschrat auf dem Eichenblatt

Ausgabe 12, 2016

Was man nicht alles auf einer Pflanze entdeckt: Zwei Augen, ein Mund und mikroskopisch kleine Wachskristalle, die dafür sorgen, dass das Eichenblatt stets sauber bleibt.

Was an das Gesicht eines verschlafenen Fabelwesens erinnert, ist in Wirklichkeit die Unterseite eines Eichenblatts, wenn man es durch ein hochauflösendes Elektronenmikroskop betrachtet. Die müden „Augen“ und der halboffene „Mund“ sind die sogenannten Spaltöffnungen im Blatt und regeln den Gasaustausch zwischen dem Inneren der Pflanze und der Umgebung.

Wachskristalle. Die Blattoberfläche ist überzogen mit mikroskopisch kleinen Wachskristallen. Diese verleihen der Oberfläche eine raue Struktur. Die Mikrokristalle sind dafür verantwortlich, dass das Blatt extrem wasserabweisende Eigenschaften – eine sogenannte Superhydrophobie – besitzt und sich wie ein Lotus-Blatt verhält. Da Regentropfen recht geringen Kontakt zur Blattoberfläche haben, perlen sie durch die besondere Kombination der Oberflächenstruktur und -chemie ab und nehmen dabei alle vorhandenen Schmutzpartikel mit. Es tritt eine Art Selbstreinigungsmechanismus auf. Dadurch können sich auch Schädlinge wie Läuse oder Pilzsporen nicht dauerhaft an das Blatt heften und werden bei einem Regenguss ebenfalls runtergespült.

Rasterelektronenmikroskop. Für die hier gezeigte Aufnahme wurde eine besondere Variante von Rasterelektronenmikroskopen verwendet. Damit lassen sich fragile Objekte aus der Natur, aber auch Gegenstände aus Kunststoff, Glas oder Keramik mit einer extrem hohen Auflösung von bis zu einigen Nanometern abbilden. Das abgelichtete Eichenblatt wurde von Marcus Koch vom Leibniz-Institut für Neue Materialien rasterelektronenmikroskopisch unter die Lupe genommen. Unter dem Titel „Neulich im Eichenwald“ hat es im Rahmen des Fotowettbewerbs „Nano-Bio-Momente“ den dritten Platz belegt.

Miray Caliskan

Fabelwesen. Das wasserabweisende Gesicht auf dem Eichenblatt (Abbildung oben).